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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
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Besser große Bäume, kleine Häuser, als umgekehrt

Fritz-Schuhmacher-Stiftung 1970

Laudatio für Professor Wilhelm Hübotter, Hannover, von Professor Dr.-Ing. Wilhelm Hofmann, Hannover

Die Stiftung F.V.S. ließ 1963 die Heinrich-Tessenow-Medaille prägen, die seitdem alljährlich zusammen mit den Fritz- Schumacher-Preisen verliehen wird, um, wie es in der Stif­tungsurkunde heißt,Persönlichkeiten auszuzeichnen, die in ihrem Lebenswerk wegweisend im Sinne Heinrich Tesse- nows gewirkt haben". Nach dem einstimmigen Beschluß des Kuratoriums wird heute zum ersten Male die Auszeichnung einem Gartenarchitekten verliehen Herrn Professor Wil­helm Hübott ^r, Hannover.

Wer Heinrich Tessenow kennt, weiß, daß seine Bauten ohne den Garten, ohne die Einbeziehung des Außenraumes nicht denkbar sind. Tessenow zeichnete Haus und Baum und Strauch mit der gleichen Sachkenntnis und Einprägsamkeit. Er dokumentierte damit die ihm selbstverständliche Einheit von Gebautem und Gepflanztem.

Tessenow sprach eine Generation an, die nach dem ersten Weltkriege in Not und Entbehrung ihren eigenen Weg su­chen mußte. Es war eine Generation, die den ihr aus der ge­schichtlichen Situation heraus gestellten Auftrag annahm, die lernte, das Leben auch in materieller Beschränkung zu meistern und es menschlich und geistig zu erfüllen. Eine Ge­neration also, die von einer sittlichen und sozialen Haltung erfüllt war, von einer Gesinnung, wie Tessenow sagte.

Hier lag die Wirkung seiner Lehre und hier schieden sich auch die Geister. Im Grundsätzlichen mußte die Uberein­stimmung liegen. Auf diesem Fundament wandte sich Tesse­now an die tätigen Fachleute und an die Studenten, an alle, die helfen konnten und wollten, die Aufgabe in ihrem Be­reich zu lösen und dafür auch den ihr gemäßen Ausdruck zu finden. Dazu gehörten dann die Architekten, die Möbelbau­er, die Formgeber der industriellen Produktion und nicht zu­letzt die Gartenarchitekten.

Sie, verehrter Herr Hübotter, haben den Geist der von Tes­senow angesprochenen Generation vorgelebt und ihn sicht­bar gemacht in Ihrem umfangreichen Lebenswerk. Ihre be­sondere Liebe und Aufmerksamkeit gehörte dem Hausgarten mit Hausplatz und Baum, Pflanze, Zaun und Weg. Alle Teile sorgfältig gestaltet zu einem Ganzen, zur unverwechselbaren Heimat und Geborgenheit für den Menschen.

Aus der großen Zahl der Projekte möchte ich Ihre Mitwir­kung an dem Wiederaufbau von Helgoland nennen. Für Sie

als Gartenarchitekt schien diese Aufgabe kaum Entfaltungs­möglichkeiten zu bieten. Das Klima Helgolands mit seinen Stürmen läßt ohne besondere Maßnahme keinen Baum auf­kommen. Bei der verlangten Dichte der Bebauung blieben nur winzige Hausgärten und enge Straßen übrig. In den er­sten Jahren war auch kaum etwas von der Tätigkeit eines Gartengestalters zu sehen. Heute, nach 15 Jahren, ist das Sa­menkorn für alle sichtbar aufgegangen. Es war Ihnen gelun­gen, unter extremsten Bedingungen diese Siedlung mit Hun­derten von Bäumen zu durchgrünen und den Charme der Helgoländer Häuser mit lebendiger Natur zu verbinden.

Sie, lieber Herr Hübotter, schildern eine frühe Begegnung mit Tessenow, eine für Sie schicksalhafte Begegnung. Sie bestimmte Ihre Berufswahl dank Ihrer wunderbaren Gabe des Zeichnens, die Sie mit Tessenow gemeinsam haben.

Gemeinsames hat auch der Berufsweg, der über Handwerk und Lehre, über Wanderjahre und über bedeutsame beruf­liche und persönliche Begegnungen zum eigenen schöpferi­schen Wirken führte.

Einen bemerkenswerten Beitrag leisteten Sie für die Ausbil­dung junger Gartenarchitekten. Sie waren Mitinitiator der Gründung der Gartenbauhochschule in Hannover zusammen mit Professor Wiepking. Es gelang Ihnen 1945, Ministerprä­sident Kopf von dem Gründungsplan zu überzeugen.

Sie wurden Honorar-Professor an der Fakultät für Garten­bau. In dieser Eigenschaft hielten Sie eine vielbeachtete Vortragsreihe, in der Sie die Arbeiten befreundeter Kollegen aus ganz Europa, aus Ost und West, den Gartenbaustuden­ten vermittelten. Ihnen wurde dafür später in Dresden die Martin-Pietzsch-Plakette verliehen, die ihre Träger für au­ßergewöhnliche Berufskameradschaft auszeichnet.

Nicht vergessen darf ich eine begehrte Ausbildungsstätte, Ihr Büro, das im Laufe von 46 Jahren viele junge Gartenar­chitekten prägte, die mit Stolz an die Mitarbeit und an die gewonnenen Erfahrungen zurückdenken.

Mit der Ehrung durch die Heinrich-Tessenow-Medaille wird heute vor allem ein Dank ausgesprochen, Ihnen persönlich, lieber Herr Hübotter, als unermüdlichen Streiter für Mensch­lichkeit und Gerechtigkeit, für das Wahre und Einfache. Im­mer wieder bewiesen Sie im Laufe Ihres Lebens, in Ihrem Werk, in Wort und Tat, wie wir den zerstörenden Kräften, die unsere Welt bedrohen, begegnen müssen. Das erfüllt uns mit Dankbarkeit und Zuversicht.

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