Verhältnis Stadtfläche zu Einwohnerzahl: Mit 1,2 Millionen Einwohnern ist München heute fünfmal so groß wie Lübeck, das über 240 000 Einwohner verfügt. Die vorhandene Stadtfläche ist mit 31 000 ha jedoch nur eineinhalbmal so groß wie diejenige von Lübeck, die 20 000 ha beträgt. Damit ergibt sich eine durchschnittliche Einwohnerzahl je Hektar in München von 40 E/ha und in Lübeck von 12 E/ha. Somit ist die Be- siedlungsdichte bereits erheblich höher als diejenige der Stadt Hamburg mit 25 E/ha. Sie ist vergleichbar mit der Be- siedlungsdichte in den Städten des Ruhrgebiets Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen und derjenigen von Berlin-West.
Wandlungen im Stadtgefüge
In den letzten Jahren ist für München eine zunehmende Verlagerung des Bevölkerungszuwachses auf das Umland festzustellen. Innerhalb der Stadtgrenzen können nur noch rund 300 000 Menschen aufgenommen werden, wie eingehende Untersuchungen ergeben haben. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß bis zum Jahre 1990 eine weitere Zunahme des schon eingetretenen stärkeren Wachstums im Umland gegenüber dem Stadtkern stattfinden wird.
Dagegen sind ständig wachsende Bevölkerungsverluste in der Innenstadt zu verzeichnen. Von 1939 bis 1963 ist über die Hälfte der früheren Citybewohner durch Ausweitung der Arbeitsstätten unter Inanspruchnahme ehemaligen Wohnraumes verdrängt worden. Dieser unaufhaltsam fortschreitende wirtschaftliche Strukturwandel führte zu einer starken Konzentration der Arbeitsplätze des tertiären Erwerbssektors in der Innenstadt. In diesem Bereich gab es noch im Jahre 1939 rund 440 000 Arbeitsplätze, die im Jahre 1962 auf 650 000 Arbeitsplätze angestiegen sind. Die Anzahl hat sich mithin in 23 Jahren um 48 Prozent erhöht. Davon befinden sich etwa 13 Prozent in der City. Der größte Teil gehört dem sogenannten Dienstleistungssektor an, der bekanntlich erheblich verkehrsintensiver als der sekundäre Bereich der industriellen und gewerblichen Wirtschaftszweige ist.
Verkehrsprobleme
Die im Zuge der fortschreitenden Arbeitsteilung zunehmende Trennung von Wohn- und Arbeitsort erzeugt fortlaufend neue Verkehrsbedürfnisse zwischen dem Stadtrand bzw. zwischen dem Umland und der Innenstadt. Diese Verkehrsbeziehungen finden ihren Ausdruck in rasch steigenden Pendlerzahlen. So konnte festgestellt werden, daß im Jahre 1939 lediglich 13 000 Pendler täglich von außerhalb nach München zur Arbeit fuhren. Dagegen fuhren im Jahre 1962 bereits rund 100 000 Pendler täglich nach München und nur 10 000 von München nach außerhalb. Hinzu kommen 450 000 Berufstätige, die innerhalb des Stadtgebietes von Stadtteil zu Stadtteil fahren, um den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zurückzulegen.
Die Motorisierung hat dementsprechend zugenommen. Vor dem Kriege besaß jeder 13. Münchner ein Auto, 1962 jeder fünfte, und 1990 wird jeder dritte Münchner ein Auto besitzen. Damit dürfte die Vollmotorisierung wahrscheinlich erreicht sein. Über die Hälfte aller Münchner Autobesitzer fahren mit dem eigenen Pkw von und zur Arbeit. Bei den außerhalb wohnenden Berufstätigen dürfte der Prozentsatz noch höher liegen. Von den außerhalb der Stadtgrenzen wohnenden Beschäftigten kamen vor dem Kriege zwei Drittel mit der Bahn und ein Drittel mit dem Auto. Heute kommen ein Drittel mit der Bahn und zwei Drittel mit dem Auto. Eine angemessene Beschränkung des Individualverkehrs durch Verlagerung des Berufsverkehrs auf das Massenverkehrsmittel der im Ausbau befindlichen U-Bahn ist daher eine unausweichliche Konsequenz, die sich vor allem für die dicht bebaute Kernstadt ergibt.
Es besteht bekanntlich eine enge Wechselbeziehung zwischen dem Grad der Motorisierung und dem Flächenbedarf für den fließenden und ruhenden Verkehr. Durch die zunehmende Motorisierung und anhaltende Konzentration der
Arbeitsstätten in der Innenstadt wächst der Flächenbedarf hier im besonderen Maße. Der mit dem Auto zur Arbeit fahrende Berufstätige benötigt gegenüber dem Benutzer des Massenverkehrsmittels ein Vielfaches an Fläche. Ein Verkehrsteilnehmer in der Straßenbahn erfordert 1,2 qm VFL; ein Verkehrsteilnehmer im Auto benötigt 30 qm VFL, also das 25fache an Fläche. Hinzu kommt der Flächenverbrauch für den Parkplatz, der in der Innenstadt keinesfalls zu beschaffen ist, wenn die bauliche Substanz erhalten werden soll.
Grundkonzept für die Ordnung der baulichen Entwicklung und Lösung der Verkehrsprobleme
Leitgedanke der Gesamtplanung ist die Forderung nach konsequenter Verknüpfung von Bauleitplanung und Verkehrsplanung zu einer Einheit. D. h. der wechselseitigen Abhängigkeit von Bebauungsdichte und Verkehrsdichte ist bereits bei der Planung in sinnvoller Weise Rechnung zu tragen. Bandartige Entwicklung der Siedlungsflächen entlang den Trassen der Massenverkehrsmittel und Bildung von Siedlungsschwerpunkten im Umkreis der Haltestellen sowie der Ausbau zentraler Standorte in verkehrsgünstiger Lage sind Folgeerscheinungen einer derartigen Planungskonzeption.
Konkrete Folgerungen für das Planungskonzept Münchens
Die Planung empfiehlt eine maßvolle Begrenzung der baulichen Nutzung der Innenstadt und die bewußte Förderung der Bildung von Nebenzentren in den Außenvierteln. Sie setzt sich für die Erhaltung des überlieferten historischen und architektonisch wertvollen Bildes der Innenstadt ein und fordert den planmäßigen Ersatz von Grünflächen, wo diese dem Verkehr geopfert werden müssen.
Der Gesamtverkehrsplan geht davon aus, daß das Verkehrsbedürfnis der Innenstadt in erster Linie durch das Massenverkehrsmittel befriedigt werden soll. Es ist mit allen dazu geeigneten Mitteln in seiner Leistungsfähigkeit zu steigern und zu dem Zweck von vornherein als Untergrundbahn-Netz auszubauen.
In der Altstadt ist ein zusammenhängendes System zentraler Fußgängerbereiche auszuweisen. Die Fußgängerbereiche sollen von den Massenverkehrsmitteln aus möglichst durch unmittelbaren Zutritt zu erreichen sein. Zur Entlastung der Altstadt vom Durchgangsverkehr und zwecks Bedienung der Altstadt durch Wirtschaftsverkehr sind der „Altstadtring" auszubauen und der „mittlere Ring" im Ausbau weiter zu fördern. Ferner soll ein System von weiteren Tangenten und den radialen Ausfallstraßen, das an seinen Hauptknotenpunkten Zug um Zug kreuzungsfrei auszubilden ist, im Verein mit den Autobahnen und Schnellstraßen dem Ablauf des wachsenden Kfz-Verkehrs dienen. In der Nähe des Altstadtringes und an den Endpunkten des Massenverkehrssystems sind ausreichende Parkgelegenheiten einzurichten.
Die Anzahl der Parkplätze in der Innenstadt muß im angemessenen Verhältnis zur Leistungsfähigkeit der Zufahrtstraßen stehen. Bei Erhaltung der Bausubstanz der Innenstadt können dementsprechend folgende Flächen für Kfz-Parkstän- de zur Verfügung gestellt werden: 1. in der Altstadt für etwa 8000 bis 10 000 Kfz, 2. in übrigen Geschäftsbereichen für etwa 13 000 Kfz, 3. in der gesamten Innenstadt für etwa 71 000 Kfz.
Verwirklichung der Konzeption
Die Durchführung der Planung ist mit großer Tatkraft in Angriff genommen worden. Die künftigen Fortschritte hängen wesentlich von drei Faktoren ab: 1. von der Planungskapazität, 2. von der Leistungsfähigkeit der Baufirmen (Münchens Umsatz der Bauindustrie steht zur Zeit an erster Stelle unter den Großstädten der BRD), 3. von der finanziellen Kraft der