sollte auch für die Bundesrepublik ernsthaft ins Auge gefaßt werden. Kein geringerer als Konrad Adenauer hat übrigens zu dieser Frage schon in den zwanziger Jahren einmal gesagt:
„Wir sind die erste deutsche Generation, die Großstadtleben wirklich durchlebt hat. Das Ergebnis kennen Sie alle. Wir leiden nach meiner tiefsten Überzeugung in der Hauptsache in unserem Volk an der falschen Bodenpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Ich betrachte diese falsche Bodenpolitik als die Hauptquelle aller physischen und psychischen Entartungserscheinungen, unter denen wir leiden. . .. Die bo- denreformerischen Fragen sind nach meiner Überzeugung Fragen der höchsten Sittlichkeit."
5. Schließlich brauchen wir mehr Geld lür die öllentlichen Investitionen im allgemeinen und die kommunalen Investitionen im besonderen. Spätestens seit Galbraith Arbeit über die „Gesellschaft im Überfluß" wissen wir, daß sich die Schere zwischen privatem Wohlstand und öffentlicher Armut immer weiter öffnet und welch verheerende Folgen dieses Mißverständnis vor allem in den hochentwickelten Industrienationen schon jetzt ausgelöst hat. Sein Bericht von der amerikanischen Familie, die am Wochenende ihr lilakirschrotes, automatisch geschaltetes, automatisch gebremstes, mit raffinierter Luftheizung und -kühlung ausgestattetes Auto aus der Garage holt, um einen Ausflug zu machen, durch Orte mit schlecht gepflasterten und ungereinigten Straßen, verfallenen Häusern, scheußlichen Reklameschildern und Hochspannungs- oder Telegrafenmasten, deren Leitungen man längst schon unter die Erde hätte verlegen müssen, fährt, in eine Landschaft hinauskommt, die man vor lauter „Werbe„kunst" einfach nicht mehr sieht, die am Ufer eines verdreckten Flusses die köstlichen Konserven aus der transportablen Kühlbox genießt, dann auf einem Parkgelände, das für Volksgesundheit und öffentliche Moral eine Gefahr ist, übernachtet und sich, kurz bevor sie auf ihren Luftmatratzen unter dem Dach ihres Nylonzeltes, umgeben von dem Gestank faulender Abfälle, einschlummert, vage Gedanken über die seltsame Unterschiedlichkeit ihrer Genüsse macht, gehört mit zum Anschaulichsten, was zu diesem Problem bisher gesagt worden ist.
Wer dieser Fehlentwicklung steuern will, muß gerade die Investitionskraft, das heißt aber die Finanzkraft der Städte stärken. Denn von ihren Einrichtungen und Baumaßnahmen hängt die tägliche Wohlfahrt, das tägliche Wohlbefinden unserer Mitbürger in erster Linie ab. Ohne eine solche Stärkung der kommunalen Finanzkraft, das heißt aber, ohne die längst überfällige Finanzreform, bleiben all unsere Pläne Makulatur und ertrinken wir in der Papier-, Piastik- und Blechflut einer Wohlstandszivilisation. Übrigens ist die
Finanzreform auch ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft. Kaum etwas stabilisiert die wirtschaftliche Entwicklung so sehr wie ein kontinuierlicher Strom kommunaler Investitionen und kaum eine andere Investition trägt gesamtwirtschaftlich gesehen ähnlich hohe Zinsen wie der Schul- und Straßenbau und der Ausbau unserer Ver- und Entsorgungseinrichtungen. In jüngster Zeit ist das Wort von der sozialen Symmetrie in Schwung gekommen. Man sollte ihm das Wort von der Symmetrie der privaten und der öllentlichen Investitionen an die Seite stellen.
Es würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen, wenn ich auch nur die Grundzüge der Finanzreform darstellen wollte. Nur soviel möchte ich sagen: Das Beispiel der Mineralölsteuererhöhung zeigt, daß unsere Mitbürger auch zu höheren Steuerleistungen bereit sind, wenn
• ihnen die Wahrheit gesagt und ihnen
• die Gewähr gegeben wird, daß die höheren Leistungen unmittelbar für höhere Investitionen verwendet werden.
Ausblick
Zu Beginn meines Vortrages habe ich die Frage aufgewor fen, ob wir nicht in einer Periode leben, in der sich das Wesen der Stadt von Grund auf verändert. Wenn ich jetzt am Ende meines Vortrages auf diese Frage eine Antwort zu geben versuche, so kann sie nicht in einem einfachen Ja oder Nein bestehen. Ich meine vielmehr, wir haben eine Chance, auch in der Zeit rapiden Wandels dem Trend zum Schlechteren zu begegnen und den Ansprüchen an die Stadt zu genügen. Wir könnten das Wesen der Stadt als Nährboden intensiverer geistiger und materieller Leistungen, als Ort gesteigerter Lebensintensität und eines höheren Lebensgefühls, kurzum als einer Institution bewahren, in der sich die Mannigfaltigkeit menschlicher Strebungen reich entfaltet und zu einer neuen Harmonie verbindet. Wir könnten — so meine ich, wenn wir erkennen, daß auch diese Institution ihren Dienst nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit eines Automaten leistet, sondern immer wieder neu durchdacht und neu konzipiert werden muß, wenn wir die Möglichkeiten, die uns zu Gebote stehen, entschieden nutzen und wenn wir vor allem dafür sorgen, daß unser Thema, das Thema „Stadt" auf der Tagesordnung der nationalen und internationalen Politik endlich an eine zentrale Stelle rückt. Denn die Zukunft der Menschheit liegt nicht im Weltraum und nicht in der atomaren Auseinandersetzung mit interkontinentalen Raketen, sie liegt nicht in den Dschungeln, Meeren und Wüsten — Nein! Die Zukunft der Menschheit liegt in den Städten, und es wird nur in heilen Städten eine hoffnungsvolle Zukunft sein.
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