dung von Mitteln an andere gemeinnützige Unternehmen mit ähnlichen Zielen und die Beteiligung an solchen Unternehmen sind eingeschlossen. Die Aufgaben des Vereins erstrecken sich über das gesamte bremische Stadtgebiet, unterteilt in fünf Stadtabschnitte Nord, Süd, West, Ost, Stadtmitte und auf die mit Bremen landschaftlich, wirtschaftlich und siedlungsmäßig verbundenen Stadt- und Landkreise an beiden Seiten der Weser zwischen dem Raum Verden und der Wesermündung.
I. Allgemeine städtebauliche Aufgaben
1. Universität in Bremen
Vor wenigen Wochen ist an alle verantwortlichen Persönlichkeiten die kleine Denkschrift „Universität Bremen — ein Beitrag zur Planung und Gestaltung" herausgegangen. Unsere Forderungen für den Wettbewerb lauten:
• Eingliederung der Universität in die Region,
• Verbindung der Universität mit der Stadt,
• Einordnung des Universitätsgeländes in die Landschaft,
• Gesamtbebauungsplan für das Universitätsgelände und
• die im Zusammenhang mit der Universität zu entwik- kelnden Wohngebiete.
Hoffen wir zuversichtlich, daß die gegebenen Anregungen im Interesse der Universität und auch im Interesse unserer Stadt Beachtung finden.
2. Landesplanung
In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder unsere Bedenken angemeldet, daß die Landesplanung und Raumordnung hier an der Weser von Verden bis zur Wesermündung nicht nur von den Planern in Bremen und Hannover ohne die Beteiligten erfolgen sollte. Wann wird man endlich den Landesplanungsverband, wie z. B. an der Ruhr, um Hamburg, Hannover, München und um Frankfurt u. a. m. vorbereiten und gründen? Wann wird eine echte Mitarbeit aller Beteiligten möglich?
Auf der letzten Hauptversammlung begründeten wir unsere Forderung nach dem Planungsverband mit Worten des langjährigen Leiters des Ruhrsiedlungsverbandes Dr.-Ing. Umlauf. In diesem Jahr will ich zwei Bemerkungen zitieren aus dem Buch „überall ist Babylon" von Wolf Schneider. „Von 1950 bis 1958 stieg die Einwohnerzahl der amtlichen Stadtbereiche in den USA um 4,3 Prozent, die der Vorortgürtel um 44 Prozent."
Er zitiert dazu den Berliner Stadtplaner Karl Otto: „Stadt und Landschaft könne nur in Einklang gebracht werden, wenn d&r Planungsraum sich — über das Stadtgebiet hinaus ■— auf einen größeren Lebensraum, auf ein wirtschaftlich und geographisch einheitliches Gebiet erstreckt, in dem die Interessen des Landes und die der Stadt gleichrangig gewertet werden. Die neue Stadt darf daher nicht nur von innen nach außen —■ bodengierig wie bisher — geplant werden — es muß vielmehr eine Planung von außen nach innen wirksam werden."
3. Pendler und Verkehrswege
Der in unserer Stadt sehr oft vertretene Standpunkt, daß die täglich nach Bremen einpendelnden Berufstätigen früher oder später eine Wohnung in der Stadt suchen, ist falsch. Nur ein kleiner Teil hat diesen Wunsch. Der Pendler in allen Einzugsbereichen der Städte auf der Welt sucht in erster Linie gute Verkehrsverbindungen. Er will seine Wohnstätte, seinen Besitz, sein Heim in der Umgebung der Stadt nicht aufgeben. Er erwartet aber mit Recht gute Verkehrsverbindungen. Hier liegt in erster Linie eine Aufgabe der Raumordnung, und nicht eine des Wohnungsbaues.
4. Untersuchungen
Für die TH Hannover führen wir zur Zeit eine Ermittlung zur Beschäftigtendichte durch, die auch an anderen Orten erfolgt.
Es gilt, die Zahl der Beschäftigten, bezogen auf ein Hektar genutzte Fläche, festzustellen. Die Beschäftigtendichte verändert sich infolge der fortschreitenden Motorisierung und Automation erheblich:
22
Menschen werden durch Maschinen und Automaten ersetzt, der „mechanisierte" und „automatisierte" Betrieb benötigt mehr Fläche,
die Bedienung des Betriebes durch Kraftfahrzeuge und die Unterbringung der Fahrzeuge der im Betrieb Beschäftigten und der Besucher erfordern Fläche,
die Beschäftigtendichte je Hektar Nutzfläche nimmt deshalb bei den meisten Betrieben ab.
Neue zuverlässige Daten liegen aber noch nicht vor.
Das Ergebnis dieser Untersuchung wird sicherlich interessant sein für das Planen der kleinen und großen Lebensräume für Wirtschaft und Verwaltung.
5. Teerhof
Die städtebauliche Gestaltung dieses Raumes hat in den letzten Wochen die Gemüter unserer Stadt erregt. Die Aufbaugemeinschaft selbst hat die Diskussion ausgelöst, weil sie in Sorge war, daß eine ihr bekanntgewordene Planung einseitig ohne eine öffentl. Diskussion Wirklichkeit werden könnte. Der städtebauliche Raum — Teerhof — zwischen Hist. Neustadt und Altstadt ist aber von so besonderer Bedeutung, daß man nicht den ersten Entwurf als den endgültigen bezeichnen sollte.
Die Forderung der Aufbaugemeinschaft bleibt wie bekannt:
1. Durch einen städtebaulichen Wettbewerb zu klären, wie der Aufbau zwischen der vorhandenen Bebauung Kaffee- Schilling und der genehmigten Bebauung Herrlichkeit — „Zentrum des Versicherungsgewerbes" ■— möglich ist.
2. Ein Verkehrsgutachten muß aufzeigen, welche Bebauung im äußersten Fall von der Verkehrsseite her zugelassen werden kann!
3. Wie hoch sind die zumutbaren Folgekosten für die Stadtgemeinde?
Die Idee mag sicher gut und bewundernswert sein, aber man sollte sie nicht bereitwillig gleich als die beste und einzige Lösung ansehen. Unserer Stadt möge bewahrt bleiben daß dieses sogenannte „Manhattan" ungeprüft auf dem Teerhof entsteht.
Meine Ablehnung gegenüber diesem Bauvorhaben darf ich aus Sorge für unsere Stadt unterstreichen mit wenigen Worten von Wolf Schneider, z. B.:
„Eine 60 Meter hohe Statue sollte eigentlich schon 1935 den ,Palast der Sowjets' krönen, einen von Stalin iür Moskau geplanten babylonischen Turm, der mit 415 Metern das höchste Bauwerk der Erde geworden wäre. Er wurde nie gebaut."
„Will man jedoch auch im Stadtkern Hochhäuser bauen, so steht man vor der Entscheidung, ob dieser Kern historische Türme und Kuppeln enthält, die es wert sind, in ihrer Wirkung nicht beeinträchtigt zu werden. Das ist eine Frage des Geschmacks oder vielleicht auch der Bescheidenheit.
Uber eines aber kann man sich wohl einigen, solern man weiter im Schatten einer Kathedrale leben will — (z. B. Martini, Dom) — dart man nicht zulassen, daß Hochhäuser in ihrer Umgebung ihr an Höhe nahekommen. Man muß die Wohn- und Bürotürme an den Rand der Stadt verweisen oder sie als Trost denjenigen Städten gönnen, die keinen Dom haben."
Den Planern eines Manhattan auf dem Teerhof bleibt sicherlich der Dank dafür, uns aufgezeigt zu haben, was auf dem Teerhof im Interesse unserer Stadt nicht geschehen sollte. Nur über einen echten städtebaulichen Wettbewerb, eingeschlossen das Verkehrsgutachten und die haushaltsmäßige Untersuchung, muß geklärt werden, was zu bauen auf dem Teerhof verantwortet werden kann. Hoffen wir, daß die Verantwortlichen das alte bremische Wort nicht außer Betrachtung lassen:
„Bremen wäs bedächtig, lat nicht mehr tau du seies ihrer mächtig."