Leitgedanken zum Entwurf:
Der Verfasser geht von zwei Thesen aus:
1. Dem hohen Wohnwert ebenerdiger Einfamilienhäuser als städtischer Wohnform und einer entsprechend "starken Nachfrage.
2. Den großen wirtschaftlichen und gestalterischen Vorteilen der schlüsselfertigen Errichtung eines Wohnviertels durch einen „Generalunternehmer".
Im Verlauf der Arbeit am Bebauungsplan entstand der Gedanke, die Einfamilienhäuser in vier Quartieren anzuordnen. Dazwischen bilden baumbestandene Grünadern ein Kreuz, in dessen Mittelpunkt ein Kinderspielplatz angeordnet ist. In jedes dieser Quartiere wird eine Stichstraße geführt: bei der vorhandenen Umrandung des Gebietes mit Straßen üblicher Form eine gleichermaßen sparsame wie der Wohnruhe dienende Form der Erschließung. Hinter der Wendefläche jeder Stichstraße ist in jeder Gruppe ein kleiner gepflasterter Platz angelegt, der Anschluß an die baumbestandene Rasenfläche mit dem Kinderspielplatz hat. Dieser kleine Platz ist der größte in einer Folge von Quartierhöfen, die zum Teil gepflastert, zum Teil bepflanzt sind und um die die einzelnen Wohnhäuser so angelegt sind, daß jedes auch eine halböffentliche Seite dorthin erhält. Jedes Haus hat außerdem einen privaten, gegen fremden Einblick geschützten Wohnhof erhalten. Die gepflasterten Quartierhöfe können gelegentlich befahren werden; in der Regel endet aber der Autoverkehr durch die Anordnung der Garagen und Einsteilplätze in den Rand- und Stichstraßen, ist also den Wohnungen ferngehalten. Eine Entfernung von 50 m von der Straße bis zum letzten Haus ist nirgends überschritten.
Für das ganze Quartier ist eine Sammelheizung vorgesehen. Durch den Wegfall der privaten Brennstoffanlieferung unterstützt diese Annahme auch das Erschließungskonzept.
Von besonderer Bedeutung für ein Projekt dieser Art ist eine geeignete Trägerschaft, welche die verschiedenen Arbeitsgänge im Hoch- und im Straßenbau im Sinne der hier dargestellten Wohnvorstellungen koordiniert und durchführt. Die fertig hergestellten Wohneinheiten können entweder reprivatisiert oder auch vermietet werden. Dann bliebe auch die Unterhaltung der Quartierhöfe beim Träger.
Die Haustypen
Der Verfasser geht davon aus, bei dem Entwurf der Haustypen für ein Quartier, u. U. sogar für das ganze Gebiet, nur drei Grundformen (A, B, C) zu verwenden. Die Zugänge zu den Häusern sind in der Regel auf die Ost- und Westseite beschränkt. Die drei Grundformen sind auf Grundstücken von 300 qm entwickelt. 80°/o aller Parzellen haben diese Größe.
Jede der drei Grundformen kann entweder erweitert oder mit geringfügigen inneren Änderungen auf eine andere Nutzung umgestellt werden. Hierzu sind gewisse Voraussetzungen bei Anlage der Installation und bei den Konstruktionen von vornherein zu berücksichtigen. Der Generalunternehmer kann damit bei den drei Typen und ihren Variationen etwa 10 bis 12 verschiedene Wohnungen von vornherein anbieten. Dieses Angebot wird für ausreichend gehalten, um die in dem erwarteten Bewohnerkreis am häufigsten wiederkehrenden Wünsche zu erfassen. Auf Grund der hier vorgenommenen Auswahl aus der Vielfalt der Möglichkeiten in der Typenentwicklung dürften Möglichkeiten für eine Serienanfertigung von Bauteilen bestehen. Es kommt hier aber nicht so sehr
darauf an, ein Musterbeispiel für Vorfabrikation zu geben. Vielmehr soll das wandelbare Haus gezeigt werden unter Zugrundelegung einiger als typisch erkannter Wohnwünsche.
Da den einzelnen Bewohnern für eine persönliche Gestaltung ihrer Wohnung noch viel Spielraum bei Möbeln, Farben, Gartenanlagen bleibt, kann in dieser Art Einschränkung keine Beeinträchtigung des Wunsches nach individuellem Wohnen gesehen werden. Dafür wird ein beträchtlicher Teil an Planungsarbeit gespart und die Bauausführung vereinfacht.
Die Möglichkeit für Erweiterungen oder Veränderungen auch zu einem späteren Zeitpunkt ist gegeben. Ihre Durchführung jedoch sollte in einer Hand bleiben. Voraussichtlich würden spätere Veränderungen als Einzelanfertigungen vor sich gehen müssen und deshalb nicht die Kostenvorteile haben, die bei einer gemeinsamen Bauaktion anfangs bestehen. Aber auch dann enthält der Gedanke der wandelbaren Wohnung wertvolle Vorteile: Die Anpassungsmöglichkeit an die im Laufe der Jahre sich ändernden Bedürfnisse der Familie und nicht zuletzt die für eine junge Familie wertvollen Ersparnisse, die ein stufenweiser Ausbau nach einem entsprechend angelegten Plan bringt.
Weiterhin hat sich der Verfasser bemüht, dem vielfach vorhandenen Bedürfnis nach Geräumigkeit auch auf kleinen Grundstücken nachzukommen. Mit Hilfe von Glaswänden, die an bestimmten Stellen angeordnet sind, versucht er, die Räumlichkeit der Wohnung über das Hausinnere hinaus in den Wohnhof auszudehnen. Die Glaswände vermitteln einem im Innenraum befindlichen Betrachter den Eindruck räumlicher Weite. Anhand des abgebildeten großen Grundrisses wird die räumliche Absicht deutlich, die in ähnlicher Form auch bei den anderen Typen verfolgt wurde: Von der Diele aus reicht der Blick von der östlichen bis zur westlichen Hofmauer.
Unterhaltung der Quartierhöfe
Die vorgeschlagenen Quartierhöfe sollen nicht der Öffentlichkeit „zur Last fallen", sondern sind als Gemeinschaffseigentum der anliegenden Bewohner gedacht. Im Falle einer Übereignung der Grundstücke - wie bei mehreren Quartieren für die Beamten und Angestellten angenommen - wird eine gemeinsame Parzelle der Anlieger gebildet. Bei einer Vermietung der Wohnungen, z. B. an die Angestellten der Bundesforschungsanstalt, würden die Unterhaltung und Bepflanzung der Höfe Bestandteil der Miete sein. Allerdings sollte den Bewohnern dabei die Möglichkeit eingeräumt werden, eigene Wünsche zu verwirklichen.
Vorbilder für derartige Vereinbarungen über gemeinsamen Besitz sind u. a. bereits im 19. Jahrhundert entstandene Wohnanlagen in Bremen und die aus solchen Anlässen gebildeten Mietervereinigungen in England.
Wert städtebaulicher Mittel für die Erscheinung des Ganzen
Der Plan zeigt, wie durch die Verwendung städtebaulicher Mittel — starke räumliche Differenzierung und weitgehende Verschmelzung der eingeschossigen Häuser mit den Gartenanlagen - trotz der großen Zahl gleichgroßer Grundstücke und der vielfachen Wiederholung gleicher Einzelteile von einer Gefahr der Monotonie nicht gesprochen werden kann. An dem Beispiel wird die Bedeutung des Bebauungsplanes sichtbar. Sie nimmt zu, wenn wie hier das Detail der Gebäude als Ausdrucksmittel zurücktritt.
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