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Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
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33. An seine Schwester.

Karema, 29. April 1883.

.... Es ist heute wieder so ein stiller, heißer Sonntags­nachmittag, an dem man das Gesinge und Geschrei der heute feiernden, sonst stets an den immer wieder der Reparatur bedürftigen Gebäuden der Station arbeitenden Leute nicht hört. Die Schatten der drei Bäume, die ich zwischen den grauen Mauern des Tembe durch die geöffnete Thür meines Zimmers sehen kann ein Papaya-, ein Citronen- und ein Granatbaum, alle mit Früchten, auch Blüten beladen werden länger und länger, und wieder rückt langsam ein langweiliger Avend heran, an dem ich thatenlos im Bett liege, bis ich um 8V2 Uhr das Licht auslösche. Indeß kommt vielleicht heute Abend Reichard von seiner ersten Ueberfahrt über den Tanganjika zurück und vertreibt mir die Zeit mit Erzählung seiner Erlebnisse und damit, wie es drüben am Fuße der blauen, nun schon so lange sehnsüchtig angeschauten Berge von Marungu aussieht. Wie lange wird es noch währen, bis auch ich ins Schiff treten kann?

Vorgestern in aller Frühe nm 2 Uhr sind Reichard und Storms abgesegelt; Reichard meinte, er würde jedenfalls am dritten Tag, wenn nicht schon am folgenden zurück sein, aber der Tanganjika ist breit, und der Wind sehr inconstant.

Um nun auf Deine Briefe zu kommen, so schreibst Du, Du hättest das Gefühl, als müsse man nach solchen Erleb­nissen wie mit dem armen Dr. Southon,ganz melancholisch und ernst" werden. Das erstere nun jedenfalls nicht, das zweite allerdings in mancher Richtung, wenn auch hier, wie im Kriege, nicht allzuviel der Gefallenen gedacht werden kann und darf. Müßte man dann ja auch stets dessen eingedenk sein, daß das eigene Leben hier oft nur au einem Fädchen hängt. Und das sind nicht die Ideen, denen man folgen