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Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
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Es hat unsägliche Mühe und Zeit gekostet, die nöthigen Träger, einen nach dem andern, zusammenzubekommen. Die Jahreszeit und tausend widrige Umstände, zuletzt unser Con­flict mit Gonda haben zusammengewirkt, um uns Monate und Monate verlieren zu lassen. Nun warten wir noch auf einen letzten Schub von circa 15 Mann aus Unjanjembe. Die Karavane liegt schon über einen Monat in Mananiegi im Cambi; wir werden circa 210 Mann, davon 70 Ascari und Ruga-Ruga als Bedeckung, außerdem noch einen ganzen Troß Weiber und Kinder haben. Dazu kommen noch zwei ara­bische Karavanen von 60 Mann, die sich uns anschließen und bereits in Simbile im Cambi liegen. Jedenfalls müssen wir noch vor Jahresschluß aufbrechen. Vom Tanganjika werden wir uns wol nur nochschwimmend" fortbewegen können. Es ist möglich, daß wir über den Lualaba (Kongo) hinaus in Gegenden gehen, wo noch nie ein Weißer gewesen ist. Feste Pläne sind eben nicht möglich.

Drei unserer großen Heerpauken sind bereits im Lager, die vierte wartet mit der deutschen Fahne, die Neichard mit einem prachtvollen Lanzenstiel versehen hat, auf uns. Alle unsere Soldaten bekommen blutrothe, die Anführer buntfarbige Tücher umgehängt; wir werden ohne die Araber eine Streit­macht von 130 Gewehren bilden. Für heute muß ich Dir Adieu sagen; der nächste Brief kommt hoffentlich aus Karema, dem letzten vorgeschobenen Posten derPioniere der Cultur".

31. An seinen Gruder.

Karema, 27. April 1883.

Jedenfalls wirst Du Dich äußerst verwundern, daß ich immer noch hier in Karema liege, infolge dessen auch durch