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Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
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einen Fetzen zu erschnappen, der in der Hitze des Kampfes seitwärts flog. Plötzlich bemerkten wir unter den großen Geiern eine uns bisher fremde, durch die im Affect blutroth gefärbten Nackttheile und eine gewaltige Federkrause sehr ausgezeichnete Gestalt, welche eben einen der weißrückigen Geier mit solcher Gewalt zurückriß, daß dieser geradezu hinten­über fiel. Gleich darauf fuhr eine Ladung von grobem Schrot unter die Bande, und der Geier ich halte ihn für Vultur 0eeixita1i8> brach zusammen, während die übrigen nur mit Mühe genügend Luft unter die langen Schwingen bekommen konnten, um sich in wilder Flucht vom Boden zu erheben. Aber wir waren mit unserer Beute erst wenige hundert Schritte entfernt, als sie auch alle zusam­men mit einem Marabu wieder dicht über dem Kampfplatz schwebten.

Mit verendetem Wild wird hier höllisch schnell auf­geräumt. Hyänen uud Schakale greifen munter zu; letztere haben wir mitten am Tage bei der Beute, erstere zu glei­cher Zeit, verspätet zu ihren Schlupfwinkeln zurückkehrend, gesehen. Löwen waren diesmal seltener am Fluß, doch fanden wir die Ueberreste mehrerer frisch von ihnen zer­rissenen Jimelaantilopen. Ein prachtvoller Panther wurde von Neichard in der Savanne aufgestört, entkam aber im dichten Gebüsch.

27. An seine Mutter.

Gonda, 21. August 1882.

.... Heute muß ich Dir in aller Kürze, denn ich habe das traurige Ereigniß siebenmal zu wiederholen und alle Hände voll zu thuu von einem großen Unglück berichten,