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26. An Herman Schalmv.
Auf der Reise, im Zelt, Muiu-^alc, 31. Juli 1882.
.... Kurz vor meinem Abmarsch vom Ugallaflusse beobachtete ich dort eine ornithologische Scene, deren Genuß ich wieder einmal so recht geru mit Dir getheilt hätte, uud die ich Dir hier kurz schildern will, weil ich sie in den für das „Journal für Ornithologie" bestimmten Notizen nicht erwähnt habe, da sie schließlich nichts Neues bot. Ich hole etwas weit aus, da Du ja auch für das damit verbuudeue Jagderlebniß nicht ganz unempfindlich sein wirst. In meiner Erinnerung lebt nun schon eine ganze Reihe solcher Jagdscenen, denen ich vielleicht später einmal Ausdruck geben kann.
Ich hatte mich am Nachmittage auf einer voll Wald umgebenen Savanne an einen Trupp Zebra angepirscht. Stundeil - lang lag ich, von Stechfliegen fast aufgefressen, auf der Erde hinter einem umgefallenen Baumstamm, aber stundenlang staud auch der wachthaltende Hengst unbeweglich auf seinen weit voneinander gestemmten vier Läufen abseits von dem äsen- den Trupp, aufmerksam in die Ebene hinausäugend und nur dann und wann den kräftigen, mit einer kräftigen Mähue geschmückten Hals schüttelnd. Erst als die Sonne im Sinken begriffen war, nahm er plötzlich den Kopf herunter und begann gleichfalls zu äsen, langsam dem allmählich hinter einem bewachsenen Hügel verschwindenden Trupp nachziehend. Diesen Moment benutzend gelang es mir, bis auf diesen Hügel zn kommen, uud durch das blattlose Gestrüpp lugend sah ich den Hengst schußweit von mir stehen, wie er mistrauisch uach rückwärts gewendet in die Abendluft hinaus windete. Im nächsten Moment knallte meine Büchse, und die mit einer Stahlspitze versehene Kugel fuhr, durch seinen Leib durchschlagend, hinter