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Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
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sehr heftigen Fieberanfällen, welche furchtbar herunterbringen. An Ausgehe«, Sammeln, Arbeiten kann ich schon seit lange nicht denken. Zeitweilig war ich so schwach, daß wenige Schritt Gehens genügten, um mir einen Ohnmachtsanfall zu­zuziehen. Kaiser ist gestern, um etwas den Fieberdünsten zu entgehen, in eine kleine Hütte gezogen, die er sich auf einem benachbarten Berg hat erbauen lassen. Wir hocken zusammen­gedrängt in einem engen Hause, nachdem Reichard's und mein Tembe durch von oben bis unten eindringende Regenmassen gänzlich unbrauchbar geworden sind. Du kannst Dir den Zu­stand von allen Sachen, namentlich wissenschaftlichen Instru­menten u. s. w. denken, wenn die Buden nachts einen halben Fuß unter Wasser standen und später alles in aufgeweichtem Schlamm stak, der den Boden bildet und aus dem allerhand Pflanzen und Pilze schießen. Die ganze Umgegend ist in einen stagnirenden Sumvs verwandelt, da ist es kein Wunder, wenn alles Fieber und Dysenterie hat. Die Gegend ist geradezu scheußlich, die ödeste Heide, die sich denken läßt; aber wie ge­sagt, ich habe seit Monaten zu Hause gesteckt und weiß nicht mehr, ob ich mich in Jnnerasrika oder Schöneberg befinde.

24. An seine Schwester.

Gonda, L0. April 1882.

.... Wie ich schon in meinem letzten Briefe berichtete, sind wir im Februar alle drei sehr krank gewesen; Gonda ist zur Regenzeit ein sehr schlimmes Sumpfloch; selbst die Schwarzen sterben wie die Fliegen am Fieber und Dysenterie. Kaiser, genannt Stern, war von uns am übelsten daran; er haust noch immer in einer dürftigen Strohhütte auf einem benach­barten Berge, wo er Besserung zu finden hoffte. Statt dessen