Druckschrift 
Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

69

das Wasser soweit gefallen sein, daß die Strömung auf­gehört hat; zur trockenen Zeit soll auch die größte Wild­menge dort sein.

18. An feine Mutter.

Kakoma, 10. August 1881.

.... Ich bin immer dem Leben in der Wildniß geneigt gewesen und kann mich gar nicht wohler befinden, als wenn ich bei unserer JagdhütteWaidmannsheil" am Ugallaflusse abends am lodernden Feuer liege, an welchem Wildpret uud Fische rösten, und das mit seinem hin- und herlodernden Schein bald die rings sich überneigenden Urwaldbäume, bald die wilden Gestalten einiger Wagallajäger beleuchtet, welche die Nacht innerhalb unserer Boma zubringen, wenn ich draußen den Mond auf dem Flusse glänzen sehe, und das dumpfe Gebrüll der Flußpferde mit dem einiger Löwen ab­wechselt, die von der Sandbank am jenseitigen Ufer ver­wundert auf den Widerschein unserer Feuer sehen. Aehnlich ist es mit andern Dingen, die hier landesüblich sind; ge­spießte Köpfe, verhungerte Menschen, Züge von skeletartigen abgemagerten, mit Ketten und schweren Gabeln aneinander- gefesselten Sklaven werden zu etwas Gewohntem. Hier, wie überall, heißt esländlich sittlich", und man darf dergleichen nicht mit europäischen civilisirten Verhältnissen vergleichen.

Um nun auf die neuesten Begebnisse hier zu kommeu, muß ich etwas ausholen. Wie ich wol damals berichtet, verhielt sich der Häuptling des Staates Ugunda, Mlima- ngombe, bei unserer Ankunft mehr wie ablehnend, indem er uns aus seiner zweiten Residenz Simbile gelinde herausschmiß uud später sogar das ihm geschickte Gescheuk zurückwies.