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Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
Entstehung
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Hier im Hinterwalde ist ja davon keine Spur zu finden: das einzige gesellige Vergnügen besteht in nächtlichen Tänzen, welche zum einförmigen Schlage der großen, mit Zebrafell be­zogenen Trommel von den Frauen und Mädchen des Dorfes ausgeführt und mit eigenthümlichen, melancholischen Gesän­gen begleitet werden und deren Bewegungen zum Theil sehr sonderbar sind. Zuweilen führt wol auch eine Horde Krieger, die irgendwo zu einem der nie ruhenden innerafrikanischen Raub- und Mordzüge eilen, ihre Kriegstänze auf, die bei dem Scheine einiger glimmenden Feuer oder den Blitzen eines heraufziehenden Gewitters eigenthümlich und malerisch genug aussehen. Die Tage sind kurz, die Zeit vergeht schnell, und ich bedenke manchmal mit moralischem Katzenjammer, was man schon alles thun wollte und wozu einem doch noch keine Zeit blieb.

Nun sind wir ja bald ein Jahrdraußen!"

15. An seinen GnKel Stadtgerichtsrath Schulze-NMer.

Kakoma, 28. März 1881.

.... In wenig Tagen feiern wir nun das Jahresfest der Expedition und wir sind schon keine Neulingeim Busch" mehr. Schnell genug ist die Zeit hingegangen, obwol fast jeder Tag neue und fremdartige Eindrücke in Menge brachte. Einen flüchtigen Blick haben wir in die reiche Natur Italiens und Unterägyptens, in die wilden und öden Fels- und Sand­wüsten um das Nöthe Meer und längs der Somaliküste ge­worfen, im tropisch üppigen Sansibar bei Europäern, Arabern und Jndiern Gastfreundschaft genossen; monatelang sind wir durch Wälder, Wüsten und Wildniß, über Gebirge und Ströme gezogen, haben unser Lager bald in Palmenhainen,