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müssen, malen wir uns manchmal aus, wie man bei uns zu Hause nun gemüthlich am Theetisch oder in der Kneipe sitzt, während draußen die Gaslaternen nur düster durch das Schneetreiben hindurchschimmern. Wir haben diesmal grüne Weihnachten!
10. An Hernmn Schalow.
Tabora, 12. December 1880.
.... Bisjetzt habe ich auf unserer Station, wo wir sünf kleine Tembes, d. h. jämmerliche Lehmhütten, als vorläufige Behausung fertig bauen, Ställe u. s. w. construiren mußten, noch im Zelte campirt und so noch keine Ruhe, Zeit und Gelegenheit zum Arbeiten gehabt. Sobald ich zurückkomme, schreibe ich Berichte an die Afrikanische, sowie Begleitnotizen über gesammelte und beobachtete Vögel für die Ornithologische Gesellschaft. Freilich wird beides recht unvollständig ausfallen, da nun erst Sammeln und Jagen beginnen kann. Durch den theilweisen Verlust meines Alkohols während der Herreise, sowie das gänzliche Auslaufen der Wickersheimer'- schen Flüssigkeit, die die Verlöthung ihrer Blechkisten durchfressen hat, bin ich schwer beschädigt, besonders da es Jahre dauern kann, ehe etwas von Hause nachkommt. Glücklicherweise gibt es, wie es scheint, in unserer Gegend viel Wild. Paviansheerden und andere Affen kommen tags, Hyänen und Schakale nachts ins Feld, kleinere Antilopen gibt es in der Nähe, circa 2^/2 Stunden von uns viele Giraffen, Schweineantilopen, Zebras und last not Isast Löwen. Als wir, Reichard und ich, neulich dort auf Jagd waren, schoß Neichard einen starken Keiler an; wir fanden die frischen Reste einer etwa pferdegroßen Antilope, die ein Löwe in der Nacht zerrissen und