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6. Än Herman Schaimv.
Mwumi, 30. August 1880.
Nur drei Worte in aller Eile von dem fernen Kumpan, der seit vorgestern nach einem sehr anstrengenden vierzehn- stündigen Tagemarsche durch die wasserlose Wildniß von Ma- renga-Mkali in Ugogo eingerückt ist. Was er für die Ornithologie thun konnte, hat er gethan, aber es bleibt auf dem Marsche einer größern Expedition — und die unserige besteht alles in allem aus circa 300 Leuten — nur sehr wenig Zeit zum Beobachten und Sammeln übrig. Ich habe bisjetzt während unserer etwas über einen Monat dauernden Reise einige vierzig Vogelbälge am Wege aufgerafft, die nun durch den Transport sehr leiden müssen. Die ersten Lueei-os, Marabus, Oor^tliÄix, LeKi^orliis u. s. w. machen natürlich den gehörigen oft besprochenen Effect, wenn sie in afrikanischer Landschaft sichtbar werden. So wirst Du Dir leicht vorstellen, daß der erste Gaukleradler, im Lichte der Morgensonne auf einem riesigen blattlosen Mparamusibaum seine silberglänzenden Schwingen halb entfaltet herabhängen lassend und so der Ruhe pflegend, anders aussah, als die abgenutzten Geschöpfe in unsern zoologischen Gärten. Leider ist auch von hohem Wild selbst in den wildreichsten Gegenden, so in den Wäldern um den Ugombosee, nur äußerst wenig zu erblicken und bei dem hastigen Durchziehen nichts zu erlegen. Diese Freude muß man sich bis zur Station versparen; doch es erfreut ja schou der Anblick einer hastig durch die Lianen hinspringenden Affenheerde, dieses oder jenes Antilopenrndel oder ein paar Giraffen, die ihre langen Hülse über das Gras der Savannen recken. Die bösen Nachrichten aus dem Innern von der Ermordung der beiden Engländer und der muth- maßlichen Zerstörung der Station Karema wißt Ihr in Berlin ja schon lange. Ich sende diese wenigen Zeilen mit
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