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5. An seine Mutter.
Mwumi, 30. August 1880.
.... Nur ganz kurzen Gruß in aller Eile, der mit den nach der Küste zurückkehrenden Leuten gehen soll, um Dir Zu sagen, daß ich von meiner Erkrankung fast ganz wiederhergestellt bin, während Neichard noch recht am Fieber leidet und auch Kaiser noch nicht ganz auf dem Damme ist. Vorgestern haben wir einen sehr anstrengenden Marsch durch die wasserlose Wildniß von Marenga-Mkali gemacht, den ich in vierzehn Stunden hinter mir hatte. Das war um so weniger angenehm, als ich am Morgen nichts als ein Glas dünnen Thee und ein rohes Ei, den Tag über zwei weitere rohe Eier und mitgenommenes salziges Wasser hatte. Reichard und Kaiser mußten zurückbleiben und im Walde camviren. Wir sind jetzt in der offenen Gegend von Ugogo, deren Bewohner so recht den Eindruck von innerafrikanischen Wilden machen. Einen Monat sind wir nun marschirt, allmählich steigt der Wunsch, wieder seßhaft zu sein, lebhafter auf, muß jedoch noch für lange unterdrückt werden. Die Belgier, welche wir wieder eingeholt haben, camviren neben uns, doch werden wir wol bis zur Grenze von Ugogo verschiedene Routen nehmen, da ein Zusammengehen den Tribut, der an diesem Orte, wie an neun bis zehn andern zu bezahlen ist, zu sehr erhöhen würde.
Vor allem bitte ich sehr, Dich nicht um mich und mein Wohlergehen zu ängstigen. Vielleicht findet sich vor unserm Eintreffen in Tabora, nach circa zwei Monaten, noch eine Gelegenheit zum Briefschreiben, sonst erhältst Du von dort wieder Nachricht.