Druckschrift 
Von Sansibar zum Tanganjika : Briefe aus Ostafrika ; mit dem Bildniß Böhm's und einer Uebersichtskarte / von Richard Böhm ; nach dem Tode des Reisenden mit einer biographischen Skizze herausgegeben von Herman Schalow
Entstehung
Seite
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3. An seine Mutter.

Sansibar, 26. Juni 1880.

.... Wenn dieser Brief ganz ausnehmend langweilig aus­fällt, so bitte ich diesen Umstand damit zu entschuldigen, daß' ich soeben acht Tage tüchtiges afrikanisches Küstenfieber durch­gemacht habe, und mich heute wieder zum ersten mal einiger­maßen schreibfähig fühle. Ja, ich bin es eigentlich heute uoch nicht, morgens schwankte ich noch wie einer, der zu gut gefrühstückt hat, und es - gehört einige Zeit dazu, um seine paar Gedanken zu sammeln, nachdem man besonders in den ersten Tagen ununterbrochen das Gefühl gehabt hat, als würde der Kopf mit einer eisernen Schraubenpresse zu­sammengequetscht und die Augen zum Kopf hinausgedrückt. Dies ist besonders in den endlosen zwölfstündigen Tropen­nächten (bei einer Körpertemperatur von über 40° 0.), in denen man so Minute für Minute zählt, gerade keine An­nehmlichkeit!

Denke übrigens, bitte, nicht, daß die Geschichte irgendwie gefährlich war. Früher oder später mußte sie doch zum ersten mal kommen, und hier erfreute ich mich der kräftigsten Hülfe durch den liebenswürdigen Dr-. Fischer.....

Sansibar mit seinen ununterbrochenen Schambas und kleinen Vögeln will mir gar nicht mehr gefallen, seitdem ich den Kingani, diesen echten Urwaldstrom, gesehen und hier zum ersten mal mit den Riesen der afrikanischen Thier­welt, den Flußpferden, zusammengestoßen bin, die man zuweilen in'Trupps von 79 Stück zusammen findet. Meh­rere haben wir erlegt, leider aber nur eins, ein junges Männchen, gefunden, dessen Kopf ich nach Berlin schicke; das Kugelloch, das wahrscheinlich von einer meiner Sprengkugeln, Kaliber 12, geschlagen ist, sitzt hinter dem Auge auf der linken Seite.