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Frankreich. Sprachliche und kirchliche Verhältnisse.
kürzere Zeit vorübergehend Anwesenden, sowie die deutschen Schweizer (1896 waren es 74735 in ganz Frankreich), Luxemburger (1896i 26 206 in Frankreich) und Oesterreicher, so wird an der Zahl von 100000 Deutschen nicht allzuviel fehlen; doch stehen sie untereinander in keinerlei festen Zusammenhalt. Ihrem Beruse nach sind sie Gelehrte, Künstler, Kaufleute und Handwerker, zumeist aber Arbeiter (zahlreich waren bis gegen Ende der achtziger Jahre die Straßenkehrer und -arbeiter aus Hessen), Dienstmädchen, Kellner, Barbiere, Bäcker usw. In den Stadtvierteln La Billette (wo es sür die etwa 1000 dort wohnenden Deutschen eine 1858 gegründete, 1876 neu errichtete Armenschule mit Kindergarten gibt)/) Belleville und Batignolles wohnen viele deutsche Arbeiter, während die deutsche Geschäftswelt in dem großen Konfektionsviertel um die Place Vendome und in der Rue d'Hauteville, überhaupt in dem Viertel südlich vom Nordbahnhos, sehr stark vertreten ist: vielsach sieht man dort deutsche Firmenschilder, Pensionen, Hotels, Restaurants und namentlich Bierstuben, einige auch mit deutschen Speisekarten und sast alle mit deutschen Kellnern. An den Boulevards bemerkt man deutsche Buchhandlungen und Kioske mit deutschen Zeitungen in Menge. Eine Reihe von Straßen ist nach deutschen Städten (Berlin, Hamburg, Lübeck), Gelehrten und Künstlern genannt, und die Kenntnis der deutschen Sprache verbreitet sich in Paris mehr und mehr.^)
Im übrigen Frankreich sitzen die Deutschen hauptsächlich in den großen Städten als Kaufleute, besonders zahlreich in Marseille (2500 Deutsche). Im Kohlengebiet der Pikardie finden sich zahlreiche deutsche Arbeiter.
An deutschen Re^chsangehörigen^) wurden gezählt im Jahre 1891 83 506, im Jahre 1896 90 746, d. h. 0,2 v. H. der Bevölkerung. Von ihnen fand sich jedesmal die bei weitem überwiegende Mehrzahl im Departement Seine; die nächsthohen Zahlen wiesen dann die der deutschen Grenze nahe gelegenen Departements auf: es lebten
Departement
im Jahre 1L91
im Jahre
1396
32 278
33 635
Vogesen.......
4 201
6 433
Oberrhein......
3 050
4 805
2 446
2 441
Marne.......
2 044
2 522
Seine und Oise ....
2 010
2 077
Ueber deu Sprachenkampf an der lothringischen Grenze vergl. This, „Die deutsch-französische Sprachgrenze in Lothringen", Straßburg 1887, desgl. für das Elfaß Straßburg 1888, und Witte, „Das deutsche Sprachgebiet Lothringens in seinen Wandlungen", Stuttgart 1894. — An der belgischen Grenze gewinnt das Französische auf Kosten des Vlämifchen immer mehr Boden.
L. Kirchliche Verhältnisse.
Einen starken Sammelpunkt für die Deutschen bilden die kirchlichen Gemeinden.
G. Lenz, „Die deutschen Schulen in Frankreich", in „Die deutsche Schule im Ausland", 2. Jahrgang, S. 38-44, Wolfenbüttel 1903. — Vgl. auch den Bericht des srüheren deutschen Pastors Anthes in Paris in I. P. Müller, „Deutsche Schulen und deutscher Unterricht im Auslande", Leipzig 1901, S. 50.
°) Dtsch. Erde I, 91.
2) Nach Zahn, S. 4-, 9», 2 f.