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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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VI. Die Tierwelt.

Bei weitein eigenartiger als die Pflanzenwelt ist die Tierwelt Ozeaniens, da gerade hier die lange Jsoliernng der einzelnen Inseln und des australischen Kontinents selbst die Einivaiwe- rnng der höher organisierten Tierformen, besonders der Säugetiere, erschwerte nnd in hohem Grade beschränkte. Schon seit dein Ende der Kreidezeit muß der Zusammenhang mit Asien und den übrigen Gebieten der Ostfeste unterbrochen gewesen sein. Fehlen doch dem fünften Erdteil fast sämtliche Asien eigentümlichen Tiere, namentlich die placentalen Säugetiere, als da sind: Affen, Vielhufer, Katze», Wölfe, Bären, Hasen, Eichhörnchen. Auf dem Festlande kommen nur der Dingo, eine Hundeart, Ratten, Mäuse und Fledermäuse vor. Uud diese Armut tritt noch mehr hervor, wenn man erwägt, daß wahrscheinlich die drei ersten Tierarten erst mit dem Menschen auf den Kontinent gelangt sind. Somit bleiben außer den Meeresticren, Robben, Walen :c., von placentalen Säugetieren nnr die Fledermäuse als in Australien einheimische übrig.

Dieser Mangel an placentalen Säugetieren ist aber nicht nur für das Festland, sondern in höherem Grade auch für die Inseln bezeichnend. Alis Neuseeland gab es bei der Entdcclnng anßer zwei Fledermausarten überhaupt keine einheimischen Säugetiere, da der Maori-Hund und die Waldratte höchst wahrscheinlich von den Maori dort eingeführt worden sind; Schweine er­hielten die Eingeborenen erst durch Cook. Auch Melanesien ist arm an Säugetieren. Auf Neu- taledonien gab es weder Hund noch Schwein, sondern nur Ratten und Flugbeutler, uud selbst auf der dein Malauischen Archipel so nahe gelegenen Insel Neuguinea fandeil sich nur das Papua- Schwein, einige Arten Mäuse, Fledermäuse uud Beuteltiere, von denen Schwein und Mäuse auch wohl erst mit dem Menschen eingewandert sind. Dagegen ist die Vogelfauna dort reich entwickelt. Aber auch diese sowie die Zahl der Amphibien, Reptile und Insekten nimmt genau ivie die der Pflanzenarten nach Osten zu immer mehr ab, so daß die polnnesischen Inseln, nament­lich die kleinen Koralleninseln, geradezu tiernrm genannt werden müssen.

Wohl aber hat sich auf dein Festlande und auf den Melanesischen Inseln die ältere Süngc- tierform, die der «placentalen Säugetiere, in zwei Ordnungen: den Kloakentieren nnd den Beuteltieren, erhalten. Während von jenen nur wenige Arten bekannt sind, kommen diese in be­deutender Arten- nnd Jndividuenzahl vor. Daher sind namentlich die Beuteltiere für Australien charakteristisch und zugleich ein vortrefflicher Beweis siir die frühe Lostrennung des Kontinents von Asien, da sie sonst überall (in Europa, Asrika, dem Fcstlande von Asien) von den höher orga­nisierten Säugetieren ausgerottet oder doch sehr zurückgcdräugt worden sind, wie in Südamcnla und auf den Malayischen Insel». Sie sind in Europa während der Tertiärzcit verbreitet gewesen, müssen aber, weil sie bereits in der TriaS Vertreter gehabt haben, als veraltete Tiertupcn gelten.

Länderkunde, Australien nnd OM»ien. 16