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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
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36. Folgen des dreißigjährigen Krieges.

Mit einem raschen Sprunge versetzen wir uns jetzt aus der letzten Hälfte des sechzehnten in die erste des siebzehnten Jahrhunderts; denn was nach Beilegung der Religionsstreitigkeiten, so wie nach Schlichtung der dadurch veranlaßten Spaltungen im Rache und unter den Bürgern in dem erstgenannten Zeitraum verfiel, erscheint hier einer besonder« Erwähnung weniger werth. Es könnten das zum großen Theil nur trockene Mitthcilungen sein, wovon manche, ihres ähnlichen Inhalts wegen, euch am Ende ermüden würden. Wünschte Jemand gern nähere Kunde darüber zu haben, wann z. B. eine große Ueberschwemmung gewesen, wann anhaltende Dürre und Trockenheit, wann die Pest gewüthet, oder im Unwetter der Blitz gezündet, wann Falschmünzer lebendig gebraten, oder Seeräuber ge­köpft worden: so verweisen wir denselben aus die alten Chroniken, die das Alles genau berichten. Solche kleine Begebenheiten haben nur insofern einiges Interesse, als sic manchmal die Zeit, in der sic vor sich gingen, characterisiren helfen, sonst aber erregen sie Langeweile und Widerwillen, und dies letztere namentlich dann, wenn die Bar­barei des Zeitalters sich so recht grell in ihnen abspiegelt. Was man gewissermaßen unter die alltäglichen Erscheinungen rechnen kann, sinkt bald in Vergessenheit. Sind cs Klänge der Freude, die dadurch er­weckt werden, so tönen sie höchstens in den Herzen Derjenigen länger nach, die sich zunächst und am meisten davon berührt fühlen; sind es aber Schläge des Unglücks, nun, so setzt es allerdings Wunden, und diese schmerzen zwar, heilen und vernarben indeß auch wieder. Kleines Ungemach vergeht bald, es findet seine Ruhestätte und, wie das Sprüchwort sagt, die Zeit läßt Gras darüber wachsen. Das Einzelne verschwimmt im großen Ganzen; nur was dies letztere angeht, ge­winnt auch in der Erinnerung der Gesammtheit einen dauernden Platz. Die Schicksale eines Volkes finden Raum aus den Blättern der Ge­schichte, so wie sein Jammerlaut, sein Schmerzensschrei sorthallet durch Jahrhunderte, sein Weheruf über die Urheber seines Elends sich oftmals im Gcdächtniß vieler Geschlechter sortpflanzt.

Wir kommen zu einem Ereignisse im deutschen Vaterlande, das mit Recht als Folge der Einwirkung der Reformation aus die poli-