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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
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26. Zustände Bremens im 15. Jahrhundert.

Durch die Tafel oder Eintracht, welche später die alte hieß, war cs im Bürgerleben insofern stiller geworden, als die erhitzten Ecmüthcr /der Streitenden sich gesänftigt und mit einander versöhnt, die Unzu­friedenen ihr leidenschaftliches Aufbrausen gemäßigt und gedämpft hatten, aber ein Zeitpunkt völliger Ruhe war dadurch wieder nicht hcrbcigeführt worden. Auf Beilegung der inneren Zwiste folgten wiederum fast ununterbrochen die heftigsten Fehden nach Außen *), entweder gegen mächtige Fürsten und Grafen, oder gegen Sec- und Straßenräuber. Immer mußten die Bürger bereit sein, Frieden und Freiheit mit gcwaffnetcr Hand zu schirmen. Die Darstellung der einzelnen Begebenheiten würde aber einen nicht geringen Raum füllen, wenn sie hier nach einander alle vorgeführt werden sollten, wie sie sich vom Anfang bis zu Ende des 15. Jahrhunderts zugctragcn haben. Ein Ercigniß kettet sich nicht allein an das andere, sondern erscheint ihm in Ursprung und Verlauf auch ähnlich. Nur Eins bleibt dabei zu bemerken, daß die Bremer überall, wo sie fochten, sich den Ruf der Kühnheit und Tapferkeit erwarben, wenn gleich das Glück nicht immer ihrem Banner geneigt war. So hatten sie in den häufigen Fehden gegen den streitbaren und raublustigen Grafen Gerhard von Oldenburg, der selbst Bctheiligung an Seeraub nicht verschmähcte **), viel Mißgeschick zu beklagen.

Besonders verdrießlich fiel z. B. ein Zug in dessen Land aus, unter Anführung des Bürgermeisters Bcrcnd Ballchr und des Stadt­hauptmanns Arp Bicker. Die Bremer drangen von Bederkesa aus

*) Eine wichtige Rolle spielte der Seekrieg der Stadt mit dem Herzog Philipp von Burgund, welcher über vier Jahre dauerte. Einige Male machten die Bremer große Beute. So brachten sie im letzten Zahre zu einer Zeit dreizehn Schiffe auf, die mit Salz beladen waren, bald darauf zwei andere mit Korn, Pech und Lheer, ferner zwei kleinere, wovon bas eine Feigen und Rosinen, das andere Leder und schottisches Tuch enthielt. Won aller Beute bekam der Rath den dritten Lheil, wofür er die Kaperbriefe ausstcllte.

**) Einmal wurden 40 seiner Dienstleute als gemeine Seeräuber hingerichtet.