Vetter des zur Friedeburg gefallenen Schloßhauptmanncs, warnend seine Stimme, indem er sprach: »Glaubt ihr, daß der dort den blutigen Bruderkuß jemals vergessen wird?» — Das wirkte der vorhin günstigen Stimmung für Gerold entgegen, dazu erinnerte man sich der Schmähung, die in seiner Antwort enthalten war. Die Unterhandlung nahm sofort ihr Ende. Es verging ein Augenblick. Das blanke Richtschwcrt blitzte durch die Luft, ein krachender Hieb, — und Gerolds blondhaariges Haupt lag neben dem des geliebten Bruders.
So strafte die alte Zeit Meineid und Verrath auch an frcigc- borenen Häuptlingen!
Freunde der Brüder errichteten dem Gerold im Umgänge neben dem Dome einen Denkstein.
Jene langhaarige Riesengestalt, welche, das breite Schlachtschwcrt vor sich, in der Ecke des Umgangs, die dem Chor der Kirche gegenüber liegt, jetzt in kaum noch erkennbarer Form, steht, soll das Bildniß Gerolds, des edlen Friesenhäuptlsiigs sein.
24. Ende der Friesenkämpfe.
Ein Versuch, die Zwingherrschaft der Bremer abzuwcrfen, war mißglückt. Die Gcfangennehmung der kühnen Häuptlinge, Dido und Gerold, hatte den Augenblick diejenigen Nnstringcr, welche den Aufstand unterstützten und ihn ausführen helfen wollten, cntmuthigt. Zwar naheten sie am Morgen jenes, für das Brüderpaar und ihre nächtlichen Waffengefährtcn so vcrhängnißvollcn Tages, der den Verwegenen statt der Bahn des Sieges, den Weg des Verderbens und schmachvollen Unterganges cröffnete, kampsgerüstet der Friedeburg, als sie aber die Besatzung des Schlosses durch die Hülssmannschaft der Wurster ansehnlich verstärkt und ihre Bundesgenossen in Ketten und Banden sahen, wichen sie vorsichtig zurück.
Das schimpfliche Ende der Gefangenen erregte Furcht und Entsetzen im Lande Rustrmgm. Neben tiefer Trauer um die Gefallenen