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der Verlust des Höchsten und Unschätzbarsten, was er besessen, der angestammten und liebgewordcuen Freiheit doppelt, ja dreifach schwer. Es war ihm, als sei er durch den Eid, den er den Bremern geleistet, in Ketten geschmiedet, und Ketten drücken, auch wenn sie von Gold sind. Gern hätte er sic zersprengt und seinen Obherrcn vor die Füße geschleudert, aber die Macht der Verhältnisse hielt ihn gebunden, daß sein Wille ohnmächtig blieb, und seine Kraft erlahmte. Doch seine Seele loderte in geheimen Zorncsflammen und je gebundener er sich fühlte, desto mehr erstarkte sein Sinn in bitterm Haß wider die Bremer. Durch die Vorspiegelung, daß die alte Zeit, in welcher es mittels Raub und Plünderung der Schisse, welche die Weser befuhren, reiche Beute gab, wieder zurückkehren müsse, gelang cs ihm, auch seine Untersassen mit gleichem Groll wider die Bremer zu erfüllen. Bald mußten die Letztem von allerhand Gewaltthätigkcitcn hören, welche sich die Rustringer wider Angehörige der Stadt Bremen erlaubten ; von schandbarem Frevel, den sie ohne Scheu zu begehen wagten. So glitten bei sternheller Nacht mehrere Kähne, worin arme Fischer saßen, die ihrem Gewerbe nachgchcn wollten, den Wescrstrom hinab, an Langwarden vorüber. Da nahten sich vom Ufer einige wohlbc- mannte friesische Boote. Man griff die Fischerkähnc an, beraubte sic des Steuers, der Rudcrstangcn und Segel und ließ sic dann den Strom hinabtrcibcn; nur ein sogenannter Zusoll rettete den Hülfloscn das Leben. Allmälig wurden Dido Lübbeu und seine Friesen kühner. Schiffe, mit Salz und Korn beladen, nahmen sic ebenfalls zur Beute, und unvcrholen sprach der Häuptling die Drohung aus, daß sein Arm nicht eher ruhen solle, bis die Friedcburg im Lande gebrochen und die alte Freiheit wieder hergestcllt sei. Aergcc jedoch, als er, hauscte sein Sohn, welcher gleichfalls Dudo oder Dido*) hieß.
Da riß den Bremern endlich die Geduld. Der Rath sammelte ein streitbares Heer, (man sagt, daß cs aus 300*Ncitcrn und 3000 Fußknechtcn bestanden habe), und überzog das Land Nustringcn mit Belagerungen und Krieg. Der Zug der Bremer dehnte sich sehr weit aus, da inzwischen mehrere Häuptlinge im Stadtlande**) sich
*) Er wird auch Wiarda genannt, welches derselbe Name sein soll.
**) Das unterworfene friesische Gebiet trug den Namen Stadtland, da sich die Herrschaft des Rathes oder der Stadt, von der des Erzbischofs von Bremen streng unterschied.
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