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Bilder aus der Geschichte Bremens, in zusammenhängender Folge dargestellt, nebst einer kurzen, geographischen Beschreibung des bremischen Staates / von Johann Krüger
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ganze edle Volk der Deutschen kommen. Das ist seine größte, seine unauslöschliche Sünde!

11. Landeshoheit der Sachsenherzoge.

Der mächtige Baum, der in majestätischer Würde sein Haupt erhob, der seine Acste und Zweige weit umher auszubreitcn suchte, um Schirm und Schatten zu spenden, der Bleichen trieb, aber keine Früchte bot, der statt fröhlicher Mcnschenantlitze, gewiegt im Schim­mer des Glückes, eine Welt voll Jammer und Verzweiflung unter sich sah, ist gefallen, und von seinem Sturze dröhnt das Erd­reich. Dies Bild paßt auf den Mann, den euch der vorige Abschnitt vor Augen geführt, den Erzbischof Adalbert; denn das Jahr seines Scheidens aus dieser Welt war für das ganze Erzstift vcrhängnißvoll. Die alten Chronisten sagen davon: cs sei gewesen, als ob mit ihni und durch ihn der Erde aller Friede verloren gegangen. Hamburg ward in demselben zwei Mal in Brand gesteckt und ausgcplündcrt, die ganze Umgegend jener Stadt durch die Rachcwuth der Heiden verwüstet und zur Einöde gemacht. Die Sage, die namentlich in schwerer Zeit geschäftig ist und jedwede Begebenheit in ihren Mantel zu hüllen sucht, erzählt, das Kreuze Blut schwitzten, Hunde und Schweine in die Kirchen drangen und Hccrdcn von Wölfen die Ge­gend durchstreiften, ihr Geheul mit dem Schrei des Uhu's mischend. Da mochte wol das Sprüchwort zu Schanden werden, daß unterm Krummstab gut wohnen ist. Für Bremen stieg um jene Zeit in Hinsicht seiner Unabhängigkeit von der Hand weltlicher Fürsten eine große Gefahr auf, die allerdings den kriegerischen Muth und die selbstbewußte Kraft des Bütgerstandes mächtig anrcgtc und zu tapferer Gegenwehr in die Schranken forderte, aber auch viel bitteres Leid im Gefolge hatte.

Der Nachfolger Adalberts, Limarius, ein verständiger, achtbarer, doch auch kriegslustiger Mann, welcher de», Kaiser Heinrich IV. in seinem Unglück wider Papst Gregor VIl. treu zur Seite gestanden,

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