28
10. Der Erzbischof Adalbert.
Am reichhaltigsten sind in nnsern alten Chroniken, je weiter sie in die Vorzeit hinaufreichen, die Mitthcilungcn von der Kirche und ihren Obcrhirtcn, den Bischöfen und Erzbischöfen. Dies rührt theils daher, daß anfänglich nur Geistliche sich damit befaßten, Denkwürdigkeiten zu verzeichnen, theils daher, weil der Erzbischof lange die gewichtigste Person im Staatslcben war. Haben wir doch von Anfang an gesehen, wie sie allein die Aufmerksamkeit der deutschen Kaiser auf unser Bremen lenken, sie allein Urkunden zu erlangen wissen, wodurch zunächst die Kirche, darnach aber auch zugleich die Stadt vortreffliche Rechte und Freiheiten erlangte. Sie trachteten aber auch ziemlich unverhohlen nach dem Besitz weltlicher Macht und der staatskluge Adaldag ward von den Bürgern und Einwohnern Brcmcn's bereits als Herr der Stadt, als Landesvater angesehen und geehrt. Das Erzstift Hamburg-Bremen erfreute sich nach ihm in den Augen der Geistlichen eines so hohen Glanzes, daß der Mann, dessen Andenken dieser Abschnitt gewidmet sein wird, trotz seiner Ruhm- und Herrschsucht, die dreifache Krone des Papstes, welche ihm angctragen wurde, ausschlug, weil er Erzbischof von Bremen war.
Dieser durchaus merkwürdige und nicht allein für die bremische, sondern selbst für die deutsche Geschichte wichtige Mann war Adalbert, ein Sproß des pfalzgräflichen Hauses Sachsens. An ihm war nach der Schilderung des Domherrn Adam, der in den letzten Jahren seines Lebens täglich um ihn war, Alles außerordentlich, in Hinsicht des Körpers sowohl, wie des Geistes. Seine Gestalt war groß und stattlich, sein Antlitz von edlem, männlich-schönem Ausdruck, seine Haltung und sein Benehmen zeigte das Gefühl der Würde als Mensch, aber auch des Stolzes auf seine hochfürstlichc Abkunft. — Im schönsten Vcrhältniß zu seinem wohlgcformten Körperbau stand sein Geist durch die Bildung, welche natürliche Anlage, sowie Fleiß und Lerneifer ihm verliehen. Alle wissenschaftlichen Kenntnisse seiner Zeit, so weit sic seinem Stande frommten, hatte er sich angccignet, und dabei besaß er ein so treues Ecdächtniß, daß er mit leichter Mähe etwas Gelesenes oder Gehörtes auf angenehme Weise wieder