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verblieb, ist in den alten Schriften, welche darüber berichten, nicht klar genug ausgedrückt, so viel aber ist gewiß, daß spätere Könige ncs Recht cinzuschränken und aufzuheben versuchten.
8. Das .Bürgerwesen des zehnten und elften Jahrhunderts.
Ehe wir nun die geistliche Macht in weltlichen Dingen sich weiter entwickeln sehen, laßt euch ein Bild von den damaligen Bewohnern der Stadt, ihrem Ständcuntcrschied und ihrer Betriebsamkeit verführen. Nicht alle genossen gleich^ Rechte und gleiches Ansehen, weil nicht alle persönlich frei waren. ^DHLchst wahrscheinlich bestand der Kern der Gemeinde in frühster Zeit und schon vor Karl I. aus freien Leuten, die von einer Anzahl von Hörigen und Leibeignen umgeben waren. Die Freien theiltcn sich in Edelfreie und Gemein- freie, welche jedoch vor dem Gesetz nicht unterschieden wurden. Jeder Freie lebte von dem Ertrag seines Gutes, zog in Krieg und Fehde, bereicherte sich durch Beute und verschmähte außer diesem und der Jagd jegliche andere Beschäftigung.
Jener Kern der freien Leute erhielt sich zum Theil bis in spätere Zeit; denn obgleich ihrer viele cs vorzogen, Lehnsleute des Erzbischofs zu werden, um dem Drängen der Vögte zu entgehen und nicht am Ende auch in Unfreiheit zu sinken, so boten doch manche den Umständen Trotz und behaupteten sich in ihrer unabhängigen Stellung. Die Zahl dieser vermehrte sich indeß bald, als adlige Ritter und Herren von nah und fern anfingcn, in die Stadt zu ziehen. Besonders geschah dies aus dem Erzstift. Die Gründe dazu waren verschieden. Manchen bewog zu solchem Entschluß die Furcht vor feindlichen Ueberfällcn, Fehde und Blutrache; manchem mißhagte das Wohnen auf einsamen Burgen nnd Schlössern. Man suchte geselliges, heiteres Leben, Rang und Ehrcnstcllcn beim Erzbischöfe oder in staatlichen Verhältnissen und alles dies bot das Stadtleben in mannigfacher Weise dar. Solche ritterliche Geschlechter, die in die Stadt zogen und aus ihren Gütern Verwalter (Meyer) zurückließen, waren z. B. die von