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Bd. 3 (1904)
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Die Wiedergeburt des Bremischen Staats.

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Nur einer kleinen Schaar bremischer Krieger war es vergönnt, in den großen Schlachten mitzukämpfen, die Napoleons Macht brachen. Es waren etwa fünfzig junge Männer aus den an­gesehensten Bremer Familien, die durch Vermittelung des Senats für sich die Erlaubnis erwirkt hatten, unter dem Obersten von Lützow in preußischen Diensten zu fechten. Sie waren, geführt von dem Major von Eelking, schon am 30. April von Bremen abmarschiert, am 28. Mai bei dem Lützow'schen Regiment in der Gegend von Namur^) eingetroffen und sogleich auf Vorposten beordert worden. Sie nahmen an den Schlachten vom 16. und 18. Juni teil und »stritten, nach dem Zeugnisse LützowS, bei Ligny und Belle Alliance, sowie in mehrereren Gefechten mit ausgezeichneter Tapferkeit und zogen bald daraus als Sieger in das stolze Paris ein'.-) Auch König Friedrich Wilhelm hat ihnen später ein rühmliches Zeugnis ausgestellt.

Schon am Morgen des 23. Juni, ungewöhnlich rasch, war nach Bremen die Nachricht gedrungen, daß die Franzosen total geschlagen, 200 Kanonen und Napoleons Feldequipage erbeutet seien. Am folgenden Tage erfuhr man, daß der Sieg von Wellington und Blücher gemeinschaftlich bei Belle Alliance errungen sei. An der Spitze der Bremer Zeitung, die dies verkündete, findet sich als dauerndes Zeugnis des gewaltigen Eindrucks, den die Nachricht hervorrief, der Vers aus Goethes Epimenides:

>) In Namur hatte Blücher die kleine Schaar gemustert, mehrere aus ihr zur Tafel gezogen und sich hier in den wolwollendsten Ausdrücken über den in Bremen herrschenden Geist ausgesprochen.

i) Schreiben des Obersten von Lützow an den Senat aus dem Can- tonirungsquartier Curgis bei Valenciennes vom 20. Novbr. 1815, veröffentlicht in der Bremer Zeitung vom 19. Dezember.

Bei Ligny war Herm. von Kavff gefallen, zu dessen Andenken seine Freunde im F. 1816 das jetzt an der Weide aufgestellte eiserne Kreuz errichteten.