Elftes Kapitel.
Der Untergang des Bremischen Staatswesens.
Ist es nicht merkwürdig, daß ein kluger Staatsmann, wie Georg Gröning, in den langwierigen Verhandlungen über die bremischen und hanseatischen Wünsche nicht hören wollte auf den ihm oft entgegengehaltenen Einwand, die Neutralität werde die Hansestädte loslösen vom Körper des Reichs und Neid und Mistrauen erregen, wahrscheinlich aber werde sie von den großen Mächten eben dann, wenn sie ihre Wirkung üben sollte, nicht beachtet werden? Er, und er keineswegs allein, stützte sich auf den idealistischen Glauben, daß das für die Neutralität sprechende Motiv, der allgemeine Nutzen eines ungestörten Handels, stärker sein werde, als der üble Wille der kriegführenden Mächte. Was man sich in Bremen von der Neutralität versprach, das spiegeln die Worte wieder, mit denen neun Jahre später der Bürgermeister Heineken des Reichsdeputationshauptschlufses gedachte: ,Die Reichsstädte sollten forthin Gefilde des Friedens sein, ruhige Wohnsitze der Künste, der Wissenschaften, des Handels, durch kein Waffengeklirre gestört, von keinem fremden Krieger gedrückt". Man sieht wol, wie die praktischen Geschäftsmänner von der Macht eines schönen Gedankens überwältigt waren.
Auch die üble Erfahrung, die man schon im Sommer 1804 machte, änderte die chimärischen Hoffnungen des Senats nicht. Im Herbste 1803 hatten die hannoverschen Landstände, unfähig,
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