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Bd. 3 (1904)
Entstehung
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Zehntes Kapitel.

Die "Revolutionszeit.

Die französische Revolution hat, wie anderwärts, so auch in Bremen anfänglich sympathische Teilnahme erweckt, wie befreiende Thaten sie hervorrufen, auch wo kein Anlaß zu verwandten Klagen vorliegt, wie die, die zum Sturm auf die Bastille, zur Aufhebung der Feudallasten und zur Erklärung der Menschenrechte führten. Man stand in Bremen seit unvordenklichen Zeiten in freund­schaftlichen Beziehungen zu Frankreich, die auch durch das, was man während des siebenjährigen Krieges gelegentlich von fran­zösischen Truppen erlitten hatte, nicht eigentlich gestört worden waren. Die französische Sprache und Litteratur war bei den Gebildeten geschätzt, und neben Voltaire, Rousseau, Montesquieu und Diderot waren in den Kreisen der bremischen Naturforscher gewiß auch d'Alembert und Lavoisier bekannie und geachtete Namen. Wie sehr auch durch die junge Blüte der deutschen Litteratur das nationale Empfinden angeregt worden war, so war doch die in den Kreisen der geistigen und der gesellschaftlichen Elite Deutschlands weit verbreitete weltbürgerliche Gesinnung in der Handelsstadt Bremen durch alte Tradition zu fest gewurzelt, als daß man die nationalen Gegensätze scharf empfunden hätte.

Nicht gar viele freilich erfuhren, zumal da es in Bremen noch keine Zeitungen gab, aus dem Hamburgischen Korrespondenten, seltener aus anderen Zeitungen, und aus Briefen Genaueres über die Vorgänge in Paris. In der großen Menge, die weder Zeitungen las, noch Briefe empfing, konnten nur einigermaßen