Neuntes Kapitel.
Geistiges und geschäftliches Leben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Das Zeitalter Friedrichs des Großen verleugnet sich auch in der innern Geschichte Bremens nicht. Die Lärmtrommel des siebenjährigen Krieges riß die Geister aus langer Trägheit empor, und der rasche Wechsel der Ereignisse lenkte die Blicke über den engen Horizont hinaus, in dem das Leben der Stadt sich lange begnügt hatte. Der vielfache Verkehr mit Franzosen und Engländern trug wesentlich dazu bei. Die Kenntnis der fremden Sprachen, die längst schon zu den Bildungselementen gehörte, wurde dadurch erweitert und verbreitet und vermittelte manchem auch die Bekanntschaft mit der philosophischen und der schönen Literatur der Nachbarländer. Daneben aber fand, wie überall in Deutschland zu den Zeiten der Gottsched, Geliert und Gleim, auch hier die Muttersprache eine verständnisvolle Pflege,
Schon im Jahre 1752 hatte der Senat die Bremische deutsche Gesellschaft bestätigt, die sich einige Jahre früher gebildet hatte, .um ihren Geschmack in der deutschen Beredsamkeit und Dichtkunst zu üben, besonders aber der deutschen Sprache ihre Aufmerksamkeit zu widmen". Während der Krieg Bremen immer wieder in Mitleidenschaft zog, hat die Gesellschaft ihre erste Blütezeit erlebt, die einen feierlichen Ausdruck darin fand, daß sie im Jahre 1759 den Grafen Rochus Friedrich von Lynar zu ihrem lebenslänglichen Obervorsteher erwählte. Es war ein Kompliment sowol für die Dienste, die er der Stadt geleistet