Fünftes Kapitel.
Erneuerung der inneren Streitigkeiten.
Der Kampf um die Reichsfreiheit hatte Rat und Bürgerschaft beständig in guter Eintracht gefunden. Die kleinlichen Streitigkeiten waren verstummt vor der gemeinsamen Gefahr, die die Herzen mit einer edlern Kampfbegier geschwellt hatte. Wenn angesichts der feindlichen Waffen einer Großmacht Rat und Bürger wieder und wieder einmütig erklärten, sie wollten Gut und Blut an die Erhaltung der Reichsunmittelbarkeit setzen und die Freiheit höher achten als das Leben, so bewegt dieser Ausdruck eines entschlossenen Willens noch uns, die späten Nachfahren jenes mutvollen Geschlechts, zu Hochachtung und Dankbarkeit. Denn, so gewiß es ist, daß Bremen allein durch eigene Kraft der schwedischen Macht sich nicht hätte erwehren können, so gewiß ist es auch, daß ohne den nachdrücklichen Widerstand, den die bremischen Bürger dem Ansinnen Schwedens entgegensetzten, die Nachbargewalten die Stadt nicht davon errettet haben würden, in des Feindes Hände zu fallen und damit auf immer „des wahren Charakters ihrer Freiheit" beraubt zu werden.
Aber, sobald die mächtige Spannung der Gemüter aufhörte, das Leben allgemach in die gewohnten Bahnen zurückkehrte und nun der schwere finanzielle Druck, die Hinterlassenschaft des Krieges, sich fühlbar machte, da traten die Streitigkeiten alsbald wieder hervor, deren Schlichtung, wie wir früher gehört haben, einst Wachmann gelungen war.