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Der Wiederaufbau : Mitteilungsblatt bremischer Aufbauorganisationen
Entstehung
Seite
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Bürogebäude und ihreRasteritis"

Bürogebäude enttäuschten, mit wenigen Ausnahmen, mit ihrer ziemlich einheitlichen Berücksichtigung desmul- lion-sprandel-window"-Schemas, der in Glas aufgelösten Front, durch senkrechte Stützen gegliedert (Raster). Sogar dieWetterdactT-Ausführung des Dachgeschosses ist so oft wiederholt worden, daß sie langweilig geworden und un­verantwortliches Klischee ist.

Ein neues Gewerkschaftshaus in Hannover mit seinem neuen Konstruktionsverfahren, seiner wirklich sauberen Ausführung einfacher Flächen und mit seinen Ausmaßen war besonders eindrucksvoll, weil es sich von allen alltäglichen Vorbildern fernhält.

Die Bürogebäude waren im Innern vorzüglich gegliedert und hatten einen lebhaften und offenen Grundrißcharakter. Ubereinstimmend wurde schönes Material bei einem hohen Stand der Bearbeitung verwendet.

Theater mit erstaunlich großen Foyers

Die Theaterbauten, die wir sahen, waren einheitlich gut. Die verschwenderische Raumzuweisung für Foyers, Wan­delgänge und andere für das Publikum vorgesehene Ein­richtungen, die in ihren Abmessungen dem amerikanischen Architekten aus wirtschaftlichen Gründen fast immer be­schnitten werden, beeindruckte uns. Im Unterschied zu den USA wird der wirtschaftliche Druck in Deutschland durch die Beteiligung der örtlichen Behörden an den Kulturstätten gemildert.

Das Schillertheater in Berlin, das Stadttheater in Bochum und ein Filmtheater in Hannover waren für uns hervor­ragende Beispiele für die hohe Qualität der baukünstleri­schen Leistungen auf diesem Gebiet.

Besonders erwähnen möchte ich hier auch das Funkhaus in Hannover. Jedes seiner Teile ist außergewöhnlich gut ausgeführt. Der Hauptsenderaum hat meines Erachtens eine der gelungensten Innenausstattungen, die jemals hergestellt worden sind. Von der Verwendung von dünnen Messing­blechen, die zur Verbesserung der Akustik an den Seiten­wänden des Senderaums angebracht wurden, bis zum leich­ten, fast fröhlichen Charakter der Elemente von Wandel­gang, Flur und Halle zeigt dieser Bau eine ungewöhnlich vollendete Ausführung.

Ausstellungshallen zeigen westdeutschen Optimismus

Ausstellungshallen, deren Typ in den USA nicht allzu gebräuchlich ist, haben in allen Teilen Deutschlands gleich­mäßig eine ausgezeichnet durchgearbeitete Ausführung. Dem Architekten ist hierbei anscheinend völlig freie Hand für seine schöpferische Fähigkeit gelassen worden. Diese Bauten sind leicht, lustig, fast sorglos, mit einem erstaun­lichen Verständnis für das Material entworfen. Ein festes, sicheres Gefühl für die Struktur und eine bewundernswerte Anpassung an den Zweck kennzeichnen sie. Noch eindrucks­voller werden sie durch ihre unbedingte Aussage über den Optimismus der westdeutschen Bevölkerung.

Gärten, traditionelle Leistung

Der Wert der älteren und neuen deutschen Bauten wird noch gesteigert durch die Leistungen der traditionellen deutschen Gartenbaumeister. Vom einfachsten Landhaus bis zum größten Bürogebäude beeinflussen und untermalen Blumen, Rasen, Bäume und Anpflanzungen den Hinter­grund. Die Art, wie sie m den Baukörper selbst aufgenom­men werden, zeigt außerdem einen sehr hohen Grad bau­künstlerischen Verständnisses des Architekten und Land­schaftsgärtners und auch der Menschen, die in diesen Ge­bäuden wohnen oder beschäftigt sind.

Historische Bauten in ehrerbietiger Behandlung

Die sachliche Einstellung gegenüber vielen Wiederauf­bauten und Wiederherstellungen alter historischer Gebäude ist so ausgezeichnet, daß sie einer besonderen Erwähnung wert ist:

Das Innere der ehrwürdigen Marktkirche in Hannover ist im ganzen warmen, ehrwürdigen Charakter des ver­putzten Backsteins wiederhergestellt worden. Kühn er­sonnen ist das verglaste Feld zwischen den mittelalter­

lichen Flügeln des Rathauses zu Hildesheim. Gerade und sauber ist der Charakter des wiederhergestellten Inneren der Technischen Universität in Berlin. Das sind Taten von Männern mit klarer berufsmäßiger Geisteshaltung. Da ist nichts von einer unehrerbietigen Einstellung zu spüren. Die Weigerung, zwischen der Lauterkeit der Vergangen­heit und etwaiger Sentimentalität der Gegenwart einen Kompromiß zu schließen, zeigt ein wirkliches Erfassen der Grundsätze der Architektur. Hierfür Verständnis aufzu­bringein, fällt dem Laien sehr schwer. Ein guter Entwurf irgendeiner Ära steht für sich selbst und ist eine Höchst­leistung seiner Zeit. Ein schlechter Entwurf kann auch in seiner eigenen Zeit nicht bestehen und ist in keiner Weise verwandt mit irgendwelchen anderen guten Erscheinungen einer anderen Epoche. Das Gute aller Zeiten ergänzt sich zu voller Harmonie.

Es würde wirklich schwierig sein, jeden einzelnen Ge­bäudetyp des gesamten westdeutschen Wiederaufbaus be­sonders zu erläutern: Die sinnreichen Bausysteme der Wa­renspeicher im Hamburger Halfen, die zurückhaltende Ele­ganz der Hotels Kempinski, der anmutige Bogen einer Fuß­gängerbrücke aus Aluminium in Düsseldorf, das erregende Ausmaß der Westfalenhalle in Dortmund, die tapfere Ökonomie der modernen Geschäftshäuser, die in den Trüm­mern ausgebombter Häuser am Kurfürstendamm Obdach gefunden haben. Alles dieses und jedes in seiner Art gibt zu seinem Teil von der lebendigen Kraft deutscher Archi­tekten Kenntnis.

Die Aufzählung könnte lang werden. In der ganzen Bundesrepublik fanden wir den baukünstlerischen Aus­druck echten fachmännischen Könnens: unabhängige, klare, elegante Lösungen. Raum und Maße in das richtige und sich ausgleichende Verhältnis gebracht. Eine mit festem, siche­rem Urteil bestimmte Anordnung von Farbe und Licht. Alles das sind für den Architekten jeder Nation offen­kundige Merkmale einer lebendigen, kraftvollen Architek­tur.

Ost-Berlin, Stalinallee und Flüchtlingslager

Wir sahen nur kurz die unglaubliche Tragödie von Ost- Berlin. Was dort offensichtlich Architektur sein sollte, ver­dient keine Erwähnung. Wir sahen die Stalinallee. Die Pyramiden standen als stumme Zeugen der materiellen Knechtschaft eines unterworfenen Geschlechts.

Keine liberalistische Propaganda, keine ausgeklügelte materialistische Spitzfindigkeit können durch Erklärungen das Unglück beseitigen, das über diese Menschen gekom­men ist. Ihre Gesichter sind hager durch Hunger und un­beweglich aus Furcht.

In jedem Architekten steckt etwas von einem Sozio­logen: Mut, Energie, Stolz und persönliche Würde, diese Elemente des deutschen Charakters sahen wir klar in den Flüchtlingslagern von Berlin. Mit Erfindungsreichtum und unendlicher Geduld wurde mit geborgenem Schutt gebaut. Jeder Häuserblock wurde aus den Trümmern vergangener Tage wiedererrichtet.

Uber allem, was wir sahen und bewunderten, standen die eindrücklichen Folgen des Krieges, dieser unglaublichen Torheit der Menschen des 20. Jahrhunderts.

Gesellschaftsabend mit dem BDA

Auf dem Frankfurter Gesellschaftsabend mit unseren Kollegen vom Bund Deutscher Architekten wurden unsere Gemüter wieder nachdrücklich aufgemuntert. Hier entdeck­ten wir die Gemeinsamkeit unserer Interessen. Aus dieser Erkenntnis schöpften wir die Hoffnung, daß bei allseitigem Bemühen um ein brüderliches Verstehen, das wir einer im anderen finden können, alle Nationen eines Tages zur Vernunft kommen werden.

Ich persönlich beschließe meineDeutschlandreise mit einem ungeheuren Glauben an die Zukunft unserer gemeinsamen Welt. Ich erneuere meinen Dank für unser wunderbares amerikanisches Erbe demokratischer Grundsätze. Ich bin der aufrichtigen Uberzeugung, daß das deutsche Volk mit sei­nem unbezähmbaren Mut, seinem Weitblick und seinem Geist, seiner Energie und seinen Fähigkeiten mit Gottes Segen sich wieder auf seinen ihm zustehenden Platz in der vordersten Reihe der Gemeinschaft der christlichen Zivi­lisation heraufarbeiten wird.