Ausgabe 
(7.11.1941) Nr. 309
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Meiner ZeMno

parteiamtliche Hageszeitung

vas flmrsblatt des Negierenden Nürgermeisters der Freien fjansestadt vremen

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der Nationalsozialisten Vremens

flmlliches verkündungsblalt des Neichsstattliallers in Oldenburg und vremen

Nr. Z09 /II. Jahrgang

Freitag. ?. November 1941

kinzeloreis 13 Nps.

Sowielflottesuchtneuenflnkerplatz

Strategisches Nätselraten in London — „Sffensivkrast der Sowjets ein für allemal gebrochen"

Moskau bestätigt... — dreimal das alte deutsche deich

das stusmaß der deutschen Siege

Drahtbericht unserer Berliner Schristlcitung

8r.rv.seb. Berlin, 6. November. Dem armen englischen Zeitungsleser, der sich in diesen Tagen nach den sowjetischen und britischen Nachrichten ein Bild über die Lage an der Ostfront machen will, muß es bald so vorkommen, als drehe sich ein Mühlenrad in seinem Kops herum.

Da ist zunächst der sowjetische Jnformationsjude Losowsky, der vom vorläufig noch sicheren Port in Samara aus kühn behauptet, daß an den deutschen Be­hauptungen über die großen Erfolge auf der Krim kein Wort wahr sei und daß hier nach wie vor äußerst heftiger Widerstand geleistet werde. Gleichzeitig aber darf der Sonderberichterstatter Reuters aus Samara melden, daß nach der Besetzung „mehrerer unbewohnter Orte" — hier hätten demnach Zwangsevakuierungen stattgefunden — die Deutschen dauernd mit Verstärkun­gen nachrückten und die Lücke erweiterten, die sie in die sowjetischen Linien getrieben hätten, wobei sie sich in der Tiefe der bolschewistischen Verteidigungsstellun­gen entfalteten." Annalist, der doch gewiß auf dem Gebiet des Illusionismus bisher immer nach Gipfel­leistungen strebte, sieht auch sehr schwarz:

Er meint, daß die Deutschen mit ihrer Luftwaffe die Lage in Sewastopol zu heiß gestalten könnten, als daß dieser Hasen weiterhin noch als Flottenbasis benutzt werden könne. Da auch Noworossijsk von den deutschen Flugplätzen der Krim leicht erreicht werden könne, müsse sich wahrscheinlich die Sowjetflotte einen Anker­platz in Batu suchen, dessen Hafeneinrichtungen aber unzulänglich seien.

Ileberall spürt man die nervöse Unsicherheit darüber, nach welcher Richtung die deutsche militärische Führung die in der jüngsten Zeit errungenen großen Erfolge als .Grundlagen neuer strategischer Zielsetzungen auswerten wird..Man konstruiert direkt an allen möglichen Front­abschnitten große deutsche ysfcnsiven und schreibt Hitler

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die Absicht zu, am 7. November anläßlich des Jahres­tages der bolschewistischen Revolution Moskau einzu­nehmen, um sich hinterher trösten zu können, wenn das angebliche Programm nicht eingehalten wird. Jedenfalls kennzeichnet sich zur Zeit die militärische Berichterstat­tung der Sowjets und ihr britisches Echo als ein voll­kommener Wirrwarr, mit dem sachlich überhaupt nichts anzufangen ist.

Der Herausgeber der Newyorker Zeitung „P. M.", Jngersoll, der ganz gewiß nicht im Verdacht der Deutschfreundlichkeit steht, stellt in einer Reportagereihe für die südamerikanische „Prensa" die absolute Ver­logenheit der sowjetischen militärischen Berichterstat­tung mit den schärfsten Ausdrücken fest. Die Sowjets verschwiegen den Verlust von Städten oft mehr als zehn Tage lang. Die Angaben über deutsche Verluste seien nur durch einen kindlichen Optimismus zu er­klären, die Mitteilungen über angebliche Flottensiege seien meist nur Wunschträume, die Zahlen angeblich abgeschossener Feindflugzeuge entsprächen ebensowenig der Wahrheit.

Auch in der Türkei glaubt man kein Wort aus Mos­kau oder Samara mehr. 2n einem Aufsatz im „Cum-

Aus dem Fllhrerhauptquartier, 8. Nov. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Aus der Krim wurde die Verfolgung des geschlagenen Feindes auf der gesamten Front erfolgreich fortgesetzt. Im Jaila- Gebirge warfen deutsche und rumänische Truppen abge­schnittene Kräfte des Feindes und stießen zwischen Ialta und Feodosia in breiter. Front zur Küste des Schwarzen Meeres vor. Auch im Gebirge ostwärts Sewastopol wurde feindlicher Widerstand gebrochen. Die Luftwaffe unterstützte die Operationen und fügte den Sowjets in den Gewässern der Krim sowie vor der Nord­ostküste des Schwarzen Meeres neue schwere Schiffsver­luste zu. Sie versenkte drei Truppentransporter mit zusammen 13 880 BRT. und beschädigte durch Bomben­wurf vier weitere größere Handelsschiffe. Vor Leningrad wurden Ausbruchsversuche des Gegners abgewiesen. Schwere und schwerste Batterien des Heeres bekämpften kriegswichtige Ziele in Leningrad und feindlichen Schiffsverkehr im Finnischen Meerbusen. Zwei Kriegs­schiffe und ein Frachter wurden schwer getroffen. Bei einem Nachtangriff der Luftwaffe aus die Industriestadt Eorki wurden neue schwere Zerstörungen in Rüstungs­werken und Vcrsorgungsbetricben angerichtet. Andere

Berlin, 6. November.

Der Angriffsgeist der deutschen Wehrmacht ha: auch auf der Halbinsel Krim, wie schon früher bei Reval und auch in den Feldzügen im Westen und Südosten, dahin geführt, daß der geschlagene Feind, in diesem Falle die Sowjets, sich auf alle Art und Weise bemühen, über das Meer zu entkommen. Weder die Luftwaffe noch die nachdrängenden Verbände des Heeres lassen den Bolschewisten jedoch die Zeit, sich auf die Transport­schiffe zu begeben. Die deutsche Kriegsmarine hat im übrigen schon im September 1841 15 Kriegsschiffe der bolschewistischen Kriegsflotte im Schwarzen Meer ver­senkt und außerdem sechs Kriegsschiffe beschädigt. Im Oktober hat dann die deutsche Luftwaffe im Zusammen­wirken mit den Angriffen der deutschen Verbände auf die Landenge von Perekop und mit dem Vormarsch über die Krim-Steppe dafür gesorgt, daß die Bolschewisten nur so wenig Nachschub wie möglich über das Meer

huriyet" beschäftigt sich Taver mit der Feststellung im „Roten Stern", der den beginnenden Zusammenbruch der Sowjetfront mit der „zahlenmäßig stärkeren Ueber- legenheit der Deutschen" entschuldigt. „Cumhuriyet" be­merkt dazu, daß in dieser Behauptung die Wahrheit zwischen den Zeilen zu lesen sei. Man müsse sich fragen, wie ein Achtzigmillionenvolk wie die Deutschen plötzlich dem Zweihundertmillionenvolk der Sowjetunion gegen­über eine zahlenmäßige Ueberlegenheit habe erringen können. Die Antwort ist einfach in der Tatsache ge­geben, daß in diesem Feldzug im Osten der Sieg des Geistes über die Materie, der Sieg einer genialen überlegenen Führung, der besseren taktischen Schulung und der unvergleichlich viel besseren soldatischen Fähig­keiten über eine ursprünglich gigantische Material- und mannschaftsmäßige Ilebermacht den geradezu klassischen Ausdruck gefunden hat. Die erwähnte türkische Zeitung erkennt in der Entschuldigung des „Roten Sterns" den klaren Beweis dafür, daß die Gefangenen- und.Ver- nichtungszqhlen der deutschen Sondermeldungen immer gestimmt haben, und daß auf deutscher Seite eine über­legene Fllhrungskunst vorhanden ist, der es gleichzeitig

(Fortsetzung aus Seite 2)

Kampsfliegeroerbände belegten in der letzten Nacht Moskau nnd Leningrad mit Spreng- und Brand­bomben. An der Südwestkiistc Englands bouibardierte die Luftwaffe in der Nacht zum 6. November Werftan­lagen des Hafens Falmouth. Der Feind flog in der vergangenen Nacht mit schwachen Kräften in das deutsche Küstengebiet ein. Der Angrisfsoersuch blieb ohne Wir­kung. Sieben britische Bomber wurden abgeschossen. In der Zeit vom 28. Oktober bis 4. November verlor die britische Luftwaffe 37 Flugzeuge. Während der gleichen Zeit gingen im Kamps gegen Großbritannien sieben eigene Flugzeuge verloren."

Falmouth in der Eirafschaft Eornwall, tasten Werftanlagen von der deutschen Luftwaffe getroffen wurden, liegt an der äußersten Südwestecke Englands und hat daher für den Seeverkehr starke Bedeutung. Im Frieden liefen Schiffe mit zusammen 2,4 Millionen BRT. Falmouth an, jetzt ist der Hafen ein Sammelplatz für Geleitzüge. Auch die britische Kriegsmarine ist an dem Hafen stark interessiert. Sie verfügt hier über vier Trockendocks für Kreuzer und andere militärische An­lagen.

heranbringen konnten. Als nun aber die Sowjets ge­schlagen, sich zum Abtransport in den Hafenorten zu­sammendrängten und hier Truppentransporter aller Größen für den erhofften Abtransport zusammenfuhren, hatte die deutsche Luftwaffe wieder die Aufgabe, durch Versenkung der Sowjetischiffe ein Entkommen der So­wjettruppen zu verhindern. So wurden in den letzten Wochen um die Halbinsel Krim herum fünf Kriegsschiffe der Sowjets und 34 Handelsschiffe schwer beschädigt. Die beschädigten Handelsschiffe können auf den Wersten der Sowjets nicht mehr repariert werden, weil die Werften in Odessa, Nikolajew, Lherson seit Wochen in deutscher und rumänischer Hand sind und die beiden Häfen an der Ostküste des Schwarzen Meeres, Noworossijsk und Vatum, entweder unter dem deutschen Bombenhagel oder zu weit entfernt liegen. Die Sowjets erleben also jetzt an den Küsten der Krim die gleiche Situation wie ihre Verbündeten, die Briten, seinerzeit in Dünkirchen.

Verfolgung des seindes auf der Krim

Neue schwere Schiffsverluste der Sowjets — vekömpsung kriegswichtiger Ziele in Leningrad und Moskau — Schwere Zerstörungen in Sorki — vomben aus die werjtanlagen des Hafens falinoutff

Vie volschewisten erleben ihr Vünkirchen

Nie Sowjettruppen bemüken sich auf alle flrt und weise über das Meer ;u entkommen

simrland kat Kults Spiel durchschaut

Vie Welt noch immer empört — „Vie erpresserische sorderung eine völlige Unmöglichkeit"

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

K. Berlin, 6. November. In die Empörung des tapferen finnischen Volkes über die unverschämte und anmaßende Forderung des Rooseveltschen Staatssekre­tärs Hüll klingt aus den Zeitungen aller europäischen Staaten und — was für die Vereinigten Staaten be­sonders peinlich sein dürfte — auch der iberoamerika- nischcn Länder, die Sympathie für das tapfere finnische Volk und das Verständnis für die maßlose Entrüstung rn Helsinki.

Die finnische Presse wie „llust Aura" fordert, daß die Antwort Finnlands an die USA. nicht von dem ab­weichen dürfte, die die finnische Regierung kürzlich Eng­land gegeben habe, als es Finnland in ähnlicher Weise drohte wie jetzt die USA. „Die rein instinktive Selbst- erhaltung zwingt uns, bei der augenblicklichen günsti­gen Lage die strategischen Bahnen, Straßen und ssflug- plätze, die hinter unserer Ostgrcnze zu unserer Vernich­tung gebaut sind, an uns zu bringen." Wenn Finnland seine Freundschaft mit den Vereinigten Staaten mit seiner künftigen Sicherheit erkaufen müsse, für die das finnische Volk bereits schwere Opfer gebracht habe, meint „Hufvudstadsbladet", so bleibe nichts anderes übrig, als mit schwerem Herzen auf diese Freundschaft zu verzich­ten. Es sei für die Vereinigten Staaten und für Eng­land keineswegs schmeichelhaft, so äußert „Turun Sa-

nomat" seine Ansicht, wenn sie jetzt einem kleinen Lande gegenüber das Mittel eines Nervenkrieges anwendeten, mit dem bereits zwei Jahre zuvor die Sowjetunion ver­geblich versucht habe, Finnland auf die Knie zu zwin­gen. Aus all diesen Aeußerungen klingt das kategorische Nein.

In dem finnischen Nachbarstaat Schweden, dessen Außenminister Euenther erst kürzlich in einer Rede hervorhob, Finnland habe jetzt ein Anrecht auf erhöhte Sicherheit seiner Grenzen, weiß die Presse die finnische Haltung vollauf zu würdigen. In der Lage, in der sich Finnland sowohl militärisch als auch in anderer Be­ziehung befinde, schreibt „Stockholms Tidningen", sei ein Einleiten von Verhandlungen über einen Separat­frieden eine völlige Unmöglichkeit. Trotzdem sei diese neue Propagandaaktion von Mister Hüll in Gang gesetzt wor­den. Es sei jedoch erfreulich, daß die Finnen nicht allein in ihrer Reaktion dapänden, ja, man wisse in London und Washington, daß Finnland sich nicht aus dem Krieg herausmanöorieren laste, wenn aber die Propaganda an der Themse glaubhaft machen wolle, daß es sich anders verhielte, so sei das nur eine Vorspiege­lung für die öffentliche Meinung, um damit geplante Maßnahmen vorzubereiten. Das finnische Volk kann durch die plumpen Jntrigcn Washingtons nicht im ge­ringsten beeinflußt werden, schreiben in diesem Zu­sammenhang kroatische Blätter, die amerikanischen Ma­

növer verfolgten lediglich den Zweck,, eine englische Kriegserklärung an Finnland agitatorisch vorzubereiten.

Die Hintergründe dieser Maßnahmen werden von der in Buenos Aires erscheinenden „Prensa" klar gekenn­zeichnet: „Die Zurückziehung der finnischen Truppen würde starke sowjetrussische Truppenteile von der Ark­tis bis zum Finnischen Meerbusen freimachen. Diese Truppen würden an anderen Fronten eingesetzt werden können, so daß der Weg nach Murmansk für die anglo- amerikanische Rußlandhilfe frei würde. Dies sei beson­ders wichtig im Hinblick auf den drohenden deutschen Vormarsch zum Kaspischen Meer, wodurch Kaukasien abgeschnitten würde. Dann sei es auch mit den Liefe­rungen durch das Rote Meer über den Iran vorbei.

Stimmen der Empörung gellen dem Weißen Haus aus allen Himmelsrichtungen entgegen. Man ver­nimmt überall aufmerksam den Leitartikel der „Times", die spaltenlang über die britischen und amerikanischen Pläne gegen Finnland berichtet und betrübt die ab­lehnende finnische Reaktion auf alle britischen Be- törungs- und Erpressungsversuche feststellt. „All diese Tatsachen dürften genügen, um der englischen Regie­rung Schwachheit und Unentschlossen'hci't vorzuwerfen, wenn eine Kriegserklärung an Finnland weiter ver­zögert werde." Die „Times" hat so die bekannte Katze aus-dcm Sack gelassen, und die Welt hat diese britische Verbeugung vor den Wünschen Moskaus wohl vermerkt.

Der HeoümW

„Symbol des nationalen Arabertums"

Nach einem kurzen Aufenthalt in Italien trifft der Großmusti von Jerusalem dieser Tage zn einem Besuch in Berlin ein.

Mohammed Emin el Hussein ist zweifellos eine der interessantesten Gestalten des Arabertums, besten völ­kische Kraft und unbeugsamer Freiheitswille in seiner Person geradezu klassische Verkörperung gefunden haben. Nicht umsonst verfolgte ihn schon seit Jahren der bri­tische Haß in alle Schlupfwinkel, in die sich der Eroß- mufti zurückziehen mutzte, um den ihn verfolgenden Häschern zu entgehen.

Als sichere Anzeichen dafür bestanden, daß der bri­tische Oberkommissar für Palästina auch nicht davor zurückschrecken würde, el Hussein aus der Jerusalemer Omar-Moschee, einem der größten Heiligtümer des Islam, mit Gewalt herauszuholen, flüchtete er nach Bagdad, von wo er sich jedoch mit den namhaftesten irakischen Nationalisten nach Iran zurückziehen mußte, nachdem die Engländer das ihnen ungenehme Kabinett Khailani gestürzt und das um seine Unabhängigkeit ringende Land brutal unterworfen hatten. Mehrmals verlangte die Londoner Regierung daraufhin vergeblich die Auslieferung des Großmusti. Nach ihrem gemein, sam mit den Bolschewisten unternommenen lleberfall auf Iran bemühte sie sich erneut, des gefürchteten Man­nes habhaft zu werden, auf dessen Kopf General Wavell sogar einen Preis von 28 000 Pfund aussetzte. Dennoch gelang es dem Großmusti aber, sich allen Nachstellun­gen zu entziehen und nach abenteuerlicher Flucht über Albanien italienischen Boden zu erreichen.

Zahlreiche Geheimnisse umgeben diesen rätselhaften Mann, dessen Aeußeres allein schon auffallend genug ist. Zwar trägt er wie die meisten Muftis den übli­chen schwarzen Talar und den hohen weißen Scheik- Turban. Aus seinem markanten Gesicht, umrahmt von rotblondem Vollbart, blitzen jedoch energische blaue Augen, die mancherlei Zweifel an seiner Herkunft auf-. tauchen ließen. Tatsächlich entstammt el Hussein jedoch einer der ältesten arabischen Familien, die ihre Ahnen­reihe vom Propheten Mohammed selbst ableiten. Wäh­rend des Weltkrieges kämpfte er als junger Artillerie­offizier in der türkischen Armee. Doch schon bald nach seiner Entlassung kehrte er in die Heimat zurück, wo er sich sofort der nationalen Freiheitsbewegung zur Ver­fügung stellte.. Bereits 1920 mutzte er daher aus Pa­lästina fliehen, um zunächst in kluger Zurückhaltung in Transjordanien die weitere Entwicklung abzuwar­ten. Es mag sein, daß gerade deshalb Sir Herbert Samuel, damals Oberkommissar in Palästina, auf den Gedanken kam, den vermeintlich gefügig gewordenen Mann zum Mufti von Jerusalem und Präsidenten des arabischen Rates zu machen. So wurde der später ge­fürchtet« Feind Englands ausgerechnet durch den Juden Samuel auf einen Posten berufen, der ihm die größte Machtflllle in die Hand gab.

Der Großmusti von Jerusalem war nicht nur der höchste islamische Würdenträger im Lande, sondern er verfügte auch als allein entscheidende Instanz über einen äußerst wichtigen Einfluß in den meisten ara­bischen Angelegenheiten. Er entschied als höchster Rich­ter auf Grund des kanonischen Rechts und verwaltete zugleich das Vermögen der dem Islam von wohlhaben­den Gläubigen überschriebenen Güter und Vermögen, deren Umfang ein sehr beträchtlicher ist. Die Engländer fetzten alles daran, um die hieraus resultierende welt­liche Macht des Mufti, dessen Wort für die Araber geradezu verpflichtende Kraft hatte, zu schmälern, nach­dem dieser erfolgreich versucht hatte, den Verkauf ara­bischen Grundbesitzes an Juden zu verhindern und sei­nen Richterspruch über die britische Gerichtsbarkeit zu stellen.

Seit 22 Jahren kannte Mohammed Emin el Hussein kein anderes Ziel, als Palästina von der Fremdherr­schaft zu befreien und den Arabern zu der ihnen so oft schon trügerischerweise von London versprochenen Unabhängigkeit zu verhelfen. Mit glühender Liebe hängt die Bevölkerung des von den Briten vergewal­tigten Mandatsgebietes an diesem Mann, dessen Auto­rität weit über seinen eigentlichen Wirkungskreis hin­ausgeht, denn in allen Ländern des Nahen Ostens wird er als Held des arabischen Freiheitskampfes verehrt. England hat ihn zwar aus seiner Heimat vertrieben, aber es konnte damit doch nicht erreichen, daß auch der Name el Husseins und das Werk, in dessen Dienst sein ganzes Leben steht, ausgelöscht werden. Der Groß­mast! ist auch heute noch Symbol und Wortführer des nationalen Arabertums.

Vie öritenflieger ihre Vomben warfen

Berlin, 6. November. In einem von Reuter verbrei­teten amtlichen Bericht über einen britischen Luft­angriff auf eine Stadt in Nordafrika heißt es: „Starke Wolkenbildung verdeckte die Ziele und die Ergebnisse des Bombenabwurfs konnten nicht beobachtet werden." Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Bom­ben irgendwo im freien Felde landen. So sind diese Briten: Das Ziel brauchen sie gar nicht zu sehen, wo die Vomben hinfallen, ist einerlei. Hauptsache bleibt der Londoner Erfolgsbericht, in dem von Bränden und Explosionen gefaselt wird. Es ist ja nicht das erste Mal, oaß eine Stadt sich wunderte, im englischen Bericht ge­nannt zu werden, ohne von angreifenden Flugzeugen etwas bemerkt zu haben.

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Unser

Die deutschen Truppen besetzten bisher in Sowjet- rußland ein Gebiet von der dreifachen Größe des alten deutschen Reiches.

Kriegswichtige Ziele in Leningrad, Moskau, Gorki und anderen Städten wurden erfolgreich angegriffen. Die Sowjets erleben auf der Krim ihr Dünkirchen. Finnland hat Hulls Spiel durchschaut.

Der Großmusti von Jerusalem kommt dieser Tage zu einem Besuch nach Berlin.

Die kommende Zutcilungsperiode bringt neben im ganzen unveränderten Lcbensmittclrationcn einige Sonderzuteilungen.

Die 2. Ncichsstraßcnsammlung für das Kricgs- WHW. erbrachte im Nordseegau rund 387 808 Mark.