Ausgabe 
(6.11.1941) Nr. 308
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der Nationalsozialisten Bremens

flmlliches verkündungsblalt des leichsstattlfalkers in Oldenburg und vremen

Nr. Z08 /II. Zatirgang

Donnerstag, 6. November 1041

kirneivreis 1S Nps.

Vie Schwarzmeer-Küfte erreicht!

vrMsche „Propagandisten" in Nöten: „wir festen uns einem Seedrama gegenüber"

der Kamps aus der Krim

Drahtbcricht unserer Berliner Schristleitung

clr. w. sck. Berlin, s. November. In einem Tempo, das alle Erwartungen übertrifft, geht es aus der Krim der vollen Entscheidung entgegen. Die Tatsache, Daß nach der Einnahme von Feodosia, wo das Jaila-Eebirge um­gangen werden konnte, nunmehr dieser sich bis über 15vl> Meter erhebende Ecbirgszug auch an anderer Stelle bis zur Siidkiiste der Halbinsel durchstoßen werden konnte, weist auf den Zusammenbruch des Widerstandes hin, der, abgesehen von den letzten Fluchtwegen nach Sewastopol und Kertsch, nur noch örtlich und von versprengten Ver­bänden geleistet werden kann.

Der englische Kommentator „Annalist" gibt sich sehr erbost darüber, daß die Deutschen jetzt so wenig von anderen Frontabschnitten sprächen und dafür die Wichtig­keit der Offensive im Süden und auf der Krim auf­bauschten. Hitler habe doch in seinem Tagesbefehl vom 2. Oktober von der Krim und vom Süden gar nichts gesagt. Ja — lieber „Annalist", haben Sie denn er­wartet, daß Ihnen das Deutsche Oberkommando immer schon im voraus seine Operationsplüne im einzelnen offenbart?, Sie tun doch sonst immer, wenn Sie mit genau abgesteckten Zielen und bestimmten Terminen spielen, so, als ob Sie im Führerhauptquartier hätten Mäuschen spielen dürfen und das Gras wachsen hörten. Im übrigen darf wohl gegenüber den erbosten Be­schwerden dieses merkwürdigen Sachverständigen darauf hingewiesen werden, daß nicht wir es waren, sondern Stimmen der englischen Presse und des Londoner Rund­funks, die zum Teil maßlose strategische Aspekte aus den Erfolgen der deutschen Operationen im Süden ableiteten. Die „Times" war es, der wir die Feststellung entnahmen, daß für die Sowjets und für England — für England natürlich in. erster Linie! — der Süden den entscheiden­den Abschnitt des Kriegsschauplatzes darstelle. Die „Times" lehnt es auch, anders als Annalist, ab, ein deutsches propagandistisches Ablenkungsmanöver zu kon­struieren. Auch in der Beurteilung der weiteren Ent­wicklungsmöglichkeiten gehen die englischen Auffassungen, so wie sie öffentlich zum Ausdruck gebracht werden, weit

NUW

Leksrl Liläsräisnst, Berlin

auseinander. Der Londoner Sender wollte sich Mittwoch morgen damit trösten, daß die Kämpfe auf der Krim weitergehen und weitergehen werden. Robert Frazer da­gegen schlägt die Hände über dem Kopf zusammen:

„Wir sehen uns einem Seedrama gegenüber." Sewa­stopol, so heißt es weiter, sei für die sowjetische Schwarz­meerslotte nicht mehr zu verwenden, weniger wegen der deutschen Bombenangriffe, sondern weil die deutschen Truppen die Flotte bereits mit schwerer Artillerie vom Land aus beschießen könnten.

Auch von dem schon von der deutschen Luftwaffe be­drohten Noworossijsk verspricht man sich nicht mehr viel. Robert Frazer fgßt schon die letzte Möglichkeit ins Auge, daß die Sowjets auch in den Gewässern des Schwarzen Meeres ihre Vernichtungspolitik fortsetzen würden, um ihre Schisse nicht in die Hände der Deut­schen fallen zu lassen. Was die Entwicklung im Do- nezgebiet betrifft, so verzeichnet der feindliche Nach­richtendienst jetzt das vom OKW. bereits seit Tagen gemeldete ständige Vordringen mit wachsendem Unbe­hagen. Zwar scheine es, so sagt die „Times", daß die

Sowjets weiterhin entschlossenen Widerstand leisten wollten (!) — aber die Deutschen seien schon zu tief eingedrungen. Außerdem drohe nach der vollendeten Besetzung der Krim durch die Deutschen eine neue Zan- genbewegung. Vor allem ist man laut „Times" bei der Verfolgung der militärischen Ereignisse in diesem Kampfabschnitt endlich zu der Erkenntnis gelangt, daß bei den Sowjets im Süden nicht mehr der Zusammen­hang — gemeint ist die organisierte Verteidigung — besteht, wie sie an anderen Frontabschnitten aus Prestigegründen noch mühsam aufrechterhalten werde. Es handelt sich nach dieser englischen Auffassung im Süden vom iowjetischen Standpunkt aus nur um eine Reihe von Nachhutaktionen mit dem Zweck, noch etwas Zeit fü? die industrielle Evakuierung und für die Vor­bereitung von weiter rückwärts gelegenen neuen Ver­teidigungsstellungen zu gewinnen.

Um auf den lächerlichen Einwurf des propagandisti­schen Ablenkungsmanövers zurückzukommen: waren wir es oder ist es der General Wavell gewesen, der im Zu- (Fortsetzung auf Seite 2)

Vas Zaila-Sebirge durchstoßen

Zwe^ Sowjettransporter versenkt — lageslustangriffe auf 6orki

Aus dem Führerhauptquartier, 5. Nov. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Auf der Krim wird die Verfolgung sowohl in südlicher wie in ostwärtiger Richtung fortgesetzt. Trotz schwieriger Ge­ländeverhältnisse ist das Jaila-Eebirge an einer Stelle bereits durchstoßen und die Küste des Schwarzen Meeres erreicht. Die Luftwaffe bombardierte die Krimhäfen S e - wastopol, Jalta und Kertsch und versenkte in diesen Gewässern zwei Transporter mit zusammen 1V00Ü BRT. sowie ein Bewachungsschiff. Fünf weitere Handelsschiffe und ein kleiner Kreuzer der Sowjets wur­den durch Bombenwurf erheblich beschädigt. Bei Lenin­grad brach ein nach starker Artillerievorbereitung Unter­nommener erneuter Uebersetzversuch des Feindes über die Newa unter schweren Verlusten für den Gegner in der deutschen Abwehr zusammen. Bon etwa 100 Booten wurde die Hälfte versenkt, der Rest zur Umkehr ge­zwungen. Wiederholte von Panzern unterstützte Aus­bruchsversuche des Feindes an der übrigen Ein- schließungssront wurden größtenteils schon in der Be­reitstellung zerschlagen. Starke Kampsfliegerkräfte führ­

ten bei Tage schwere Angriffe gegen die für die Kraft- wagen- und Flugzeugerzeugung bedeutende Industriestadt Gorki durch. Volltreffer schweren Kalibers richteten im Autowerk Molotow, im Werftgelände an der Wolga und in den Bahnanlagen der Stadt große Zerstörungen an. Mehrere ausgebreitete Brände entstanden. Bei Luft­angriffen auf Leningrad konnten kriegswichtige An­lagen in Brand geworfen werden. Auch Moskau wurde in der letzten Nacht bombardiert.

Im Seegebiet der Faroers versenkten Kampfflugzeuge einen Frachter von 5000 BRT. und erzielten Bomben­treffer auf einem weiteren größeren Handelsschiff. Vor­postenboote wehrten im Kanal wiederholte Angriffe bri­tischer Schnellboote erfolgreich ab. Im Artilleriegefecht wurden ein feindliches Schnellboot versenkt, zwei andere durch mehrere Treffer beschädigt. Im Gols von Suez wurde am 3. November ein britisches Torpedoboot durch Bombenwurf eines deutschen Kampfflugzeuges beschädigt. Britische Bomber unternahmen in der vergangenen Nacht wirkungslose Angriffe auf West- und Nordwcstdeutsch- land."

vas VesestigungssMem auk der Krim

(2ur nsbsnstslisnäsn üarts) §

Die zur Halbinsel Krim führende Landenge von Pere- kop war durch die Sowjets zu einer Verteidigungsstellung ausgebaut worden, deren nordsiidliche Ausdehnung von 50 Kilometer die größ.e Tiefe der Maginotlinie über­schritt. Diese mit den modernsten Mitteln ausgebaute Verteidigungsstellung gründete sich aus zwei gewaltige Vesestigungsjysteme.

Das erste Vefestignngssystcm lag im Norden der Land­enge bei Perekop-Ärmjansk,' es schloß den Tatarengraben am Südrande von Perekop. wo die Landenge 9 Kilo- meter breit ist, mit ein. Mit den Vorstellungen und Flan­kierungen umfaßte das Befestigungssystein hier fünf mit mehrfachen Gräben ausgebaute schwere Stellungen, die mit allen modernen Waffen ausgerüstet waren. Minen­sperren und Bunker, Geschützstellungen und Maschinen­gewehrnester sicherten das Gelände zwischen den Eraben- systemen wie auch an den Flanken nach dem Meere hin. Dieses nördliche Besestigungssystem, das von den Sowjets stark und zäh verteidigt wurde, wurde von den Ver­bänden der Armee des Generals der Infanterie von Rinn­stein im Zusammenwirken mit dem Fliegerkorps des Ge­neralleutnants Pflugbeil nach hartem Kampf in der Zeit vom 25. bis 20.'September durchbrochen. 12 000 Ge­

fangene, 34 Panzerkampfwagen, 107 Geschütze und 407 Maschinengewehre fielen in deutsche Hand. 20 Kilometer südlich von Perekop hatten die Sowjets die zweite Be­festigungsstellung der Landenge nördlich Juschun auf­gebaut. Das Gelände wird hier nicht nur durch die tief einschneidenden Buchten, sondern auch durch einige Seen zusammengedrängt, daß es an der breitesten Stelle nur 2V- Kilometer mißt. Die Sowjets hätten dieses Ge­lände unter voller Ausnutzung seiner Bodenbeschaffen- heitz die Anlaß zu besonders günstigen Flankierungsstel­lungen gab. in mehr als 10 Kilometer Tiefe so meister­haft ausgebaut, daß eine Einnahme unmöglich schien. Die deutschen Verbünde griffen trotzdem diese südliche Sperre am 17. 10. an und durchbrachen sie in außer­ordentlich hartnäckigen Kämpfen innerhalb von 10 Tagen. Insgesamt 13 000 Minen wurden hier und im Norden von den Pionieren beseitigt. Der Zugang zur Krim war damit frei. Weitere 15 700 Gefangene, 13 Panzer, 100 Geschütze, 400 schwere Maschinengewehre und zahlreiches weiteres'Kriegsmaterial wurden erbeutet. Noch eine dritte Stellung aber hatten die Sowjets, insbesondere zur Sperrung der Straße nach Simferopol, angelegt. Fünf Kilometer südlich Juschun lag ein Verteidigungs- iystem am Fluß Tschetarlyk und 10 Kilometer weiter südlich ein weiteres Erabensystem bei Dshan-Ssakal- Mangit. Auch diese Stellungen wurden von der deutschen Infanterie den Sowjets im Sturm entrissen.

USA.-Senator: Amerika muß sich schämen!

finnische presse anlwortet aus

Drahtbcricht unserer Berliner Schristleitung b. Berlin, 8. November. „Die USA. müssen sich aus immer der drohenden Warnung an Finnland schä­men!" Diese Feststellung eines der USA.-Politiker, die es wagen, vor aller Öffentlichkeit die Erbärmlichkeit der Rooseveltschen Kriegspolitik aufzudecken, klingt ein in den Chor der Empörung und des Sarkasmus, mit dem die europäischen Länder und vor allem das be­troffene Finnland zu den unverfrorenen Erpressungs- verjuchen Hulls gegenüber Finnland Stellung nehmen.

Die finnische Presse spiegelt in ihrer Gesamtheit die Entrüstung, die die unverständlichen Vorstellungen Hulls im finnischen Volke hervorgerufen haben. „Helsingin Sanomat" stellt die Frage, wie irgendwelche sinnliche Maßnahmen an der Ostgrenze im Widerstreit mit den Interessen der Vereinigten Staaten stehen können. Viel Bitterkeit liegt in den Worten der finnischen Kommen­tatoren, die wie im „Uusi Suomi" die Tragik aufzeigen, die für das kleine Finnland darin liege, daß es im Winierkrieg, als es in schwächerer Stellung gegen den großen Angreifer stand, das Mitgefühl der Welt er­regte, jetzt dagegen, wo es unter günstigerem Vorzeichen kämpfe, in den Plutokratien das Gegenteil der Fall sei. Mit Hohn weist die finnische Presse die sofort von Reuter angekurbelte Ereuelaktion zurück.: nach der es in Helsinki anläßlich der Verlautbarung Hulls zu Stra- ßendemonstrationen und polizeilichen Verhaftungen ge­kommen sei. Die finnischen Stellen betonen, daß sämt­liche derartige, in den Agitationsstuben Reuters er­fundenen Gerüchte jeglicher Grundlage entbehren.

Hulls SroHungen , Hoooer M Ser erpresst

Man spräche in England von finnischen „Lakaien- Divisionen" und vergesse dabei, daß Finnland außer vielen anderen Gründen schon darum nicht mit den Bolschewisten Frieden schließen könnte, weil die Sowjets noch immer wichtig«, den Finnen gehörende strategische Stützpunkte besäßen und beispielsweise von der Kola- Halbinsel aus in dem Augenblick die gesamte finnische Flanke aufrollen könnten, in dem Finnland ruhig zu­sehe.

.In allen europäischen Hauptstädten, selbst in Bern und Stockholm, bat man für die Antwort der finnischen Presse an die Mresse des Weißen Hauses größtes Ver­ständnis. Man durchschaut hier die wahren Hinter- aründe der amerikanischen Bemühungen, und „Stock- holms Tldningen" macht sich die finnische Auffassung zu eigen, daß die anglo-amerikanische Aktion lediglich darauf abziele, die finnischen Truppen von Murmansk und Archangelsk sortzubekommen. Schweizer Zeitungen erinnern daran, daß bei Beginn des sowjetischen lleber- falls auf Finnland im Jahre 1030 die USA. einen Ver­mittlungsversuch unternommen hätten, der aber damals von den Bolschewisten rundweg abgelehnt wurde. Heute verlange man von Finnland, bevor an einen „Ver­handlungsfrieden" gedacht werden könne, daß es so tue, als wenn der Frieden geschlossen wäre.

Das Blamable für Cordell Hüll ist es, daß selbst ame­rikanische Staatsmänner und Journalisten die ganze Pcrfidie des Unternehmens erkannt haben und es öffent­lich als eine Frechheit ohne Beispiel bezeichnen. „Ich protestiere dagegen, daß die Vereinigten Staaten einen Druck auf Las demokratische Finnland ausüben im Namen des kommunistischen Rußland", sagt der frühere

ngstaktik des Weißen Hauses

Präsident Hoover in einer öffentlichen Erklärung. „Erst vor zwei Jahren wurde diese friedliche kleine Na­tion schmählich vom kommunistischen Rußland überfallen: unser Land feierte Finnlands Widerstand als den hero­ischsten Kampf einer Demokratie seit den Thermopylen. Kann Amerika jetzt schmähen, weil die Finnen die erste Gelegenheit benutzen, ihre Heime wieder aufzurichten und frühere Landsleute zu befreien? Hat Amerika jeden Sinn für menschliche und moralische Verhältnisse ver­loren?" „Die Warnung an Finnland stelle eine der mehreren Arten dar, wie Roosevelt die „Freiheiten" ver­breite, betont ein Mitglied des USA.-Abgeordneten­hauses, während ein anderer sarkastisch frage, ob die USA.-Regierung bereits Versicherungen'erhalten habe, daß UdSSN. Finnland nicht angreifen werde. Amerika müsse sich aus immer der Warnung an Finnland schämen.

Nachdem Hüll am Vortage seine Drohung an Finn­land vor der Pressekonferenz hatte verlesen lassen, und nachdem seine Erklärung selbst in den zum Jnterveu- tionismus neigenden USA.-Kreisen starkes Befremden erregt hatte, wurde auf der Pressekonferenz am Mitt­woch eine weitere Erörterung der erpresserischen Dro­hung mit der Begründung abgesagt, daß darüber nichts Neues zu berichten sei. Senator Clark nannte die Er­klärung „völlig schamlos". Sogar der stets antideutsche Rundsunksprcchcr Eodwin bezeichnet Hulls Erklärung als herzlos und weist ebenfalls aus die großen Sym­pathien hin, die man bisher den Finnen „gezeigt" habe. Jetzt habe Finnland das „Pech", aus feiten Deutschlands zu stehen, während der „blutige Joseph" im Lager des „Pachtlcih-John-Bulls" stehe und daher von der USA.- Regierung als befreundet angesehen werde.

U-aüeeie

Von

Norbert llricll 8 ubI

In alten Reiseberichten über das moskowitische Un­getüm kann man stets eines als besonders ausfallend hervorgehoben finden: die Bigotterie, die in diesem seltsamen Staatsgebilde herrsche, verbunden mit einer wahrhaft obskuren Herkunft und Denkungsweise der Geistlichkeit, die sich anmaße, stets die herrschende Rolle spielen und den scheinbar so selbstherrlichen Zaren lenken und leiten zu wollen. Niemals aber wird einer jener Episoden vergessen, die dazu überliefert werden, die Feistigkeit anderer Völker und ihrer Herrscher beson­ders intensiv zu beleuchten. Die Geschichte, um die es sich hier handelt, geschah während der Regierung des preiswürdigen Zaren Iwan IV., von dem selbst heute noch die erfahrensten Psychologen nicht genau wissen, ob er ein unheilbarer Irrer oder ein Sadist von nnfaß- lichen Matzen oder einfach ein vom primitivsten Blut­durst besessenes Tier war.

Die neue Macht, die sich im 16. Jahrhundert im Osten aufzutun begann, ließ die Herren Europas wünschen, den bisher regen und jetzt gestörten Güteraustausch mit jenen Landen weiter zu pflegen. Und da seit uralten Tagen der Satz allgemeingültig ist, daß kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, ließ sich König Christian von Dänemark herbei, an Iwan eine Gesandtschaft zu schicken, die die Aufgabe hatte, dem Moskowiter unter Ueber- reichung einer kostbaren Schlaguhr die Wünsche des Dä­nenkönigs zu übermitteln.

Der Gesandte Dänemarks begriff erst, als er in Mos­kau anlangte, welche Aufgabe ihm sein König gestellt hatte. Er sah sich umgeben von einem barbarischen Prunk, wie er solchen noch niemals gesehen hatte, einem Prunk, in dem sinnlos besoffene Bojaren, augenverdrehende Priester und säbelrasselnde Bramarbasse um einen Zaren kreisten, der fast noch ein Kind, aber immerhin mit aller­lei Qualitäten begabt war, unter denen vor allem die hervortrat, daß er leidenschaftlich gern alle möglichen Tiere quälte und sich an den Schmerzen der wehrlosen Kreaturen freute. Dieser Bengel ohne Sitten, aber mit ungeheuerlicher Einbildung auf seine Macht und die Würde seines Staates, war der Zar Iwan der Schreck­liche, dessen kommende Wahnsinne- und sonstigen Schand­taten sich hier bereits ankündigten.

Ueber den staatswichtigen Handel zu entscheiden, war der hoffnungsvolle Sprößling der Moskowiter Herrscher noch nicht alt genug, denn man schrieb damals den Be­ginn der Vierziger Jahre des 16. Jahrhundert?. Das also war noch Sache der größten Bojaren, an decken der mündige Zar dann später eine so schreckliche Rache für die Dienste nehmen sollte, die sie ihm erwiesen hatten. Für die Entgegennahme des Geschenkes dagegen war er verständig und begabt genug, und so ließ der Gesandte die kostbare Uhr auspacken und vor dem „Prinzen", denn das war der Moskowiter in der diplomatischen Sprache Europas immerhin, aufbauen. Es muß «ine eigene Auf­gabe für ihn gewesen sein. seine Belustigung ob der Szene, die nun folgt«, zu verbergen. Denn Iwan, weit entfernt, sich zu freuen oder seine grämliche Fratze zu verziehen, ging um das tickende Ding herum, wie um ein nie gesehenes, aber furchterregendes Tier, von dem jeden Augenblick zu erwarten stand, daß es entweder brüllen oder beißen oder sonst etwas ganz Erschreck­liches tun werde. Er fuhr nicht schlecht zusammen, als es laut und vernehmlich die Stunde bot. und versank dann in ein so tiefes Nachdenken, daß eine bleiern« Stille über dem Gemach zu lasten begann. Denn in Ge­genwart des Zaren darf man nicht durch unnötige Atemzüge auffallen, ohne sich Todesstrafe zuzuziehen.

Der Däne mochte anderes erwartet haben, und mit Recht. Denn Uhren, deren erste der Nürnberger Wei­ßer Peter Henlein erst um 1500 erbaut hatte,'also vor 42 Jahren, waren große Kostbarkeiten, Schlaguhren aber schier unbezahlbar. Das Geschenk, das Christian III. dem Zaren bot, war also ein mehr als fürstliches: es war ein edles Zeugnis der Kultur des alten Europa, das in die Hand eines Barbaren von orientalischen: Habitus gegeben ward.

Das Nachdenken des jungen Iwan ward allmählich bedrohlich oder stumpfsinnig, wie man will. Jedoch, da alle Hofschranzcn, deren es in Moskau zu allen Zeiten übermäßig viel gab. schwiegen, harrte auch der Gesandte geduldig der Dinge, die da kommen sollten. Endlich blickte Iwan auf. In seinem Blick glühte eine so fanatische Ueberzeugung, daß die Umstehenden un­willkürlich einen Schritt zurückwichen. Und der Mosko­witer sprach also: „Nimm das Geschenk und bringe es deinem König eilends wiedep zurück! Verweile nicht län­ger an meinem Hofe, bei meinem Zorn! Und sage deinem Herrn: Iwan, der Zar. glaubt an Gott und hat mit Planeten und sonstigen Zeichen, wie sie hier ab­gebildet sind, nichts zu schassen!"

Man kann sich das Gesicht des Dänen vorstellen. Er begriff freilich nur die Ablehnung des Geschenkes. Das Grundsätzliche ging an ihm noch spurlos vorüber. Dieses Grundsätzliche aber war: die Beschränktheit und Bor­niertheit eines Menschentyps. der allzu unreif noch ist. wahre Kulturwerte zu erfassen und sich deshalb hinter der Bigotterie verschanzt als hinter dem sichersten aller

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Bei den Krim-Operationen erreichten unsere Trup­pen die Schwarzmccrküste: das Jaila-Eebirge wurde durchstoßen.

Die deutsche Lustwasse greift immer weiter in das sowjetische Gebiet hinein; so wurde die Industrie­stadt Gorki schwer bombardiert.

Leningrader Bahnhöfe waren das Ziel unserer Bomber.

Am Kanal scheiterte erneut ein britischer Einslugs­versuch.

Hulls Erpressungsversuch gegen Finnland wird so­gar in USA. scharf verurteilt.

Der Jude Laguardia wurde mit einer sehr knap­pen Mehrheit zum Oberbürgermeister von Ncw- york wiedergewählt.

Auch in diesem Jahre erhält der 8. November Feicrtagsschutz.

Ueber die Weihnachtsgratifikationen 1041 erließ der Rcichsarbcitsministcr Vorschriften.

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