Ausgabe 
(24.6.1944) 172
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Bremen: Geeren 6 8 Rnt 2 19 31; Nachtrnt tmi innntags 2 47 65; ObernitraBe 88. Rnt 2 19 31; Syke; Mtthlendamm 2; Br.-Hemelingen: Babn- hofstraBe 6, Eck« PottstreBe. Rnt 4 34 88; Br- Vegesack: Rohritr. 24, Rnt 4 n. 8; Br.-Blumen tbil. Kapt.-Dallmarm-Stl, 41/43, Rnt II 1 . 8?

Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Regierenden B6rgermeister 8 dar Freien Hcmaesiadt Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblati des Reichsstatlhallers in Oldenburg und Bremen

Nr. 172 * 14. Jahrgang

Sonnabend, 24. Juni 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

Der Angriff auf Cherbourg hat begonnen

Harte, aber erfolgreiche Abwehrkämpfe — Schwere USA-Flugzeugverluste auf bolschewistischem Boden

dnb. Berlin, 23. Juni. In der N o r m an­dre begannen die Nordamerikaner in den Mittagsstunden des 22, Juni den Angriif auf den äuBeren Verteidigungsring von Cher­bourg. Fast anderthalb Stunden be­schossen schwere Geschütze das Festungs­vorfeld und ebenso lange bombardierten Kampfgeschwader die Feldstellungen und jefotigungsanlagen. Um 24 Uhr traten dann die feindliche Infanterie und Panzerverbände von Süden her an der Straßengabel bei Martinvaast und .beiderseits der Straße Valogne—Cherbourg sowie von Osten her beiderseits des Waldes von Blanqueville zum Angriff an. Im G e g e n stoß vernich­teten unsere Truppen östlich Cherbourg die vorübergehend in die äußere Befestigungs­zone eingedrungenen Stoßkeile des Geg­ners, Auch weiter südwestlich kämpfen sie sich vorwärts, um einige weit vorgescho­bene Widerstandsnester zurück zu gewin­nen. Küstenbatterien und Luftwaffenverbände griffen den ganzen Tag über wirksam in die Abwehrkämpfe ein. Die schweren Geschütze nahmen feindliche Panzerbereitstellungen und Anmarschwege unter Feuer, und unsere Luftverteidigungskräfte schossen zahlreiche Bomber ab. Die harten Kämpfe am äußeren Rande der weitgespannten Festungsfront sind noch in vollem Gange.

An den übrigen Abschnitten des Inva- sions-Ärückenkopfes kam es nur zu A r t i 1 - ierieduellen und bedeutungslosen Ge­fechten. Im Raum westlich T i 1,1 y , dem bis­herigen Schwerpunkt der britischen An­griffe, führte der' Gegner aus seinen am Vortage zurückgenommenen Stellungen einige vergebliche Vorstöße. Durch die im Abschnitt von Tilly bisher erzielten über hundert Panzerabschüsse erhöht sich die Zahl der seit Beginn der Invasion an Land zur Strecke gebrachten feindlichen Panzer ruf über 650. Unsere Küstenbatterien be- icho,ssen Waffenausladungen bei Riva- lella, hart westlich der Orne-Mündung, rad unsere Kampfflieger erzielten auf 15 Kriegs- und Handelsschiffen erneut schwere Bomben- und Torpedotreffer.

Das anhaltende Störungsfeuer auf Südeng­land bewies dem Gegner die Nutzlosigkeit seiner Bombardierungen von Küstengebie­ten, in denen er die Startplätze unserer Iprengkörper vermutete. Bei der Abwehr der feindlichen Flugzeugverbände schossen unsere Jäger und Flakartilleristen, wie • ge­meldet, 72 britische und nordamerikanische Flugzeuge ab.

Weitere schwere Flugzeügverluste hatten die Nordamerikaner auf bol­schewistischem Boden. In zwei Nächten hintereinander griff unsere Luft­waffe die den Nordamerikanern von den Sowjets ■ zugewiesenen Landeplätze an. Dem Angriff in der Nacht zum Donnerstag auf dem Flugplatz von P o l t a w a folgte in letzter Nacht ein solcher auf die Anlagen des benachbarten M i r g o r o d. Bei diesen Seiden Angriffen wurden insgesamt 56 vier­motorige USA.-Bomber vernichtet. Ein hoher Prozentsatz des in der Sowjetunion gelan­deten nordamerikanischen Teilverbandes Konnte somit in die am Donnerstag auch an der Ostfront neu aufgeflammten Kämpfe rieht mehr eingreifep.

Die am dritten Jahrestag des Krieges im Osten begonnenen Angriffe der Bolsche- *'isten richteten sich vor allem gegen den mittleren Frontabschnitt. Weitere Vorstöße ''irden im Norden und Nordteil des Süd- äbschnitts angesetzt. Auffallend ist, daß der •"sind, yon einigen begrenzten Abschnitten gesehen, zur Unterstützung der Infanterie ^’är zahlreiche Batterien und Schlacht- i - ? Per, bisher aber nur wenig Panzer «setzte.

Unsere Truppen haben jedoch die seit •ütte Mai anhaltende Kampfpause gut aus- Sriiutzt, sie sind ausgeruht und reichlich mit ®en Waffen versorgt, so daß sie den neuen

Angriffen mit Entschlossenheit entgegen­treten. Der Hauptdruck des Feindes erfolgte auf einer Frontbreite von rund 260 Kilo­meter zwischen dem Dnjepr, südlich M o g i - lew und dem Düna-Bogen nordwestlich W i t e b s k. Die Angriffe wurden in ihrer überwiegenden Mehrzahl unter Abriegelung oder Bereinigung örtlicher Einbrüche abge­schlagen.

Die Front in Italien stand ebenfalls in harten Abwehrkämpfen. Schwerpunkte waren die Küstenabschnitte nördlich Grosseto

und der Raum von Perugia. In erbitter­ten Panzerkämpfen vernichteten oder er­beuteten unsere Truppen über 20 Panzer. Einige weitere Kampfwagen wurden be­wegungsunfähig geschossen. Die blutigen Verluste des Feindes, der überall auf sich versteifenden Widerstand unserer Truppen traf, waren schwer.

250 000 Mann USA.-Verluste dnb. Genf, 23. Juni. Nach Angabe des USA.-Kriegsministers S t i m s o n beziffern

sich die Verluste der amerikanischen Armee auf mehr als eine Viertelmillion Menschen. Bis zum Tag „D”, also dem Tag des Beginns der Invasion, so heißt es weiter, belief sich die Verlustziffer auf 178 677 Mann.

Nach der Rechnung, die Stimson aufge­macht hat, ergibt, sich ein Verlust von etwa 70- bis 80 000 Mann bei dem Inva­sionsabenteuer. Das bedeutet also, daß die USA. die ersten sechzehn Tage der Inva­sion mit einem Blutopfer von 70 000 Soldaten bezahlt haben.

Verlenkungserfolge unlerer Kampf- und Torpedoflieger

Weiter Störungsfeuer auf London - Erbitterte Kämpfe in Italien — Sowjets begannen den erwarteten Angriff

dnb. Aus dem Führerhauptquar­tier, 23. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

In der N o r m a n_d i e trat der Feind ge­stern mit starken Kräften gegen die Land­front der Festung Cherbourg zum An­griff an. Heftige Kämpfe, ln die starke feind­liche Schiffsartillerie und Luftstreitkräfte eingrlffen, entwickelten sich besonders an der Südöst- und Ostfront der Festung. Wo einige unserer Widerstandsnester in der weitge­spannten Festungsfront verlorengingen, sind Gegenangriffe im Gange.

Küstenbatterien des Heeres und der Kriegsmarine griffen während des ganzen Tages ln die Erdkämpfe ein und erzielten Treffer in feindlichen Bereitstellungen und Panzeransammlungen.

An den übrigen Fronten des Landekopfes fanden nur örtliche Kämpfe ohne größere Bedeutung statt.

Unsere Artillerie nahm feindliche Schiüs- ansammlungen und Ausladungen vor dem Landekopf unter Feuer. Zwei Frachter wur­den getroffen, zwei feindliche Kanonenboote in der Orne-Mündung zum Abdrelien ge­zwungen.

Kampf- und Torpedoflieger versenkten ln der vergangenen Nacht zwei Zerstörer, einen Truppentransporter mit 10 000 BRT. und einen Frachter mit 8000 BRT. Zwei Kreuzer, zwei Zerstörer, drei Frachter mit 28 000 BRT. Und vier weitere Handelsschiffe wurden schwer beschädigt.

Ueber der normannischen Küste und den besetzten Westgebieten wurden gestern 72 feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht.

Das Störungsieuer auf London hält an.

In Italien trat der Feind nach beende­ter Umgruppierung gestern erneut fast auf der ganzen Front zum Angriff an. Im Raum nördlich Grosseto konnte er nach erbitter­ten Kämpfen unsere Front wenige Kilometer nach Norden zurückdrücken.

In allen übrigen Abschnitten wurde der Feind unter schwersten Verlusten abgewie­sen. Ueber 30 Panzerkampfwagen wurden vernichtet oder erbeutet.

Die 3. Flakbrigade hat in Italien in der Zeit vom 1. bis 20. Juni 114 feindliche Flug­zeuge und 696 Panzer abgeschossen.

Seit Beginn des feindlichen Großangriffs in Italien wurden 1046 feindliche Panzer vernichtet oder erbeutet.

Im Süden der Ostiront scheiterten örtliche Angriffe der Sowjets an der Slrypa, nordwestlich Tarnopol und südlich des Pripjet.

Im mittleren Frontabschnitt haben die Bolschewisten mit den erwarteten Angriffen begonnen. Die auf breiter Front mit Panzern und Schlachtfltegerunterstützung geführten Angriffe wurden in harten Kämpfen abgewiesen, örtliche Einbrüche in sofortigen Gegenstößen bereinigt. Beider­seits W11 e b s k sind noch erbitterte Kämpfe im Gange.

Auch zwischen P o 1 o z k und Novo- s c h e w sowie nordöstlich O s t r o w führte der Feind stärkere Vorstöße, die erfolglos blieben.

Starke Verbände schwerer deutscher Kampfüugzeuge führten einen zusammen­gefaßten Angriff gegen den Flugplatz M i r - go r o d. 20 viermotorige Bomber und große Betriebsstoff- und Munitionsvorräte wurden vernichtet.

Einzelne britische Flugzeuge warfen In der vergangenen Nacht Bomben im Raum von Hamburg.

Deutsche Kampfflugzeuge griffen Ziele in Ostengland an.

Italien eine einzige große Sackgasse

Starke Enttäuschung im Feindlager über den bisherigen Verlauf - Aufmarsch zu den Entscheidungsschlachten

Eichenlaub für einen Ostfriesen

dnb. Führerhaujptquartier, 23. Juni. Führer verlieh das Eichenlaub zum “■"erkreuz des Eisernen Kreuzes an: Ober- leu 'nant d. R. Diddo D i d d e n s , Batterie- in der Sturmgeschütz-Brigade „Groß- jkutschland“ als 502, Soldaten der deutschen

Wehrmacht.

Oberleutnant d. R. Diddens wurde am April 1917 in Bunderhamrich (Kr. ‘-eer-Ostfriesland) als Sohn eines Landwirts geboren, I m Herbst 1938 trat er _ in ein ü 'clenburger Artillerie-Regiment ein und Virrde 1940 zum Leutnant befördert

Tagesbefehl Mannerheims

dnb, Helsinki, 23. Juni. Anläßlich des Ab­flusses des 169. Seekadbttenlehrganges in er Seekriegsschule richtete Feldmarschall f a n n e r h e i m an die neuausgebildeten panischen Seeoffiziere einen Tagesbefehl, dem es heißt: „Unser langwieriger Ver- ' ei( hgungskrieg hat sich wieder zu einem ar'en Kampf entwickelt. Die Tüchtigkeit der Kampfgeist unserer Wehrmacht frden auf Immer härtere Proben gestellt, notwendig, alle Kräfte unserer Armee ®«® erste anzuspannen. Die Küstenver- ^■d'gung ist ein sehr wichtiger Teil unse- iJ, Kampffront geworden. Hervorragende !m 3,lln Ren unter Aufwand geringster Mittel Beweise für den Kampfgeist und das vf ,wortun 8sbewußtsein unserer Marine. ,ad Beispiele für Tapferkeit, Standhaftig- 1 «nd Vaterlandsliebe!”

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

dr. w. sch. Berlin, 23. Juni. Die großen Entscheidungsschlachten dieses Jahres befinden sich bis heute noch i m Stadium des Aufmarsches. In die­ser Zeit sind selbstverständlich die mili­tärischen Oberkommandos auf beiden Seiten bemüht, die Pläne für ihre Aufmarschrich­tung ebenso wie die für Eventualfälle ins Auge gefaßten Gegenzüge im Dunklen zu halten und den Gegner zu täuschen.

Im Hinblick auf die britisch-amerikanische Offensive in Italien hat das> Oberkom­mando der Wehrmacht es sehr früh ausge­sprochen, daß der feindliche Plan an dieser Stelle durchschaut worden ist, und die wei­tere Entwicklung seit dem 6. Juni 1944 hat dieser Auffassung in. vollem Umfange recht gegeben. Auch bei der verstärkten sowjeti­schen Offensivtätigkeit im mittleren .Ab­schnitt der Ostfront, mit der der Gegner ausgerechnet am dritten. Jahrestag des Kriegsbeginns im Osten begonnen hat, liegt der Verdacht nahe, daß die Bolschewiken die entscheidenden Offensivstöße an ande­ren Stellen ins Auge gefaßt haben und zu­nächst deutsche Reserven von diesen Stel­len abziehen möchten.

Auch an der Invasionsfront ist noch mit verschiedenen Möglichkeiten zu rechnen. Wir wissen, daß General Eisen- h o w e r no.ch den größeren Teil seiner für die Invasion bereitgestellten Streitkräfte in England zur Verfügung hat. Wir wissen aber noch nicht sicher, ob er diese Truppen zu einem Landungsunternehmen an einem zwei­ten Abschnitt der französischen Küste er­setzen will oder ob er sie nach Forcierung des Angriffes auf den Hafen Cherbourg in ihrer Gesamtheit in den engen und bis­her schon stark überfüllten Invasionsraum der Halbinsel Cotentin zu lenken gedenkt.

Die starke Enttäuschung im Feindiager im Hinblick auf die bisherige Entwicklung und die Sorgen über den möglichen weiteren Verlauf der Operationen weiden heute be­sonders eindrucksvoll von einem Korrespon­denten- des „Daily Telegraph” zum Aus­druck gebracht. Dieser klagt bitter darüber, daß in den vierzehn Tagen seit der Errich­tung der ersten Brückenkopfstellune der Feind langsam, aber sicher seine Streitkräfte habe aufbauen können. Zu den zahlreichen wohl.ausgerüsteten Infanterie- und. P®P5 er divisionen der Deutschen könnten in Kürze weitere stoßen, und die Deutschen

befändensichtnkeinerschl ech­ten Lage, um den lang erwarteten Ge­genstoß zu führen, aber bisher verspür­ten sie offenbar noch keine Neigung dazu, sondern alle ihre Angriffe, so heftig sie auch manchmal crewesen seien, trügen einen rein örtlichen Charakter.

Schließlich kla§t der Korrespondent des „Daily HeTald” darüber, daß die Invasions truppen den Deutschen an Kampfer f a h- runq und auch an Kampfmoral mch durchweg gewachsen seien._ „Offen gestan­den zeiqen sich unsere Männer nicht im­mer' als die Besten, wenn sie es m» !? l ^ r liehen Scharfschützen zu tun haben. Fi den erheblichen Zeitverlust, der ganz

gewiß nicht im feindlichen Programm ge­standen hat, wird die Tatsache verantwort­lich gemacht, daß die Ausladungen am Strand über alle Erwartungen hinaus auf­gehalten worden sind. Nach dieser Richtung hin hat also der Atlantikwall seine Aufgabe erfüllt, und es wird sich im weite­ren Verlauf zeigen, welche Auswirkungen der erkämpfte Zeitgewinn für den Fortgang der Operationen haben wird. Nur ein Durch- bfuch, so folgert der „Daily Telegraph" könnte die Alliierten in eine für ihre Tank­waffe günstigere Situation bringen. Solange das nicht der Fall sei, bliebe die Situ­ation im höchsten Maß unbe­haglich.

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Allerdings dürfte es noch ein weiter Weg bis, zu der Erkenntnis der Engländer sein, die sie mit der Blickrichtung auf die ita­lienische Front langsam gewinnen. Ein Kriegskorrespondent der „Picture Post" stellt heute unumwunden fest, daß Italien für die alliierten Operationen nur eine ein­zige große Sackgasse sei. In Ita­lien entscheide sich der Krieg nicht. Die Einnahme Roms habe dem Krieg ebenso­wenig eine für die Verbündeten günstige Wendung gegeben, wie die Besetzung Neapels, nicht einmal die Besetzung ganz Italiens werde daran etwas ändern. Der über Italien nach Deutschland führende Weg sei schon von der Natur versperrt, und Italien

selbst sei nur eine Außenbastion der Festung Europa. Auch könnten die Alliierten den Deutschen in Italien keine vernichtende Niederlage zufügen, denn die deutschen Hauptstreitkräfte ständen ja nicht dort.

Hier kommt der ganze Schmerz der Geg­ner darüber zum Ausdruck, daß die deutsche militärische Führung den Charakter der feindlichen Italienoffensive von vornherein als ein Ablenkungs- und Fesselungsmanöver erkannt hat. Auch die letzte Hoffnung des Generals Alexander, durch einen schnellen Vorstoß nach der Räumung Roms den Ostflügel der deutschen Front zu über­holen und abzuschneiden und so doch noch zu einem Vernichtungsschlag zu kommen, ist inzwischen völlig in sich zusammen­gesunken, nachdem der deutsche Ostflügel ebenfalls rechtzeitig die erforderlichen Ab­setzbewegungen eingeleitet hat, um mit dem Westflügel gleichzeitig in die geogra­phisch vorgezeichneten Riegelstellungen einzurücken. An der italienischen Front wird es so ganz deutlich, wie man den Feind nach seinem eigenen Eingeständnis in eine Sackgasse führen kann, wenn man seine Pläne rechtzeitig durchschaut und ihn dann am Ende seine Schläge ins Leere führen und in sich erschöpfen läßt. Dann entschei­det die letzte Runde. Daran müssen wir auch in der Beurteilung der weiteren Ent­wicklung im Westen immer denken.

Schwerere Sprenghörper eingesetzt

Der „fliegende Tod" — Eng/iscfie Bomber suchten die Startplätze

Von unserem Vertreter

hw. Stockholm, 23. Juni. In der Nacht zum Freitag ging nach englischen Einge­ständnissen das deutsche Störungsfeuer mit schweren Ferngeschossen gegen Südengland weiter. Es nahm offenbar sogar noch zu, denn die Engländer setzten Massen von Scheinwerfern ein in dem vergeblichen Ver­such, mit Jagdfliegern einem größeren Teil der heranstürmenden Sprengkörper beizu­kommen, obwohl von englischer Seite be­reits zur Genüge dargetan worden ist, wie schwer es sei, dem „fliegenden Tod” auch nur bei Tageslicht irgendwie zu Leibe zu rücken.

Alles, was den Briten zu tun übrig blieb, war die Durchführung von Bombenangrif­fen gegen die mnimaßlichen Ausgangs­gebiete der Spreng-iörper. Die Engländer sprechen wieder von einer „Nönstop-Offen- sive" gegen alle verdächtigen Küstengegen­den Nordfrankreichs, aber sie müssen ihreh Mißerfolg ziemlich weitgehend eingestehen, indem die meisten ihrer Berichte auf die ganz unvorstellbare GeschicKlichkei - in der Tarnung der deutschen „Robot-Batterien" hinweisen.

Der Londoner Vertreter von „Stockholms Tidningen“ weiß zu sagen, daß seit Donners­tag ein neuer Sprengkörpertyp zur Anwendung gekommen sei mit noch grö­

ßerer Schnelligkeit und stärke­rer Bombenladung. Amerikanische Büros melden, daß viele der „Robot-Flug­zeuge“ anscheinend mit Brandbomben ge­füllt seien.

London meldet Verluste und Schäden

ep. Stockholm, 23. Juni. Uebei; den Ein­satz der deutschen Fernkampfwaffe in den frühen Morgenstunden des Freitag berichtet Reuter, daß „Verluste und Schäden in ver­schiedenen Bezirken durch die Explosion fliegender Bomben verursacht worden sind.“

Oberbefehlsleiter Claus Selzner ^

dnb. Berlin, 23. Juni. Der bisherige Gene­ralkommissar für Dnjepropetrowsk, Ober­befehlsleiter Claus Selzner, ist am 21. Juni im Alter von 45 Jahren gestorben.

Mit Claus Selzner hatte einer der tat­kräftigsten Männer der Partei — Selzner war Leiter .des Hauptorganisationsamtes in der Reichsorganisafionsleitung der NSDAP. — im Osten eine neue bedeutende Aufgabe erhalten. Vbn Beruf Handwerker, fand Selz­ner schon in den ersten Jahren der Kampf- irbeit Anschluß an die Bewegung Adolf Hit­lers und war unermüdlich für die Partei tätig. Seine Hauptarbeit galt dem Schick­sal der schaffenden deutschen Menschen.

Sperrbrecher vor

•W 4

PK-Kriegsberichter Herkenhoner (Sch) Vor den küstennahen Gewässern hegt haupU sächlich das Verwendungsgebiet der Sperr­brecher. Ihre Aufgabe ist es, die Arbeit der Minensuch « und Räumboote zu überprüfen, vermutete Sperren selbst auf die Gefahr der eigenen Beschädigung hin zu durchbrechen und besonders wertvolle Fahrzeuge durch minen­verdächtige Gebiete zu geleiten. Unser Bild zeigt einen deutschen Sperrbrecher bei der Ausfahrt

$tm* stimmt mht m Amrnka

Von

Professor Dr. Johann von Leers

Vor einiger Zeit wurde in der Presse des Inlandes und Auslandes ein Artikel des nordamerikanischen Schriftstellers Henry R. Luce in der Zeitschrift „Life“ viel ange­führt, der die stolze Ueberschrift „Das amerikanische Jahrhundert" trug, ln ihm hieß es? „Wenn USA. Weltmacht wer­den will, so muß es alle Völker an 'den Grundgedanken seiner Unabhängigkeits­erklärung und .Verfassung und an seinen technischen Errungenschaften teilnehmen lassen. Es muß als seine Aufgabe ansehen, die Freiheit, Entwicklungsmöglichkeit und Lebenshaltung überall in der Welt auf eine höhere Stbfe zu heben. Amerika hat sich im Alltag bereits durchgesetzt: Jazz, die Filme von Hollywood, der amerikanische Slang, seine Fabrikate und Maschinen sind von Sansibar bis Bremen anerkannt. Die USA. sind aber auch bereits das ..eistige, wissen­schaftliche und künstlerische Zentrum der Welt geworden. USA. ist zu einer Pflege­stätte der menschlichen Kultur geworden. Es muß darüber hinaus zu einem Kraftquell werden, aus dem amerikanische Ideale in die ganze Welt strömen. Das Wunschbild eines Amerikas, das die Freiheit der Meere garantiert, birgt für den menschlichen Fort­schritt ungeheure Möglichkeiten in sich.“

Wenn man das liest und den Stil nord­amerikanischer Reklame nicht kennt, so möchte man dahinter mindestens ein ge­steigertes Sendungsbewußtsein vermuten. In Wirklichkeit ist es Reklame und jüdi­scher Drang zur grotesken Uebertreibung, ganz so, wie man auf nordamerikanischen Autostraßen plötzlich ein zusammengebro­chenes Automtbil am Rande liegen sieht mit. einer grellbunten Tafel, auf der der ganze Unfall in schreienden Farben dargestellt ist mit der Ueberschrift: „Das passierte dem

Mann, weil er keinen Wagen von unserer Firma hattet Verkaufen Sie noch heute Ihre Kiste und kaufen Sie einen XY-Wagen.“

Es erinnert ebenso an die Reklame eines Beerdigungsinstitutes, das auf einem riesigen Plakat einen Mann darstellte, der sich vor Wut und Verzweiflung die Haare raufte, mit der Unterschrift: „Warum wollen Sie ein

ganzes Leben mit schlagrührendem Aerger verbringen, wenn Sie für nur 15 Dollar bei Mr. Brown sich so billig begraben lassen können?“ Aber Mr. Brown ließ sich durch­aus nicht selber begraben.

So ist es auch mit der Reklame für das amerikanische Jahrhundert. Die anderen sollen dafür eingefangen werden — die Nord­amerikaner selber wissen „für den häusli­chen Gebrauch“ ganz genau, wie es mit. ihnen wirklich bestellt ist. Derselbe Henry R. Luce schreibt in der gleichen Zeitschrift „Life“: „Die Amerikaner sind ‘ unglücklh h. Wir sind nicht glücklich über Amerika. Wir sind nicht glücklich über uns selber in bezug auf Amerika. Wir '-ind nervös oder schwermütig oder apa­thisch. Wenn v/ir auf die übrige Welt blicken, sind wir verwirrt. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Und wenn wir in die eigene Zu­kunft schauen und in die Zukunft anderer Nationen, sind wir von trüben Vorahnungen erfüllt."

Andere Nordamerikaner sind noch viel kritischer, auch hinsichtlich der militärischen Leistungsfähigkeit der Nordamerikaner, je­denfalls auf lange Sicht gerechnet. Henry L. Mencken schrieb in seinem Buch „Vor­urteile“ schon 1929; „Alle Kriege, die dir Amerikaner bis jetzt geführt haben, habt n sie gegen Feinde geführt, die zu schwach zum Widerstand waren oder anderwäi's stark gebunden, um mehr als schwächliche