Ausgabe 
(19.1.1944) 18
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Varleimirtkclie Layeszettung

Das flmtsblatt des Negierenden vürgermcislcrs der Zielen fjanscstadt vremen

üev Nationalsozialisten vremens

flmtliches verkündungsblatt des NcichsstaNtialters in Oldenburg und Vremen

Nr. 18 , 14. Jahrgang

Mittwoch, 19. Januar 1944

Einzelpreis 15 Npf.

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Drntztdericht unserer Berliner Schriftleilung

ckr. «v. soll. Berlin, 18. Januar. Was sich zurzeit auf den „diplomatischen" Verbin­dungslinien zwischen Moskau auf der einen und London und Washington auf der an­deren Seite abspielt, wirkt tatsächlich bei-' nahe schon wie ein Stück aus dem Tollhaus. Kurze Zeit nachdem die drei Oberhäuptlinge der Feindkoalition in Teheran der staunen­den Welt verkündet hatten, daß sie in voll­ster Harmonie und im Bewußtsein treuester Kameradschaft vereint gewesen seien,begann Stalin damit, systematisch Schläge mit dem Holzhammer gegen den polnischen Emigran­tenklub zu führen. In England und in den Vereinigten Staaten aber zweifelt kein Mensch mehr daran, daß Stalin, wenn er auf den polnischen Emigrantensack.schlug, in Wirklichkeit den anglo-amerikanischen Esel meinte. Die amerikanische Nachrichtenagentur United Preß kam um die Feststellung nicht herum, daß man in „informierten Kreisen in Washington" die letzte amtliche Sowjet­erklärung zum Fall Polen als einen Schlag nicht nur ins Gesicht des Londoner Emi­grantenklubs, sondern auch. Englands und der Vereinigten Staaten empfinde. Es kamen Noch andere sehr schwerwiegende Symptome für die brutale Politik Stalins hinzu, um zu bewirken, daß maM heute in London und in Washington wie vom Donner gerührt dastebt nnd fassungslos die Hände ringt. Es handelt sich für England und für die Vereinigten Staaten gegenwärtig nicht so sehr um die höchst realen machtpolitischen Gegensätze im Hinblick auf Europa, deren endgültige Rege­lung mau .auf einen späteren Zeitpunkt ver­schieben möchte, wenn man nämlich das Er­gebnis des Krieges kennt, sondern vor allem um die als grauenvoll empfundene Tatsache, daß die Mächte der heuchlerischen Atlantik- Charta nunmehr vor der aan^n Weltöffent­lichkeit in ihrer absoluten Ohnmacht, in ihrer vollendeten Grundsatzlosiakeit und ihrer ge­meinen Verlogenheit restlos entlarvt da­stehen und daß die Blamage unheilbar er­scheint.

Eine schwedische .Zeitung berichtet aus Washington, daß man dort über das Miß­glücken einer Verständigung zwischen Stalin und den polnisckien Emigranten untröstlich sei, weil das Prestige der Vereinigten Staa­ten bei den kleinen Nationen auf'dem Spiele stehe, denn die Briten und Amerikaner seien eben, so sage man, zurzeit nicht in der Lage, offen einen Druck auf Stalin auszuüben. Das

läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Reaktion in der Weltössentlichkeit ist ent­sprechend. „Für London und Washington", so erklärt der Londoner Korrespondent der „Basler Nachrichten", „ist die sowjetische Ant­wort als ein Schock gekommen, zumal sie die Tür zuschlägt. Atlantik-Charta, Moskauer Er­klärung und Teheraner Deklaration, wo sind sie und was bedeuten sie?" In einer anderen Meldung aus Newyork wird der Besllrchtung Ausdruck gegeben, daß die Erkenntnis von der Preisgabe der Atlantik-Erklärung und die Erkenntnis, daß Stalin die europäischen Pro­bleme ohne Einmischung der Westmächte und ohne eine Einflußmöglichkeit von dieser Seite lösen wolle, nicht nur in Europa, sondern auch in Südamerika die ernstesten Rückwirkungen haben werde. Diese Sorge vor den Apswir- kungen dex vollendeten moralischen Entlar­vung und des erzwungenen Ohnmachtsge- stündnisses steht für die Westmachte akut im Vordergrund. Der letzte Knllppelschlag Sta­lins zielt um so deutlicher gegen England und die V^einigten Staaten selbst, hinter, deren Rockschößen sich die polnischen Emigranten zu verstecken suchen, als sie eine unmißverständ­liche Absage an eine diplomatische Aktion des Staatssekretärs Hüll darstellen. Hüll gab gestern bekannt, daß die amerikanische Regie­rung die Sowjets von ihrer Bereitwilligkeit unterrichtet habe, bei der Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den Sowjets und den polnischen Emigranten zu helfen. Einige

Stunden später wurde in London eine amt­liche Mitteilung verbreitet, nach der die scharfe Antwort des Kreml und die Ableh­nung jeglicher Verhandlungen mit der pol­nischen Exilregierung erst nach dem offiziellen nordamerikanischen Vermittlungsangebot ver­öffentlicht worden sei. Washington muß auch' diese Ohrfeige mit verzerrtem Lächeln ein­stecken, denn: „Man ist zurzeit nicht in der Lage, offen einen Druck auf Stalin auszu­üben".

Um die ganze politische Bedeutung der so geschaffenen Situation zu erkennen, muß man noch einmal kurz die entscheidenden Punkie der Entwicklung aufzeigen. Als Deutschland iin Jahre 1838 an Polen eine nur zu be­rechtigte Aufforderung zur territorialen Ver­ständigung über ein gegenüber den Sowjet- ansprüchen winzig erscheinendes Gebiet rich­tete, wurde Polen von England mit einem Garantieschein in den Krieg gehetzt. Gestützt auf diesen Vorgang verkündete England als seine Kriegsparole, baß es für die Unver­sehrtheit und die Freiheit der kleinen Na­tionen kämpfe. Als die Sowjets in Polen einrückten, wurde man in England schon stiller, und die ganze Verlogenheit der bri­tischen Garantiepolitik offenbarte sich nach den Enthüllungen über den sowjetischen Massenmord von Katyn, der die letzten Zwei­fel über die bolschewistischen Vernichtungs- plüne aufräumte und zum Abbruch der (Fortsetzung aus Seite 2)

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Vom Krieg wissen die Römer praktisch eben nicht viel. Sie leben zwischen den Ma­schen der harten Gesctze unserer Zeit. Die Geboie der Front, an der 120 bis 200 Kilo- meter vor den Toren der Stadt der deutsche Soldat gegen das Materialaufgebot des Gegners kämpft, sind ihnen ein nie aufge­schlagenes Buch mit sieben Siegeln. Alles, was diesen Kampf ums Dasein in seiner wörtlichsten Bedeutung ausmacht, Tapfer­keit, Entbehrung, Dreck, Feuerüberfälle,

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Riga, 18. Januar. Das Haupt der evange­lisch-lutherischen Kirche Lettlands, Erzbischof Professor Dr. F. Erienbergs, gab über den Bolschewismus folgende Erklärung ab: „Unter dem Eindruck der einjährigen Vol- schewistenherrschaft in Lettland verwahre ich mich mit Entschiedenheit gegen die fälschliche Behauptung Moskaus, als ob das lettische Volk seine Befreiung durch den Bolschewis­mus ersehne, Durch seine Einstellung, seine Arbeit und den Kampf seiner tapferen Le­gionäre hat das lettische Volk eindeutig ge­gen den Bolschewismus Stellung genommen und ist der festen Hoffnung, daß die treue Waffenbrüderschaft seines Legionärs mit dem ruhmgekrönten Soldaten ihm eine glückliche

Zukunft bringen und wertvolle kulturelle Güter Europas vor dem Untergang bewahren wird. Ueber die religiöse Tarnung der So­wjetunion kann ich nur sagen, daß noch im Jahre 1840 die Staatspolitik des Bolschewis­mus antireligiös war, wie das aus dem Verbot aller Zeitschriften religiösen Inhalts, der Vernichtung des Kirchenigesangbuches und aller religiösen Bücher, soweit sie erreichbar waren, zu ersehen ist. Auch als Institution des öffentlichen Lebens sollte die Kirche ver­nichtet werben. Die Kulturstätten sollten mit untragbaren Abgaben belastet werden, sämt­liches Eigentum der Kirche wurde nationali­siert, die Geistlichen aus ihren Wohnungen gewiesen. Die einsetzende Eottlosenbewegung

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Aus dem Führerhauptquartier, 18. Januar. Das Oberkommando der Wehr­macht gibt bekannt: „Nordöstlich Kertsch und nordwestlich Kirowograd scheiterten erneute Angriffe der Volschcwijten. Im Raum von Shaschkosf nahmen unsere Truppen in zähem Kampf mehrere Ortschaften. Hestige Gegen­angriffe des Feindes wurden unter Abschuß von 28 feindlichen Panzern abgewehrt. West­lich Retschiza setzten die Volschewisten ihre Angriffe mit starken Kräften fort. Sie wur­den in schweren Kämpfen abgeschlagen und

einige Einbrüche bereinigt oder abgeriegelt. Nordwestlich und nördlich Newel ließ die Kampstätigkeit des Feindes vorübergehend nach. Oertliche Vorstöße der Volschewisten blieben erfolglos. Nördlich des Jlmensees wurden die während des ganzen Tages an­haltenden schweren feindlichen Angriffe in erbitterten Kämpfen aufgefangen und zahl­reiche sowjetische Panzer abgeschossen. Süd­lich Leningrad und südlich Oranienbaum scheiterten auch gestern alle Durchbruchsver­suche der Sowjets. Der Feind verlor in

diesem Frontabschnitt 81 Panzer. Bei den Abwehrkämpse,, im Südabschnitt der Ost­front hat sich die bayerische 10. Panzergrena­dier-Division unter Führung des General­leutnants Schmidt durch unerschütterliche Standhaftigkeit hervorragend bewährt. An der gesamten Ostfront wurden gestern 214 sowjetische Panzer abgeschossen. An der sllditalienischen Front verlief der Tag bei beiderseitiger Stoßtrupptätigkeit und meh­reren erfolglosen Angriffen des Feindes gegen den äußersten linken Flügel ruhig."

mit ihren antireligiösen Ausstellungen sollte das lettische Volk diesbezüglich beeinflussen. Das lettische Volk steht aber mit Gebeten und Taten hinter seinen Legionären, die zusam­men mit der deutschen Wehrmacht Land und Volk vor dem Zugrijf des Bolschewismus schützen".

ll8r slovskiscks kreiksilLksmyk

Prehbnrg, 18. Januar. Ministerpräsident Dr. Tuka gab in der Jubiläumsausgabe des „Slowak" einen Ueberblick über die „Marksteine des slowakischen Freiheits­kampfes". Als Höhepunkt für die Slowaken erklärte Dr. Tuka den 14. März 1938, um dann fortzufahren, die Geschichte bleibe in­dessen nicht stehen, und zur Erhaltung der Freiheit in diesen entscheidenden Zeiten müsse jeder Angehörige des slowakischen Vol­kes in erhöhtem Maße seine , persönlichen und nationalen Pflichten erfüllen. Am 30. Juli 1840 sei bereits die Parole für die Erfüllung dieser Pflichten mit dem slowaki­schen Nationalismus gegeben worden. Die Verwirklichung dieses Gebots sei im Gange. Zusammenfassend stellte der Ministerpräsi­dent fest, die Slowaken hätten noch große Aufgaben zu erfüllen: Einmal den natio­nalen Lebensraum der Slowaken auf dem althergebrachten Eebiere zu sichern und da­für Sorge zu tragen, daß auch die fern der Heimat lebenden Slowaken mit der natio­nalen Gemeinschaft in der Heimat fest ver­bunden bleiben.

Von äroi Mliollvll verschleppten?o!en äio Ilsltte gestorben

Eurclilirars /.s/c/sri/n Os/cingsnsn/cigskn - 400000/(incssf umgekommen — ^ivongrxskrut/srung rui Toiv/stoxmes - 0/s„roc/su5r Z(oLc/u5rko-O/v<L/on"

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ick. Berlin, 18. Januar. Vor einigen Wochen liefen bekanntlich Hunderte von Au­ge" "rigen der polnischen sogenannten „To­de z-Koscinszko-Dlvision" bei ihrem ersten Einsatz an der Front, ohne auch nur einen Schuß abzufeuern, zu den deutschen Linien über. In den Lagern, in die sie gebracht wurden, erholten sw sich seitdem langsam von dem Grauen, das über ihrem Leben Iin der Sowjetunion gelastet hat, und erzählten über das Einstehen und die Zusammensetzung der genannten Division merkwürdige Dinge.

Sie sind auf verschiedene Weise in die „Tadeusz - Kosciuszko - Division" gekommen. Einige waren Angehörige der polnischen Armee und in sowjetische Gefangenschaft gera­ten. Sie kamen erst in Gefangenenlager, dann aber in Gefängnisse oder in Arbeits­lager irgendwo am Eismeer oder in Sibirien. Wer die dauernden Mißhandlungen über­lebte, mußte ohne jeden Lohn und unter menschenunwürdigsten Umstünden arbeiten. Eine Verbindung mit der Heimat gab es nicht. Sie schrieben wohl Briese, hörten aber niemals, daß einer angekommen sei, Post von ihren Angehörigen empfingen sie nicht, Oft wurden sie getrennt, neu aufgeteilt, um an­geblich in andere Lager geschickt zu werden, »lber es ging das Gerücht und niemand wußte etwas genaues, daß keiner je in einem ande­ren Lager eintraf. Hunderttausende vcr- ichwandcn so. Von Katyn hatte keiner etwas gehört, aber es sei üblich gewesen, so erzäh­

len sie, daß man auf den großen Friedhöfen bei den polnischen Lagern voneinander Ab, schied nahm, wenn man in ein anderes Lager transportiert werden sollte. Man rechnete da­mit, sich nicht mehr wiederzuiehen, bis wenige sich in der „Tadeusz-Kosciuszko-Division" wie­derfanden.

Andere Ueberläuser befanden sich zur Zeit der Besetzung Ostpolens durch die Sowjets in jenen Ostgebieten. Die Volschewisten ver­hafteten laut ihrer Angaben nicht weniger als 3 Millionen Polen — Männer, Frauen und Kinder und verschleppten sie ins Innere der Sowjetunion. In ungeheizten Vieh­wagen, wo sie gingen und standen ohne die geringste Verpflegung, außer der, die sie mit­nehmen konnten oder sich zusammenbettelten, wurden sie, zum großen Teil während des strengen Winters 1838, wachen- und monate­lang-gen Osten transportiert. Aber taufende starben unterwegs, der Rest kam in Wald und Sumpflagern Sibiriens an, wo man die Menschen zur schwersten Arbeit zwang. Min­destens 1,3 Millionen sind dolt nach den An­gaben des Delegierten der polnischen Exil­regierung in Moskau infolge allgemeiner Erschöpfung, Unterernährung, Herzschwäche, Lungenentzündung, Typus und Ruhr umge­kommen. Allein 400 000 Kinder starben, wie der polnische Feldbischof Gswlina berechnet hat. Eines Tages holte man die Männer wieder aus den Sträflingslagern heraus und steckte sie ohne sie zu fragen in die „Tadeusz-

Kosciuszko-Division". Was aus ihren Ange­hörigen geworden ist, wissen sie nicht.

Als es den polnischen Emigranten in Lon- oon sllr kurze Zeit gelungen war, „diploma­tische Beziehungen" zu der Sowjetunion her­zustellen, ging ihr Bemühen in erster Linie danach, möglichst viele der von den Bolsche- wisten Verschleppten ausfindig zu machen und sie aus der Sowjethölle zu holen. Zuerst toll­ten die Reste der polnischen Armee nach oem Iran transportiert werden. Die meisten pol­nischen Soldaten waren jedoch unauffindbar, taufende waren so weit in den Wäldern und Trundren, daß die Nachricht von dieser Mög­lichkeit gar nicht zu ihnen gelangte. Andere wollten ihre Frauen und Kinder mitnehmen, was man ihnen verwehrte. Wieder andere waren an Typhus erkrankt und deshalb vom Abtransport ausgeschlossen. So gelang es Sikorfki nur, etwa 120 000 Polen freizube­kommen, bis auch das den Sowjets zu viel war und sie sich jede weitere „Einmischung" verbaten. Kurz nach dem Abbruch der pol­nisch-sowjetischen Beziehungen erfolgte die Aufstellung der sogenannten „Tadeusz-Kosci­uszko-Division", die als Kanonenfutter an der Front eingesetzt werden sollte. Ihr Kom­mandeur wurde Zygmunt Berling, ein ehe- maliger Oberst der polnischen Armee, her wegen kommunistischer Umtriebe 1836 entlas­sen worden war und zu Beginn des Krieges die Gelegenheit wahrgenommen hatte, zu den Sowjets überzulaufen, die ihn zum General machten. Die Division zählte 12 000 Mann,

bestand aus drei Infanterie-Regimentern, einem Panzer- und einem Artillerie-Regi­ment sowie ein»m Frauen-Bataillon.

Von den rund 600 Offizieren waren nur ö ehemalige polnische Offiziere, während die isteisten aus der Roten Armee stammten. Aehnlich war auch die Zusammensetzung der Mannschaften. Zu ihr gehörten wohl ehe­malige polnische Soldaten und verschleppte Polen, die, soweit wie sie nicht zwangsweise in die Division gesteckt worden waren, und aus der Zugehörigkeit einer kämpfenden Truppe bessere Lebensbedingungen erhofften, vor allem aber mit der Möglichkeit rech­neten, auf deutsche Seite überlaufen zu kön­nen, Uebrigens waren alle Polen sowjetische Staatsbürger geworden, indem man ihnen ihre polnischen Ausweispapiere abgenommen und stattdessen sowjetische Pässe ausgestellt hatte. Der größte Teil der Division bestand jedoch aus Volschewisten polnischer Herkunft, die seit Generationen itt Sibirien ansässig waren, wohin einer der Zaren ihre Eltern oder Eroßeltery. verschickt hatte, wo sie auf­gewachsen und bolschewistisch'erzogen waren, meistens sogar die polnische Muttersprache vergessen halten. Sie gaben der Division ein sowjetisches Gepräge und leisteten den beiden anderen Gruppen gegenüber Spitzendicnste. Dennoch aber kam der Augenblick, wo alles in der Division, was polnisch war, sich auf­machte und der Roten Armee und der Sowjet­hölle entfloh.

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Frieren, Jagdbomber, ist für den Römer wie das Leben auf einem unbekannien Pla­neten. Daß dieser Planet von Röm aus in einigen Autostunden zu erreichen ist, und daß der Kampf mit all seiner Härte natürlich auch die italienische Zivilbevölkerung in die­sem Kernstück Italiens trifft, dringt nicht Nef in das Bewußtsein des Römers. Wenn er vom Krieg spricht, meint er vor allem sich und seine Alltagssorgen. Die Anlieferungen auf dem Eemiisemarkt und die Notierungen der schwarzen Börse beschäftigen manches römische Gemüt mehr als alle anderen Pro­bleme.

In dieser Mentalität wetterleuchtet eine Art von römischem Separatismus, der Roms geruhsames Leben vor die nationale Soli­darität stellt. „In der Tat", so meint« Far.i- nacci spöttisch, „was hat eigentlich Rom, die Hauotstadt, mit dem Kamps zu tun, der auf italienischer Erde wütet?" Die Römer wer­den kaum Zeit gefunden haben, Farinaccis Spott zu bedenken. Ein Teil von ihnen ist täglich damit beschäftigt, den schwarzen Markt zu verfluchen, um im gleichen Atem­zug tatkräftig an ihm mitzuwirken. Eine der schärfsten Klingen gegen den habsüchtigen Jndiffercntismus Roms, das römisch« Witz­blatt „Travaso delle Idee", kleidete dieses Treiben kürzlich in den Satz: „Nach Schluß der schwarzen Börse (Notierungen: 1 Kilo­gramm Salz 10 RM.; 1 Kilogramm Kartof­feln 2,85 RM i 1 Kilogramm Zucker 12 RM usw. versammelten sich die Schwarzhändler, um gemeinsam die Sepral (die städtische Be­hörde für Lebensmittelverteilung) zu prei­sen, die der Aktivität der Schwarzhändler einen so dankenswerten Impuls verleiht, da sie erst jetzt, Mitte Dezember, die Verteilung der sllr November hestimmten Spaghetti, natürlich nur teilweise, vornimmt."

Es wäre parteiisch, wollte der deutsche Be­obachter in Rom sein Interesse nur den Schwarzhäiidlern zukommen lassen. Ihrer würdig sind jene Römer in der besten Man­nesblüte, die abseits von den Nöten Ita­liens — auf römischen Straßen spazieren, um deii Blick starr geradeaus zu halten. Wendeten sie ihn ab, so liefe er Gefahr, auf eines jener Plakate zu fallen, die daran er­innern, daß Italien heute wie nie zuvor Männer zum Kampf, zur Arbeit, zum Ein­satz allerorten braucht. Hunderte von Pla­katen warben in Röm Freiwillige. Den Auf­rufen folgten die Besten. Aber die Schlech­teren stellen in Rom augenscheinlich das Gros. Um sie von der Bürde ihrer Beschäs- tigungslosigkeit zu befreien, sind nun vor- hereitende Maßnahmen zur Erfassung aller freien Arbeitskräfte ergangen, die das in .Rom so beliebte Durchschlüpfen durch die Maschen der Verordnungen verhindern wer­den, Maßnahmen, die der anständige Ita­liener begrüßt.

Die Gedanken des deutschen Landsers, der etwa als Melder durch die kraterseldcr der Abruzzen-Verge geht oder als Gefechtsvor­posten vor den italienischen Kebirgsdörfern liegt, gleichen in diesem Fall aufs Haar denen des anständigen Italieners. Ob d'.e Römer in ihrer-Gesamtheit dadurch erfaßt werden, bezweifeln Sachverständige, bat sich doch ein Teil der römischen,.jeunesse doroe" seit längerem mit dieser Möglichkeit ver­traut gemacht und verbringt nun ein Dasein in strengster Zurückgezogenheit, das nach der Schilderung des „Travaso" nur dann ange­nehm unterbrochen wird, wenn die Freun­dinnen mit Blumensträußen in der Hand zu Besuch kommen, ein Vorgang, der in männ­licheren Epochen Roms umgekehrt verlief.

Der deutsche Landser aber, der jenseits der offenen Stadt Rom und abseits dieser schwe­ren Kriegssorgen ihrer Einwohner — daß nämlich die Omnibusse überfüllt, d(e Ver­pflegung knapp, der Zucker teuer und die Orangen selten seien an die Front fährt, erkennt'dann wohl in den Dörfern zuweilen die verblaßte Schrift: „Roma — Doma" („Rom — Herrin"). Es mögen ihn dann für ein Stück seiner Fahrt die Gedanken beglei­ten, wie lange es zurück liegt, daß Rom und seine Römer weniger im Zwielicht ihrer jetzigen Dekadenz standen und Rom nach Haltung, Willen und Vorbild wirklich die Herrin des Landes war.