Ausgabe 
(16.1.1944) 15
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Erscheint 7ma l wö chentlich

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Varleiamriiclie Layeszettung

vos flmtsblatl des Negierenden vürgcrmcistcrs der Zielen Hansestadt vremen

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flmtiichcs verkündungsdlatt des Ncichsstatttfalters in Oldenburg und vrernen

Nr. 15 , 14. Jahrgang

Sonntag, 16. Januar 1944

Einzelpreis 15 Npf.

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Silbenrätsels aus Nr. 1Z imkeroi. 3. Marmelade, 1. K isrcr, 6. Allgäu, 7. Teher« e. 10. Neufundland. 11. M ena. 11. Eichkamp, 15. Nem . Banane. — Nimm Rat «g e dein Urteil.

Drahtbericht unserer Berliner Schristleitung

Dr. re. scb Berlin, 15. Januar. Das Ober­kommando der Wehrmacht hält es mit Recht im allgemeinen unter seiner Würde und an­gesichts seiner anerkannten Autorität für nicht notwendig, sich mit der feindlichen Lügouagitation im einzelnen zu befassen. Wenn aber einmal ein Schlag in das geg­nerische Lügenkontor geführt wird, dann sitzt er auch. Die Nordamerikaner haben nach den mehrfachen Katastrophen bei den Tages­angrissen ihrer Bomber auf das Reich den Zwang verspürt, den Schock der USA.-Oei- fentlichkeit über die unfaßbaren eigenen Ver­luste durch maßlose Phantasien über angeb­lich riesige deutsche Jägerverluste zu -mildern. Diesen frechen Versuchen mußte einmal eni Riegel vorgeschoben werden. Das Oberkom­mando der Wehrmacht hat darum den ver­logenen Zahlenangaben der Amerikaner über die angeblichen deutschen Jägerverluste bei drei amerikanischen Großangriffen die Tatsachen entgegengestellt, nack, denen sich un­sere Verluste aus knapp ein Viertel der von den Amerikanern gemeldeten „Erfolge" stellen.

Was jetzt das Oberkommando der Wehr­macht über das Ergebnis der Luftschlachten mit nordamerikanischen Terrorfliegern fest­zustellen für richtig hielt, wird sich langsam auch in der Öffentlichkeit jenseits des At­lantiks herumsprechen und dazu führen, den niederschmetternden Eindruck noch zu verstär­

ken. Wie furchtbar die Nachrichten selbst über die vorher noch vorsorglich halbierten amerikanischen Bombereinbußen, auch auf dem Lügenhintergrunde phantistischer deut­scher Jägerverluste, in den Vereinigten Staaten empfunden worden sind, das be­zeugt eine Darstellung in der nordamerikani­schen Zeitschrift „Colliers", die jetzt in Deutschland eingetroffen ist. Anker Bezug­nahme auf die Schlappe von Schweinsurt (11. Okt. 1913) heißt es wörtlich: „Wenige Kriegsereignisse seit Pearl Harbour haben die Nordamerikaner so sehr erschüttert wie die unlängst verlorenen 80 (tatsächlich waren es damals mindestens 123!) Bomber. Im weiteren Verlauf der Bombenangriffe gegen Deutschland werden ebenso groß, wenn nicht weit schwerere Verluste eintreten. Das sind trübe Aussichten."

Diese trüben Aussichten sind inzwischen in noch viel schlimmerer Weise Wirklichkeit ge­worden, als es sich der betrübte Artikelschrei­ber im „Colliers" träumen ließ. Die Ver­luste der amerikanischen Terrorbomber stellen sich ganz bedeutend höher dar, als das USA.- Bomberkommando es bisher zuzugeben wagte, während umgekehrt die Phantasie- eisolge im Lichte der amtlichen deutschen Rich­tigstellung stark zusammenschmelzen. Wenn sich die amerikanische Zeitschrift dann lang­atmig um den Nachweis bemüht, daß die amerikanischen Kommandosteklen an den schweren Verlusten keiüe Schuld trügen, so

kann man dem die Aeußerung des Generals Spaatz, des neuen amerikanischen Terroristen­häuptlings in England, entgegenstellen, daß er weder Material noch Menschen schonen werde, um den Erfolg zu erringen. „Col­liers" stellt schließlich fest, daß es den ameri­kanischen Familien, die ein Mitglied im Luftkrieg verlieren, nur geringen Trost biete, wenn man ihnen versichere, daß jeder An­griff bis auf die kleinste Einzelheit sorg­fältig vorbereitet und daß mit dem Leben der amerikanischen Boys kein Glücksspiel ge­trieben werde.

Ein amerikanischer Fliegerleutnant berich­tet über seine Erlebnisse bei der Luftschlacht in Mitteldeutschland im „Daily Sketch" noch folgendes: „Wir drehten nach Hause ab. und dann war aber die Hölle los. Deutsche Jä­ger überfielen uns von allen Richtungen, von oben, von unten, von vorne, von beiden Seiten und von hinten. Das Flakseuer war furchtbar. Der Höhepunkt kam, als wir die deutsch-holländische Grenze überflogen. Min­destens 10 Feindjäger griffen die von unserer Formation noch übriggebliebenen 15 Flug­zeuge an. Sie setzten vor, drehten, kamen wieder, einzeln oder zu zweien, aus uns zu und überfielen uns mit einem Hagel von Geschossen der Bordkanonen und Maschinen­gewehre, Wir sahen nichts mehr als gelbes, weißes oder silbernes Mündungsseuer, und (Forkjetzung au) Seile r)

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Ausdem Führerhauptquartier, 13. Januar. Das Oberkommando der Wehr­macht gibt bekannt:

Nordöstlich Kcrtsib, am Brückenkopf Niko- pol und südwestlich Dnjepropetrowsk scheiter­ten starke sowjetische Angrisse. Dabei wurden 1K feindliche Panzer abgeschossen. Nordwestlich Kirowograd sowie im Raum östlich und süd­lich Shaschkoff warfen unsere Truppen die Bolschewisten in Eegenangrissen zurück, wäh­rend feindliche Angriffe erfolglos blieben. Südwestlich Pogrebischtsche machten unsere Gegenangriffe weitere Fortschritte. 15 feind­liche Panzer und 23 Geschütze wurden hier vernichtet.

Westlich Verkitschen» zerschlugen Verbände der Waffen-ii im Gegenstoß zwei feindliche Regimenter und sägten den Bolschewisten schwere blutige Verluste zu. 2m Raum west­lich Nowograd—Wolynsk und westlich Sarny hält der starke Druck des Feindes weiter an.

Im Kampfraum westlich Netschiza wurden wiederholte Angriffe der Sowjets abgewehrt und vorgedrungene feindliche Kampfgruppen im Gegenangriff zurückgeworfen. Bei Wi- tebsk scheiterten erneute mit Panzer- und Schlachtsliegcrunterstützung geführte Durch- brnchsversuche des Feindes. Oertliche Ein­brüche wurden abgeriegelt.

Nordwestlich und nördlich Newel sowie nördlich des Jlmensees und im Raum von Oranienbaum griffen die Sowjets mit stär­keren Kräften an. Sie wurden in harten Kämpfen abgewehrt.

Leutnant Kühn in einem Panzerregiment schoß in den Abwehrkämpfen im Raum von Kirowograd seinen 50. feindlichen Pan­zer ab.

An der siiditalienischen Front setzten sich unsere Truppen nach schweren, für den Feind besonders verlustreichen Kämpfen im Ab­schnitt von Cervaro aus vorbereitet« Stellun­gen wenige Kilometer nach Westen ab. Der stark nachdrängende Feind wurde bei erneu­ten Angriffen abgewiesen. An der übrigen Front verlief der Tag ruhig.

Bei der Abwehr eines Angriffes britischer Flugzeuge im norwegischen Küstengebiet wurden durch Jäger und Flakartillerie von 12 angreifenden Flugzeugen sechs abge­schossen.

Starke britische Bomberverbände flogen in der vergangenen Nacht nach Mitteldeutsch­land ein. Unsere Lustverteidigungskräfte ver­hinderten jedoch die Durchführung eines zu- iammengefahten Angriffes. Der Feind warf planlos Bomben aus einige Orte. Nach un­vollständigen Meldungen wurden 10 Bom­ber abgeschossen. 11 weitere Flugzeuge ver­lor der Feind bei Tage über den besetzten Westgebieten.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt ferner bekannt:

Um den Eindruck der fortgesetzten schweren Verluste, die die nordamerikanischen Terror- slieger bei ihren Angriffen gegen die deut­sche Bevölkerung erleiden, in der amerikani­schen Oeffentlichkeit abzumildern, gibt die amerikanische Luftwaffe fortlaufend weit übertriebene Abschuhzahlen deutscher Jäger bekannt. So behaupten die Amerikaner, bei ihren Angriffen am 11. Oktober 1013 auf Schweinfurt 101, am 11. Dezember 1013 auf

Emden 138 und am 11. Januar 1011 in Mit­teldeutschland 152, also insgesamt 381 deut­sche Jäger abgeschossen zu haben. Die tatsäch­lichen Verluste dagegen betrauen 98 deutsche Flugzeuge. Mehr als ein Drittel der Be­satzungen konnte mit Fallschirm abspringen und blieb unversehrt.

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Berlin, 15. Januar. In den Abendstunden des 11. Januar drangen, wie der Wehrmacht­bericht vom 15. Januar meldete, britische Terrorbomber unter Ausnutzung der für vie Luftabwehr ungünstigen Wetterlage gegen das Innere des Reichsgebietes vor. Die feindlichen Verbände wurden jedoch beim Attslug von deutschen Nachtjägern ersaßt und mit stärkeren Kräften bekämpft. Flakbatte­rien legten gutgezieltes Sperrfeuer, bei dessen Ueberwindung die Terrorverbände ebenfalls Verluste erlitten.

Einige unserer Nachtjäger errangen meh­rere Luftsiege, so Eichenlaubträger Major Lent, der allein drei Terrorbomber in kur­zer Zeit abschoß. Abgesehen von den bisher bereits festgestellten 19 abgeschossenen Bom­benflugzeugen dürste damit zu rechnen sein, daß die von deutscher Seite nicht kontrollier­baren Verluste der Briten durch Abstürze beschädigter Flugzeuge auf dem Rückflug über See odgr beim Versuch der Landung recht erheblich sind. da während des Bom­benangriffs von Westen her eine Schlecht­wetterfront heraufzog, die mit Nebel und Wolkenbildung eine starke Sichtverschlechie- rung mit sich brachte.

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ckr- w Berlin, 15. Januar. Nach viertägi­gem Brüten haben die polnischen Emigran­ten am Sonnabend früh in London ihre Antwort auf das Moskauer Ultimatum, das die Taß-Agentur am 11. Januar verbreitete, veröffentlicht, Sie standen vor der Wahl, entweder ihre, bisherige unnachgiebige Hal­tung fortzusetzen, um dann auch von den Engländern und Amerikanern abgeschüttelt zu werden, oder nachzugeben und vielleicht vorläufig doch einen Teil ihres eingebilde­ten Einflusses zu retten. Sie haben sich unter mehr oder minder starkem diplomati­schen Druck für den letzten Weg entschieden, ohne auch nur den Versuch zu machen, dabei eine heldische Rolle zu spielen.

' Ihre Antwort ist ihnen offenbar ziemlich wörtlich von Eden redigiert worden; denn sie haben versprechen müssen, jetzt von jeder weiteren öffentlichen Erörterung abzusehen. Auch der verklausulierte Verzicht auf die polnische Ostgrenze ist aus englischen Ein­fluß zurückzuführen. „Die polnische Regie­rung" so heißt es in der Erklärung des polnischen Emigrantenklubs, „kann einsei­tige Entscheidungen nicht anerkennen oder Tatsachen nicht zustimmen, die sich auf dem Boden der polnischen Republik abspielen oder abspielen Tonnen," Sie habe aber wie­derholt ihren „aufrichtigen Wunsch nach einer Verständigung mit Moskau" zu erkennen ge­geben. Deshalb wende sie sich an die Regie­rungen in London und Washington, um durch deren Vermittlung (!) polnisch-bolschewistitche Besprechungen herbeizufüh'en, an denen die beiden anderen Regierungen teilnehmen sol­len. In diesen Besprechungen könnten dann ,,alle noch offenen Probleme" erörtert werden

Der Verzicht auf Ostpolen ist also für die Polen heute nur noch ein „offenes Problem". Sie spielen in dieser ganzen Angelegenheit eine klägliche Rolle, ebenso kläglich wie Eng­land, das seine berüchtigte: Sicherheits- garantie für Polen vom Frühjahr 1939 ver­gessen hat und die -Polen jetzt nach dem Be­fehl Stalins mit der Hoffnung auf Gebiete „entschädigen" möchte, die erst noch erobert werden müssen.

Man muß sich immer wieder vor Augen halten, mit welchen infamen Mitteln und mit welcher Skrupellosigkeit gerade die Lon­doner Regierung 1939 die Polen gegen Deutschland aufgewiegelt hat. Damals ging es nicht um Abtretung großer polnischer Ge­biete. damals ging es nur um die Rückgabe der alten deutschen Hansestadt Danzig an das Reich. Das war alles andere als ein Kriegsgrund. Aber England wollte den Krieg und steckte sich hinter die Polen, die kurzsich­tig und verbohrt genug waren, sich für Eng­land in den Krieg treiben zu lassen. Jetzt be­kommen die- Polen den Dank Englands. Die polnische Exilregierung sieht sich. nachdem sie Macht und Land verspielt hat. verraten und betrogen und gezwungen, vor Moskau in die Knie zu gehen.

Immerhin sind die Engländer heilfroh, dem polnischen Emigrantenklüngel wenig­stens die jetzige „Erklärung" abgepreßt zu haben. Eden hatre zunächst darauf bestanden, diese ganze unbequeme Frage bis nach dem Kriege zu verschieben, um dadurch polnische und bolichewistiiche Empfindlichkeiten zu schonen. Das ist ihm von Moskau aus un­möglich gemacht. Jetzt muß er schon zufrieden sein, wenn er einen faulen Kompromiß zu-

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stände bringt. Auch das ist nicht ganz einfach gewesen.

Die Engländer'rechnen damit, daß „einige radikale Persönlichkeiten in der polnischen Regierung die ganze Erklärung süv untrag­bar halten und aus dem Staatsapparat aus­scheiden", was ihnen aber mit Rücksicht auf Moskau nicht einmal unwillkommen wäre. Stalin muß auch nach dieser Richtung bereits bestimmte Wünsche geäußert haben. Deshalb sind die Engländer mit dem „Akt weiser Stwatskunst", den die Polen, von sich gegeben hätten, sehr zufrieden. Die offiziöse Nachrich- tenägentur Exchange Telegraph gibt dieser Stimmung deutlich Ausdruck. Sie spricht da­von, daß „die Meinungen hart aneinander gerieten", und deutet gleichzeitig an, daß-es Edens Verdienst, sei, wenn in der ganzen Er­klärung „kaum ein'Wort zu finden sei, das die BolHewisten verärgern und die Span­nung weiter steigern" könne.

England und Amerika sollen also die „Ver­mittlung" in Moskau übernehmen. „Ex­change Telegraph" nennt das eine heikle Aufgabe, denn bisher hätte Stalin die „pol­nische Regierung mit abfälligen Aeußerun­gen bedacht und wenig Neigung an den Tag gelegt, sich mit ihr an einen Tisch zu setzen". Aber umsonst wird wohl Eden nicht fort­gesetzt Fühlung mit dem bolschewistischen Botschafter aufrechterhalten haben, so daß Stalin in solchen Formfragen mit sich reden lassen wird. Für ihn ist es die Hauptsache, daß er sein Ziel erreicht hat. Auf dieser Viermächtekonzerenz werden die Polen den Verzicht auf die östliche Hälfte ihres Gebie­tes endgültig schlucken müssen. i

^ Seil einigen Wochen wenden die Englän­der und Amerikaner in ihrer Agitation das Worl vom „mathematischen Kriege" an. Sie tun so, als ob der Krieg ein verhältnismäßig einfaches Rechenexempel sei, dessen Lösung haargenau so ausfallen müsse, wie sie sich aus der Zusammenzählung der ' einzelnen Posten, die sie in die Waagschale weifen kön­nen. ergibt. Als ihre Hauptposten stellen sie die Zahl ihrer Boinber und die vielstelltgen Ziffern ihrer Bombenkilogramme auf, die sie über«Deutschland abgeworfen haben oder noch abzuwerfen gedenken. Das Ganze braucht nur mit der entsprechenden Zahl von Tagen, Wochen und Monaten multipliziert zu wer­den. darunter kommt der Additionsstrich, und dann muß die Rechnung ganz nüchtern und einfach aufgehen. Mit anderen Worten: bis zu einem bestimmten Termin würden sie den Krieg gewonnen haben.

Sie lieben es, ihre Schandtaten, mit denen sie wehrlose Frauen und Kinder in Deutsch­land ermorden und mit denen sie unersetz­liche Werte der abendländischen Kuliur in Schutt und Asche legen, ebenfalls ..matbe- matisch" auszudrücken. Die Zerstörung von Hamburg zum Beispiel kostet sie, sagen wir.: rund 359 Millionen Mark, Berlin wird ent­sprechend „teurer" und andere Städte eben „billiger" veranschlagt. Selbstverständlich wird auch ein bestimmter Prozentsatz der eingesetzten Bomber auf Verlustkonto gesetzt und abgeschrieben. Aber diese ..Risikoquote" richtig einkalkuliert, muß die Rechnung auf­gehen. ^ '

» Sie begehen dabei-^nur den einen Fehler, zu übersehen, daß der Krieg eben Krieg und kein Rechenexempel ist. Sie verkennen dabei völlig oder wollen es nicht einsehen, daß nicht die absolute Zahl der Bomber oder das Mil­lionengewicht der Bombenlasten die aus­schlaggebende Rolle spielen, fordern jene vie­len Unwägbarkeite», die man weder matbe-, malisch noch geschäflstechnisch ausdrücken kann. Und einige dieser UnavwäHbarkeiten sind die Härte, der Fleiß und dre starken Herzen der Heimat und die Tapferkeit und das Draufgängertum unserer Soldaten, in dem speziellen Falle des Terrorluftkrieges auch noch? der Kampfgeist unserer Jagdslie- ger. Nach-dem bekannten Seemannssprich- wort, daß 'nicht Schisse, sondern Männer kämpfen, erfahren wir bei jedem Terror- angriff aufs neue, daß nicht unsere Jagd Maschinen und die darin eingebauten Bord­kanonen und MG.s allein es sind, die den Gegner herunterholen, sondern-daß es die Kühnheit und das Können der Männer ist, die die an sich taten Dinge lebendig und zu einer furchtbaren Gefahr für den Gegner werden läßt:

U Daß wir darüber hinaus auch das manch­mal erdrückend erscheinende zahlenmäßige Gewicht des Gegners an Menschen und Ma­terial unter normalen KaiNpsbedingungen nicht zu fürchten haben, das hat die jüngste, bisher größte-. Luftschlacht über Nordwcft- und Äkitteldeutschland bewiesen, die den Geg­ner 121 Boinber und 12 Jäger gekostet hat, „Ja, aber wir Häken, auch neun Jäger dabei verloren!" Der Mann, der diesen Einwand bei der Diskussion über diesen immerhin doch sehr großen Erfolg unserer 'Lustabwehr tat­sächlich machte, hatt« vielleicht nur sagen wol­len. daß kein Sieg ohne Opfer erfochten wird, und daß der Gegner sich nach Kräften, ge­wehrt hat. Nun hatte der OKW.-Bericht ein­deutig von neun eiaenen Verlusten geivrs-, chen. Hätte es stattdessen ..geringe eigene Der, luste" geheißen, dann hätte der Mann mit den objektiven Einwänden vielleicht die rhe­torische Frane gestellt: ..Und wie bock mögen da unsere eigenen tatsächlichen Verluste ge­wesen, sein?" , ^ . s

ff Es .ist ,nicht"nur^eine/ nenneN^ wir es : ..Eigenart" der Deutschen, sondern aller Döst: ker, das Schlimmeueher zu glauben und lo- aar noch zu übertreiben als das Tatsächliche so hinzunehmen, wie es wirklich'ist. Wenn, wie wir es schon oft erlebt haben, ein schweb rer Terroranoriks auk die. eigene oder eine benachbarte Stadt erkolgt' ist. so erbebt sich sofort die Fraae nach der Zahl dex.gingeflo- genen Flugzeuge. Irgend jemand.weiß auch

gleich die Antwort. Woher er sie Hai, das kann er meist selbst nicht sagen; gewöhnlich „aus zuverlässiger Quelle'. Und die Antwort lautet vielleicht: „Es sollen 300 gewesen

sein." Durchaus bewußt und mit Vorbehalt legt er den Ton aus „sollen". Der Nächste läßt das Wörtchen „sollen" einfach weg-und- jagt mit Ueberzeugung:. „Es waren übet; 300." Und nach irgendeinem — vielleicht! mathematischen Gesetz steigert sich diese, Zahl schließlich bis zu einer Höhe. die mit! der Wahrheit auch nicht mehr im entfern-! testen übereinstimmt. Ebenso ist es mit der Zahl der abgeworfenen Bomben, der Anzahl! der Todesopfer, der.angerichtetem Zerstörun-! gen, sehr selten dagegen mit de/ Zahl der) abgeschossenen Tcrrorslugzeuge.

Es soll hier nicht einer leichtfertigen Vaga-s tellisierung das Wort geredet werden. Daß die durch den Terror angerichteten Schäden in den betroffene^, Städten zum Teil sehr groß sind, daß Hunderte und Tausende den Tod gefunden haben, daß noch mehr aus­gebombt sind und damit alles verloren haben, was sie sich in Jahren und Jahrzehn­ten mühsam erworben haben, ist häufig lei­der traurige Gewißheit. Aber hüten wir uns vor maßlosen Uebertreibungen., Sie sind ge­rade das. was der Gegner beabsichtigt. Denn dadurch schwächen wir unsere seelische Wider­standskraft: in einer nicht zu verantwortenden. Weise.

, Man frage einen Kolporteur solcher Mel­dungen : „Woher haben Sie diese Neuigkei­ten?" Und er wird regelmäßig einen dritten oder vierten nennen, der sie von einem fünf­ten oder -feckmen haben ..soll". Ost kann man sich darüber hinaus durch eigenen Augenschein - K B. durch Besichtigung von Schasensstel-' len davon überzeugen,'Laß Sensationslust oder ein anderes Phänomen, das nur in Kriegen aufzutreten pflegt, solche Uebertrei­bungen hervorgerufen haben. - H

Dieses erwähnte Phänomen ist durchaus nicht erst in unseren Tagen und in diesem Kriege aufgetaucht, es ist vielmehr uralt. Ge- ncral Carl von Llausewitz, der wohl wie kein zweiter sich in die Probleme des Kriegcs ver­tieft har, hat dieses Phänomen ini O. Kapitel des '. Buches -eines schon vor 115 Jahren geschriebenen Werkes „Dom Kriege" unter­sucht und ist zu folgender -Feststellung gekom­men: „Ein großer Teil der Nachrichten, die onan im Kriege bekommt, ist widLr'ptechend, ein noch größerer ist -falsch und ben. weiten, der größte einer ziemlichen UngchNtWü'.l un­terwarfen. In der -Regel ist jeder genest, das Schlimme etwas zu vergrößern; Lud-die GejKhrsichkeiken, welche auf MeM Weise be­richtet werden, obgleich sie wie die Wellen des Meeres in sich selbst zufammenfintcu. kHren

doch wie jene ohne sichtbare Veranlassung, immer von neuem zurück." . ',

Selten ist Böstvilligkeir, viel häufiger da­gegen -Gedankenlosigkeit und auch >das ver­ständliche Bedürfnis, sich über den Krieg, der ja in das Leben iast eines joden einmal schmerzlich eingreffr, auszu-sprschen. die Ur­sache dafür, daß das „Schlimme" viel schlim­mer dargestellt wird, als es wirklich ist. Das Erstaunliche dabei -ist jsrner, daß das „Schlim­me" mit -wachsender Entfernung - also -je weiter vom Ort des Ereignisses, um, so mehr -- -sich vergröbert und vergrößerKWie oft ist von maßgeblicher Stelle darauf hingewiesen worden, daß der Gegner zwar nicht unter­schätzt, aber auch nicht überschätzt wenden >da.w. „Beim 'Feind regnet's auch", haz der Alte Fritz gesagt. Der Gegner kanri -viel, aber er -kann nicht alles, und wie oft schon hat-chr erkennen müßen, daß auch-seine Bau­me nicht in den Himmel wachsen. ,

am,

es zu denken: „Wir wollen das' Schlimmste annehmen; wenn es dann weniaer ichtl-mv, kommt, um so besser" Der Geg rer , »ir r immer wieder das Schlimmste i-ur unsere Zu­kunft aus. Er Knickst sparsam m-st Hoppla- ^ren. Ex erzählt uns init sadistlichcr Freude 'fastZäglich, wie Deutschland anfgete l m ec wirtschaftliches nrßd k-uldurelles Leben zerschla­gen, uniere. Männer, ja sogar umere Kinder zur FronMekt vertchlcppr -werden -oll^n Eij