Ausgabe 
(30.12.1944) 341
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Parteiamtliche Tageszeitung

Da. Amtsblatt du Baai.nd Büre.m.Ute,, de , Fm1m Haa«Mad, ~

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthallers tn Oldenburg und Bremen

Sonnabend/Sonntag, 30./31. Dezember 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

Slurmwiklnge versenkten 40000 To.

Schwere Kämpfe im belgisch-luxemburgischen Raum Fortschritte zwischen Slavelol und Murche

Aus dem Führerhauptquartier, 29. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im belgisch-luxemburgischen Raum kam es gestern in allen Abschnitten zu schweren Kämpfen, ohne daß sich die Lage im großen minderte. Von den im Westen eingesetzten 44 amerikanischen Divisionen sind nunmehr 26 in diesen Kämpfen festgestellt. In den Ar­dennen wurden zwischen Stavelot und Marche weitere Fortschritte erzielt, Gegenangriffe bei Rochefort'zerschlagen. Erneute amerika­nische Entlastungsangriffe südwestlich und südlich Bastogne und an der luxemburgischen Sauer drangen gegen unsere Abwehr nicht durch; nur in einzelnen Abschnitten gewann der Feind örtlich Boden. In den schweren Kämpfen wurden gestern 36 feindliche Panzer und Panzerspähwagen erbeutet oder vernich­tet, am 27. und 28. Dezember außerdem durch Verbände des Heeres 50 feindliche Flugzeuge nd Lastensegler abgeschossen, Von der -nten übrigen Westfront werden nur Ge- von örtlicher Bedeutung gemeldet. Femfeuer auf London, Lüttich und erpen wurde fortgesetzt, rmwikinge der Kriegsmarine haben mit Kleinst-U-Booten und Kleinkampf- in vor der Scheldemündung den feind- l Schiffsverkehr tagelang angegriffen unter Selbstaufopferung schwer ge­rn. Nach bisher vorliegenden Meldungen u sie aus der Nachschubflotte des Geg- weit mehr als 40 000 BRT. versenkt, ganz Mittelitalien war die Kampftätig­gestern gering. Vereinzelte britische Vor- e nordöstlich Faenza scheiterten vor un- n Stellungen.

i Ungarn blieben die erneuten Durch- ihsvei-suche der Bolschewisten zwischen ttensee und Donau im Abwehrfeuer unse- Divisjonen liegen. Nördlich der Donau sich der Uferwechsel unserer Truppen r den Gran trotz starken Eisganges ohne entliehe Einbußen vollzogen. Die Be­samung von Budapest behauptete den Stadt­kern gegen die heftigen Angriffe der Bolsche­wisten. Südlich der slowakischen Grenze blieben, die zwischen der Eipel und dem Quellgebiet des Sajo geführten feindlichen Angriffe ohne nennenswerten Erfolg.

In Kurland setzten die Bolschewisten ihre Großangriffe fort. Truppen des Heeres, der Waffen-und Lettische -Freiwilligenver- bände wehrten die überall wieder mit starker Artillerie- und Panzerunterstützung an­greifenden sowjetischen Divisionen in harten, aber erfolgreichen Kämpfen ab und vernich­teten erneut zahlreiche feindliche Panzer.

Bei den gestrigen Einflügen warfen anglo- amerikanischc Terrorflieger Bomben vorwie­gend auf Orte in West- und Süddeutschland. Vor allem in den Städten Koblenz und Kaiserslautern, die in den letzten Tagen schon mehrfach angegriffen wurden, entstanden erneut Schäden in Wohngebieten. In den frühen Abendstunden richteten sich Angriffe britischer Terrorbomber gegen das westliche Reichsgebiet.

Ergänzend zum Wehrmachtbericht wird gemeldet: In der Abwehrschlacht in Kurland hab^n sic^i die mitteldeutsche 31. Volks­grenadierdivision unter Führung des General­majors von Stolzmann und die württem- bergisch-bßdische 215. Infanteriedivision, unter Führung von Generalleutnant Franke­witz in Abwehr und Angriff hervorragend bewährt. Die 215. Infanteriedivision schlug allein in der Zeit vom 21. bfs 27. Dez. 111 feindliche Angriffe, die meisten davon in Bataillons- bis Regimentsstärke, ab.

Bsvraßäe Seifesiaufojifensaig

rd. Berlin, 29. Dez. Der todesmutige An­griffsgeist, der die Einzelkämpfer der deut­schen Kriegsmärine beseelt, hat sich in den

Sturm-Wikingen izur höchsten Opferbereit­schaft für die Nation erhoben. Aus dem Tele­gramm des Oberbefehlshabers der Kriegs­marine, Großadmiral Dönitz, an den Admiral der Kleinkampfverbände, Vizeadmiral Heye, hat das deutsche Volk zum erstenmal von dem Bestehen einer Sonderformation dieses Kommandos erfahren, deren Männer in be­wußter Selbstaufopferung auf See den Feind angreifen. Sie tragen den kühnen Namen Sturm-Wikinge, der sich auf ihren Ent­schluß begründet, ohne Rücksicht auf die Möglichkeit einer Heimkehr feindliche Schiffe anzugreifen und ,zu. vernichten. Es bedarf keiner Worte, um den Ruhm dieser jungen deutschen Seeleute und Soldaten her­vorzuheben, denn in ihnen erstrahlt der Geist der Selbstaufopferung des einzelnen für die Gesamtheit in makelloser Reinheit.

Nun hat der Wehrmachtbericht genauere Angaben über die Erfolge gemacht, die von den Sturm-Wikingen vor der S.cheldemün- dung erkämpft worden sind. In einem Augen­

blick, in dem der Feind während der deut­schen Angriffsschlacht im Westen seine: Nachschub besonders dringend benötigte, sint die Sturm-Wikinge durch die stärkste feind­liche Geleitsicherung durchgebrochen. Si haben zahlreiche englische und amerika­nische Nachschubschiffe versenkt, die m : Kriegsmaterial und Munition für die West front beladen waren. Mit weit mehr a! 40 000 BRT. beziffert der Wehrmaehtberic 1 in vorsichtiger Auswertung der Beobachtun­gen die feindlichen Schiffsverluste durch di Sturm-Wikinge vor der Schelde. Diese Schiffe hatten eine Ladung von 60 000 To. an Bord, die dem Feind auf dem Höhepunkt der Schlacht nun an Nächschubgütern fehlt. Tat­sächlich ist der feindliche Verlust ohne Zwei­fel noch erheblich höher, denn über den Untergang der erwähnten Nachschubschiffc hinaus sind eine Reihe weiterer nächtlicher Detonationen nach den Angriffen der Sturm- Wikinge beobachtet worden.

In dieser Erfolgsmeldung erwähnt das

Sechs amerikanische GrolSiransfBorier versenkt

Große G$k&tzugschldcht Japans Luftwaffe im Angriff

Tokio, 29. Dez. In einer heuen großen Geleitzugschlacht in der Mindanah-See ge­lang es der japanischen Luftwaffe, deib Feind weitere schwere Schiffsverluste beizubringen. Wie aus einer Verlautbarung des Kaiser­lichen Hauptquartiers hervorgeht. Sechs große Transjforter von ungefähr je 10 000 BRT. wurden durch Bombenabwürfe und Ramm­stöße der Sonderkörps der. Luftwaffe ver­senkt, und zwei weitere schwer beschädigt.

Der Geleitzug bestand aus annähernd 30 Transportern und war von 20 Kriegs­schiffen, - in der ..Hauptsache Kreuzern und, Zerstörern, gesichert. In der Nacht zum 28. Dezember hatten diese Schiffe die Suri- gao-Straße durchquert, um am nächsten Morgen in der Mindanao-See von den Ja­panern entdeckt. und sofort, angegriffen zu .werden. Die Kämpfe dauern noch an. Es ist anzunehmen, daß sich die feindlichen Ver­luste noch vergrößern werden.

Seitdem die japanische Luftwaffe in stän­digen wirkungsvollen Angriffen den,feind­lichen Stützpunkt auf der Molukkeninsel Mo-

rotai mit Bomben belegte, haben die Ameri­kaner ihrerseits versucht, die Japaner auf der Insel Halmahera (Molukken) durch Luft­angriffe auszuschalten. Allein im Monat De­zember hat aber die japanische Abwehr dort, wie der Kaiserliche Hauptquartierbericht be­kanntgibt, 76 feindliche Maschinen .herunter­holen können, während weitere 142 beschä­digt wurden.

Japans Stärke unvermindert"

ep. Stockholm. 2§. D?z , ,J ipans Flotte ist noch sehr stark. Diese Feststellung trifft Reuters Militärkommentator- John Komche im Rahmen eines Berichtes über Japans militärische Stärke. Weiter schreibt er, daß die japanische Armee über ausreichende Re­serven verfüge, und daß die japanische Kriegsproduktion allen japanischen Bedürf­nissen genüge, die im Rahmen der militäri­schen Auseinandersetzungen erforderlich würden. Japan sei heute mindestens so stark wie zur Zeit von Pearl Harbour.

Oberkommando der Wehrmacht zum ersten­mal eine weitere Kleinkampfwaffe der Kriegs- larine. Bisher kannten wir dieEin-Mann- orpedos, dieSprengboote und die Kampfschwimmer. DieSturm-Wikinge ber sind, wie der Wehrmachtbericht be- nntgibt, außerdem auch mitKleinst- gegen den Feind vorgegangen, opferbereite Einzelkämpfer des bedarf technischer Hilfsmittel,

-Booten ich der eekrieges

aber er setzt gegen einen Feind, der auf die materielle Übermacht der Massen von Kriegs­material schwört, den höheren moralischen Wert der Tatbereitschaft von Männern, die im Dienste ihres Volkes das Letzte wagen und auch scheinbar Unmögliches durch ihre Todesverachtung möglich machen.

Die Vernichtung zahlreicher feindlicher Schiffe in der Scheldemündung durch die Sturm-Wikinge steht unseren Feinden als ein feuriges Fanal vor Augen. Diese Flam­menzeichen künden davon, daß Völker un­besiegbar sind, die solche Männer hervor­bringen, wie die deutschen Sturm-Wikinge oder wie die Kamikaze-Flieger unserer .japa­nischen Verbündeten. Der Geist der Sturm- Wikinge ist für jeden Deutschen ein Ansporn zur höchsten Pflichterfüllung für die Zu­kunft unseres nationalsozialistischen Groß­deutschen Reiches.

Du muß! steigen oder sinken -

Von Dr. Adolf W o 1 f a r d

Wenn der Bremer Kaufmann am Silvester­abend sein Kontor verläßt, dann pflegt er auf dem Heimweg zu den Seinen wohl noch einmal das zu Ende gehende Jahr zu über­blicken und seine Bilanz zu ziehen. Aber da­bei verweilen seine Gedanken nicht zu lange, denn es war'schon immer hanseatische Art, es nicht bei dem Erreichten bewenden oder sich durch Mißerfolge abschrecken zu lassen. Die geistige Weite bremischen Wagens und Winnens war schon immer über die rein ma­teriellen Belange hinaus schöpferischer Pla­nung zugewandt, die zukünftiges Schaffen befruchtete. Es versteht sich dabei, daß beim Jahreswechsel im sechsten Kriegsjahr in einem Überseehafen und einer Handelsstadt, deren Ein- und Ausfuhr in die Weite der Welt ging, die Gedanken des Reeders und des Kaufmanns andere sein müssen als in goldenen Friedenszeiten, da Weltverkehr und Welthandel in voller Blüte standen. Und dies zumal in einer Stadt, die schwer, unter dem feindlichen Bombenterror gelitten, die man­ches alte Kaufmannskontor in Schutt und Asche sinken sah. Aber der bremische Kauf­mann weiß nur zu gut, daß es jetzt nicht um seinen persönlichen Vorteil geht, sondern daß sein eigenes Schicksal im buchstäblichen Sinne in die große Entscheidung dieses Welt- ringens gestellt ist.

In den Hansestädten war schon früh die Erkenntnis Allgemeingut geworden, daß sie nur ein Teil des größeren Ganzen sind. Sie waren' sich schon im Mittelalter ihrer deut­schen Sendung zutiefst bewußt, in einer Zeit also, als sie in vieler Hinsicht noch eine selbständige Politik zu treiben vermochten.

Wirkungen der deutschen Wesfofiensive

Bis zu den entferntesten Abschnitten der Westfront spürbar Wunder Punkt derKriegführuingEisenhowers

Von unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter

Vierzehn Tage währt jetzt der dem Feind so überraschend gekommene deutsche An­griff im Westen. Zunächst darf festgestellt werden, daß diese Offensive immer noch langsame Fortschritte macht, die vor allem im Nordwesten des Einbruchsraumes beob­achtet werden. Über Motiv und Ziel der deut­schen Operation, die in ihrem Grundcharak­ter ein Gegenschiag gegen die feindlichen Dauerangriffe an unseren Abwehrfronten an Roer, Saar und Pfalz ist, mag auch in Deutschland viel debattiert worden sein. Das OKW. unterstrich soeben den hohen Wert an Entlastung, den unser Angriff für die Westverteidigung des Reiches gehabt hat.

Schon wenige Tage nach Eröffnung des Gegenangriffes löste sich der feindliche' Druck an unseren westlichen Frontabschnit­ten, soweit sie bis dahin unter feindlicher Einwirkung. starken Ausmaßes gestanden hatten. An dieser Entwicklung hat sich seit­dem nichts geändert. Der Gegner hat im Grundsätzlichen seine Angriffe eingestellt. Er ist in vielen Abschnitten zur aus­gesprochenen Verteidigung übergegangen. Er

Ml der Ruche nach den Schuldigen

Strategischer Fahrplan durch die Deutschen zerstört

Drahtbericht unseres Vertreters

hw. Stockholm, 29. Dez. In London und Washington ist man eifrig auf der Suche nach Sündenböcken für das Versagen der 1. USA-Armee, die sich bekanntlich von der deutschen Winteroffensive überraschen ließ. Roosevelts Kriegsminister Sthnson hat Ge­neral Eisenhower aufgefordert, einen genauen Bericht über die deutsche Offensive zu geben und ihm. die Namen jedes Offiziers auf alliierter Seite zu nennen, dessen Fehler die Sc.d d ar_t Versagen der Amerikaner tragen. Die Engländer legen dem USA-Generalissi- mus Eisenhower nahe, die Truppenführung an der Westfront einem englischen General zu überlassen und wollen ihm nur noch die all­gemeine Planung und die Wahrnehmung der politischen Geschäfte eines Oberbefehls­habers zugestehen.

Die ZeitungTribüne schreibt, es sei leicht, die Schuld an dem. was geschehen sei, hachgeordneten Kräften zu geben, die heute entweder tot oder in deutscher Gefangen­schaft seien. Allen Nachrichten zufolge seien die Truppen, die den ersten deutschen Stoß ftushalten mußten, nicht genügend gerüstet gewesen, und für diesen Umstand müsse die militärische Spitze die Verantwortung tragen. Die alliierte Führung hätte keinen Plan auf­

gestellt, um die Gelegenheit auszunutzen, die der deutsche Rückzug aus der Normandie seinerzeit geschaffen hätte. In der ersten Freude über die damaligen Erfolge, so betont New Statesman, habe das alliierte Ober­kommando das Vermögen des Gegners, sich zu erholen und weiter Widerstand zu leisten, falsch 'eingeschätzt. Auch der Londoner Spectator erklärt, der größte Fehler der Verbündeten wäre ihre abnorme Selbstsicher­heit seit den Kämpfen in Frankreich ge­wesen.

Hinter all diesen Betrachtungen, versteck­ten und offenen Vorwürfen steht die Sorge der Anglo-Amerikaner, daß die Krise im Westen noch keineswegs behoben sei. Durch-' weg wird hervorgehoben, daß die deutsche Führung in der Erfassung der Situation und in der Ausnutzung aller Schwächen ihrer Gegner eine Geschicklichkeit bewiesen haben, die Engländer und Amerikaner nur veran­lassen könne, weiterhin auf der Hut zu blei­ben Am prägnantesten gibtDaily Sketsch diese Ansicht mit den Worten wieder, bei derartigen Gegnern wie den Deutschen dürfe man sich auch nicht die kleinsten Fehler er­lauben, undTime and Tide betonen, daß die deutsche Offensive den ganzen strate­gischen Fahrplan der Alliierten in Unord­nung gebracht habe.

hat an der saarländischen und pfälzischen Front die letzten Bodengewinne wieder auf­gegeben, die sich offenbar von seiner Seite nur hätten halten lassen, wenn sie von star­ken Truppen hätten besetzt werden können. Der Feind mußte dabei die Feststellung machen, daß die deutschen Truppen den Räumungsbewegungen scharf nachstießen und damit dem normalen Ablauf des Über­ganges vom Angriff zur Verteidigung auf feindlicher Seite manche Schwierigkeit und Verwirrung bereiteten.

Vornehmlich waren es die amerikanischen Angriffe seit September gewesen, die die Ge­samtkraft der eisenhowerschen Armeen stark mitgenommen hatten. Es sind in letzter Zeit Verbrauchszahlen der feindlichen Offensive genannt worden, die durch die Ereignisse selbst ihre volle Bestätigung fanden. Der Feind mag zunächst stärkere Reserven zu- rückgehaltefi haben. So hielt er bis vor weni­gen Wochen noch die 9. amerikanische Armee fest in der Hand, um sie für alle Notfälle als operative Reserve verfügbar zu haben. Wenn Eisenhower jedoch seine Angriffe im Aache-' ner Abschnitt hatte fortsetzen wollen, so war er schließlich doch gezwungen worden, sich seiner letzten großen Reservemasse zu be­geben. Die automatische Folge war, daß er praktisch nichts an der Hand hatte, als unser plötzlicher Angriff, der noch dazu den rech­ten Flügel der 1. USA-Armee völlig über­raschte, zu einem tiefen Einbruch geführt hatte.

In diesen Tagen mußte Eisenhower sich entschließen, entweder auf eigene Angriffe grundsätzlich zu verzichten oder die weitere Entwicklung im Angriffsraume der deutschen Offensivgruppe abzuwarten auf die Gefahr hin, daß dieser Vorgang die gefährlichsten Folgen für die gesamte Westfront der Geg­ner mit sieh bringen würde. Eisenhower wählte das für ihn gewiß kleinere Übel, den schnellen Verzicht auf die Offensive, aber was muß das für ihn bedeuten? Denn sie ist ja doch das Grundelement seiner Kriegfüh­rung gegen uns, weil nur die Offensive den entscheidenden Erfolg bringen kann. Ein Verzicht auf sie bedeutet nicht weniger als den Verzicht auf den Versuch zur Kriegsent­scheidung auf mehr oder weniger lange Zeit. Dieser Vorgang ist es vor allem, der auf das feindliche Ausland niederschmetternd ge­wirkt hat. In ihm sehen die "Kritiker, der eisenhowerschen Kriegführung durchaus den eigentlichen wunden Punkt, wie er.sich nun im Blick auf d ! » weitere Kriegführung der Gegner enthüllt.

Da Eisenhower eine disponible Hauptre­serve fehlte', schuf er sich Ersatz durch star­ken Abzug von Divisionen aus den übrigen Abschnitten der Westfront, vor allem aus

dem Aachener und Saarabschnitt. Damit war wohl auch eine Streckung der Fronten für die nicht in Bewegung gesetzten feind­lichen Kräfte verbunden, die in die Lücken einrücken mußten, die durch den Abzug' der Truppenverbände entstanden, welche in den neuralgischen Raum erwischen Maas und Mosel geworfen wurden. Am schnellsten hatte der Gegner noch am Südflügel der Aache­ner Front Kräfte herangebracht, die von Norden her zunächst schwachen,.später dann stärkeren, Druck gegen die Nordflanke unse­res Einbruches ausübten. Gegen die Süd­flanke 'dieses Einbruches kam der Gegner erst später zum Tragen, weil die dafür be­stimmten Divisionen von der Saarfront ab­gezogen werden mußten und nach Norden in längeren Marsch gesetzt wurden. In den letzten Tagen hat Eisenhower den Druck von Süden her erheblich verstärkt und aufrecht­erhalten.

Der Schlacht in Belgien - gibt zur Stunde die Begegnung starker deutscher und ameri­kanischer Kräfte das Gepräge.. Sie entstand durch das Heranführen der von anderen Ab­schnitten herangeholten Feinddivisionen, unter denen sich auch eine ganze Anzahl von Panzerdivisionen befanden. Vor einigen Tagen schon erwähnte der OKW.-Bericht ein

Goebbels spricht zum Jahreswechsel

B e r 1 i n, 29. Dez. Reichsminister Dr. Goeb­bels spricht zum Jahreswechsel am .31. Dez. 1944, 20.15 Uhr, über den Großdeutschen Rundfunk zum deutschen Volk.

schweres Panzertreffen nördlich von La­roche. Zwei namentlich genannte amerika­nische Panzerdivisionen erlitten dabei höhe Verluste, müssen aber neue Panzerverstär- kungen erhalten haben, denn die sich daraus entwickelnde Bewegungsschlacht hält an, ohne daß nähere Angaben gemacht werden, in welchem engeren Raume sie sich abspielt; Sie erlaubt keinen Vergleich fnit einer Of­fensive im Stil von 1940, well sich Zeiten, Gegner, technische und taktische Mittel ver­ändert haben. Wenn auch der Feind zu­nächst völlig überrascht war und unser darauf basierender Erfolg ein großes Ausmaß angenommen hat, so kann dieser Gegner doch nicht als schwach gelten, sondern als ein militärisches Gewicht von erheblichem Umfang, von hoher technischer Leistungs­fähigkeit und von einem Manne geführt, der hart genug ist, Rückschläge in Kauf zu neh­men und mit den höheren Kommandeuren der französischen Armee von 1940 darum

(Fortsetzung auf der nächsten Seite)

Aber diese Zeit ist längst dahin. Im deutschen Bruderkrieg 1866 waren sie letzt­malig wenigstens formal Herr über Krieg und Frieden und schlossen sich als selbständige Staaten der preußischen Eini­gungsbewegung an. Im Einheitsstaat des Dritten Reiches sind nach verschiedenen Etappen der dahin führenden zwangsläufigen EntwickliAig die Hansestädte völlig ihrer Eigenstaatlichkeit entkleidet worden und wieder Städte im eigentlichen Sinn des Wor-< tes geworden. Vielfach mag das bedauert worden sein, aber wer so denkt, übersieht, daß in der Zeit des Flugzeugs, des Rund­funks,, der Rakete, in einer Zeit, dp nicht mehr Staaten und Völker, sondern ganze Kontinente und Weltanschauupgen Krieg gegeneinander führen, kleinere Gemeinschaf­ten als selbständige Willensträger nicht mehr existent sind. Ist nicht das beste und zu- . gleich tragischste Beispiel dafür das Schick­sal unserer früheren osteuropäischen Ver­bündeten? Wie ein Rutenbündel unzerbrech­lich ist, so wären sie in der europäischen Gemeinschaft sichei* und unbesiegbar ge­wesen. In dem Augenblick aber, da sb glaub­ten,selbständige Politik treiben zu müssen,, wurden sie das Opfer der tödlichen Gefahr aus dem Osten, des bolschewistischen Moloch.

Wenn wir Bremer also am Jahresschluß Bilanz ziehen, dann sind wir uns bewußt, daß das Schicksal unseres größeren Vaterlandes unwiderruflich unseres ist. Und wir nehmen es auf uns nicht um unseres Vorteils willen, sondern aus tiefinnerem Bedürfnis, Dieser treue, arbeitsame, erdverbundene Menschen­schlag unserer engeren und weiteren Heimat in der Nordwestecke des Reiches hat ja nie­mals in der Geschichte Deutschlands partl- kularistische Neigungen gehegt, sondern war nur immer dem Reich und nichts anderem verhaftet. Unser Gau an Weser und Ems ist Grenzgebiet und hält als solches die deutsche Wacht. Die Hansestadt an der Weser aber, in der, um mit Gustav Frey tag zu sprechen, die Arbeit eine Freude ist und die Ehre eine Heimat hat, hat immer nur diese Ehre darein gesetzt, Mittler des Reiches zu anderen Völ- , kern zu sein, und seine Arbeit nicht für sich, sondern für Deutschland getan. Ja, wir schick­ten unsere Schiffe nach Amerika, wir trieben Handel mit England, aber wurden wir darum anglophil? Kreisleiter Max Schümann hat kürzlich an dieser Stelle die passende Ant­wort auf diese rein rhetorische Frage ge­geben. Allerdings, wir kannten darum andere Völker vielleicht besser als mancher Deutsche im Binnenlande, wußten mehr um die Ge­fährlichkeit und vielleicht auch um die Stärke unserer Feinde. Schon im September 1939 sagte der Amtsvorgänger unseres Gau­leiters zu uns Journalisten:Ich glaube, daß dieser Krieg lang und hart sein wird. . .

In der Tat, dieses Weltringen fordert uns den letztfen und höchsten Einsatz ab. Im sechsten Kriegsjahr mehr denn je. Aber ist das ein Grund zum Verzagen? Du mußt stei-gen oder sinken, eine andere Alternative gibt es für uns nicht. Wollen wir nicht Hammer sein, werden wir Amboß. Wir sind vom Schicksal ln diese höchste Be­währungsprobe gestellt, ob wir wollen oder nicht. Ist jemand unter uns, der den Krieg um seiner selbst willen liebt, wie es Churchill. von seinen eigenen Landsleuten nachgesagt wird? Nein, aber mit der Friedensliebe allein weicht man nicht säkularen Entscheidungen aus, vor die die Menschheit in den letzten Jahrzehnten durch das sprunghafte An­wachsen der Bevölkerungsdichte in den meisten Staaten der Welt und durch die ra­piden Fortschritte der modernen Technik gestellt wurde. Kein geringerer als Nietzsche kündigte seherisch an, daß der Kampf um die Vorherrschaft auf unserem Planeten in diesem Jahrhundert akute Formen annehmen werde.

Man mag es beklagen, daß gerade unsere Generation die Last zweier Weltkriege auf ihre Schultern nehmen muß, aber die uns gestellte Aufgabe ist unausweichbar. Und )vir können sie lösen, wenn wir nur u n -. serer eigenen Kraft vertrauen. Gewiß, daß nun zu Ende gehende Jahr hat uns viele und schwere Enttäuschungen be­reitet. Aber sind wir an ihnen zerbrochen? Die härteste Belastungsprobe der Sommer­monate 1944, als die Sowjets die Mitte unse­rer Ostfront durchbrachen und bis an die Reichsgrenze vorstürmten und etwa gleich­zeitig Eisenhowers Armeen Frankreich und Belgien überschwemmten, ist überwunden und einer ganz neuen strategischen Gegeben­heit gewichen. Wir haben heute die Kraft, auch wieder offensiv zu werden, ganz davon abgesehen, daß unsere Abwehr an den