Ausgabe 
(29.12.1944) 340
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Parleiamfliche Tageszeitung

Pas Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

Nummer 340 14. lahrgang

Bremer 9tadirid)teit

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der Nationalsozialisten Bremens

Amtli ches Verkündungsblatt des Reichsslatthaliers in Oldenburg und Bremen

Freitag; 29. Dezember 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

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Ausgedehnte Bewegungsschlacht

Im belgisch-luxemburgischen Raum Entlastung der übrigen Westfront

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jos dem Fü'hr er h aup t qu ar t i e,r, ’S. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht bekannt:

per tiefe Einbruch unserer Angriffsver- bäiide in den belgisch-luxemburgischen Kaum bat neben der Entlastung der gesamten übri- gin Westfront zu einer Bewegungsschlacht »roßten Ausmaßes mit den inzwischen von anderen Abschnitten abgezogenen feindlichen Divisionen geführt. An der Nordwestfront des Kampfraumes schreitet unser Angriff gegen z ä) ie n feindlichen Widerstand langsam vor­wärts. An der gesamten Südfront hält der Gegner seinen starken Druck aufrecht. Gestern wurden erneut 21 feindliche Panzer, abgeschossen. Die Beute an Geschützen und Panzerabwehrkanonen seit dem 16. Dezember ist nach den bisherigen Feststellungen auf über 300 gestiegen. Längs der lothringisch- elsässischen Front setzen unsere Truppen die Säuberung des Vorfeldes der Westbefesti- rungen fort. Aus dem Oberelsaß werden leb­hafte Stellungskämpfe beiderseits Kaysers- jerg gemeldet. In heftigen Luftkämpfen über äer Westfront vernichteten deutsche Jäger gestern 23 feindliche Jagdflugzeuge. — Lüt­tich und Antwerpen lagen auch am vergan­genen tag unter stärkerem Beschuß.

- i n Mitteiitaiien festigten die deutschen und. italienischen Truppen im Angriffsraum von Gallicano ihre neugewonnenen Stellungen und hielten die gegenüber feindlichen Ge­genangriffen. Im Kampfraum von Faenza und in der Romagna unternahmen die Bri­ten nur vereinzelte erfolglose Vorstöße.

In Nordostkroatien kam es in den letzten Tagen zu heftigen Kämpfen mit den zwischen Donau und Save angreifenden Banden und Bulgaren. Der in den Raum der Stadt Oiok vorgedrnhgene Feind wurde im Gegenangriff wieder geworfen und erlitt da­bei schwere Verluste. — In Ungarn nahm die Schlacht zwischen Plattensee und der Süd­grenze der Slowakei an Umfang und Härte noch zu. Der Feind drehte aus dem Raum Stuhlweißenburg—Feisögälla und nördlich mit verstärkten Kräften nach Westen ein un.d griff außerdem Budapest heftig, von Westen, Südosten und Nordosten an. Die deutsch; ungarische Besatzung leistet den anstürmen- d-n Bo'schewisten am inneren Verteidigungs­ring erbittertsten Widerstand. Nördlich der Donau kämpfen sich unsere Truppen, starke feindliche Angriffe abwehrend, auf das West­ufer des Gfan zurück. Zwischen der Eipel und dem Quellgebiet des Sa jo wurden zahl­reiche Angriffe der Bolschewisten zurück- geschlagen, einige Einbrüche abgeriegelt.

In Kurland setzten die Sowjets ihre An­griffe nach Zuführung von Verstärkungen in den bisherigen Schwerpunkten fort. Abge­sehen von geringem Geländeverlust nördlich Dohlen blieb die Hauptkampflinie -auch gestern fest in unserer Hand. In den schwe­ren Abwehrkämpfen des 26. und 27. Dez, wurden 210 feindliche Panzer abgeschosseh.

Der Schwerpunkt ' der anglo-amerika- nischen Luftangriffe lag am gestrigen Tage auf dem Gebiet westlich des Rh,eins. Außer­dem, war Fulda das Ziel eines Terrorangriffes. Kordamerikanische Verbände i warfen Bom­ben auf Orte in Südostdeutschland. Nach-ver­einzelten nächtlichen Störflügen über dem nordwestdeutschen Raum griffen die Briten in den frühen Morgenstunden westdeutsches Gebiet an.

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt tsrner bekannt: Durch den Verrat der fin- irischen Regierung war es im September not- Rindig geworden, die in Mittel-^ und Nord- linnland stehenden deutschen Divisionen auf norwegisches Gebiet zurückzuführen. Diese Absetzbewegung über .viele Hunderte von Kilometern auf wenigen Straßen versuchte die sowjetische Rührung, unterstützt von den verratenen finnischen Truppen, zu verhin­dern. Alle diese Versuche sind an der Tapfer­keit unserer Truppen und an der vorzüg­lichen deutschen Führung unter General^ oberst Rendulic zunichte geworden. Die feindliche Absicht, sich dem Rückmarsch der bamnfgewohnten und durch die Natur gehär­teten deutschen Wald- nnd Tundrakämpfer vorzulegen, scheiterte unter Schwersten Ver­lusten der sowjetischen und finnischen Trup­pen. Die aus Finnland zurückgekehrte deut­sche Armee steht heute in voller Kampfkraft im nordnorwegischen Raum bereit für je e Aufgabe, die ihr gestellt wird.

Ergänzend zum Wehrmachtbericht wird gemeldet: In den harten Kämpfen der drit­ten Kurlandschlacht haben sich die nord­deutsche 225. Infanteriedivision unter Füh­rung von Generalleutnant Risse und die Pommersche ■ 12. Panzerdivision unter Füh- rung von Generalleutnant Freiherr von Bo­denhausen durch hervorragende Standhaftig­keit ausgezeichnet.

Neuer Abschnilt der Schlacht

Berlin, 28. Dez. Die Schlacht im belgisch­luxemburgischen Raum nimmt ihren Fort- SPng. Die Durchbruchskämpfe der ers _Pf n Tage; und das Vordringen unserer Angnfis- ®yisionen zwang den Gegner, wie erwartet, atfa Abziehen starker Kräfte von anderen Abschnitten der Westfront. Den dort nach- tassuiden feindlichen Druck pützten unsere Truppen, vor allem im Süden der Westfront, 81 Degenstößen aus und errett* 11 Boden­

gewinne' und Stellungsverbesserungen. Die vom.Feind, an den Durchbruchsraum heran­geführten Kräfte griffen zuerst von Norden, später in immer stärkerem Umfange auch von Süden mit starker Unterstützung aus der Luft unsere Flanken an, während sich andere Verbände unseren nach Westen vor- dringenden Angriffskellen vorzulegen ver­suchen. Mit diesen von vornherein jn Rech­nung gestellten feindlichen Maßnahmen trat die Schlacht in einen neuen Abschnitt ein. Aus den Durchbruchskätnpfen ist eine Bewegungsschlacht geworden, deren Schwer­punkt zur Zeit nördlich Laroche und an der gesamten Südflanke zwischen Bastogne und [Echternach liegen. Auch diese 1 Kämpfe haben, da sie vorauszusehen waren, den plan­mäßigen Ablauf der Operationen bisher nicht zu stören, vermocht. Beim. Aufbrechen einer Panzersperre erbeuteten unsere Truppen 30 feindliche Pakgeschütze.

Es kommt im Augenblick darauf an, die starken Flankenangriffe aufzufangen und zu •zerschlagen, trotz starker feindlicher Luft­tätigkeit- weitere Kräfte aus der Tiefe heran­zuführen und die im Hintergrund an einigen Stellen noch Widerstand leistenden feind­lichen Westgruppen zu vernichten. Aus : den Vorstößen unserer Truppen und den feind­lichen Gegenangriffen entwickelten sich wie­der harte Kämpfe nördlich Laroche, wo 'eine oft bewährte M -Panzerdivision Innerhalb dreier Tage 108 nordamerikanische Panzer vernichtete, ferner südlich Bastogne, wo der Feind bisher etwa die Hälfte einer Panzer­division verloren hat und am Sauerabschnitt in Mittelluxemburg. Hier vernichteten un­sere Truppen .vorgeprell'te feindliche Kräfte und brachten dem Gegner* erhebliche Ver- Juste bei.

Einen besonderen -Erfolg errang bei den kämpfen am 2. Weihnachtstag dep 19jährige

Gefreite Sielemann, der innerhalb von 18 Mi­nuten sechs Sherman-Panzer mit der Pan­zerfaust zur Strecke brachte.

Da der Druck unserer Angriffsverbände im belgisch-luxemburgischen Raum nicht nach­gelassen hat, ist der ■ Gegner zu weiteren Kräfteverschiebungen gezwungen. Er führte, um größere Geländeverluste an den anderen Frontabschnitten zu vermeiden, eine Reihe von örtlichen Gegenstößen, die ebenso wie Befestigungsarbeiten an anderen Punkten den Zweck haben, eine vom Gelände be­günstigte Frontlinie aufzubauen, die sich mit schwächeren Kräften verteidigen läßt. Aus diesemGrunde griff er in Saarläutem und bei Bliesbrücken mit Stoßtrupps an, während unsere Truppen die Maßnahmen des Feindes durch energisches Nachdrängen durchkreuz­ten und östlich der Blies wie im Bereich der Weißenburger Steige eine Reihe von Ort­schaften befreiten. - \

Ein Höhepunkt der Winierschlnchi im Westen

; Gutes Fortschreiten der Bewegungskämpfe trotz feindlic her Gegenmaßnahmen

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung dr. w. sch. Berlin, 28. Dez. Mit dem heute schon feststehenden überragenden Erfolg als Entlastungsoffensive sind- die Kämpfe noch keineswegs abgeschlossen» die von der deut­schen militärischen Führung am' ■ frühen Morgen des 16. Dez. aus dem Raum des Hohen Venn eingeleitet wurden. Die Schlacht geht vielmehr, wie sich aus dem heutigen Wehrmachtbericht ergibt, mit gesteigerter Heftigkeit weiter und strebt in einer Be­wegungsschlacht -größten Ausmaßes ihrem Höhepunkt zu, so daß die Spannung unver­mindert andauert. Die Bewegungssehlacht, das ergibt sich schon einfach aus dem Sinn l.des Wortes, entsteht aus . dem Zusammen­prall der im Vordringen begriffenen angrei­fenden Truppen mit gegnerischen Kräften, die der Offefcsjvbewegung schnell entgegenge­schickt werden, um aus dem Marsch heraus, nicht aus vorbereiteten Stellungen, den Kampf zu eröffnen. 1

Wie das gegenwärtige Entwicklungsstadium auf der Feindseite beurteÄt wird, sieht man aus einer Feststellung de:? Londoner Nach­richtendienstes. In ihr wird efte Konsoli­dierung des deutschen Angriffskeils in dieser

•Weise bestätigt: „Die Amerikaner haben sich aus dem schmalen Landstreifen, den sie noch ini Raume von St. Vith hielten, zurückge­zogen“ — ein plumper Versuch, die im Wehr- maphtbericht vom 20. Dezember gemeldete Gefangennahme der Besatzung zu ver­schleiern —r „und die deutschen Keile rechts und links davon sind jetzt zu einem einzigen zusammengeschmolzen“. Auch „Exchange Te­legraph“' spricht von einem nach zehn An­griffstagen erzielten deutschen Erfolg' in* Ge­stalt eines in sich geschlossenen Keils von, solcher, Tiefe und Weite, daß im umgekchr-, fen Falle, wenn nämlich Eisenhower einen solchen Erfolg zu verzeichnen hätte, er be­reits den Niederrhein überschritten haben und unmittelbar vor dem Ruhrgebiet stehen .würde. Ein Offensivvorstoß von solchem Aus­maß aus dem Stellungskrieg heraus ist im vorgeschrittenen Stadium des Krieges und bei weithin vollzogener technischer und tak­tischer Angleichung der gegenüberstehenden Kräfte eine ganz besondere Leistung.

Jedenfalls kann die anglo-amerikanische Führung allein die Tatsache des jetzt ge­schaffenen Einbruchskeils, ganz unabhängig von den Möglichkeiten ejner weiteren Aus-

1

„Sturm-Wikings"

Anerkennung für selbstaufopfernden Einsatz vor der Scheldemündung

Berlin, 28. Dez. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönilz, hat den Soldaten^ einer Sonderformation des unter der Führung von Vizeadmiral Heye stehenden Kommandos der Klein-Kampfver­bände in Anbetracht ihres in bewußter Selbstaufopferung erfolgten Einsatzes die Be­zeichnung /,S t u r m - W i k i n g s“ verliehen und ihneij folgendes Telegramm -zugesandt: „Mit stolzer Freude denke ich an Euch. Seit Tagen steht Ihr in bewußter Selbstauf- opferung_im Angriff gegen den für die anglo- amerikanische Kriegführung entscheidenden Nachschub vor der Scheldemündung. Höchste

Anerkennung und unsterblicher Ruhm sind Euch sicher. Ich liebe Eure Kühnheit. Ihr seid meine „Sturm-Wikings“' — allen Män­nern der Kriegsmarine leuchtendes Vorbild." Heil unserem Führer.

gez. Dönitz,* Großadmiral.“

Eichenlaub verliehen

Berlin, 28. Dez. Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz, des Eisernen Kreuzes an (S-Brigadeführer Jürgen Wag­ner, Kommandeur der i(-Freiwilligen-Pan- zer-Grenadier-Brigade „Nederland“, als

680. Soldaten der deutschen Wehrmacht.

„Damit hatten wir nicht gerechnet"

USA-Presse zier Offensive im Westen — „Initiative verloren ‘

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Berlin, 28. Dez. Die USA-Presse beschäftigt sich jetzt besonders, mit der Frage, wie den deutschen Truppen im -Westen die „Uber- rumpelungsoffensive“ gelingen konnte. Nach einem in „Svenska Dagbladet“ veröffentlich­ten Bericht von Associated Press versuchen die, amtlichen Kreise Washingtons offenbar, dem anglo-amerikanischen Nachrichtendienst die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie erklären, der Nachrichtendienst habe stets die Ansicht vertreten, daß die deutschen Ar­meen bei den Kämpfen in Frankreich so ge­schwächt worden seien, daß sie ihre Schlag­kraft völlig verloren hätten. Auch der Jude Lippman, <Jer sich in einem Artikel mit der deutschen Westoffensive befaßt, kann nicht umhin, einzugestehen, däß die USA-Truppen völlig überrascht wurden. Militärische Kreise in den USA bezeichnen nach einer Asso- ciated-Preß-Meldung die strategischen Be­rechnungen für die Wahl des Zeitpunktes der deutschen Offensive als „brillant“.

Der amerikanische Kriegskorrespondent James Cassedy gibt in seinen letzten Front­berichten) seinem Erstaunen über den star­ken Einsatz der deutschen Luftwaffe Aus­druck. „Unsere Soldaten an. der Westfront“, so schreibt er u. a., „sind durch das plötz­liche Auftauchen der deutschen Luftwaffe ziemlich überrumpelt worden. Damit hatten wir nicht gerechnet.“ Cassedy muß weiter zugeben, daß man allgemein der Meinung gewesen sei, daß die deutsche Luftwaffe zu solchen Leistungen nicht imstande sei, wäh­rend man nun erkennen müsse, daß die deut­schen Bodenoperationen durch die Luftwaffe eine gute Unterstützung fänden. In einem anderen Bericht beklagt Cassedy, daß „offen­bar die guten alten Zelten, in denen man un­gestraft hinter den amerikanischen Linien

Auto fahren konnte, vorüber“ seien. Der amerikanische ffriegskörrespohderlt gesteht, daß er auf seinen Frontfahrten öfter vor den deutschen Flugzeugen habe Deckung nehmen müssen.

Welche weitgreifenden Auswirkungen die deutsche Westoffensive auf die USA hat, zeigt ein Bericht der Londoner „Daily Mail' aus New York, wonach in Washingtoner Re­gierungskreisen und Finanzkreisen erwogen werde, jede Herabsetzung der jetzigen hohen Steuern' bis 1917 aufzuschieben infolge des eingetretenen „militärischen Rückschlages“. „Daiiy Mail“ muß zugeben, daß alle Pläne auf der Annahme aufgebaut waren, daß der Krieg mit Deutschland zu Beginn des Jahres 1945 beendet sein werde. Nunmehr hätten sich diese Berechnungen als unhaltbar er wiesen.

Die Londoner „Times“ widmen der Ent­wicklung der Lage im Westen einen langen Leitartikel, der mit der Feststellung beginnt, daß die „härtesten Kämpfe noch entschie­den“ werden müßten, und der weiterhin nicht verheimlichen kann» daß die anglo-amerika nischen Operationen und Pläne durch den überraschenden deutschen Angriff durch­kreuzt wurden. Die „Times“ können sich des „beunruhigenden Gefühls“ nicht erwehren, daß die „alliierten Armeen nicht gut auf ge­paßt haben, und daß sie den Umfang der ihnen gegenüberstehenden feindlichen Trup­penansammlungen nicht zu schätzen ver­mochten". Das englische Regierungsblatt stellt voller Betrübnis fest, daß man diese Fehler „bereits schwer zu bezahlen" habe durch den „Verlust der Initiative an den Feind, der mit entschlossenster Energie diesp Initiative festhalten wird“.

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Unsere Soldaten 1944

Von

Hans Hertel

dehnung, nicht gelassen hinnehmen, weil dieser Keil jeden erneuten Offensivversuch der feindlichen Armeen in der gefährlichsten Weise in der südlichen oder der nördlichen Flanke, je nachdem, bedrohen würde. Alles, was Eisenhower an Kräften an seinen bis­herigen Angriffsfronten entbehren kann, wird er also beschleunigt zusammenziehen oder bereits zusammengezogen haben, um der weiteren Ausdehnung des deutschen Angriffs­keils entgegenzuwirken. Auch aus den For­mulierungen des heutigen Wehrmacht- berichtes ergibt sich wieder, daß Eisenhower für die ihm jetzt gestellte Aufgabe nicht auf größere operative Reserven zurückgreifen kann, daß er vielmehr alle verfügbaren Kräfte bereits an der Front eingesetzt hatte und nun umdisponieren muß. Eisenhowers Versuch der Gegenwirkung trifft auf. deut­sche Armeen, die sich mit dem Erreichten noch nicht begnügt haben, sondern in wei­terer Bewegung sind, so d^ß die jetzt ent­brannte Bewegungsschlacht größten Aus­maßes entscheidende Bedeutung gewinnen kann. Die Mitteilung, daß unser Angriff an der wichtigen Nord Westfront des Kampf­raums gegen zähen feindlichen Widerstand langsam vorwärtsschreitet, berechtigt zu Hoffnungen. ,

Daß wir in solchen Hoffnungen niemals mehr übermütig werden können, ist n^ch unseren Erfahrungen mit dem Auf und Ab des Krieges und mit der un­erhörten Schwere der in ihm zu füh­renden Kämpfe gewiß. Wir sind ja auch darauf gefaßt, daß jeden Tag der Geg­ner im Osten zu einem neuen Generalangriff antreten kann, und wir verfolgen mit dem gebührenden Ernst - die Entwicklung im un­garischen Raum, wo die Besatzung von Budapest dem konzentrischen Ansturm der Sowjets ausgesetzt ist, während der Front­verlauf sich über das Donauknie von Waitzen hinaus nach Westen und Norden hin ver­schoben hat. Wir werden auch angesichts dieser Entwicklung ebensowenig die Nerven verlieren wie zu der Zeit, als Eisenhower öst­lich Aachen und an der Saar unaufhörlich drückte. Unsere militärisch» Führung wird die entscheidenden Kräfte an der entschei­denden Stelle einsetzen. Wir wollen es schließlich, wie jetzt in Südbelgien, sein, die dem Gegner das Gesetz des Handelns vor­schreiben, nicht umgekehrt.

Am Ende des an dramatischen Ereignissen überreichen Jahres 1944, das unsere West­front im kühnen und heldenhaften Angriff sieht, geziemt sich mehr denn je, sich die, ' Leistungen des deutschen Soldaten vor Au­gen zu führen. Was die Männer unserer Wehrmacht vom Grenadier bis zur obersten Führung seit Juni 1944 leisteten, übertrifft ■ an innerer Stärke jeden Einsatz der voran­gegangenen Kriegsjahre. In ‘ diesem Jahre setzte der Feind von 'Osten, Westen und Süden her zum Generalsturm gegen das Reich an. So war der deutsche -Soldat zum erstenmal gezwungen, fast ausschließlich in der Verteidigung zu. kämpfen oder schwierige Absetzbewegungen. durchzuführen. Es ist schwer zu ermessen, was das für eine Truppe bedeutet, .die zum Angriff • erzogen ist und jahrelang unvergleichliche Offensiven an allen Fronten -mit Erfolg 'durchgeführt hat. Die seelische Belastung, der jeder deutsche Soldat in diesen Kämpfen ausgesetzt war,: wurde noch drückender durch den Verrät des 20. Juli. Pie innere Standhaftigkeit des deut­schen Heeres zeigte sich damals aber sofort, als das Heer den Putschversuch im Nu .nie­derschlug . und die Verräter unschädlich machte. Noeh bedeutender aber war es, daß die Kampfkraft des Heeres unter diesen Er­eignissen nicht litt, sondern sich zu einer wilden Entschlossenheit steigerte.

Nach dem Durchbruch der- Bolschewisten im Bereich der Heeresgruppe Mitte gelang es, die Frontlücke zu schließen und die Front zu stabilisieren. Auch der Abfall Rumäniens, Bulgariens und Finnlands ermöglichte es den Bolschewisten nicht, eine Entscheidung gegen Uns zü erzwingen. In beispiellos schweren Märschen erreichten die aus diesen Abschnit­ten zurückkehrenden deutschen Truppen in der Masse wieder den Anschluß-an die neu gebildeten Frontlinien. Ihre Marschbewegun- gen, die an jeden Mann durch ihre schweren Strapazen die größten Anforderungen stell­ten, sind oft nur als Odyssee zu bezeichnen. Im Osten waren unsere Soldaten auch zum erstenmal gezwungen, auf deutschem Boden' zu kämpfen. Das Bewußtsein, nun dje He 5 *- mat unmittelbar vor dem sowjetischen An­sturm zu verteidigen, stärkte die' Kampfkraft der Soldaten in einem für die Sowjets unvor­stellbaren Ausmaß. In neuen Stellungen, die unter dem Einsatz yon Hunderttausenden deutscher Volksgenossen errichtet wurden, ■ fand die Truppe Aufnahme, In der Heimat traten alle wehrfähigen deutschen Männer im Deutschen Volkssturm unter Waffen und' verstärkten damit die Reichsverteidigung. So blieb der Erfolg nicht aus; Die Bolschewisten wurden unter schwersten Blutopfem • zum Stehen gebracht und bluten heute wieder vor einer festen in sich geschlossenen Ostfront.

Auch ln Italien bestanden unsere Divlsio- ■ nen erfolgreich den schweren Abwehrkampf. Durch den zunächst versteckten und später offen bekannten Verrat der Italiener gezwün-. gen, kämpften sich unsere Truppen aus dem Raume Alexandrien bis in die norditalieni- sche Gotenstellung durch,, phne dem Feind auch nur an einer-einzigen Stelle einen ope­rativen Durchbruch zu gestatten» So schei­terte auch der Versuch des Feindes, von Sü­den her ili die deutsche Festung einzudringen.

Am meisten bewährten sich jedoch unsere Truppen im Westen. Vom Beginn der Inva­sion« ab brachten sie den anglo-amerikani- schen Feinden so hohe Verluste bei, dgß Eng­land und Amerika zum ersten Male in die­sem Kriege gezwungen wurden, einen hohen Blutzoll zu entrichten. Als dann eine Reihe von Umständen, vor allem die eindeutige Luftüberlegenheit des Feindes, zum Durch­bruch von Avranches und in der Folgezeit zur Aufgabe von Frankreich, Belgien, und eines Teiles von Holland führten, glaubte sich der Feind kurz vor dem Ziel. Es ist für den Feind ein Wunder, das rieben der Ent­

flieh! eingefrorene Prophezeiungen

Trübselige Betrachtungen der Feindseite zur allgemeinen Lage

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 28. Dez. Aus London und New York kommen heute übereinstimmende Nachrichten, die bezeugen, wie trübselig die Vergangenen Weihnachtstage für die eng­lische und amerikanische ■ Bevölkerung ge­wesen sind. Der bekannte Mitarbeiter des Londoner „News Chronicle“, Vernon Bartlett, erklärte in seinem letzten Artikel, er sei lei­der gezwungen, zu sagen, daß diese weih- nachtstage nicht so verlaufen seien, wie die Mehrheit der britischen Bevölkerung noch vor wenigen Wochen angenommen habe. Auch seine eigenen Prophezeiungen seien nicht eingetroffen. Aus den Darlegungen Vernon Bartletts geht hervor, daß die eng­lische Bevölkerung in diesen Tagen vor allem emeüt unter einem akuten Kohlen­mangel litt. Ein großer Teil der Londoner Privatwohnungen war ungeheizt, ganz abge­sehen von den Hunderttausenden, die ob­dachlos sind und Weihnachten in den U-Bahnschächten Londons verbringen muß­ten. Vernon Bartlett sucht die Engländer zu trösten, indem er sie erinnert, daß es den englischen Freunden in Frankreich, Belgien und den von englisch-amerikanischen Trup­pen besetzten Gebieten Hollands noch viel schlechter gehe. Sie hätten zu' Weihnachten noch viel' weniger zu essen und überhaupt kein Heizmaterial gehabt. In Washingtoner Regierungskreisen betont mari, man könne als frühestes Datum einer Beendigung fjes

Krieges jetzt den Herbst des Jahres 1945 zu Grunde legen.

Das Datum des Kriegsendes wird also von Woche zu Woche hinausgeschoben. Vor Be­ginn der neuen deutschen Offensive imWesten. [hatte Churchill ln einer seiner letzten Unterhausreden vor Weihnachten vom Früh­sommer 1945 gesprochen, und jetzt ist aus dem Frühsommer bereits der Herbst gewor­den. Auch der Chef des amerikanischen- Kriegsproduktionsamtes, Krugh, warnte in einer Rede, die er gestern in Philadelphia hielt, vor großer Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. Er erklärte, vor August nächsten Jahres lasse sich überhaupt nichts sagen. Gleichzeitig meldet der New Yorker Kor­respondent der Londoner „Daily Mail“, die plötzliche deutsche Offensive habe upter den Kongreßmitgliedern tiefste Enttäuschung hervorgerufen. Man macht sich mit einer be­trächtlichen Kriegsverlängerung vertraut.

Schweiz will ßenugiuung

Bern, 28. Dez. Zu dem‘neuen Überfall der amerikanischen 'Luftgangster auf das Gebiet der Schweiz berichtet die „Berner Tagwacht“ aus dem Bundeshaus, daß diese neue äußerst schwere, Verletzung des Schweizer Raumes und der Bombenabwurf auf Thyngen „einen sehr peinlichen Eindruck gemacht habe". Sobald genaue Angaben vorliegen würden, werde der Gesandte der Schweiz in Washinj ton beauftragt werden, Protest einzulegc und vollen Schadenersatz zu fordern. '

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