Ausgabe 
(27.12.1944) 338
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Parieiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Begierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Brei

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Nummer 338 14. Jahrgang

Mittwoch. 27. Dezember 1944

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Beichsstatthalters in Oldenburg

Einzelpreis 15 Rpl.

Feind verlor über 700 Panzer

In der Winterschlacht im Westen ■■ Angriffe an Südflanke abgewehrt

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Aus demFührerhauptquartier, 26 . Dez. Das Oberkommdo der Wehrmacht

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Im Westen hat sich das Schwergewicht der KämP fe in den Baum von Mittelluxemburg verlagert. Nach Zuführung weiterer Kräfte, äte von anderen Frontabschnitten abgezogen „ e nlen mußten, versuchte dort der Gegner unseren Südflügel einzudrücken und seine „b Bastogne eingeschlossenen Kräftegrup- pm zu entsetzen. In harten Kämpfen wurden jie feindlichen Angriffe zerschlagen, der Bing um Bastogne verengt. Westlich der Ourthe sind unsere Angriffsspitzen nach Ab­kehr zahlreicher feindlicher Gegenangriffe in weiterem Vorstoß. — Seit Beginn unseres Angriffes im Westen am 16. Dezember wur­den nach den bisher vorliegenden Meldungen über 700 amerikanische Panzer oder gepan­zerte Fahrzeuge erbeutet oder vernichtet. — Deutsche Jagdgeschwader stellten auch ge­stern starke feindliche Fliegerverbände zum Kampf und hinderten sie am gezielten Bom­benabwurf. Durch deutsche Jäger und Flak­artillerie verloren die Anglo-Amerikaner ge­stern 44 Flugzeuge. Der feindliche Nach­schubverkehr in frontnahen Gebieten war bei Tag und Nacht wirkungsvollen Angriffen schneller deutscher Kampfflugzeuge ausge­setzt. — In scharfem Vorwärtsdrängen ge­wannen unsere Truppen in Lothringen den Bliesabschnitt östlich Saargemünd und er­oberten das viel umkämpfte Werk Schießeck bei Bitsch im Handstreich zurück. Im Ober­elsaß dauern heftige örtliche Kämpfe im Ab­schnitt östlich Kaysersberg an.

Lüttich und Antwerpen lagen auch gestern unter Beschuß.

In Mittelitalien beschränkte sich die Ge­fechtstätigkeit auf einige ergebnislose Vor­stöße der Briten in der Bomagna. Nordwest­lich Ravenna wurde eine feindliche Auf­klärungsgruppe zerschlagen.

ln Ungarn dauern die schweren Abwehr- käiKpfe weiter an, -Während . die Bojsche- wisten westlich Budapest in nordwestlicher und nördlicher Richtung Vordringen konnten, scheiterten ihre Angriffe, die sie von Osten her gegen den Brückenkopf führten. Auch nördlich des Elpe! und am unteren Sagyva hielt der Feind seinen starken Druck auf­recht, Bei Groß - S tef f elsdorf und östlich Ka- schau schlugen unsere Divisionen alle sowje­tischen Angriffe blutig zurück. Uber dem un­garischen Kampfraum wurden gestern 23 feindliche Flugzeuge abgeschossen. — Von den Beskiden bis zur Memel wird nur beiderseitige Späh- und Stoßtrupptätigkeit gemeldet.

In Kurland dehnte der Feind seine An­griffe bis in den Raum nördlich Vainode aus. Wie an den bisherigen Angriffsschwer- punkten südlich Frauenburg und nördlich Dohlen blieb ihm auch hier jeder nennens­werte Erfolg versagt.

Vorpostenboote der deutschen Kriegs­marine schossen an der westnorwegischen Küste ein feir.d’iches Schnellboot in Brand.

Auch am ersten Weihnachtsfeiertag setzten die Anglo-Amerikaner ihre Terrorangriffe gegen Orte in West-, Süd und Südost­deutschland fort. Im westdeutschen Raum griffen außerdem feindliche Tiefflieger mit Bomben und Bordwaffen die Zivilbevölke­rung an.

Vergebliche Flankierungsversuche

Berlin, 26. Dez. Am ' ersten Weihnachtstag spielten sich die Hauptkämpfe im belgisch­luxemburgischen Raum, in Ungarn und in Kurland ab. In Mittelitalien ließ dagegen dar Druck der in den letzten Tagen schwer mitgenommenen britischen 8. Armee erheb­lich nach.

Der Keil unserer bei klirrendem Frost in Südost-Belgien vordringenden Divisionen ge­wann nach Abwehr feindlicher Flanken­angriffe weiter Boden. Durch Einsatz starker Luftstreitkräfte versuchten die Anglo-Ameri­kaner, die Bewegungen unserer Truppen zu erschweren, trafen im Kampfgebiet jedoch wie im frontnahen Hinterland auf wirk­samen Jagd- und Flakschutz. Sie konnten trotz großen Aufgebots nicht verhindern, daß unsere schnellen Kampfflugzeuge ihrer­seits bei Tag und Nacht Nachschubzentren und marschierende Kolonnen mit Bomben und Bordwaffen energisch angriffen. Diese Schläge trafen vor allem die nordamerikani- schen aus dem Raum von Aachen heran- ßezogenen Kräfte, die sich zu neuen Angrif­fen im Raum von Stavelot sammeln. Um diese Verbände überhaupt freizubekommen, Lat der Gegner größere Umgruppierungen im Norden der Front vornehmen müssen. Die 9- nordamerikanische Armee gab wesentliche 'feile ihres bisherigen Kampfabschnittes an die benachbarte 1. nordamerikanische Armee a b, während diese ihren linken Flügel auf Kosten der 2. britischen Armee verkünd;«. Infolge dieser Umgruppierungen blieb die feindliche Angriffstätigkeit im Aachener Ge­biet gering.

Unseren westlich der Ourthe vordringen­den Panzer- und Grenadier-Divisionen warf der Gegner eiligst, herangeführte Eingreif­einhelten entgegen. Sie konnten die Ihnen gestellte Aufgabe oft nicht erfüllen, da in­folge der schnellen Bewegungen unserer I Truppen die gegebenen Einsatzbefehle der

inzwischen wieder veränderten Lage nicht mehr entsprachen. Mehrfach gelang es daher unseren schnellen Angriffsverbänden, die sich noch sammelnden Feinde zu überrumpeln. In Mittel-Luxemburg hat der Feind die Masse seiner von der Saar abgezogenen Kräfte zum Gegenangriff mit dem Ziel angesetzt, unsere Abschirmung nach Norden zu durchstoßen. Er konnte aber weder seine bei Bastogne immer enger umschnürten starken Verbände entsetzen, noch durch die geringfügigen, ab­geriegelten Einbrüche irgendeine Wirkung auf unsere weiter nach Westen vordringen­den Angriffsverbände ausüben.

Durch das Abziehen der in Mittel-Luxem­burg zum bisher erfolglosen Gegenangriff angetretenen feindlichen Divisionen hat der Gegner an der Saar, Blies und Weißenburger Steige seine Positionen geschwächt und ist

auch dort in die Verteidigung gedrängt. Fortgesetzt greifen unsere Truppen die ein­zelnen Stellungsvorsprünge an und bringen den weichenden Amerikanern schwere Aus­fälle bei. Nach dem Verlust seiner Saar­brückenköpfe Dillingen und Ensdorf hat der Feind nun auch den Brückenkopf an der Blies aufgeben müssen. In energischen Ge­genangriffen befreiten unsere Truppen sämt­liche Ortschaften auf dem Nordufer und operieren hier bereits mit kampfkräftigen Stoßgruppen jenseits des Flusses. Weitere eigene Angriffe richteten sich westlich Bitsch gegen das zur Maginot-Linie gehörige Werk „Schießeck“. In diese Befestigung waren die Nordamerikaner am 21. Dez. nach zwei­wöchigen erbitterten Kämpfen, bei denen sie 41mal angegriffen und über 50 000 Granaten verschossen hatten, eingedrungen. In den

Morgenstunden des 1. Weihnachtstages tra­ten württembergisch-badische Panzergrena­diere zu' überraschendem Gegenstoß ah und warfen die eingedrungenen Nordamerikaner in kurzem, heftigem Feuerkampf aus den Tunnels und unterirdischen Kampfständen wieder heraus. Im Verlauf dieser Kämpfe sprengte ein einziger Stoßtrupp drei feind­liche Panzer und acht geländegängige Fahr­zeuge. Außer an der Blies und bei Bitsch wurde die 1. nordamerikanische Armee auch im Abschnitt Weißenburg und im Bien-Wald energisch angegriffen, und am Südteil des Bien-Waldes warfen unsere Truppen den Feind auf die Lauter zurück. Zwischen Saar und Oberrhein sowie nordwestlich Kolmar, wo gaullistische Truppen von Gegenstößen getroffen wurden, waren die Ausfälle des Gegners erheblich.

„Heus Westfront" unter deutschem Gesetz

Deutscher Offensivstoß zwang Feind zum Auf geben seiner Durchbruchsabsichten an der Roer und Saar

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung bm. Berlin, 26. Dez. Der Krieg kennt keine Festtage, die den Lärm seiner Schlachten zu mindern und seine gnadenlose Gewalt aus­zuschalten vermochten. Kaum, daß er kurze Augenblicke des Sichsammelns, der inneren Einkehr gönnt, um dann aus dem Hagel der Bomben, dem Krepieren der Granaten und dem Klirren der Panzerketten die Forderung der nüchternsten Betrachtung zu rufen: Am Weihnachtsabend warfen anglo-amerika- nische Flugzeuge Bomben auf deutsche Orte im Westen des Reiches. Die deutschen Sol­daten standen bei schneidender Kälte in Angriff und Abwehr. Im südbelgischen und mittellothringischen Raum tobte die große Winterschlacht des Westens. Im Kurland suchten die Sowjets eine Vorentscheidung ihrer Winteroffensive zu erzwingen. Im un­garischen Kampfraum deuteten sich neue Höhepunkte der Schlacht um Budapest an. Die Härte der Schlachten ließ den deutschen Soldaten keine Muße — Angriff nud Abwehr diktierten ihre Gedanken, und nur im Unter­bewußtsein mochten sie fühlen, daß sie nicht einsam in den Feuern des Krieges standen, sondern umgeben waren und sind von den Gedanken Ihres Volkes. „Voll festen Ver­trauens schaut die Nation auf sie“ —. so sagte Reichsminister Dr. Goebbels in seiner Rundfunkansprache am Weihnachtsabend — „und erwartet von ihnen, daß sie unsere Heimat vor dem Zugriff eines rachsüchtigen und erbarmunglosen Feindes beschützen und ihn wieder daraus vertreiben. Sie haben da­mit eine geschichtliche Aufgabe übernom­men, mit deren Erfüllung dis Sicherheit und Zukunft des Vaterlandes steht und fällt.“ j Das war jedoch das besondere dieser Weih­nachtstage, was sie in Gegensatz zu der vorigen Weihnacht stellte, als die Westfront in Erwartung des Großangriffs der Anglo- Amerikaner stand und an der Ostfront der Weihnachtsabend vom sowjetischen Gegner als Zeitpunkt des Offensivbeginns gewählt wurde: der deutsche Soldat stand in diesen Weihnachtstagen nicht in der allein erdul­denden Aufgabe der Abwehr, sondern seine Initiative, seine wiedergewonnene volle Kampfkraft bestimmten erstmals wieder das Gesicht der Schlacht!

Die neue Westfront — der Begriff wurde vom Gegner geprägt — steht unter deut­schem Gesetz, und zwar nicht allein in jenem Teil, die die deutsche Offensive räumlich umreißt, sondern in ihrer Gesamtheit zwi­schen Waal und dem Elsaß. In dem gleichen Augenblick, in dem das alliierte Oberkom­mando erkennen mußte, daß allein durch taktische Maßnahmen die Wucht des deu­

tschen Angriffs nicht zu hemmen war, viel- 1 mehr operative Maßnahmen notwendig wur­den, hatte der deutsche Soldat durch seinen Angriff den ersten großen Erfolg errungen. Nicht die Namen zurückgewonnener oder er­oberter Ortschaften, nicht die Zahl der Ge­fangenen bilden dabei däs wesentlich;, son­dern die Tatsache, daß der aus dem Eifel­abschnitt vorgetragene Angriff den Gegner zu einem Aufgeben seiner Durchbruchsab­sichten vor der Roer östlich von Aachen und an der Sacr zwang. Eisenhower versucht nunmehr, durch die von der Front bei Aachen abgezogenen Panzerkräfte die Nord- flanke der deutschen Offensivbewegung ein­zudrücken, während die von der Saarfront abgezogenen Feindkontingente die deutsche Südflan'--; aufzubrechen suchen. Es ent­wickelten sich äußerst erbitterte Schlachten aus,jües-:.i Vorhaben.

Das deutsche-» ©frsrkommej'do .aber, teilt,] gleichzeitig ü, daß es tro J all »eser "~- mühnngen des Gegners, trotz des Verzichts Eisenhowers auf eine Fortführung seiner Offensive gen n die -er Bucht und gegen das deutsche . erlG Vgm ..- .-tarn nördlich der Saar nicht gelang, das weitere Vordrin­gen der den-zc'ian Angriffsspitze.; westlich der Ourthe aufzuhalten. Der ganze Aufbau der deutschen Offensive, ihre planmäßige Abwicklung und jener aus den Wehrmacht- bericl: n deutlich werdende Rhythmus' des Vorstoßens der Panzerkeile und des Auf- schließens der Masse der Armeen der deut­schen Offensivfront haben auch an den Flanken eine derartige Festigkeit, daß dem Gegner hier bisher keinerlei Wirkung auf die Fortentwicklung der Offensive möglich war. Die Härte der Schlachten in den Flan­ken ist jedoch augenscheinlich. Es ' kann nicht verkannt werden, daß der Gegner hier starke Kräfte, modern ausgerüstet und mit starkem Willen der Fesselung, angesetzt hat.

An der Ostfront hat die Witterung den deutschen Soldaten jenen Beitrag geleistet, den sie ihnen so oft verweigerte. Ganz offen­sichtlich war der Großangriff der Sowjets gegen die deutschen Positionen im Kurland als Einleitung einer Winteroffensive gedacht, die im ostpreußischen Grenzraum, nördlich Warschau und im Weichselbrückenkopf Ba- ranow—Sandomir ihre Ansatzpunkte finden sollte. Es wurden im Kurland 25 sowjetische Divisionen zu wütenden Angriffen angesetzt, die jedoch abgewehrt werden konnten. Augenblicklich hat ein Witterungsumschlag das bisher festgefrorene Kampffeld in Schlamm und Morast verwandelt und da­durch den bereitgestellten sowjetischen Pan­

zerkräften ernstliche Hemmnisse bereitet. Möglicherweise wird sich aus dieser Tatsache ein Aufschub der sowjetischen Offensiv­absichten ergeben.

V-3omben

auf Nachschuhslraßen

Lissabon, 26. Dez. Der amerikanische Kriegsberichter George Huix- gibt über den Einschlag einer deutschen V-Bombe an der belgischen Front den folgenden realistischen Bericht: „Plötzlich hörte ich einen Mann etwas rufen und andere Leute begannen zu rennen. Dann, vernahm ich.ein schreckliches Rauschen, wir setzten zum Laufen an, um uns in das Innere des Hauses zu retten. Schon kam die Explosion. Sie warf uns alle zu Bodgn. Man hatte das Gefühl, als ob sich das Haus in ein Gefäß mit zähem,, in Be­wegung geratenem Gelee verwandelt hätte. Glassplitter flogen wie Gewehrkolben umher, wie auch Bretter und andere Dinge. Die Luft war schwer und grau. Man lag auf dem Ge­sicht. Gedanken gingen einem durch den Kopf wie: ich glaube, meine Brille ist zer­brochen, ich glaube, ich muß sterben. Darm spürte man Schmerzen in der Schulter, dann fängt man an zu laufen und stellt fest, daß man über diejenigen stolpert, die liegen­geblieben «ind. In der vibrierenden Luft sieht man alles wie Gegenstände, die man in einem Schwimmbassin unter Wasser beobachtet. Man geht in andere Räume, sucht schnell den Keller, stolpert über andere Menschen und gelangt schließlich hinunter.“

Erst allmählich schien dem amerikanischen Journalisten „die Welt wieder zum Bewußt­sein zu kommen“. Abschließend erklärt er: „Als wir uns weiter nach Westen zurück­zogen, hörten und sahen wir vor uns neue schwarze Rauchwolken und Explosionen. Häusertrümmer flogen durch die Luft. Wie­der war eine V-Bombe auf eine amerikani­sche Nachschubstraße niedergegangen.“

Europas Wahl

Von unserem Vertreter in Stockholm

Heinz Kleiß '

Das Jahr 1944 neigt sich seinem Ende ent­gegen, und wir wissen, daß es in kommenden Geschichtsbüchern einen besonderen Platz einnehmen wird. Es hat uns bittere Enttäu­schungen bereitet. Aber blieben etwa unsere Feinde von ihnen verschont? Als sich Chur­chill, Roosevelt und Stalin in Teheran trafen, schwebte ihnen als Ziel der militärischen Überlegungen die endgültige Vernichtung Deutschlands vor. So wenig sich die mili­tärischen Hoffnungen unserer Feinde er­füllt haben, so wenig gelang es ihnen, ihre politischen Pläne zu verwirklichen. Die Un­gleichheit der gegnerischen Koalition tritt heute noch viel deutlicher in Erscheinung als vor einem Jahr. Gemeinsam ist lediglich das Ziel, Deutschland als Machtfaktor für immer auszuschalten. Darüber, was dann kommen soll, herrschen ungleiche Ansichten. Poli­tische Kriegsziele sind weder von den Briten noch von den Nordamerikanern aufgestellt worden. Wir können uns auch hier mit der Feststellung einiger nüchterner Tatsachen begnügen. Großbritannien trat in den Krieg, weil es Deutschland keinen weiteren Macht­zuwachs mehr gönnte, und weil es seine eigene Hegemonie aufrechterhalten wollte. Und heute? Kämpft England nicht einen hoffnungslosen Kampf um die Wahrung eines bescheidenen Restes seiner alten euro­päischen und außereuropäischen Macht? England hat in fünf Jahre» mehr von seiner Weltgeltung verloren, als es in der Zeit nach den napoleonischen Kriegen gewinnen konnte.

Das Jahr hat keinen Zweifel daran ge­lassen, daß auch die Rechnung der Ver­einigten Staaten nicht aufgehen wird. Als die ersten nordamerikanischen Soldaten europäischen Boden betraten, waren sie von dem stolzen Gefühl beherrscht, daß die Rol­len nunmehr vertauscht seien, und daß die Heimat ihrer Urväter dazu bestimmt sei, Kolonialboden der USA zu werden. In Europa ist aber keineswegs das amerika­nische Zeitalter angebrochen. In Italien ist der amerikanische Nimbus sehr rasch ver­blaßt. Der Balkan, den ein Oberst Donovan einst für die USA reklamierte, ist hoffnungs­los verloren. Frankreich sucht Anlehnung an Moskau, und selbst die Neutralen beginnen, die ersten Schönheitsfehler in den amerika­nischen politischen Zukunftsbildern zu ent­decken. Die Welt ist um einige Illusionen ärmer geworden. /■

Es hat besonders im Lager der Neutralen einige Überkluge gegeben, die vor Jahresfrist glaubten, Deutschland habe nur die Wahl zwischen einer Kapitulation vor dem Osten oder einer solchen vor dem Westen, und die uns rieten, die Amerikaner und Briten doch freiwillig ins Land zu lassen, damit wir uns so vor dem Bolschewismus schützen könnten. Ganz abgesehen davon, daß die amerika­nische Militärverwaltung weder in Italien noch auch in Frankreich in der Lage war, das Vordringen des Bolschewismus zu ver­hindern, hat die Erfahrung gelehrt, daß überall dort, wo man erwartet hätte, daß Amerikaner und Briten die Klinge mit Mos­kau kreuzen würden, die Lage durch den freiwilligen Verzicht der Anglo-Amerikaner geklärt wurde. Die endgültigen Grenzen des Verzichts werden wir erst in einer späteren Zukunft feststellen können. Daß aber Europa als Einflußgebiet sowohl für Briten als auch

Trübsles Christmas seil Dünkirchen

Unerfüllte Voraussagen führten zur tiefsten Depression

Drahtbericht unseres Vertreters kl. S t o c k h o 1 m, 26. Dez. In England wurde das trübste Weihnachtsfest seit Dün­kirchen gefeiert, melden die schwedischen Korrespondenten aus London. In keinem englischen Heim hatte man die zahlreichen Prophezeiungen vergessen, wonach der Krieg noch vor Weihnachten beendet sein würde, und die Reaktion darauf waren bittere An­klagen gegen Politiker und Generale, die nicht imstande sind, ihre Versprechungen einzulösen. In Zehntausenden von Familien betrauerte man den Verlust eines nahen An­gehörigen, der bei den Kämpfen in Frank­reich und Belgien ums Leben gekommen war. Die kurz vor Weihnachten bekanntge­gebene Einberufung von weiteren 250 000 Mann zum Frontheer wirkte außerordentlich deprimierend. Dazu kam die niederdrückende Wirkung der erstmaligen Beschießung Nord­englands durch V-Bomben. Alles dies zu­sammengenommen ergab, daß die Stimmung in England gedrückt war wie niemals zuvor in den letzten vier Jahren.

Die Londöner Korrespondentin des „Stock­holms Express“ telegraphiert ihrem Blatt folgende Nachweihnachtsbetrachtung: „Mili­tärisch und politisch war dieses Weihnachts­fest das traurigste, das wir in England er­lebt haben. Die vorangegangenen Zwistig­keiten im Parlament haben das Gefüge der britischen politischen Parteien bis kuf den

Grund erschüttert. In breiten Bevölkerungs­kreisen hat das Ansehen Churchills gelitten. Die deutsche Gegenoffensive hat in die Her­zen des Volkes die Überzeugung eingebrannt, daß der Krieg noch nicht zu Ende ist und noch große Opfer fordern kann. Die neuen Einberufungen bedeuten, daß die Plätze der zum Frontdienst Eingezogenen von Ange­hörigen der älteren Jahrgänge eingenommen werden müssen.“ Die schwedische Korre­spondentin sieht eine Periode heftigster außenpolitischer Meinungskämpfe voraus, deren Ausgang man nicht vorausahnen könne, da die Ergebnisse von Teheran sich als unzuverlässig erwiesen hätten und auch eine Rückkehr zur Atlantik-Charta undenk­bar sei.

Mit einer Spannung sondergleichen, so be­richtet der Korrespondent des „Aftonbladet“, saßen die Engländer während der Weih­nachtsfeiertage an ihren Rundfunkgeräten und warteten auf neue Meldungen von den Fronten und aus Griechenland. Jeder machte sich auf schlimme Nachrichten gefaßt. Die erwartete Sensation blieb nicht aus. Daß Churchill und Eden Christmas — Christmas sein ließen, um nur rechtzeitig vor dem Ein­treten der Katastrophe in Athen zu sein, führte wie kein anderes politisches Ereignis der an Ereignissen so reichen letzten Monate de» Briten den vollen Emst der Lage vor Augen.

Treffsicherheit von V 2 nicht zu stören

Feststellungen über die neue deutsche Fernwaffe

Das nervöse Nacbrichtenspiel Englands und Amerikas um die V 2 beginnt langsam gewisse Formen anzunehmen. Wenn man auch immer noch bemüht bleibt, jeden An­haltspunkt über die Wirkung dieser neuen Vergeltungswaffe zu vermeiden, so muß man sich langsam doch dazu bequemen, wenig­stens über die Waffe selbst präzise Angaben zu machen.

Der britische Nachrichtendienst beschreibt die V 2 als eine riesige Rakete mit einem Gewicht von 14 bis 15 Tonnen, bei einer Länge von neun Metern und einem Durch­messer von über einem Meter. Das Geschoß habe die Form einer ungefügen Bombe mit vier Leitwerken am Schwanzende, um die Stabilität zu sichern. Der Raketenantrieb enthalte u. a. eine komplizierte Turbine, deren zweck man darin sehe, den Antrieb von der Luft unabhängig zu machen und da­durch die Rakete über die Luftschicht der Erde hinausfliegen zu lassen. Im einzelnen zerbricht man sich über den Vorgang dieses hochentwickelten Antriebes jedoch noch den Kopf. Man weiß nur zu berichten, daß die V 2 mit einer Geschwindigkeit von etwa 5000 km in der Stunde und einer Reich­weite von ungefähr 380 km und eine Höhe von 100 km erreicht. Der Flug eines Körpers mit Überschallgeschwindigkeit weit in die Stratosphäre ist das Problem, mit dem man sich drüben im Augenblick auseinandersetzt. Man begründet hiermit vor allem das schon lange offenbarte Bekenntnis, daß jede Ab­wehr der V 2 unmöglich ist. Weder Flak noch Jäger noch Ballonsperren, nicht einmal Störsender können den Flug der V 2 auoh nur lm geringsten beeinflussen, geschweige denn sie abwehren.

Die zuständigen deutschen Stellen haben diesen Feststellungen an sich nichts hfnzuzu- fügen. Es wird auf die Dauer nicht zu ver­meiden sein, daß der britische Nachrichten­dienst die Weltöffentlichkeit auch Einblick in die Wirkung der V 2 nehmen läßt. Wenn

Reuter vor kurzem von quagratmetergroßen Teilen der V 2 berichtete, die man in einer Entfernung von über 3 km von der Ein­schlagstelle gefunden hat, so mag das als erste Andeutung in dieser Richtung gewertet werden, wie eine'Verlautbarung, wonach die V 2 eine weit wirksamere Sprengladung 'ent­hielte, als die V 1. Wir wollen weiteren Ein­geständnissen unserer Gegner nicht vor­greifen, wollen im Augenblick nur das eine feststellen:

Die deutsche Rüstung hat nicht nur die Entwicklung des V-2-Geschosses mjt Nach­druck betrieben, sondern führt bereits seit langem in zahlreichen gegen jede Feindein- wirkung gesicherte Fertigungsstätten eine 'ansehnliche Produktion dieser Waffe durch. Der Tag, an dem der für das V-2-Feuer ver­antwortliche Kommandeur dem Reichs- minister für Rüstungs- und Kriegsproduk­tion, Abert Speer, den 1000. Abschuß melden konnte* liegt schon weit zurück. In voraus­schauender Arbeit sind viele Abschußplätze angelegt worden, daß das ' r -2-Feuer auf England unaufhaltsam weitergei. n wird, so daß sich eines Tages die Welt von der Wir­kung dieser neuen deutschen Fernwaffe überzeugen kann. England aber mag sich unterdessen darüber den Kopf zerbrechen, wie es ein Raketengeschoß, dessen Treff­sicherheit und Fertigung es nicht zu stören vermag auf die Dauer hinnehmen will.

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Der Führer verlieh auf Vorschlag des Reichsministers für Rüstung und Kriegspro­duktion, Abert Speer, das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern an fünf Wissenschaftler und Teckniker, die sich um die Entwicklung, Fertigung und den Einsatz der V 2 einmalige Verdienste erwor­ben haben. Ihre Namen werden zu einem späteren Zeitpunkt der Öffentlichkeit be­kanntgegeben. Im Aufträge des Führers überreicht ihnen Reichsminister Speer am Einsatzort die hohen Auszeichnungen.