Ausgabe 
(21.12.1944) 335
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Parteiamtliche Tageszeitung

Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

Hummer 335 14. Jahrgang

Donnerslag, 21. Dezember 1944

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen

Einzelpreis 15 Rpf.

Angriffsspitzen dringen vor

Unsere Armeen haben aus der Tiefe aufgeschlossen ™ Bisher über 10000 Gefangene eingebrachi

Führerhauptquastier, 20. Dez. pas Oberkommando, der Wehrmacht gibt be­kannt:

An der gesamten Angriffsfront im Westen haben unsere Armeen gestern aus der Tiefe abgeschlossen, einen großen Teil der noch hinter der Front verbliebenen Stützpunkte jes Feindes ausgeräumt und die Angriffs­spitzen weiter vorgetrieben. Dabei kam es an rieten Stellen zu Kämpfen mit vereinzelten Gruppen feindlicher Eingreifreserven, die eiligst . herangezogen und sofort in den Kampf geworfen waren. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden über 10 000 Gefangene eingebracht, 200 Panzer vernichtet oder erbeutet und 124 Flugzeuge abgeschos­sen. — Im Kampfgebiet von Aachen und an der Saar hat der Druck der Nordamerika­ner nachgelassen. Im Baum von Bitsch, nordwestlich Weißenburg und am Westwall östlich davon setzt der Feind seine verlust­reichen Angriffe gegen unsere Befestigungen fort. Im Oberefsaß stehen unsere Truppen in heftigen Kämpfen. An der gesamten Front in Elsaß-Lothringen wurden gestern 37 feind­liche Panzer vernichtet.

Durch Seekampfmittel der Kriegsmarine wurde vor der Insel Walcheren ein feind­licher Zerstörer versenkt.

London, Lüttich und Antwerpen lagen unter dem starken Feuer unserer Fernkampf- waffen.

In Mittelitalien konnten die angreifenden britischen Verbände gestern abend nördlich Faenza einen geringfügigen Einbruch er­zielen, der abgeriegelt wurde. In den heuti T gen Morgenstunden nahmen sie ihre An­griffe mit neu herangeführten Kräften wie­der auf.

In Ungarn dauern südlich des Plattensees nnd nördlich des Donauknies bei Waitzen heUige. aber ertlich begrenzte Kämpfe an. Gegen unseren vorspringenden Frontbogen am Matra- nnd Bükk-Gebirge setzten die Bolschewisten ihre Angriffe fort, ohne den erstrebten Durchbruch zn erzielen. Zwischen Sajo und Hern ad zerschlugen unsere Trup­pen zahlreiche feindliche Vorstöße. Im Süd­teil der Ostslowakei brachte die anhaltende lebhafte Kampftätigkeit keine wesentliche Veränderung der Lage. — An der übrigen Ostfront hält die Kampfpause an.

Im Westen beschränkte sich die feindliche Fliegertätigkeit auf Angriffe im frontnahen Raum. Nordamerikanische Terrorbomber griffen, aus dem Süden kommend, erneut oberschlesisches Gebiet sowie einige Orte in Süd- und Südostdeutschland an.

Weiterer Angriff

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleltung dr. w. sch. Berlin, 20. Dez. Der Verlauf des vierten Tages in der großen Angriffsschlacht im Westen wird im Wehrmachtbericht wei­terhin mit außerordentlich starken und wuch­tigen Formulierungen dargestellt. Wenn uns auch jetzt noch aus den bekannten Gründen Einzelheiten versagt bleiben, so können wir uns doch eine allgemeine Vorstellung machen, ras es bedeutet, wenn' nach dem Durchstoß der Panzer durch die Lücken einer zerschla­genen und auseinandergerissenen Feindarmee nunmehr 'bereits unsere eigenen Armeen aus der Tiefe aufgeschlossen und flie verbliebe­nen gegnerischen Stützpunkte ausgeräumt haben, während darüber hinaus die Angriffs­spitzen im zügigen Vorgehen bleiben und den örtlichen Widerstand von überstürzt in den Kampf geworfenen feindlichen Eingreifreser- v?n zu brechen vermochten. Die ersten Zah- •■u der Gefangenen, der Beute, der vemich- te:ea Panzer und der Flugzeugabschüsse -'Stehen auch schon eine sehr deutliche brache.

Das eine muß heute auch schon im gegneri­schen Lager mit größter Bestürzung zugege­ben werden, daß der Erfolg der Deutschen in Wenigen Tagen größer ist, als ihn die Ame­rikaner in der letzten Zeit in mindestens ebensoviel Wochen in diesem Abschnitt dämpfen konnten. Es ist darum nicht ver­änderlich, wenn in neutralen Berichten ans London, obgleich man dort noch vollkommen toter der Nachrichtensperre steht und zum boßen Teil auf die knappen deutschen Be­richte angewiesen ist, von einer totalen Ver­änderung in der Beurteilung des Schlacht­ete an der Westfront oder gar schon von tem Ausgleich des in den vergangenen Monaten vorhandenen anglo-amerikanischen

Übergewichts spricht.

Wir selbst Bleiben nach wie vor in der Be­urteilung zurückhaltender, bis sich uns das crtie Ergebnis der deutschen Westoffensiv.’ •bzeichnet. Aber das läßt sich doch schon ihne die Möglichkeit cte geringsten Wider- •Phiches feststellen, daß die Gegenüberstel- h®g der maßlosen feindlichen Illusionen und der militärischen Wirklichkeit kaum gro­ßer sein könnte, als das schon heute der fhll ist. Das wird auch in der neutralen ffesse bereits uneingeschränkt anerkannt.

erinnert eine schweizerische Zeitung *ran, daß sich beispielsweise schon Anfang °eplember der amerikanische General Patton ® aller EUe per Flugzeug Karten von Deutschland habe senden lassen, die zur '’rtsetzung der Offensive ins Innere des p ehes notwendig gewesen seien. Seither, so ? 'hrt das Blatt fort, seien drei Monate ver- läogen, und heute seien die Deutschen wie­

der imstande, den Krieg auf-belgisches und luxemburgisches Gebiet zu tragen. Der Krieg sei wirklich an einem Wendepunkt ange­kommen.

Diese Mitteilung des Schweizer Blattes ruft die Erinnerung an eine Szene wach, die sich, am Neujahrstage 1944 abspielte nnd von den Fotografen eifrig festgehalten wurde. Damals schlossen Montgomery und Patton eine Wette ab, wobei Patton die Ansicht vertrat, daß der Krieg Ende Oktober dieses Jahres zu Ende sein werde, weshalb er ja auch so dringend die Karten benötigte, während Montgomery sich in seiner Wette auf Dezember als End­termin festlegte. Das war noch ein halbes Jahr vor dem Durchbruch von Avranches und vor dem sich dann anschließenden Feld­zug durch Frankreich und Belgien. Ende August aber erst schwollen die Illusionen im Feindlager ins Maßlose an. Von da ab wollte sich drüben jeder, von den maßgeblichsten Spitzenstellungen bis zum einfachen Mann auf der Straße, schämen, wenn er nicht an einen vollkommenen Sieg und an einen rest­losen Zusammenbruch Deutschlands in weni­gen Wochen geglaubt hätte. „London Ist davon überzeugt“, so erklärte Associated Preß' Anfang September, „daß der europäische Krieg in einigen Wochen zu Ende sein wird.“

Es handelte sich dabei durchaus nicht nur um die Illusionen der breiten Massen. Roose- velt selbst leistete sich nach dieser Richtung ein besonders tolles .Stück, als er im August auf einer Pressekonferenz schon von der Tatsache ausgehen wollte, daß Deutschland „auf Grund seiner charakterlichen Neigung“ sich bei der Bedrohung seiner Grenzen sofort geschlagen gebe. Er nannte das einen „inter­essanten psychologischen Zug nicht hur des deutschen Volkes, sondern auch seiner müi- tärischen Befehlshaber“.

Die, , wirkliche seeljsphe, Haltung, und den Charakter des deutschen Volkes und seiner Führung muß nun Roosevelt irf diesen Tagen als genau im Gegensatz zu seiner vorgefaß­ten Meinung stehend erkennen. In der Stunde der Gefahr, als uns die Feinde schon für immer vernichte^ am Boden glaubten, hat

sich das deutsche Volk unter einer einzig­artigen Führung zu seiner ganzen Größe wie­der emporgereckt, . um mit einer Kraft zurückzuschlagen, wie sie der Feind im letz­ten Vierteljahr trotz seiner gewaltigen Über­legenheit nicht ein einziges Mal annähernd so wirkungsvoll zur Geltung zu bringen ver­mochte. Die englische Regierung wollte im August hinter den amerikanischen Illusionen nicht Zurückbleiben. Bei der Vertagung des Unterhauses bis -zum 26. September versprach Eden die sofortige Wiedereinberufung des Parlaments für den Fall, daß Deutschland schon vorher bedingungslos kapitulieren werde. Wenig später verkündete Montgomery in einer Rundfunkansprache an die Truppen

als seinen Schlachtruf‘..„Hinein nach Deutsch­land und Weidmannsheil in Deutschland!“ In Wirklichkeit haben die englischen und die amerikanischen Truppen ihr .Heil in Deutschland nicht gefunden, sondern sie mußten sich an der unerschütterlichen Ab­wehrkraft unserer neu organisierten. Front furchtbar ausbluten, Während wir die Zeit gewannen, um neue Kräfte für den Gegen­schlag zu sammeln, Der deutsche Groß­angriff und sein bisheriger Erfolg sind in die­sem Zusammenhang schon an sich, unabhän­gig von weiteren strategischen Zielsetzungen und Auswirkungen, ein katastrophaler Schlag Ins Gesicht aller gegnerischen Berechnungen und Hoffnungen.

Weiterer Boden gewonnen

Planmäßiger Verlauf der Bewegungen unserer Angriffsverbände

Berlin, 20. Dez. Am Dienstag' verschlei­erten Dunst und Nebeldas ganze Gebiet der' Winterschlacht im, Westen und hinderten die feindlichen Bomberverbände am Eingreifen. Unsere Truppen setzten ihre Angriffe fort und gewannen weiteren Boden.

Die Wehrmachtberichte lassen trotz ihrer bewußt sparsamen Angaben erkennen, daß die bisherigen Bewegungen unserer Angriffs­verbände an der Eifel-Front völlig plan­mäßig verlaufen. Darüber hinaus ist aus ihnen in großen Zügen der Ablauf der Er­eignisse herauszülesen. Danach waren der Sonnabend Und Sonntag von harten, für den Gegner sehr verlustreichen Durchbruchs­kämpfen erfüllt. Am Montag versuchten dann -feindliche Eingreifreserven, unsere durch die geschlagenen Breschen vordrin­genden Panzerverbände aufzufangen. Sie konnte».. aber., dem schwerer* Druck,- nicht Standhalten und wurden geworfen, so daß unsere Truppen am Dienstag unter Zerschla­gung überstürzt in den Kampf geworfener Gegenstoßtruppen weiteren Boden gewannen. Daneben wurde das bereits durchschrittene Gelände von restlichen Widerstandsnestern

gesäubert. Hierauf ist vor allem das rasche Steigen der Gefangenenzahlen zurückzu­führen. Wenn auch vorerst hoch keine Ein­zelheiten über die Bewegungen unserer Truppen bekaiintgegeben. werden, so be­stimmt der Angriff, dessen bisheriges Er­gebnis in den hohen Zahlen der Gefan­genen und der vernichteten Waffen seinen Ausdruck findet, doch jetzt schon in wach­sendem Mäße die operative Entwicklung auch in den benachbarten Abschnitten der Westfront. Als erstes Anzeichen dafür ist ein Nachlassen des feindlichen Druckes 'im Raum von Aachen und an.der Saar festzu­stellen.

Die vom feindlichen Oberkommando über die Vorgänge an der Eifelfront verhängte Nachrichtensperre hat die anglo-amerika- nische Öffentlichkeit noch mähr als die ersten- Alarmmeldungen beunruhigt. -Aber auch die neuen Kommentare der britischen Zeitungen gipfeln in dem Eingeständnis, daß die nordamerikanischen Armeen in den letzten drei Tagen einen der größten Rück­schläge des ganzen / bisherigen Krieges er­

lebten.

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Wachsende Kritik an der feindlichen Führung

Wie kam es zu der Ueberraschung der Amerikaner? — Befürchtungen um rückwärtige Verbiridungen

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleltung g. Berlin, 20. Dez. „Woher, nimmt die deutsche Führung noch so Viele Menschen, Flugzeuge, Panzer und andere Waffen, um eine . Offensive durchzuführen?‘\Das ist. die Frage der New Yorker Presse., Die ersten jetzt vorliegenden Meldungen von der deutschen Offensive haben ais eine ungeheure Sen­sation in New York eingeschlagen. Man sucht die Nervosität der. Bevölkerung dadurch zu beruhigen, daß von den amerikanischen Zei­tungen die deutsche Offensive als „letzte Kraftanstrengung“ hingestellt wird. Aber in der amerikanischen Bevölkerung besteht ein gewisses Mißtrauen gegen derartige Äußerun­gen, nachdem sich gerade jetzt gezeigt hat, wie irrig die Voraussagen waren, die Deutsch­land für „erschöpft“ und einer militärischen Initiative nicht mehr für fähig erklärten.

Das ist New York. Aber auch aus London liegt ein neuer Stimmungsbericht vor, den der Londoner Korrespondent der „Basler Nachrichten“ übernimmt: Keine rechte Weih­nachtsstimmung, alles beherrscht von ge­drückter Stimmung, das Kriegsende in immer weitere Feme gerückt, bereits Voraussagen auf ein Kriegsende nicht vor 1946, vage Hoff­nungen, „daß alles noch besser enden möge, als es jetzt aussieht“. Selbstverständlich mel­den sich nun auch die britischen Militär- kritiker' zum Wort, und sie finden Tröstun­gen, die erklären und begütigen sollen. Die 1. amerikanische Armee, sp wird in solchen Erklärungen im „News Chronicle“ dargelegt, sei mit neuen, noch wenig kampferfahrenen Divisionen durchsetzt gewesen. Aber zwischen solchen Beruhigungsworten zeigen sich doch

auch schon recht ernste Stimmen, die erken­nen , lassen, daß der müitärischen Führung der Alliierten bei den Ereignissen der letzten Tage nicht ganz wohl ist und daß die Kritik an der militärischen Führung beginnt. Man findet es „befremdend“, daß die deutschen Offensivvorbereitungep den Alliierten verbor­gen geblieben sind. Man spricht die Befürch­tung aus, daß rückwärtige Verbindungen der alliierten Fronttruppen gefährdet, oder zer­schnitten werden könnten;

Bei allen solchen Berichten ist es selbst­verständlich, daß die deutsche Führung und die. deutsche Bevölkerung sich trotz des bis­herigen Verlaufs des deutschen Offensiv- stößes nicht etwa Sorglosigkeit nnd Ober­flächlichkeit hingeben. In Deutschland ist sich jeder klär darüber, daß man es mit einem außerordentlich starken.nnd entschlos­senen Gegner zu tun hat.

Der deutsche Wehrmachtbericht spricht heute von feindlichen Eingreifdivisionen, die eilends herangezogen und sofort in den Kampf ge­worfen wurden. Selbstverständlich ist in Rechnung zu stellen, daß der Gegner über beträchtliche Kräfte für solche Gegenaktio­nen verfügt, denn trotz des Massenver­brauchs in der bisherigen Materialsehlacht handelt es sich ja um . die Hauptstreitmacht zweier Weltmächte, dje an der Westfront ver­sammelt ist. Es sind zum großen Teil moto­risierte Kräfte mit der Fähigkeit, jeden Vor­teil der Motorisierung auf -das äußerste aus­zunutzen. Die feindliche Führung verfügt überdies übet eine starke Luftwaffe und wird nicht zögern, davon Gebrauch zu machen.

Alle diese Tatsachen sind der deutschen

„Deutschlands Stärke nimmt za"

Revidierte Ansichten im Lager der Feinde und Neutralen

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 20. Dez. „Kalte Weihnachts­botschaft“ — diese Überschrift über den heutigen Leitartikel der „Daily Mail“, der sich mit der völlig verfahrenen politischen Lage in Griechenland und Polen beschäftigt, könnte auch »als Überschrift über allen Be­trachtungen stehen, die sich mit den Er­eignissen an der Westfront beschäftigen. Die Urlaubs- und Weihnachtsstimmung, die sich bei den englischen und amerikanischen Sol­daten bereits stark bemerkbar machte, ist jetzt völlig verschwunden." Mit diesen Wor­ten charakterisiert ein USA-Knegskorre- spondent im Hauptquartier Eisenhowers die Situation am Mittwoch. Nach wie vor be­steht strenge Nachrichtensperre. Offen zu­gegeben wird, daß die amerikanischen Ver­luste stark sind. Die Leitartikel der Londoner Zeitungen bewegen sich meist in Gemein­plätzen. Etwas naiv sucht man durch aller­lei Behauptungen über die Ziele der deutschen Offensive deutsche Gegenäußerungen her­

vorzurufen, um dem offensichtlich noch stark im Dunklen tappenden Hauptquartier Eisenhowers Anhaltspunkte zu verschaffen.

Offen äußert sich die neutrale Presse ein­schließlich ihrer Londoner Korrespondenten. Sie verbirgt ihre völlige Überraschung über den deutschen Gegenstoß nicht im gering-, sten. In riesigen Schlagzeilen werden die deutschen Berichte über die Offensive weiter­gegeben. Die Ansichten über das langsame Absinken der deutschen Widerstandskraft werden einer gründlichen Revision unter­zogen. Man gibt jetzt offen zu, der Angriff zeige, daß die Stärke Deutschlands nicht ab­nehme, wie man unter dem Einfluß Londons und Washingtons auch in neutralen Län­dern angenommen habe, sondern wachse. Im Hauptquartier Eisenhowers habe man offen­sichtlich die Kampfkraft des deutschen Westheeres unterschätzt. Mehrere neutrale Zeitungen beklagen sich plötzlich über das schönfärberisch gefälschte Bild- der mili­tärischen Lage, das in der letzten Zeit von England und Amerika entworfen worden sei.

Führung bekannt und werden dem deutschen Volk im Bewußtsein bleiben bei der Beurtei­lung- der Ereignisse dieser Tage. Aber nicht darum handelt es sich zunächst, sondern um die Durchbrechung und Störung der feind­lichen Pläne. Die deutschen ‘Armeen auf dem linken Rheinufer vernichten, das war eine Parole, die über die neutrale Presse aus dem feindlichen Lager immer wieder herüber­klang. Oder, wie eine Schweizer Zeitung vor einigen Tagen bei der Besprechung des geg­nerischen Feldzugsplanes ausdrückte: „Die

deutsche Verteidigung schon linksrheinisch so zu schwächen, daß das weitere Vordringen der alliierten Armeen nach Berlin nur ein Siegesmarsch sein soll." Diese Pläne sind ge­stört, diese Hoffnungen haben sich zerschla­gen, und alleifi die Tatsache des deutschen Offensivstoßes führt dazu, daß alle feind­lichen Berechnungen für die nächste Zeit über den Haufen geworfen werden, daß neue Aufmarschpläne ausgearbeitet werden müssen und daß der ganze komplizierte Apparat einer modernen Millionenarmee von neuem anlaufen muß.

Brief an einen Norweger

Lieber Nils B.l

Als ich zum letztenmal vor drei Jahren in Ihrem Lande war, brachten die Abende in Ihrem Osloer Heim manche Diskussion über Fragen unserer beiden Völker. Diese und jene Themen, die das Tagesgeschehen zwischen uns warf, wurden mit oft leidenschaftlichem Eifer hin und her gewendet und ins Lieh* gehoben, bis wir auseinandergingen im - Be­wußtsein von vielem Gemeinsamen, aber auch Trennendem. Inzwischen sind drei Jahre verflossen, eine an Ereignissen über­reiche Zeitspanne.

■ Im Spiegel der Erinnerung will es mir scheinen, als ob manches in Ihrer Heimat ein anderes Aussehen bekommen hat. Durch Kriege wird uns zwar ein anderes Maß der Dinge geboren. Doch es ist mehr geschehen als eine Umwertung der Werte: früher feste Größen siijd ins Gleiten gekommen und ein­stige Vorstellungen in traumferne Weiten zurückgesunken. Man kann es auch anders ausdrücken: Es scheint mir, als dränge heute das Substanzielle, das. Ursprüngliche, aller Utopien entkleidet, zum Durchbruch. Gar mancher Ihrer Landsleute, der früher zögerte, einen klaren Standpunkt zu beziehen, der gleichsam zwischen Wolken und festgefügter Erde mit unsicheren Sohlen schwebte, muß nun unausweichlich den Tatsachen ins Auge blicken, muß sich entscheiden. Nicht nur, weil die Dinge der Entscheidung zutreiben, vielmehr, weil die Zeit es nur noch gestattet, Hammer oder Amboß zu sein.

Es gibt zwar auch heute noch unter Ihren Landsleuten politische Träumer, deren leuch­tendes Wunschbild sich in der Sehnsucht nach der „guten alten Zeit" umgreifen läßt. Die Erinnerung läßt bekanntlich das Schöna strahlender erscheinen, das Traurige-aber im Fluß der Vergessenheit ertrinken. War sia wirklich so schön, die „gute, alte Zeit“? War es nicht so, daß das Volkseinkommen auf dia schmale Oberschicht der Begüterten und die breite Masse der Ärbeiterbevölkerung äußerst ungerecht verteilt war? Eine Überfülle von eingeführten Luxusartikeln ermöglichte einer kleinen Oberschicht ein Wohlleben, während 70 v. H. unter 3800-Kronen, jährlich-Terdien- ten. Aber das scheinen viele vergessen zu haben. Und was der Krieg täglich dem nor­wegischen Volke an Entbehrungen auferlegtj übrigens bei weitem weniger .als dem deut­schen Volke, wird den bösen Deutschen an die Rockschöße gehängt.

Diese politischen Sektierer, lebend ln einer Art Freilichtmuseum politischer Vorstellun­gen, sind unbelehrbar, nicht aus Mangel an Einsicht, sondern aus eigensinnigem Willen, den sie mit pathologischer Hingabe kultivie­ren. Sie gehen mit absichtlich verbundene» Augen ihren Weg, doch die Binde, die sie tragen, ist durchsichtig. Sieht man vollends die Fäden, an denen die anglo-amerikanische Propaganda sie zieht, so- tritt im Scheinwer- ferlicht nüchterner Betrachtung ihre Mario­nettenähnlichkeit mit peinlicher Schärfe zu­tage. Ein verzerrtes Lächeln ist in letzter Zeit noch als neuer Akzent hinzugetreten, hervor­gerufen durch den Einmarsch der'Sowjets, dessen Gefährlichkeit für Norwegen sie wohl erkennen, aber einfach nicht wahrhabin wollen.

Man sagt nicht umsonst, die Landschaft forme den Menschen. Meer und Gebirge haben in Norwegen sichere, wenn auch viel­fältige Konturen. Sogar die Erhabenheit des Hochgebirges ist nicht erdrückend, hat nir­gends die Gestaltlosigkeit einer ungezähmten Natur, wie etwa in den gähnenden Ebenen des Ostens, wo das Vegative triumphiert, wo sich menschliches Leben abspielt in dem ani­malischen Rhythmus von Essen, Schlafen und Wachen. Hier konnten keipe Persönlichkeiten sich entwickeln, sondern nur Masse.

Wie ganz anders in Norwegen! Ein solches Land mußte Gestalten hervorbringen, groß

Wetterlage soll schuld sein!

Ablenkungsversuche der Gegner — Schleier des Geheimnisses

Drahtbericht unseres Vertreters

ost. Stockholm, 20. Dez. Die deutsche Offen­sive wird vom Gegner auch weiterhin mit dem Schleier des Geheimnisses umgeben, und alle Ortsangaben, die früher so freigebig be­kanntgegeben wurden, werden jetzt peinlichst vermieden. Dagegen hat sich mehr und mehr die ursprünglich von der britischen Propa­ganda bekämpfte Überzeugung allgemein durchgesetzt, daß die Amerikaner vollständig überrascht wurdenvon der Stärke und dem Um­fang dieser Offensive. In' London sucht die Agitation des Gegners von ihrer bisherigen falschen Beurteilung der Lage an der West­front durch Erwägungen über die möglichen Ursachen und Ziele der deutschen Offensive abzulenken. Weiter spricht man von den neuen deutschen Waffen als einer wirklich ernsten Drohung, die verhindere, daß General Eisenhower seinen Truppen die so notwendige Winterruhe gestatte. Schließlich wird behauptet, das Wetter sei das schlechteste, das Europa seit 80 Jahren erlebt habe (!).

Gegenüber diesen Ablenkungsversuchen läßt sich das Urteil der Bevölkerung aber nicht übertönen, daß die britisch-amerikani­sche Führung überrascht worden ist und daß die Berichte, die. in der letzten Zeit über die angeblich so schwierige Lage der Deutschen an der Westfront und über ihren Mangel an Ausrüstung und an gut ausgebildeten Trup­pen verbreitet worden sind, ein völlig falsche» Bild gegeben haben. Die bisher veröffentlich­ten Berichte über die Kämpfe an der West­

front hatten eine solche Angriffswelle def Deutschen einfach nicht erwarten lassen und vielmehr die Hoffnung genährt, daß de» Krieg bald zu Ende sein werde. Die Presse, die diese Berichte veröffentlicht hat, schieb* die Schuld auf die Militärzensur, die andere Darstellungen nicht durchgelassen habe. Man macht aber darauf aufmerksam, daß auch die Behörden sich dieser falschen Beurteüung der Lage schuldig gemacht hätten.

Japan wünscht vollen Erfolg

Tokio, 20. Dez. Die deutsche Offensive im Westen wird von dem japanischen Volk mit größtem Interesse.verfolgt; nach' einer Domei­meldung aus Tokio wünschen die Japaner Deutschland im sechsten Winter des euro­päischen Krieges, der die ganze Nation zur Verteidigung ihres Vaterlandes gegen den Einbruch der Feindarmeen zu einer gewal­tigen Kräfteentfaltung zusammengeschlossen hat, einen vollen Erfolg. Alle japanischen Blätter bringen die Berichte über die deutsche Offensive, die ihnen von ihren Berliner Kor­respondenten übermittelt, werden, und die deutschen Meldungen dazu in großer Auf­machung. 8ie geben der Überzeugung Aus­druck, daß die gewaltigen deutschen Kraft­anstrengungen alle anglo-amerikanischen Pläne zerschlagen werden.'

Der Fflhoer verlieh das Bitterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern H -Obergruppenführer und General der Pol! Otto Winkelmann.

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