Ausgabe 
(20.12.1944) 334
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Pörieiaintliehe Tageszeiiuncr

Pas Amfsblaü des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen

Kummer 334 14. Jahrgang

Bremer 9lactidd)tcn

Geschäft sste JHejij

Bremen: Geschäftsstelle und Schrift­leitung: Geeren 6-8, Buf 2 19 31; 'Jacht­ruf und sonntags 2 4111; Syke:

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der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblaö des Reichsstahhaliers in Oldenburg Und Bremen

Mittwoch, 20. Dezember 1944

Einzelpreis 15

Unsere Panzer stießen durch

Forisclneiien der Winierschlachl im Westen — 1. USA-Armee zerschlagen und auseinandergerissen

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Armee sind Panzervpr- i die Tiefe des Kampfraumes durch-

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AU S dem Führerhauptquartier ,4 | lä pez. Das Oberkommando der Wehrmacht

Ijibt bekannt:

In der Winterschlacht im Westen setzten wse re Truppen gestern auf der ganzen Front den Angriff fort. Durch die Lücken der jerschlagenen und auseinandergerissenen

! amerikanischen

lande in die. Tiefe

«stoßen. In einer nächtlichen Panzerschlacht jsrfen E/rigreifverbände des Gegners gewor- {tlL Geschwader deutscher Jagd- und Äilaciitflieger, die die Bewegungen unserer puppen abschirmten, schossen in Luftkämp- / crl 21 feindliche Flugzeuge ab. An der übri- tn Westfront dauern die Stellungskämpfe j den alten Schwerpunkten an.

Das Feuer unserer Fernkampfwaffen auf Kuddon, Antwerpen und Lüttich wurde ver- Jdlrkt fortgesetzt.

In Mittelitalien konnte die 8. britische Ar- %te ihre verlustreichen Großangriffe nicht prehhalten. Sie beschränkte sich daher [item auf Vorstöße beiderseits Faenza und ■gnacavaillo, die scheiterten.

An der ungarischen Front blieben zwischen _ , Brau, Plattensee. und ’ Budapest zahlreiche Heram fiqSrstoße _ des Feindes in unserem Abwehr- uer liegen. Zwischen dem Donauknie bei laitzeri und der slowakischen Südgrenze Lachten unsere Verbände stärkere bolsche­wistische Angriffe nach geringem Gelände- Itwinn zum Scheitern. Gegenangriffe an der von Ipolysag gewannen gegen zähen IfcMlichen Widerstand' Boden. Südlieh liieczeny, im Biikk- Gebirge und beiderseits Sajo hält der Druck der Bolschewisten im. Die im Raum südlich Rosenau und an ier Straße Ungvar—Kaschau angreifenden feindlichen Verbände wurden nach geringem Vordringen wieder aufgefangen. An der ihrigen Ostfront. kam es nur zu örtlichen SteUungskämpfen.

Städte im westdeutschen Raum, in Ober- tchlesien und in Südostdeutschländ waren am gestrigen Tage das Angriffsziel nordame- likanischer Terrorflieger. Die Briten flogen In der .Yacht in das Östseegebiet ein und führten Störangriffe gegen West- und Süd- dcutschland. Luftverteidigungskräfte schossen 15 viermotorige Bomber ab. Die Zahl der am li, Dezember zum Absturz gebrachten vier­motorigen Terrörbomber erhöht sich nach den jetzt vorliegenden Meldungen von 24 iuf 45. -

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heftig zerstört“ worden seien. „Daily Expreß“ ermahnt das britische Volk, diesen, neuen Beweis der deutschen Kraft sehr ernst zu nehmen. . i

Die „New York Times“ unterstreichen in einem Artikel unter der Überschrift „Deutsch­land schlägt zurück“, es sei vor allem aride­ren die Tatsache interessant, daß Deutsch­land trotz der harten Schläge dieses Jahres urid trotz der ununterbrochenen anglo-ame- rikanischen - Angriffe an der Westfront im­stande sei, Truppen, Panzer und Flugzeuge für einen neuen Gegerischläg zusammenzu­ziehen. Das USA-BIatt gibt zu, daß es den deutschen Truppen gelungen sei, an ver­schiedenen Steilen in die amerikanischen Linien tief einzudringen. Der-Artikel schließt

mit dem bezeichnenden Hinweis, die deutsche Offensive sei ein Beispiel dafür, was ein Land erreichen könne, wenn es alle seine Kräfte für den Krieg einsetze. Ähnlich äußert sich der militärische Mitarbeiter der „New York Herald Tribüne“, Major Elliot, der 'dem' amerikanischen Volke klarmacht, daß es eine riesige Aufgabe bedeute, wollte man die militärische Macht Deutschlands breclien. >

Englische und nordamerikanische Kriegs- korrespondjenten lassen immer wieder durch- blicken, daß der deutsche Angriff völlig über­raschend erfolgte. So berichtete ein USA- Soldat, nach einer Meldung von „Stockholms Tidnlngen“, die amerikanischen Truppen hätten gerade eine Mahlzeit beendet, als

plötzlich deutsche Panzer in den Ort ein­gedrungen seien. Es sei nichts weiter übrig­geblieben, als in größter Eile zu fliehen.

, Die große deutsche Offensive nimmt an Intensität weiter zu, heißt es in einer Uni- ted-Press-Meldung, die von der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ veröffentlicht wurde. Der Londoner - Korrespondent der Schweizer Zeitung „TAT“ berichtet seinem Blatt, die deutsche Offensive bedeute in London die Sensation des Tages. Sie sei völlig überraschend gekommen,' und zwar nicht nur für die' Londoner Journalisten, sondern auch für das Kommando der 1. USA-Armee, deren Stellungen von den angreifenden Panzerkolonnen überrannt und durchbrochen worden seien.

Auch psychologische Uebermsdmng für die feindlichen Völker

London hatte Weihnachten als Friedensfest' feiern wollen ■— Amerika hörte bisher nur Günstiges

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Berlin, >19. Dez.. Eisenhower hat über «las von der I. amerikanischen Armee gehäl- ■tae Frontgebiet eine völlige Nachrichten- (iperre verhängt: Der Reuterkorrespondent [Warn Steen» konnte nur noch mitteilen, nach den vor Verhängung der Nach- lichtenspetrre eingegangenen Meldungen die tatschen Bewegungen weiter im Fortschrei- len seien. . .

In einem englischen Kommentar wies der Kommentator Larry Lesieur darauf hin, daß iie überraschend heftigen deutschen Gegen­klage die anglo-arrierikanische Front „in Bewegung gebracht“ hätten. Er . gibt den Engländern den Rat, jetzt nicht trübsinnig äarüber zu brüten, warum der Krieg in die- jsm Jahre noch kein Ende nehme, sondern aus der deutschen Offensive die Erkenntnis n ziehen, daß Deutschland weiterhin stark ffld gefährlich sei. - Die londoner „Daily ■M“ zieht aus der Tatsache, daß Deutsch­land imstande sei, eine derartig kraftvolle Offensive zu beginnen, .die Lehre, daß etwaige Zweifel an der deutschen Fähigkeit, bis zum

taten zu kämpfen, nun „vollständig und

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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

ß. Berlin, 19. Dez. „Deutschland schlägt zu­rück“. „Deutschland noch nicht geschlagen“, „Deutschland hat genügend Reserven“, das sind die großen Überschriften der- Londoner Zeitungen eine Woche vor Weihnachten. Man muß sich klar machen; mit welchen Erwar­tungen England dem Weihnachtsfest 1944 entgegensah, um die psychologische Bedeu­tung zu verstehen, die der.deutsche Gegen­schlag bei der englischen Bevölkerung haben dürfte. In England spielt ja das Weihnachts­fest eine sehr große Rolle, und diesmal sollte es ganz im Zeichen des erhofften Sieges stehen, den englischen Truppen im Mittel^ meer und im Nahen Osten sollte großzügig Urlaub für die Weihnachtstage hewilligt wer­den, ja, sogar für die Westfrönttruppen waren Vergünstigungen ' dieser^ Art vor­gesehen. Churchill hatte zwar’ nicht geant­wortet, aber lächelnd dem 'Fragesteller - z«r^| genickt, als er vor ‘einigen Monaten im Un- 1 terhaus befragt wurde, ob man Weihnachten im Frieden feiern könne. Und da gewisse Lockerungen der Verdunkelung vorgenom­men waren, da der Schiffsraum auch dazu benutzt worden war, um allerlei sonst über­flüssige Waren nach England zu bringen, ['rüstete man für eine Feier, die, wenn auch noch nicht den Sieg, so doch die Sieges­gewißheit zur Grundlage haben sollte. Es ist- also ein bemerkenswert. psychologischer Augenblick, in dem die britische Presse fest-, stellen muß, daß Deutschland genügend Re­serven hat und daß die deutsche Wehrmacht die Initiative wieder ergreift.

Ein amerikanischer Senator, der. Republi­kaner Thomas, gab am Tage des Beginns der deutschen Gegenoffensive eine Erklärung ab, die vorsichtig und bedenklich formuliert'war; „Aus einem mir unbekannten Grund bringen unsere amerikanischen Zeitungen nur gün­stige Nachrichten von der Front, wir hören von Fortschritten, jedoch nicht von der Härte der Kämpfe. So bat man bei uns zu Hause den Eindruck, .da.ß der Weihnachten vorbei sein würde.“ mas fügte die 'Erwartung hinzu, daß der USA-Generalstab bald frische Truppen Ischicken würde, „umdie kam^fmüden ameri- Kanischen Truppen abzulösen“. Nun hat der I Stoß der deutschen'Gegenoffensive, die ame-I rikanische 1. Armee getroffen, die als „zer­schlagen'und auseinandergerissen“ im Wehr­machtbericht genannt wird. Um so tiefer müssen auch in Amerika die ersten Meldun­gen . über die Tatsache eines Gegenschlages wirken.

Man muß' das richtig verstehen: Es han­

delt 'sich im Augenblick gar nicht in erster I tische Stimmen im feindlichen Lager, aber’

Linie üm das Ausmaß, die Dauer und die rein piüitärische Wirkung des deutschen Offensivstoßes. Für alle diese Gesichtspunkte dürfte ja Ei senhowers Nachrichtensperre gelten — es handelt sich um die Tat- s a c he einer deutschen Offensive, die von der' gegnerischen Führung und deshalb von den gegnerischen Truppen ebenso wie von den Bevölkerungen in den gegnerischen Län­dern, für unmöglich gehalten wurde.

Nun aber ist festzustellen, daß der feind­liche, von General Hodge kommandierte Ab­schnitt aufgerissen ist, ohne daß seine 1. amerikanische Armee-die deutschen Trüp- pen wesentlich aufhalten konnte. Nun ist festzustellen, daß an vielen Stellen ein Durchbruch geglückt ist. Es ist festzüstel- len, daß noch stärker als am Beginn Ge­schwader der deutschen Luftwaffe an dieser deutschen Angriff schiacht . teilgenommen I fiäberii Das widerspricht allen vofäussageri' 1 und allen Erwartungen der gegnerischen Führung, die ihre Plane auf eine scheinbar völlig einwandfreie Berechnung aufgebaut hatte; Seit zwei Jahren eine Fülle deutscher Rückschläge, Verlust des großen östlichen Vorfeldes, Verrat von Verbündeten und des­halb Verlust des französischen Gebiets,’ Schwächung der deutschen . Kampfkraft durch das Lüftbombardement deutscher Pro­duktionsstätten und Verkehrseinrichtungen und durch die Zerschlagung der Kampf­moral der deutschen Bevölkerung, die in zer­trümmerten Städten lebt. Das alles schien, wie gesagt, völlig einwandf rei, und wenn man im gegnerischen Lager überhaupt. Zweifel hatte, so bewegten sie sich nur um den Zeitpunkt, in dem alle diese Faktoren den deutschen Zusammenbruch bewirken müßten, nicht um die Frage, ob denn dieser Zusammenbruch überhaupt zu erwarten sei. Wohl gab es dann und wann auch skep-

sie wurden überhört, und selbst die Skep­tiker, die sich ja nur aus feindlichen Quel­len unterrichten konnten, ahnten nichts von der Großartigkeit des Aufschwungs der deut­schen Kampfmoral und von der Fähigkeit der deutschen Führung und der deutschen Truppe, ihre Leistungen gerade in jenem Zeitpunkt zu steigern, in denen die Gegner unmittelbar deutsches Gebiet bedrohten oder verletzten. Der deutsche Gegenschlag hat, wie der erste Wehrmaohtbericht über- dieses Ereignis betonte; militärisch die völlige Über­raschung des Gegners bedeutet. Der militäri­schen wird nun schon die zweite, die psycho­logische Überraschuhg der feindlichen Völ­ker üpd ihrer Führungen gefolgt sein.

Ausreden für Mißerfolge

t Drahtbericht unseres Vertreters

,ost. Stockholm, 19. Dez. Statt genauer An­gaben unter Zitierung der kleinsten Dörfer und der unbekanntesten Bäche, wie es bis­her üblich war, wird in dem Bericht aus dem Hauptquartier General Eisenhowers in Paris jetzt nur noch erklärt, die Lage sei „fließend“ urid man dürfe die deutschen Ge­genangriffe nicht unterschätzen, da sie kräf­tig und äririaltend seien. Aber es bestehe „trotzdem“ kein Anlaß zur Nervosität oder zur Unruhe., Im übrigen wird der Umfang der von deutscher Seite eingesetzten Trupperi und Materialmengen sehr stark hervorge- [’hoben, urri die bereits eirigetretenen Gelände­verluste'zu .entschuldigen. Der deutsche An­griff, sd wird weiter aus dem Hauptquartier General Eisenhowers gemeldet, sei offenbar sorgfältig vorbereitet und werde in starken Konzentrationen von Kräften und auf brei­ter Front Vörgetragen. Auch der Zeitpunkt für diesen Angriff sei gut gewählt.

Krieg bis Und Tho-

Durchstoß in die Tiefe

Ein anderes Schweigen drüben als hüben

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Wie ein Blitz aus heiierm Himmel

Fortsetzung des Angriffs an der Eifelfront

8 e r 1 i n , 19. Dez. Unser Angriff zwischen Hohem Venn und Nord-Luxemburg hat den feind buchstäblich wie ein Blitz aus heiterm Himmel getroffen. Seine Bestürzung spiegelt Jeh in den anglö-amerikanischen Presse- und itifunkmeldungen wider. Vergeblich ver- iJeht das feindliche Oberkommando durch Sperrung aller Nachrichten eine Bekannt­ste der deutschen Erfolge zu verhindern.

Der an der Eifelfront in die Verteidigung Krängte Feind versucht in. den Nachbar- “schnitten seinen Druck aufrechtzuerhalten, Auswirkungen der .Winterschlacht auf ® !1 Raum von Aachen und auf die Saarlinie rj v erhindern. Er griff unsere Röer-Brücken- <0 Pfe westlich und südwestlich Düren von e uem an und führte weitere Vorstöße an -’f 1 seit langem ruhigen Abschnitt nordöst- Geilenkirchen längs der Bahnlinie a chen—Erkelenz. Wieder bewies sich die Rndfestigkeit unserer dort eingesetzten "fenadiere; sie hinderten den Gegner am Perschreiten der Roer und beschränkten Fortschritte nordöstlich Geilenkirchen ‘ einige Meter des Trichtergeländes. An V '” f feindliche Druck etwas ^gelassen. In CiUin^n- und Saarlautem ‘ r a zwar um einige Bunkergruppen immer ® hart gekämpft, doch hat der Gegner - deinen Erfolg verbuchen können, der -Höhe seiner Menschen^ und Material-i ^ aste auch nur annähernd gerechtfertigt «• Auch zwischen Saargemünd und dem

Oberrhein scheinen die Nordamerikaner im Augenblick unter dem Eindruck der Vor­gänge' an der Eifeifrönt den Atem anzuhal­ten. Ihre Angriffe waren ohne Zusammen­hang und hatten nur örtliche Ziele. An- der Blies-Schleife nordöstlich Saargemünd konn­ten sie vorübergehend in unsere Linien ein­brechen, aber nur um sofort wieder im Ge­genstoß zurückgeworfen zu werden. Die alten, durch Tausende von Granaten zertrümmerten Befestigungen der Maginot-Linie bei Bitsch lagen ebenfalls erneut im Brennpunkt harter Kämpfe. In den Tunnelh und Kasematten eines dieser Werke und an flankierenden Feldbefestigungen verbluteten . sich feind­liche Stoßgruppen, ohne vorwärtszukqmmen. An der Pfälzer Grenze versuchten die Nord­amerikaner durch Rammstöße von- Süden und Südosten tiefer in die Weißenburger Steige einzudringen. Sie setzten dabei im Bien-Wald außer Bombern auch mit Schau­feln und Pflugscharen ausgerüstete Spezial­panzer zur Beseitigung von Panzerhindernis­sen und Sperren ein. •

Offensichtlich will der Feind in Kürze mit seinen bei Weißenburg versammelten Pan­zern zum Sturm auf .unsere Befestigungen im Raum von Bergzabern antreten. Der West­wall und seine Vorfeldstellungen werden aber auch hier unter Zuführung neuer Kräfte lau­fend verstärkt. Die kommenden Kämpfe wer­den daher den gleichen Charakter wie das Ringen an der Roer und an der Saar tragen.

Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung

dr. w. sch. Berlin, 19. Dez. Wenn die deut­sche militärische Führung, gezwungen war, Absetzbewegungen durchzuführen, oder, wenn Städte im Kampfgebiet dem Feind überlassen werden mußten, so ist das der deutschen Öffentlichkeit niemals verheimlicht. worden. Solche .werden ja vielmehr im Wehrmacht­bericht immer sofort dann bekanntgegeben, wenn, angenommen werden mußte, daß der Feind inzwischen auch darum wußte. Umge­kehrt dagegen haben wir in Zeiten deutscher Öffensivbewegungen im Westen und im Osten oft tagelang, mitunter sogar länger als eine Woche, warten müssen, bis wir Einzelheiten über die erzielten Erfolge erfuhren. Man kann wohl sagen, daß wir gelernt haben, geduldig zu warten, weil uns die Gründe für die Zu­rückhaltung in solchen Kampfphasen geläu­fig geworden und immer durch den anschlie­ßenden Verlauf der Dinge gerechtfertigt wor­den sind. Darum können wir auch jetzt wie­der nach dem Beginn der großen deutschen Angriffsschlacht im Westen geduldig und zu­versichtlich warten.

Die wenigen wuchtigen Sätze des heutigen Wehrmachtberichtes sagen uns ja schon außerordentlich viel. Die 1. amerikanische Armee zerschlagen und auseinandergerissen, deutsche Panzerverbände durch die entstan­denen Lücken in die Tiefe des Kampfraumes durchgestoßen, feindliche Eingreifverbände geworfen —• da wollen wir auf die Bekannt­gabe der Einzelheiten gewiß noch warten. Das Hauptquartier Eisenhowers hat auch über das bisher von der 1. amerikanischen Armee gehaltene Frontgebiet eine vollkom­mene Sperre verhängt. Aber das steht im Gegensatz zu den deutschen Gepflogenheiten in umgekehrtem Fall, hat mit militärischen -Notwendigkeiten wenig zu tun, sondern ent­springt im wesentlichen , der Angst vor dem Styiüpungsabsturz in der anglo-amerikani- schen Öffentlichkeit. Trotz aller Erfahrungen mit dem Anwachsen des deutschen Wider­standes im vergangenen Vierteljahr hat inan drüben doch krampfhaft an der Illusion festzuhalten gesucht, daß die Deutschen trotz aller scheinbaren Symptome für das Gegen­teil in Wirklichkeit auf dem letzten Loch

pfiffen und daß man .in Kürze am Rhein und in Berlin stehen werde. Was vor der Verhängung der feindlichen Nachrichten­sperre an anglo-amerikanischen Darstellun­gen und Kommentaren noch zu uns gelangte, stellt kümmerliche Versuche dar, ein .ganz tiefes Erschrecken über die neue Lage zu verbergen. - .

Wenn die deutsche militärische Führung jetzt schweigt, so darum, weil, dem Gegner nichts über erreichte Ziele und Marschrich­tung des Angriffs verfrüht bekannt werden soll, was ihm nach der Zerschlagung der eigenen Front nicht mehr auf' eigenen Über­mittlungswegen zugänglich ist. Das ist der Grund, warum auch wir selbst noch nicht erfahren können, än welchem Ausmaß das neue deutsche Angriffsunternehmen gedacht ist. Das eine steht jedenfa,lls fest, daß Eisen- howpr überglücklich wäre, wenn er in den letzten drei Monaten seit dem Festlaufen sei­nes Angriffs im Grenzgebiet des Reiches auch nur einmal die Zerschlagung einer deutschen Front auf der Breite einer ganzen Armee und den zugigen Panzerdurchstoß in die Tiefe des Raumes hätte melden können. In diesem Vergleich allein bekundet sich die gewaltige Täuschung, der sich die feindliche Öffent­lichkeit hingegeben hat, als sie Deutschland schon als vollkommen „groggy“ geschlagen beurteilen wollte. Der Erkenntnis, daß die Wirkungen der totalen deutschen Volkserhe­bung so stark sind, wird auf die Kampfmoral hüben und drüben eine hoch gar nicht zu übersehende Bedeutung beikommen. Vorsich­tige Beurteiler im Feindlager warnen schon vor der neuen Illusion, daß es sich um eine letzte verzweifelte Kraftanstrengung Deutsch­lands handle, und verweisen darauf, daß der deutschen Front mit der Zeit noch weitere Reserven zufließen werden. Daß dieser Zu­strom der Kraftreserven nicht abreißt, das ist die Sache des deutschen Volkes selbst, das hängt von der- Unermüdlichkeit unseres Einsatzes und unserer Anspannung ab.

In der Hauptstadt des iranzösischen Departe­ments Isere, Grenoble, wurde in den letzten Tagen wiederum eine Reihe von Bombenan­schlägen verübt, die große Sachschäden ‘ an­richteten.

Zweierlei Terror

Von

Josef Berdolt

Der Säuberungseifer in Frankreich hat sich noch nicht gelegt. Im Gegenteil, er ver­stärkt sich. Aus einigen Städten liegen be­reits beachtliche Zahlen über' die. „Ergeb­nisse“ vor, die so stolz gemeldet werden, als handele es sich um Gradmesser eines Auf­stiegs. Avignon, die kleine, besonnte. Stadt im Süderi, kann mit 314 Hinrichtungen auf­warten, die savoische Alpenstadt Grenoble mit 446, Arles, so klein es ist, sogar mit 344, Montpellier mit 282, St. Etienne mit 212. Aber was bedeutet das neben Toulouse, das sich schon am 30. November, also nach kaum drei Monaten „Befreiung“, mit 771 voll­streckten Todesurteilen berufen konnte, nicht eingerechnet die unregistrierten Liquidierun­gen der Widerstandsgruppen, die an Ort und Stelle ohne Prozeßakten vollzogen wur­den. Aus anderen Städten liegen Zahlen noch nicht vor. Vermutlich sind sie, gemessen än der Einwohnerzahl, noch nicht hoch genug, als daß man sich damit brüsten könnte, Es sind eben noch nicht überall die „rechten“ Männer unumschränkt an der Macht.

Deshalb wird in Frankreich immer noch bit­ter geklagt, die Befreiungskomitees schicken Berichte nach Paris an den Widerstandsrat und an das Exekutivkpmitee, der Kommu­nistischen Partei, in ihnen wird dargelegt, daß der' Justizpalast der Republik seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. Wie sollte es auch anders sein? Diese Richter und Staats­anwälte stammen aus der Zeit des Vichy- Regimes und körmen sich nicht in die Neu­zeit hineinfinden, entsprechende Inter­pellationen werden in jeder Sitzung der konsultativen Versammlung vorgebracht. De Menthon, de Gaulles Justizminister, der sich zwar rückhaltlos zur Säuberung bekennt, aber Hemmungen in bezug auf die völlige Ausschaltung des Justizapparates hat, ist auf seinem Posten mehr und mehr gefährdet. Die herrschende Strömung der sogenanriten „aktiven" Kräfte treibt dahin, die Säuberung den „Befreiungskomitees“ und den Wider­standsorganisationen, vor allem den .iStreit- kräften der inneren Front“ und der „patrio­tischen Miliz“ zu überlassen, wie es vielfach schon, zumal im Südwesten, Brauch gewor­den ißt. Es soll keine Diskussionr keine- vr: ' ' handlungen, keine Verteidigung mehr geben. Der Betrieb wird dadurch nur auf gehalten. Es genügen — so wird immer wieder be­tont -r- im Grunde zwei Strafen: Todesstrafe und lebenslängliche Zwangsarbeit. Letztere soll ermöglichen, die bei dem Massenbetrieb und der erstrebten Eile unvermeidlichen Irr- tümer später vielleicht zu regulieren.

Die Linie Ist klar genug gezogen. Verräter und Schädlinge sind Franzosen, die sich zum legalen Vichy-Regime bekannten, die apti- kommunistisch eingestellt waren oder denen die Verständigung mit Deutschland einleuch­tete. Sie sind durch den Sammelbegriff „Faschisten“ gekennzeichnet und müssen „im , Namen der, Demokratie“ liquidiert werden, weil sie sonst als „fünfte Kolonne“ störend wirken könnten. So tobt sich in Frankreich zur Zeit ein Blutrausch aus, wie er in der Geschichte kaum Beispiele kennt. Die füh­renden Männer des Vichy-Regimes sind, soweit ,sie gefaßt werden konnten, längst’ liquidiert. Schon seit Wochen befaßt sich - die Säuberungsmaschinerie mit völlig unbekann­ten Leuten, die durch irgendwelche Zufälle, Böswilligkeiten oder Denunziationen ins Blickfeld der säuberungsgierigen Machthaber gerieten. Beklagenswerte Opfer aus allen Schichten der Bevölkerung, die, wie beispiels­weise der ehemalige Lyoner Präfekt Angeli oder die vielen Geistlichen und kleinen Be-' amten, häufig weder vychitreu noch deutsch­freundlich, noch „faschistisch“ eingestellt' waren. Nur eines bleibt von den Vorwürfen gegen diese unbekannten Liquidierten übrig: sie. hatten sich irgendwann einmal anti­bolschewistisch gezeigt.

Damit ist der grauenvolle Vorgang, der heute ganz Frankreich in seinen Bann hält, charakterisiert. Der- Bolschewismus wütet, auch wenn er die Macht poch nicht de jure angetreten hat. Moskau verfügt in den De­mokratien über genügend geschulte Agenten, die den Betrieb nach sowjetischem Muster organisieren können, Ziel ist, die möglichen Feinde des Bolschewismus unter irgend­welchen Vorwänden „im Namen der Demo­kratie“ zu vernichten und zugleich Furcht und, Schrecken vor jenen Instanzen ein­zujagen, die den Terror ausüben. Schon lie­fern harmlose Bürger Freunde und Nachbarn durch Verleumdungen den Schergen aus, nur um durch solche Dienste ihr eigenes Leben zu sichern.

Diese Entwicklung Ist natürlich' nicht im Sinne de Gaulles, der, wie Churchill, den Kommunismus früher scharf verurteilt hat, aber heute wie Churchill iri seihe Netze ver­strickt ist. Die Anglo-Amerikaner haben den von Moskau organisierten Banden, die heute den Terror ausüben, die Waffen geliefert. Der Versuch, sie ihnen jetzt wieder zu ent­winden; bedeutet Krieg, nicht nur gegen die von den Anglo-Amerikanern eingesetzten „Befreiungs“-Regierungen, sondern auch ge­gen die Anglo-Amerikaner selbst. Griechen­land ist ein lehrreiches Symptom. De Gaulle Ist dem Ausbruch des offenen Krieges aus­gewichen, indem er den Unterwerfungspakl im Kreml unterschrieb, was Papandreu ver­säumt hatte, weil er irrtümlich den briti­schen Schutz für hinreichend Melt-De Gaulle aber erlebt nun, daß er durch seinen Burg­frieden mit dem neben Ihm bestehenden Terrorregime zu dessen Komplizen gewor­den ist, '

Wie peinlich diese Entwicklung, die in i Deutschland immer vorausgesehen worden