Ausgabe 
(12.12.1944) 327
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

lt >

‘■fl

it 901

r. vo o>

S61 ' die

a***

fl l6il6t

auch 1 «icht ' r Wi£

,es % t

Npfea.

*s

/S

d ? r %

; s < orej ta “r«t. 111 allst

j rsC h'eint 6 mal wöchentlich

jwnatsbezug 2,30 RM elnschl. Zustell- getitlW! Postbezugspreis monatlich j jj eM (elnschl. 21 Rpf. Post-

jeitungsgebühr) zuzügl. 36 1 Rpl. Be- jtellgeld- Postscheck: Hamburg 172 72. ^eigenpreise und Aulnahmebedin- ^ g en laut Preisliste. Aufnahme­termine ohne Verbindlichkeit

BremcrMtung

SBrctuer 9tadjrid|tcn w

Geschäftsstellen)

Bremen: Geschäftsstelle und Schrift­leitung: Geeren 6-8, Ruf 2 19 31; Vacht- ruf und sonntags 2 4111; Syke: Mühlendamm 2; Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr. 6, Ecke Poststraße, Ruf 4 34 58; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24, Ruf 4 und 8; Breipen-Blumenthal: Kapit.-Oallmann-Str. 41-43, Ruf 88 u. 89

Parteiamtliche Tageszeitung

Das AmtsblaU des Regierenden Bürgermeisters der Freien Bremen

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthaliers in Oldenburg und Br e m en

Nummer 327 14. Jahrgang

Dienstag, 12. Dezember 1944

l!e

t Be S

tei > sim

ä durch >d e , den.

na chuna

'•hing“

luf

iahu ej .

te Q köo.

al «H

itimmta ucke 3 We«:. und«.

Einzelpreis 15 Rpf.;

Kämpfen und den Feind schlagen!

Dritter Jahrestag des deutsch-italienisch-japanischen Waffenbündnisses

ig«i

thhaaj^

<.Ms%

^W.-Aqj.

ifc, a*.

st lUk

U l'jj

«il.lS :

sd Hayh.

ÄuT\

id«llea so.Avd rakfisdu i in dii : 0 !« nlfeme« fce Ruft, in Rofi. m n kocht er, heiz) imd wir

st. 5192L üb. 50 J, mgskr. f, »imarbrit.

e (40 J.) , Wochen* ig. 0 2639 Bäckerei . P 2015. 3. Besch. L 2661. in frswa, Ä 2576, n s. Stell D 59120. 3i. H 2683 e final

b. J S?l >rrfl ff«- 1, für ii^h s*

L !w6,

Berlin. 11. Dez. Aus Anlaß der dritten tViederkehr des Jahrestages des deutsch- 'li e niscli-japanischen Waffenbündnisses

'■ rachen Montag abend der Reichsaußen- ''mister von Ribbentrop, der Duce als ® Ujjjjinister des republikanisch-faschisti- lülien und der japanische Außen- Schigemitsu über dW Rundfunk zu

sehen

Id auf Hr- : F 591& «. evtl- r

■ Osterfor-

I. lS C.

fl» 1 ? J0. 1 nrie ieV

i?r-

>v$

»en.

-ddet.

9e*"

minister

Iren Völkern und zur Welt. Reichsaußen- piisfer von Ribbentrop führte'aus: Das Datum des 11. Dezember ist für uns rt a historischer Bedeutung, weil an diesem jjj Ci getreu den Vereinbarungen des Drei- pjrhtepaktes, Deutschland, Italien und j.pan sich endgültig zu einer unlösbaren Kriegs- und Kampfgemeinschaft zusammen- ie schlossen haben, die niemals anders als jirch den gemeinsamen Sieg beendet wer- |ai kann und beendet werden wird. Es ist ohl das stärkste und kompromißloseste Militärbündnis, das die Geschichte kennt, ark und kompromißlos, wie es der Natur eses Kampfes auf' Leben und Tod um das ibensrecht großer Völker entspricht, jahrelang hatten sich unsere Regierungen müht, den berechtigten Ansprüchen unse- .jBungen und aufstrebenden Völker Gel­ing" zu verschaffen. Obwohl diese An- rüche maßvoll waren, stießen sie bei der jrigen Welt auf offene Feindseligkeit. In iwpa begegnete das nationalsozialistische Hitschland bei der Abschüttelung der Fes- äB des Versailler Vertrages einer immer aehmenderen aggressiven Haltung der aisten europäischen Staaten, vor allem iaglands. Das faschistische Italien Musso- ais erlebte das gleiche. In Ostasien ver­edelte Japan jahrelang mit Amerika, um ad dem Wege freundschaftlicher Verein­barungen sich die Rohstoffe und Handels- basen zu sichern, die seine wachsende Vüäszahl immer dringender benötigte. Die feindliche Einstellung Amerikas aber ver- Krvderte jede Vereinbarung. Dieselbe Feind,- schaii der USA und ihres Präsidenten trat t in diesen Jahren auch gegenüber Deutsch­land und Italien jmmer klarer zutage. Ob- mhl nicht der geringste Grimd hierfür vor- iaiden war — denn weder die Achsen­richte in Europa, noch Japan in Ostasien laben irgendwelchen Streit mit dem ameri- ianischen Volk gesucht — wurde Washing­ton immer offener der Mittelpunkt, des Kderstandes gegen Verwirklichung der tnsprüche der jungen Nation und der Hetze n ihrer Niederhaltung.

Diese Einstellung einer feindlichen Welt sranlaßte Deutschland, Italien und Japan ad ihre übrigen Freunde in Europa und tasien, im Verlauf der Jahre immer enger sammenzurücken. Als dann hach Ausbruch europäischen von England • willkürlich egen Deutschland entfesselten Krieges die iltung Amerikas immer aggressiver wurde, schlossen unsere Regierungen, ,die beste- :;cde Zusammenarbeit in einem feierlichen ertrag zu verankern. So wurde am 27. Sep- :mber 1940 der Dreimächtepakt geschlossen, ia diesem Pakt verpflichteten sieh die drei Dionen, zum Zwecke einer gerechteren Maring der Dinge in der Welt Zusammen­arbeiten und gleichzeitig das Gedeihen und -o Wohlfahrt der Völker auf diese Weise zu ädbm. Der Abschluß des Paktes bedeutete iüchzeitig eine Warnung an Amerika, den nicht zu einem Weltbrand auszuweiten, a sonst die Dreierpaktmächte geschlossen i*6n Amerika stehen würden. Aber die War- Bag war vergeblich: Die Welteroberungs- Kne des Weißen Hauses waren fertig und ö von ihm seit Jahren eingeleitete Kriegs’ Ktik nicht mehr aufzuhalten. Als Amerika fej im Winter 1941 Japan in unerträglicher * ? jä provozierte, blieb der japanischen Re- keine andere Wahl, als diesen ProvO’ tonen und Beleidigungen die entsprechende ■wort zu erteilen. So kam es zu Pearl iarbor.

in der nun dreijährigen Waffenbrüder- inäft haben unsefe Soldaten gewaltige tspie bestanden, unzählige Schlachten ge- -■fflen und große Siege errungen. Mit stax- Herzen und heißen Wünschen haben un- Völker in der Heimat die wechselvollen ^ignisse dieses jahrelangen erbitterten Rin- erlebt.

i-’nd wenn auch einmal eine Schlacht ver- 4tt nsmg und Raum aufgegeben werden aB ßte, und wenn auch manchmal der Kampf ® den Fronten noch so hart ging und die en gar schwer auf die Heimat fielen, 4 hat die verbündeten Völker doch nie- s «s der Glaube und die Überzeugung ver- daß es einmal wieder anders kommen 'd dr.ß die letzte und entscheidende ? ''’.t in diesem Krieg doch von unseren ^‘"“n gewonnen werden wird. , .

stehen in Europa die deutschen " ä Ppen, durch unzählige Schlachten, ge- «dst und ruhmgekrönt zur Verteidigung an h Grenzen des Reiches und ln Italien.

diesen Truppen steht eine Heimat, ^ Waffen schmiedet, für die Front sorgt n:cht weniger weiter- und bombenfest als ihre Kämpfer an der Front.

J T Verteidigungskampf um die Existenz ^ die Zukunft Europas ist jetzt in seine ^-oheidende Phase getreteh. An allen ,^Kcn toben die Abwehrschlachten, ln es für unsere Armee, Marine und Luft- tff Sät, ihre Kraft bis zum äußersten ein- 'Jiaen. Mit zäher Verbissenheit und Todes- -flehtung haben denn auch unsere Sol­

daten das Vordringen des Feindes überall zum Stehen gebracht und ihm in wochen­langen Schlachten ungeheure Verluste an Menschen und Material zugefügt.

In Ostasien hat unser japanischer Bundes­genosse große Erfolge im China-Krieg er­zielt, wozu wir ihn herzlichst beglückwün­schen. Auf den Philippinen aber ist die große Abwehrschlacht gegen Amerika entbrannt. So wie an anderen Grenzen des Reiches der deutsche Soldat, so steht dort der japanische Soldat, bereit und entschlossen, den Feind zu schlagen und ihm den Weg nach den ja­panischen Heimatinseln zu versperren. Vor allem möchte ich dem Aufopferungsgeist, dem Geist de? Taiatari der japanischen Sondertruppen und der Kamikadse-Flieger, die den amerikanischen Streitkräften enorme Verluste zugefügt haben, hohe Bewunderung aussprecljen.

Auf dem politischen Feld schmieden unsere Feinde inzwischen weiter ihre Pläne zur Er­oberung und Aufteilung der Welt. Von den Friedensphasen der Vergangenheit, mit denen die arglosen Völker durch ihre Regierungen in diesen sinnlosen Krieg gegen die Dreier- paktmächte hineingetrieben wurden, ist nichts mehr übrig geblieben. Die Maske ist jetzt endgültig gefallen, und die Politiker im Feindlager überschlagen sich geradezu in ihrer Gewinnsucht, ihrer Macht- und Profit­gier und ihrem schrankenlosen Imperiälispus.

Der Sieg wird als bereits errungen prokla­miert, die Länder der Dreierpaktmächte

werden bereits in ihrer Einbildung ver­stümmelt und aufgeteilt. Unsere männliche Bevölkerung soll zum Teil ausg'erottet, zum Teil als Arbeitssklaven deportiert werden. Die Industrien, der Wohlstand unserer Länder sollen vernichtet, die Bodenschätze beschlagnahint werden. Die sogenannten „Kriegsverbrecher“ sind in der Einbildung schon hundertmal hingerichtet. Die Staats­form der besiegten Staaten wird bereits festgelegt und zwar in einer Ftorm, die nur Siechtum und langsamen Tod unserer Völ­ker bedeuten würde 1 . Unsere Jugend soll durch fremde Lehrer gezüchtigt und er­zogen werden usw. üsw. Das sind die politi­schen Pläne unserer Gegner. Einig jn ihrem blinden Haß und in ihrer Vernichtungswut denkt aber jeder doch nur an seine eigenen egoistischen Ziele und sucht sich ln atem­loser Hast möglichst viele Vorteile über den eigenen Bundesgenossen zu sichern.

Der Heldenmut unserer Truppen sowohl in Europa als in Ostasien wird diesen Herren einen gewaltigen Strich durch ihre Rechnung machen. Und wenn dieser Strich auch mit dem Blut unserer Tapfersten' und Besten gezogen wird, so wird ans ihrem Blut doch das hervorgehen, was für uns das kostbarste und köchste Gut auf dieser Welt bedeutet, nämlich: die Freiheit und Unab­hängigkeit unserer Völker.

Dafür ist uns kein Opfer zu groß. Denn, ließen wir je nach und verlören wir einmal ‘diese Freiheit, dann wäre alles und vielleicht

unwiederbringlich verloren. Dann würden unsere toten Krieger und anklagen können, daß wir in der entscheidenden Stunde ver­sagt und damit die Zukunft unserer Völker in Frage gestellt hätten. Das aber darf nie­mals geschehen.

Niemais werden wir nachgeben. Das weiß heute jeder deutsche Soldat an der Front und auch jeder Deutsche in der Heimat. Und bei unseren Verbündeten in Europa und' Ostasien ist es ebenso. Deshalb haben wir alle, ob Front oder Heimat, nur einen Gedanken, und der ist: Kämpfen und den Feind schlagen ujjd immer wieder schlagen, biä er genug hat und bis er einsieht, daß er die Dreierpaktmächte nicht besiegen kann.

Noch ist dör Ansturm des Feindes nicht endgültig gebrochen. Der Feind mag neue Menschen und neue Materialmassen in den Kampf werfen, aber einmal werden wir ihn endgültig brechen! Denn in diesem Kampf zwischen Material Und Geist — das ist unser unerschütterlicher Glaube und unsere heilige Überzeugung — wird, wie immer in der Ge­schichte, schließlich nicht das Material den Ausschlag geben, sondern der Geist, und zwar der Geist unserer heldenhaften Truppen und unserer ebenso heldenhaften Völker in der Heimat. Die Völker der Dreierpaktmächte aber werden sich in diesem Geist immer noch enger zusammenschließen, und alle Handlungen unserer Regierungen werden sich von ihm leiten lassen. Ich möchte des- (Fortsetzung auf der nächsten Seite)

General de Gaulle als Kettenhund Stalins

Französisch-sowjetischer Bündnisabschluß beweist britische Machtlosigkeit auf dem Festland

Drahtbericht unserer Berliner Schriftieitung

g. Berlin, 11. Dez. .„Lang, lebe die^ Sowjgt- uniöh!“ hieß’das Schlußwort der’ kurzen Ansprache, mit der de Gaulle.sich am Bahn­hof in Moskau von seinen sowjetischen Ver­handlungspartnern verabschiedete. In Rom Ist der Leiter der Kommunistischen Partei, Togliatti, zum stellvertretenden Minister­präsidenten eines neuen Kabinetts. Bonomi ernannt worden. In Athen wird die Zahl der Aufständischen der kommunistisch ge­leiteten „Elas“-Organisation mit 10 000 Mann angegeben, 1500 Tote und Verletzte werden verzeichnet, britische 25-Pfünder haben mehrere .Stunden lang gefeuert und britische Flugzeuge haben in die Kämpfe eingegriffen. Britische Zeitungen aber schreiben zur Situation, daß Englands schüchterner Ein­wirkungsversuch in Athen vielleicht sehr schroffe und unerwünschte Folgen haben werde. „Es hat den Anschein,- als ob der Kreml absichtlich seine Gleichgültigkeit gegenüber den . Vorgängen in Griechenland betonen will“, sagt die „Yorkshire Post“, die dem Außenminister Eden nahesteht, „und es wäre nicht unnatürlich,, wenn die Sowjet­regierung von Großbritannien mit einer ähnlichen Zurückhaltung bei der Regelung der polnischen Dinge und der Interessen des polnischen Sowjet in Lublin rechnet.^ Eine solche Entwicklung wäre der Beginn eines Prozesses, bei dem Großbritannien und die Sowjetunion eigene Einflußsphäre» er­richten.“ Nicht viel anders klingt der Ruf, den die amerikanische Zeitung „Saturday Evening Post“ ausstößt, „daß in allen Län­dern Europas von der Ostsee bis zum Adria­tischen Meer und bis zur türkischen Grenze ein« gleichartige Anpassung an das sowje­tische Vorbild von Moskau angestrebt wird“.

Das sind resignierende und pessimistische Stellungnahmen, die vor allem die Lage dpr britischen Außenpolitik grell beleuchten. Denn was unter dem Moskauer Druck vor sich geht, berührt England mit seinen euro­päischen Interessen natürlich . stärker als die USA.

Das einschneidendste Ereignis in diesem Sinn ist das Bündnis zwischen de Gaulle und Stalin. Auch dieser Bündnis- und Beistands­pakt ist nicht als eine unerwartete Sensa- tion anzusehen, eher als eine Bestätigung

der Machtverteilung, die in den vergan­genen Monaten erkennbar war, seit England uffd die USA aiif'-der' Korifebenz von Tehe­ran ihre Zugeständnisse an die Sowjetunion aussprächen. Aber diese Bestätigung ist doch deshalb interessant und wichtig, weil sie nun vertragsmäßig festlegt, was bis dahin noch in der Schwebe war. Churchills Besuch in Paris vor einigen Wochen endete mit einem Fragezeichen und mit der Ankündigung, daß de Gaulle n^ch Moskau reisen, werde. Die Moskaureise hat dieses Bündnis gebracht, und . das wesentliche Merkzeichen des Bünd­nisses ist es, daß Frankreich, seit vielen Jahren außerstande, nur aus eigener Kraft Politik zu treiben, seine Partnerschaft ge­wechselt hat.

Frankreich wurde einst der „Festlands­degen Englands“ genannt, ihm fiel nach dem vorigen Weltkrieg die Rolle eines Polizisten Europas im englischen Auftrag zu. Jetzt hat de Gaulle Anschluß dort gesucht, wo er die größeren Kräfte vermutet, eben bei Stalin. Ein schwedisches Blatt „Morgon Tidningen“ nennt denfranzösisch-sowjetischenPakt „einen meisterhaften und realpolitischen Schach­zug Stalins“. Denn für die Sowjetunion be­deutet der Vertrag eine beherrschende Stel­lung als kontinentale Macht, an der man nicht mehr zweifeln kann. England aber wird durch diesen Pakt nicht nur geographisch, sondern auch politisch in eine vom europäi­schen Kontinent getrennte Insel verwandelt, und die Möglichkeiten der USA, die europäi­schen Angelegenheiten zu beeinflussen, haben sich entsprechend verringert. Sinn und Wirkungen dieses Bündnisses, daß de Gaulle in Moskau abschloß, werden hier sehr scharf und treffend Umrissen. Die englische Politik kann aus dem Wirrsal der Bindungen, die sie gegenüber der Sowjetunion eingegangen ist, gegenüber dem Moskauer Spiel mit diploma­tischen und mit innerpolitisch-kommunisti­schen Mitteln offensichtlich nicht einmal’ den Schein einer gewissen Selbständigkeit aufrechterhalten und muß resignieren.

Es ist bezeichnend für den Niedergang des englischen politischen Instinkts, daß in Lon- den Aktionen im Gange siud, die sogar von der Bevölkerung her unter dem Einfluß kom­munistischer Agitation die schwächlichen Versuche der Regierung bekämpfen, im wich-.

tigsten britischen Interessengebiet sich einen gewissen Einfluß zu sichern. In London, so 'Vfrä' gemeldet, werden Flugblätter mit rao- testlisten verteilt, in die sich die Londoner eintragen sollen. Die Protestlisten 1 sollen Churchill zugestellt werden. Die Proteste richten sich dagegen, daß unter englischer Leitung die Aufstandsbewegung 'in Athen ab­gewehrt worden ist. „Die Initiative zu diesen Protestlisten stammt von den britischen Kommunisten", so heißt es Im „Manchester Guardian“, „aber Gebrauch wird von der Möglichkeit des Protestes auch von anderen kreisen, so von zahlreichen Offizieren der britischen Armee gemacht.“

Es entspricht dieser Selbstaufgabe in der Haltung der britischen Bevölkerung, es ent­spricht dieser offensichtlichen englischen Selbsterkenntnis, daß man als politischer Faktor nicht mehr mitzählt, wenn das sowje’ tisch-französische Bündnis in der englischen Presse mit einem gewissen resignierenden Unterton herzlich begrüßt wird. „Frankreich, das notwendige Bindeglied zwischen Osten und Westen Europas“, „Ein höchst befried! gender diplomatischer Erfolg“, „Ohne fran­zösische Unterstützung muß der britische Einfluß in Europa immer sehr beschränkt sein“, — das ist der Tenor der britischen Stellungnahmen) und er entspricht jenen Ereignissen, die sich in dem von den West­demokratien besetzten Teil Europas abspie­len, in Frankreich, in Italien, in Griechen­land, überall wo unter englisch-amerikani­scher Militärmacht die Moskauer Tendenzen durchgesetzt werden.

Der Volksslurmfiihrer

, Von

Herbert Hahn

So sehr auch der Deutsche Volkssturm letztlich dem Zweck militärischer Verteidi­gung dient, so darf er — führungsmäßig — doch nicht verwechselt werden mit Heei\ Luftwaffe, Kriegsmarine und Waffen- Dort überall — ohne daß wir weltanschau­liche Grundsätze auch nur im geringsten beeinträchtigt wissen wollen — mögen die Ausschließlichkeit der militärischen ’ Auf­gabe, die engere Auswahl nach Alter und körperlicher Tauglichkeit und die' völlige Loslösung von Beruf, Familie und übrigem zivilen Milieu strengere Maßstäbe, ein weni­ger behutsames Führen, eine härtere Kon­zentration der kampfgerechten Erziehung zulassen und auch erforderlich machen; im Volkssturm aber finden sich Menschen zu­sammen, deren Wille und Bereitschaft gewiß nicht geringer ist, die aber während der Ausbildung an der Waffe vielleicht bis an die Grenze ihrer Kräfte einem kriegswich­tigen Beruf dienen, denen» die materielle Sorge um Weib und Kind, um Haus und Hof nicht abgenommen ist, die vielleicht gar nur um körperlicher Mängel willen noch in der Heimat sind oder sich der Betagtheit nähern, die anders als der Soldat, mit tau­send Herzensfäden an die mancherlei Nöte und Schwierigkeiten des zivilen Krie^sall- tags gebundeh sind, denen Bombenterror, Ausquartierung, Wohnungsnot, tägliohe Ver­sorgung viel zu schaffen machen und die aus all diesen Gründen ganz und ungeteilt erst dann soldatische Kämpfer zu sein ver­mögen, wenn der Emst der Stunde sie zum Feindeinsatz ruft und die unmittelbare Ge­fahr jeden kleineren Ballast über Bord stößt. Die Ausbildung im Volkssturm, gewiß, dierit der Erziehung Ruf diese Stunde hin; bevpr sie »aber schlägt, haben wir hier Men­schen vor uns, die, wenn auch vom Kriege hart geschult, im beruflichen Alltag stehen, Glieder einer Familien^, einer Haus-, einer Dorf- oder Stadtgemeinschaft, keinesfalls aber Rekruten oder Kadetten im altpreußi­schen Sinne sind.

Wenn wir dies alles hier unverhüllt aus­sprechen, so nur, um darzutun, wie schwer das Amt eines Führers öder Unterführers im Volkssturm ist und wie sehr dort andere als rein militärische Führungsprinzipien herrschen müssen. Befehlen ist leicht — Führen schwer. Ist schon der Offizier nur dann ein Meister seines ■ Auftrags, wenn, er beides kann, wie viel mehr gilt dies erst für den Führer im Volkssturm! Man wird nun verstehen, daß militärische Eignung und selbst Erfahrung im Kampfe zwar Voraus­setzungen, aber nicht die einzigen Kriterien der Führerauslese im Volkssturm sein durf­ten. Der Mann, der nur die Sprache des Kommiß beherrscht, ist hier fehl am Platze. Und wäre er General und verfügte dabei nicht über die Kunst der politischen Men­schenführung, so müßte er vor einer Kom­panie Volkssturmsoldaten letztlich versagen.

Immerhin, vor Fehlern Ist keiner ge­schützt, der sich vor einer neuen und bei­spiellosen Aufgabe sieht. Und der Deutsche Volkssturm ist eine solche Aufgabe ohne geschichtliches Vorbild, dbnn nirgendwo waren Soldaten oder auch Freiwilligenkorps so eng nach dem zivilen Alltag verpflichtet wie hier. Die „Grundsätze der Mannschafts­führung im’ Deutschen Volkssturm“, die von Reichsleiter Martin Bormann in 24 Punkten festgelegt wurden, stellen daher keinen über­flüssigen papiemen Ballast dar, sondern eine durchaus nötige, Führer wie Mann bin­dende Wegweisung. Sie , gehen davon aus. daß der wehrhafte deutsche Mann das beste Gut unseres Volkes ist, das jemals einem

< De Gaulle mit Schmeicheleien geköderi

Frankreich zahlt teuren Preis für rauschende Feste im Kreml

Britische schwere Flugzeuge bombardierten Athen

Weitere Zuspitzung der Lage in Griechenland l

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 11. Dez. Während bei den bisherigen kämpfen in Athen von den Briten nur Sturzkampfflieger zu taktischen Zwecken eingesetzt wurden, steht die grie­chische Hauptstadt seit Sonntag unter einem Massenbombardement, moderner Bomber.

Mit schwerem Herzen“, wie es in einem bri­tischen Bericht heißt, hat sich der britische Lnftbefehlshaber entschlossen, seine Bomber gegen die sog. griechischen Aufständischen einzusetzen. Stundenlang erzitterten die Grundfesten der klassischen Hauptstadt des Altertums unter dem Bombardement der bri­tischen Luftflotte, und ein dichter Rauch­schleier wurde durch den Sturmwind über die Stadt getrieben,“ heißt es in einem halb­amtlichen britischen Reuterbericht aus dem Hauptquartier bei Athen.

Die griechische Hauptstadt, die von den deutschen Truppen sorgfältig geschont wurde, erlebt also jetzt nach ihrer sogenannten „Be­

freiung“ alle Schrecken des modernen Krie­ges.' Die Engländer erklären, sie seien zum Einsatz von schweren Bombern gezwungen worden, weil es sich bisher als unmöglich erwiesen habe, die verschiedenen Elas-Ver- bände aus ihren Schlupfwinkeln hervorzu­holen. Die Lage habe sich wieder verschlim­mert. Starke Verbände von Aufständischen hätten versucht, von Südosten her in Athen einzudringen und einen Keil zwischen die britischen Truppen, die das Stadtinnere ab­schließen, und die regulären griechischen Truppen am Ostrande der Stadt au treiben. Das große, aus weißem Marmor gebaute Athener Stadion ist ein Opfer dieser Luft angriffe geworden. Die englischen Berichte schweigen sich darüber aus, welche Verhee­rungen das Bombardement in den klassischen Kulturstätten der Menschheit zur Folge ge­habt hat. Nach britischen Berichten hat sich die militärische Führung der verschiedenen Elas-Verbände in - den letzten 48 Stunden sehr verbessert. 1 \

Drahtbericht unseres Vertreters kl. Stockholm, 11. Dez. Stalin hat' das große Spiel um Frankreich gewonnen. Der Besuch de GRUlles und Bidaults in Moskau hat, wie vorauszusehen war, zum Abschluß eines ge 1 - genseitigen Hilfeleistungsvertrages geführt, der Frankreich zum sowjetischen Interessen­gebiet macht. Der Text des Vertrages ist nicht verlautbart worden, auch das ist ein Beweis dafür, wie intim die Bindungen sind, die de Gaulle mit Stalin eingegangen Ist. In dem über den de Gaulles Besuch ver­öffentlichten amtlichen Kohimuniquö heißt es lediglich, daß die Verhandlungen sich auf die Weiterführung des Krieges, die-Organi­sierung des Friedens und die kommende Be­handlung Deutschlands bezogen. In allen Fragen sei eine vollständige Übereinstim­mung der Ansichten erzielt worden, und von beiden Seiten sei der Wunsch nach einer in­timen Zusammenarbeit zum Ausdruck- ge­bracht worden. Der Unterzeichnete Vertrag habe den Rahmen für die künftige Zusam­menarbeit abgesteckt. Die Veröffentlichung des Vertragstextes werde zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. <■ • '

De Gaulle und Bedault äußerten sich vor ihrer Abreise vor den Pressevertretern voller Enthusiasmus über den ihnen zuteil gewor­denen Empfang, der von einer demonstra­tiven Herzlichkeit gewesen sei. In einem Korrespondentenbericht aus Moskau heißt es, die Sowjetregierung habe sich selbst in der Ehrung der Gäste übertroffen. Arbeits­besprechungen, Gelage und Festveranstaltun­gen hätten einander Jn bunter Folge abge­löst. Die französischen Gäste seien gar nicht zur Ruhe gekommen. Die Tage in Moskau seien wie ein einziger großer — Festrausch

gewesen. Die ■ Prunkentfaltung habe alles übertroffen, was man bisher für möglich ge­halten habe. Stalin selbst traf mit de Gaulle viermal zusammen, und jede dieser Zusam­menkünfte habe in ,,einer Atmosphäre der Herzlichkeit stattgefunden. Die Franzosen seien von dem Empfang geradezu überwäl­tigt gewesen.

Die Sowjetdiplomatie hat, wie man sieht, manches dazugelernt. Den Franzosen, die für äußere Effekte sehr empfänglich sind, sollte vor Augen geführt werden, daß Moskau Sich seiner Rolle, die es ln Europa spielen will, voll bewußt ist. Stalin wollte de Gaulle nicht nur politisch für sich gewinnen, er wollte ihn auch blenden. Er wußte, daß de Gaulle, der bisher eine reine Prestige-Politik be­trieben hat, um so vorbehaltloser auf seine Wünsche eingehen würde, je stärker das rein Gefühlsmäßige betont werden würde.

Welchen Preis Frankreich für die Serie rauschender Feste, die in Moskau gegeben wurden, bezahlen muß, kann man schön heute ungefähr abschätzen. Schon vor eini­gen Tagen wurde aus Moskau berichtet, daß Marschall Schukow an der Spitze einer starken Militärabordnung nach Paris ab- reisen werde, um die französische Armee zu reorganisieren. Sie ist dazu bestimmt, dW stärkste unter den kommenden sowjetischen Hilfsarmeen ln Europa zu werden. De Gaulle selbst wird natürlich das gleiche Schicksal erleiden, das bisher alle Politiker und Gene­rale nichtbolschewistischer Prägung erlitten, die glaubten, mit dem Bolschewismus pak­tieren zu können. Er wird in dem gleichen Augenblick von Moskau abserviert; werden, in dem er den Sowjets nicht mehr weiter nützlich sein kann.