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Parteiamtliche Tageszeitung
Das Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien H Bremen
der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen
Kummer 325 14. Jahrgang
SonnabendtSonniag, 9./I0. Dezember 1944
Einzelpreis 15 Rpf..
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Schwerste Feindverluste im Westen
270000 Mann USA-Verluste allein in drei Novemberwochen ■■ Zerschlagene Hoffnungen
Drahtbericht' unserer Berliner Schriftleitung dr, y. sch. Berlin, 8. Dez. Es liegt nunmehr ein Vierteljahr zurück, seitdem die anglo- amerikanischen Streitkräfte nach ihrem schnellen und ausgreifenden Erfolg in Frank- re i C h und in Belgien die Reichsgrenze lm Raun von Aachen erreichten. Dieses ganze Vierteljahr hindurch sind die Gegner in ^jirfach neu angesetzten Großoffensiven und mit dem Aufwand schließlich ihrer gesamt® -Übermacht an Menschen und Material gegen den Abschnitt der Westfront angersnnt, dem nach wie vor'eine ganz übergeordnete und ; entscheidende Bedeutung zu- jemessen werden muß. Nach dem Ablauf dieses Vierteljahres muß die feindliche müi- täri sehe Führung zwangsläufig zu der Erkenntnis gedrängt worden sein, daß die Berechnungen grundfalsch Waren, die ihnen als Unterlagen für ihre strategischen P ( läne und für das ganze. Programm ihrer Kriegführung gedient haben. Ferner werden sie -sich heute der Erkenntnis nicht mehr verschließen kennen, daß sie die für sie unverhältnismäßig günstigen Voraussetzungen bei Beginn ihrer Angriffskämpfe in Europa, niemals wieder rarückgewinnen können. Die Briten und vor allem die Amerikaner hatten für den Zeitpunkt der Invasion eine überwältigende Übermacht an Truppen, Panzern, Geschützen und Flugzeugen gehortet, die sie inzwischen für den Gewinn einer Frontbeüle von höchstens 20 Kilometer Tiefe und ohne den Erfolg eines strategischen Durchbruchs am entscheidenden Frontabschnitt zum großen Teil so eingesetzt und verbraucht haben, daß sie nicht mehr auf einen Hott von Truppen und Material zurückgreifen können, sondern auf den normalen Ersatz und auf die laufende Produktion angewiesen sind..
Den Beweis dafür, -können wir in den Ausführungen erblicken, die soeben der stellvertretende amerikanische Kriegsminister Patterson auf einer Pressekonferenz gemacht hat. Die amerikanische Öffentlichkeit, der HooseveU einmal-versprochen, hatte, ,.daß er tMals die Söhne des Landes außerhalb der Vereinigten Staaten iii den Krieg schicken werde, 'wird jetzt durch die Mitteilung überrascht, daß das Weiße Haus eine Änderung der Bestimmungen über den Fronteinsatz, und «war insofern für notwendig hält, als jetzt auch Männer unter 19 Jahren in Infanterie- tmd Panzerverbänden auf Kriegsschauplätzen über See eingesetzt werden sollen, was bisher ausdrücklich verboten war. Patterson hatte die unangenehme Aufgabe, diese Notwendigkeit mit der Tatsache der ungeheuerlichen Verluste zu begründen, die die amerikanischen Streitkräfte seit Beginn der Invasion und mit unheimlich ansteigender Kurve iii den letzten Wochen erlitten haben.
Etwa in der Mitte des vergangenen Monats wurde eine Liste der amerikanischen Verluste in Westeuropa bis Ende Oktober bekanntgegeben. Danach beliefen sich die Ausfälle an Gefallenen, Verwundeten, Vermißten und Kriegsgefangenen bis zu diesem Zeitpunkt auf rund 200 000 Mann. Nunmehr nannte Patterson eine neue Ziffer, die die Verluste bis zum 22. Nov. enthält und sich auf 474 898 stellt. Oie Zahl der Gefallenen beläuft sich nach dieser Liste auf 91 625, die der Verwundeten auf 268 099, die der Vermißten auf 58 926 und schließlich diejenige der Kriegsgefangenen auf 56 248. Aus dem Vergleich der beiden Verlustlisten ergibt sich zunächst die eine Tatsache, die im amerikanischen Volk ein ganz tiefes Erschrecken auslösen dürfte und andererseits die Auswirkungen der umfassenden Volkserhebung in Deutschland und die dadurch bewirkte entscheidende Wende spiegelt, daß nämlich die amerikanischen Verloste in den drei ersten Novemberwochen in Hohe von rund 270 000 Mann die Ausfälle des 1 mrausgegangenen fast halben Jahres um ein Erhebliches übersteigen. Wenn man auch an
nehmen will, daß etwa die Hälfte der Verwundeten früher, oder später wieder einsatzfähig für die Front wird; so bleibt doch — nach dem amerikanischen Geständnis, das sicher hinter der Wirklichkeit zurückbleibt — ein bleibender Ausfall von rund 350 000 Mann, und da Churchill allein für die Kämpfe in Südholland und um die Scheldemündung kürzlich britische Verluste in Höhe von 40 00f Mann nannte, so kann es nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß der dauernde Gesamtausfall unserer westlichen Gegner seit dem Beginn der Invasion bis zum 22. Nov. 400 000 nicht unerheblich übersteigt und daß von dieser Zahl der weitaus größere Teil allein aut die drei ersten Novemberwochen entfällt.
Seit dem 22. November • sind aber inzwischen schon wieder mehr als 14 Tage verflossen, und Staatssekretär Patterson sah sich auf der Pressekonferenz zu der Feststellung gezwungen^ daß nach den ■ bereits erlittenen schweren Verlusten man sich der schlimmen Voraussicht üichtf verschließen könne, daß diese Verluste" weiter andauern würden. Die verschiedentlich gemachten Feststellungen im Wehrmachtbericht über die starken Verluste der Amerikaner, waren, wie
man sieht, gewiß nicht übertrieben, sondern sehr vorsichtig gehalten. Und esl ist nach den Mitteilungen des Staatssekretärs Patterson ganz gewiß keine Milchmädchenrechnung, sondern eine ganz nüchterne und unabweisbare Tatsachenfeststellung,' daß die Gegner im Westen seit Beginn der Invasion' bestimmt rund eine halbe Million Verluste als dauernde Ausfälle" zu verzeichnen haben. Das sind die Fronttruppen von mehr als vierzig Divisionen. Ein selbst lm Verhältnis zu dem großen anglo-amerikani- schen Einsatz im Westen ganz ungeheuerlicher Aderlaß, der auf lange Sicht unmöglich zu ertragen ist. Die englischen Reserven für den Fronteinsatz auf den europäischen Kriegsschauplätzen sind, das wissen wir ganz genau, faahezu erschöpft, zumal dieses Volk von 46 Millionen den größten Teil seiner Männer für die Kriegsmarine, für die Handelsschiffahrt und für die notwendigsten Sicherheitsstreitkräfte in Birma, in Indien, im Nahen Osten und sonst in den gefährdeten Bereichen für seine Lebensliziie des Empire braucht.
Auch die Vereinigten Staaten können den pazifischen Kriegsschauplatz nicht außer acht lassen, wo sie nach einer japanischen
Sechs Gründe als Entschuldigung
USA-Korrespondent über die mißglückten Durchbruchsversuche
Drahtbericht unseres Vertreters rd. Stockholm, 8. Dez. Ein United-Preß- Korrespondent zählt in sechs Punkten, die Gründe auf, die nach seiner Ansicht an den mißglückten' anglo-amerikanischen Durch- bruchsyersuchen an der Westfront Schuld sind: den „harten, eigensinnigen und geschickten Widerstand der Deutschen“ setzt er an die erste Stelle. Hinzu komme 2. hier und da Mangel an Granaten, Benzin und anderem. Material. Als Nummer 3 mache sehr oft das Wetter einen Strich durch die Rechnung, indem es deh Alliierten keine Ausnutzung ihrer Luftüberlegenheit gestatte und deh Einsatz von Panzern erschwere, 4. das schwierige Gelände, 5. Transportschwierigkeiten, vor allem der Mangel an Häfen und die langen Versorgungswege. Das sechste Hindernis bestehe in dem Widerstandswillen des deutschen Volkes und seinem Aushaltever- mögen bei den Terrorangriffen.
Der amerikanische Korrespondent spricht die Überzeugung aus, ,daß Deutschlands Kraft nach wie vor ungebrochen und es imstande sei, weiter hart zu kämpfen. Dieser Eindruck habe sich in ihm festgesetzt nach seinen Besuchen an den verschiedenen Frontabschnitten. Je näher man der eigentlichen Front und der direkten deutschen Feuerlinie komme, desto mehr höre man von den Schwierigkeiten der Aufgabe, Deutschland militärisch zu zerschlagen. Die Deutschen wenden ihre ganze von früher her-bekannte Geschicklichkeit' an, um den'Kriegführungsprozeß für die Alliierten so kostspielig wie möglich zu gestalten. Er habe Gelegenheit gehabt, Ärtüle- rie- und Granatwerferfeuer, Luftbombarde- mentk und den Einschlag fliegender Bomben, darunter auch V 2, zu beobachten. Sein Urteil basiere auf Gesprächen mit Infanterie- und Fliegergeneralen, mit Offizieren aller Grade und einfachen Soldaten, außerdem auf dem Studium vertraulicher Dokumente.
Feststellung in den letzten 12 Monaten 226 000 Mann einbüßten. Die Krisenerscheinungen in Kanada haben das Problem auch' Von dieser Seite her beleuchtet, .und der überseeische Fronteinsatz der " amerikanischen Soldaten unter 19 Jahren' läßt erkennen, daß auch in den Vereinigten Staaten die Bäume nicht in den Himmel wachsen, daß vielmehr das Problem des Truppennachschubs kritisch zu werden beginnt, nachdem die Hortungsmaßnahmen an dem ständig verstärkten Widerstand der deut
schen Truppen im Westen sich aufgesplittert haben.
Wir machen uns gewiß keine Illusionen: noch Ist das zahlenmäßige tibergewicht der Gegner im Westen auf allen Gebieten vor-: handen, und Roosevelt und Churchill werden gewiß alles tun, um dieses Übergewicht zu erhalten und gegebenenfalls noch zn steigern. Aber wenn der Feind weiterhin durch unseren Widerstand zu so unheimlichen Aderlässen wie in der letzten Zeit gebracht wird, so läßt sich absehen, wann für ihn die Grenze des Erträglichen und Möglichen gezogen wird. Unterstaatssekretär Patterson siebt jedenfalls schon schwarz, „wenn an der Heimatfront“, so sagte er, „irgendwie der Eindruck vorherrscht, daß dir Krieg, bereits gewonnen sei, so ist das völlig unbegründet, zumal die Vereinigten Staaten in Ostasien überhaupt noch nicht auf die feindliche Hauptmacht gestoßen sind.“
,Harle Kruste um Deutschland'
Von Erich Beck
Ein englischer Journalist hat kürzlich in einer Betrachtung über die Kriegslage geschrieben, es sei eine „harte Kruste“, die sich um Deutschland gelegt habe,- und es sei schwer, bitter schwer, sie zu durchbrechen. Aber wenn der Mann, der diese Erkenntnis veröffentlichte, immerhin noch die Hoffnung haben sollte, daß diese „harte Krusfe“ einmal zerschlagen werden könnte, dann irrt er sich gewaltig. Denn hier handelt es sich längst nicht mehr um das, was man in früheren Kriegen als eine mehr oder weniger breite Frontlinie kannte, sondern heute umspannt das ganze deutsche Volk von seiner Westgrenze bis zu der im Osten und vom Norden bis zum Süden ein so einhelliger und so entschlossener" Widerstandswille, daß man von einer „Kruste“ überhaupt nicht mehr sprechen kann.
Es ist sicher, daß man das in London und in Washington inzwischen auch begriffen hat. Zu eindeutig sind die Entwicklungen der letzten sechs Monate, seitdem bei Avranches der Durchbruch ein^r. amerikanischen Armee gelang, und zu klar die Schilderungen, die aus neutralen Quellen über die Stimmung im deutschen Volk auch in die Länder unserer Gegner gelangt sind. Eüi spanischer Korrespondent, der. jüngst Deutschland bereiste und insbesondere das frontnahe Rheingebiet besuchte, schilderte dieser Tage seine dort gewonnenen Eindrücke in der Madrider Zeitung „Arriba“. Es ist ein wahrer Hymnus auf den Heldenmut und auf die Opferbereitschaft ln ganz Deutschland, der da niedergeschrieben wurde und der ganz sicherlich seinen Eindruck auch jenseits des Kanals nicht ver-
Britische Kriegsschiffe schießen auf griechische Aufständische
Auch Fallschirmjäger und Panzer eingesetzt — Bevölkerung leidet größte Hungersnot
Drahtbericht unseres Vertreters
sch. Lissabon, 8. Dez. „Es ist unmöglich festzustellen, wer zur Zeit auf wen in Athen schießt“, erklärt der britische Zeitungskorrespondent John Nixon in seinem letzten Bericht. In der griechischen Hauptstadt wird weiter heftig gekämpft, und die britischen Truppen nehmen noch stärker an diesen Kämpfen'teil. Währenddessen irrten nach dem englischen Bericht verzweifelte Frauen durch die Straßen auf der Suche nach irgend etwas Eßbarem für ihre Kinder. Diese Such'e ist meist vergeblich. Alle Geschäfte sind geschlossen. Brot steht nicht zur Verfügung. Es gibt keine Transportmittel. Die »Privathaushalte verfügen auch über keinerlei Brennstoffe mehr. Gas und" Strom sind nür noch sagenhafte Erinnerungen.
Es ist ein erstütternder Anblick, wie griechische Zivilisten mit hocherhobenen Händen. — um zu -zeigen, daß sie an den Kämpfen nicht teilnehmen — von Haus zu Haus in . den von Maschinengewehren bestrichenen Straßen huschen, um sich nach dem Schick-
Tso^iungking im kritischsten Stadium
Feststellungen amerikanischer Kommentatoren
sp. Schanghai, 8. Dez. über .die Zukunft Tschungking-Chinas und über den Verlauf ®nes Krieges mit Japan gab der Korrespondent Opper folgenden bemerkenswerten Rundfunkkommentator ans Tschungking: "Oie militärische Lage in China ist heute fe itisch, kritischer als sie zu irgend einer Zeit war, seit China die Waffen gegen Japaner vor 1]/^ Jahren .ergriff, kritischer ^sar als vor drei Jahren zum Zeitpunkt japanischen Angriffes auf Pearl Harbor, feitischer als in den letzten sieben Monaten, China den größten Teil von drei wichti- Provinzen verlor. Heute kommt eine Jie rte Provinz hinzu.' •
°ie Strategie der Chinesen , und Ameri- fener auf diesem Kriegsschauplatz hat sich 'nuner darauf gestützt, daß Kunming als Ausgangspunkt der Versorgung für die Undoffensive der Chinesen verwendet Jurde. Wenn Kunming verloren geht, dann “deutet das, daß zwei Jahre der Arbeit und “ er Ausrüstung im Werte von Millionen Ooliar und tausende von Menschenleben er- gobnisios geopfert wurden, um den großen Luftstützpunkt Kunming aufzubauen und Indien über die Ledo- und Birma- “feuße vorzudringen. Ich kann erklären, daß ® e Beobachter in Tschungking das Gefühl
“®ai, die Lage sei außerordentlich gefähr
lich für die alliierten Pläne. Tschungking ist besorgt wegen der Bedrohung durch die Japaner. - Man ist der Ansicht, daß China heute drei Jahre nach Peayl Harbor in der kritischsten Lage ist, die es je erlebt hat und der Krieg auf diesem Kriegsschauplatz für uns entschieden nicht günstig verläuft.“ Auch der USA-Kommentator Brown machte im Rundfunk von San Franzisko bemerkenswert pessimistische Äußerungen über die Kriegslage in Ostasien. Er sagte: „In China machen die Japaner die besten Fortschritte seit vielen Jahren. Sie haben jetzt eine durchgehende Landverbindung von Mandschukuo bis Singapur (Schonan). General Wedemeyer in Tschungking erklärt, daß die Lage für die Alliierten weiter ungünstig ist. Weder die USA noch Großbritannien sind in der Lage, die Chinesen miff Kriegsmaterial zu beliefern. Die gegenwärtigen Lieferungen an Tschungking-China reichen nicht aus, um me dortigen Armeen schlagkräftig zu machen. Es ist Tatsache, daß wir auf den .Nachschubstraßen nicht so viel Kriegsmaterial befördern können, um die Cainesen in die Macht zu verwan- wandeln, die wir brauchen. In Birma ist noch immer kein großer Feldzug gegonnen
keine Anstalten dazu.“
sal ihnen nahestehender Menschen zu erkundigen. Trotzdem sind innerhalb der letzten 48 Stunderi nach einem englischen Bericht 30 völlig harmlose Passanten niedergeschossen worden. Die Zahl der Menschen, die während der letzten Kampftage ' in ihren Wohnungen verhungerten, gibt der britische Bericht nicht an. Besonders herzzerreißend ist der Anblick herumirrender Kinder, die ihre Eltern verloren haben und nicht mehr ein noch aus wissen.
Die Berichte aus. dem Hauptquartier des britischen Oberkommandierenden General Scobie erklären, daß anch gestern Flugzeuge, Artillerie und Panzerwagen gegen die griechischen Bolschewistenverbände eingesetzt wurden. Die britischen Truppen machten rund 450 Gefangene. Es besteht nach diesen Berichten aber keinerlei Hoffnung auf eine Niederwerfung der sogenannten Aufständischen. Teile von ihnen beschossen einige Stadtviertel von Athen mit Mörsern. Besonders kritisch ist die Lage rings um den Hafen Piräus. Da die britische Flottenstation in Griechenland annahm, daß ein Angriff der griechischen Kommunistenverbande auf den Häfen unmittelbar bevorstehe, wurden Zerstörer und Kanonenboote eingesetzt, die die Stellungen der Aufständischen beschossen. Alle wichtigen Punkte des Piräus sind durch britische Marineinfanterie besetzt. Gleichzeitig wird bekannt, daß General Scobie in verstärktem Maße britische Fallschirmjäger zum Einsatz gebracht hat, die im Kampf mit den -bolschewistischen Scharfschützen auf dem Parthenon stehen. Die Stärke der bewaffneten bolschewistischen Verbände wird allein in Athen auf annähernd 10 000 Mann geschätzt.
Der Zentralausschuß der Aufstandsbewe 1 - gung hat an General Scobie die Aufforderung gerichtet, die britischen Truppen sofort zurückzuziehen und sich in Zukunft neutral zu verhalten. Die griechischen Konflikte gingen das britische Oberkommando gar nichts an, sondern seien allein eine griechische Angelegenheit. Das Eingreifen der Briten sei eine Verletzung der Atlantik- Erklärung wie auch des Abkommens von Teheran. Die Engländer werden also sehr energisch daran erinnert, was Churchill und Roosevelt den Sowjets in Teheran • zugesagt haben.
Die USA kündigten gestern durch Staatssekretär Stettinius noch einmal an, daß sie das britische Eingreifen ih Athen nicht billigen. Sie stehen auf dem Standpunkt „Hände weg von Griechenland“. Eine , solche Politik
worde" Lord Mountbatten m^auchj sbielt selbstverständlidi Griechenland den worden, uno r“ Sowjets ln die Hände. Aber (Bes entspribht
ja den Abmachungen zwischen Roosevelt und Stalin. Die Roosevelt nahestehende „New York Sun“ gibt in ihrem Leitartikel zu, daß der sowjetische Einfluß, wie die Ereignisse in Griechenland zeigten, auf dem europäischen Kontinent im wachsen sei. In diesem Zusammenhang wird von verschiedenen englischen Stellen wiederum der Ruf nach einer Dreierkonferenz erhoben, die bisher infolge der ablehnenden Haltung Stalins nicht Stattfiriden konnte.
Der griechische Ministerpräsident Pa- pandreu gab vor der Presse eine Erklärung über die Entwicklung in Griechenland ab, -In der ei* Beweise ankündigte, daß es sich däbei um einen beabsichtigten bolschewistischen Staatsstreich handelte. Die Bolschewisten hätten ein unabhängiges Heer im Staate gebildet und den Umsturz seit langem vorbereitet. Der Rücktritt der bolschewistischen Minister sei das Signal gewesen.
„Tragödie der Irrungen"
Drahtbericht unseres Vertreters
ost. Stockholm, 8. Dez. Über den blutigen Bürgerkrieg in der griechischen Hauptstadt werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die St^äßenkämpfe in Athen wurden auch gestern fortgesetzt und bekamen neue Nahrung durch 7000 Mitglieder der bolschewistischen Banden, die in der Nacht am Stadtrand von Athen anlangten und sofort in die Kämpfe etogriffen. Sie wurden von britischen Flugzeugen entdeckt, die sofort Magnesiumfackeln äbwarfen, um den britischen Truppen den Angriff zu erleichtern.
Die sieben, bolschewistischen Minister, die aus dem Papandreu-Regime ausgeschieden sind und dadurch das Signal zu den gegenwärtigen Unruhen gegeben haben, sollen einen Vertreter zu Papandreu geschickt haben, um mit ihm über eine Beilegung des Konfliktes zu verhandeln. Wie es heißt, soll Papandreu es aber im Vertrauen auf die britische Unterstützung abgelehnt haben, sich mit den aufständischen Bolschewisten in Verhandlungen einzulassen, bevor diese die Waffen niedergelegt hätten.
Die britische Einmischungspolitik hat also, falls dieser ■ Bericht, zutrifft, zum zweiten Male eine Lösung der Krise verhindert. Diese unglücklichen Ergebnisse der britischen Einmischungspolitik werden von den Londoner „Times“ in einem Leitartikel, als eine „Tragödie .der Irrungen“ bezeichnet. Das Blatt wendet Sich gegen den Einsatz der britischen Truppen und fragt, warum jeder Versuch einer Neubildung der Regierung Verhindert werde und warum keine anderen Großmächte befragt worden seien. N3#l
fehlt haben wird. „Wenn die Anglo-Amerikaner glaubten,“ so heißt es da, „unter der deutschen Bevölkerung durch die Bombardierung von strategisch uninteressanten Wohngebieten einen Nervenzusammenbruch oder eine Panikstimmung herbeizuführen, dann haben sie sich verkalkuliert. Der .totale Luftkrieg" der Alliierten hat unter' der deutschen Bevölkerung eine „Supermoral“ geschaffen, d. h. gerade das Gegenteilt von dem, was man mit dem Luftterror bezwecken wollte“. Der spanische Korrespondent schreibt- dann noch von einem „Phänomen der deutschen Moral“, das den Ereignissen der nächsten Monate den Stempel aufdrücken werde.
Hier haben wir das sachliche und nüchterne Urteil eines Mannes, der ohne Vorein- , genoinmenheit durch die Lande fuhr und der mehr als irgendein anderer berechtigt, war, sich eine Meinung zu bilden und sie auch zu veröffentlichen. Sie aber beweist, daß das schwere Erleben dieser letzten Jahre für das deutsche Volk mehr geworden ist als nur das flüchtige Aufflackern eines verzweifelten Stemmens gegen ein unabänderlich erscheinendes Schicksal, sondern daß nun wirklich das Volk in seiner Gesamtheit zu einer Nation zusammengeschweißt worden ist, die im Glauben an ihre Zukunft und aus dem Willen zur Selbstbehauptung das höchste zu - leisten vermag. Reichsminister Dr. Goebbels hat in der großen Rede, die er in unseren^ Gau vor kurzem gehalten hat, u. a. an das Beispiel Roms nach der Schlacht von Cannae erinnert. Es ist nur eines von vielen aus de» Geschichte, die alle, beweisen, wie sich Völ* ker zum Siege durchrangen, weil sie unverbrüchlich an ihre Zukunft glaubten. Cannae ist den meisten von uns von der Schule he» in der Erinnerung als eine Schlacht, in der eine an sich seefahrende Nation durch die Anwendung neuer militärischer Taktiken einen Uberraschungssieg zu Lande erfocht, der den Gegner auf die Knie zu zwingen schien. Von der höheren geschichtlichen Warte aus gesehen ist aber Cannae nicht so bedeutend als kriegerischer Vorgang an sich, sondern vielmehr als Ausgangspunkt einer politischen und als Folge auch militärischen Wiedergeburt Roms. Rom hat damals mitnichten ein Friedensangebot des Karthagers Hannibai, des Siegers von Cannae, angenommen, sondern abgelehnt und stattdessen nun begonnen, einen Kampf fortzuführen, der zunächst ^hoffnungslos erschien, der zuletzt aber doch mit dem Sieg gekrönt wurde.
Achtzehn Jahre lang hat dieses Rom damals Opfer auf sich genommen, die schier unerträglich waren. Alle Männer, so weit sie irgendwie noch zum Wehrdienst tauglich waren, vom Jüngling l?is zum Greis, trugen die Waffen,, das Volk nahm jede, auch die schwerste Last an Gut und Blut auf sich; kein Blutopfer war zu groß, um nicht doch ertragen zu werden. Ein Viertel des Volkes gab in dieser Zeit sein Leben für das Land, aber ein kluger und weiser Senat schuf da- ' durch die Voraussetzungen für den Sieg, der am Abschluß dieser schwersten Periode Roms stand. Das seefahrende Händlervolk der phö- nizischen Karthager zerbrach. JSs siegten die Männer mit den stärkeren Nerven, mit der größeren Entschlossenheit und mit der leidenschaftlichen Hingabe an ihr Vaterland.
Es liegt uns heute fern, geschichtliche Beispiele anzuführen, um uns Trost zuzusprechen, aber eines gilt auch für unsere Zeit: ein Wort, das eimpal Cicero von der Größe Roms sprach: „Wir haben, weder durch überlegene Zahl die Spanier, noch durch Stärke die Gallier, noch durch Schlauheit die Punier, noch durch Technik die Griechen, sondern alle Stämme und Völker überwunden durch Glauben“. Das ist es! Das ist das Geheimnis auch unserer Widerstandskraft von heute. Das ist das „Phänoinen“, von dem die anderen sprechen und das sie nicht zu enträtseln vermögen. Die USA-Zeitschrift „Time“ sagte kürzlich in einer ihrer Betrachtungen über die Kämpfe an der Westfront, daß der Erfolg Eisenhowers nicht so eindrucksvoll gewesen sei wie die „explosive Menge menschsliehen und materiellen Druckes, die Eise»- hower aufgebaut hatte“ und fügt dann nach einer Beschreibung der gewaltigen Feuerschläge der anglo-amerikanischen Offensive klagend hinzu: „Wie konnte überhaupt ein Deutscher nach diesem Eröffnungsfeuer noch kämpfen und aufstehen! Das übersteigt das Fassungsvermögen der Zu-' schauer“. Es mußte ihr Fassungvermögen ttb ersteigen, den slft wußten nichts von dem,