Ausgabe 
(8.12.1944) 324
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Parteiamtliche

der Nationalsozialisten Bremens

Da* Amtsblatt des Regierenden BRxgennei^eie der Fielen Hnnsseirutt Bremen

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthalters in Oldenburg Und Bremen

Nummer 324

14. Jahrgang

Freitag. 8. Dezember 1944

Einzelpreis 15 Rpf.

Drei Jahre Krieg im Pazifik

lapans erfolgreicher Kampf um Ostasiens Freiheit ** Sicherung aller Hauptpositionen

Dtabtbericht unserer Berliner Schriftleitung . Berlin, 7. Dez. „Remember of Pearl Har­ber! Denkt an Pearl Harbor!“ ist noch heute der Kriegsruf der USA-Agitation, "wenn es rieb darum handelt, die amerikanische Be­völkerung für Opfer und Anstrengungen wil- ju machen. Und Japan gilt trotz der K ® M le der Amerikaner auf europäischem Boden in USA als der Erzfeind, Nr. 1. Die Wänner. die damals, am 8. Dezember vor drei 'ähren, im Scheinwerferlicht der amerikani­schen Öffentlichkeit standen, die Männer, , (ren völliges militärisches Versagen im dienst der USA-Marine oder USA-Luftwaffe den Auftakt des Krieges im Pazifik bildeten, sind freilich fast in Vergessenheit geraten. Amerikas damaliger Chef der Pazifikflotte, Idmiral Kimme!, wohnt in einer Vorstadt nn New York und hat sich in einen Rosten ier Direktion einer Schiffswerft gerettet. Der fommandeur der USA-Truppen auf Hawai, ieneralleutnant Short, ist Transportchef ei Ford. Ein dritter lebt zurückgezogen auf .inen Besitzungen, ein anderer ist bei den ignaltruppen in Louisiana. Von den großen kandalprozessen, die man gegen diese Schuldigen“ anstrengen wollte, ist nicht lehr die Rede, wohl weil die leitenden Män- er in Washington erkannt haben, daß diese erantwortlichen manches enthüllen könnten, as die Größe der japanischen Siege am An- ing des Krieges nur bestätigen, aber die ihrenden politischen Köpfe der USA-Poli- k nicht entlasten würde.

Die Welt des pazifischen und ostasiatischen laumes hat sich mehrmals gewandelt im auf dieser drei Jahre. Der japanische Sie- sslauf über den Pazifik nach Süden und festen war der Auftakt, der alle Macht- »sifcionen der japanischen Gegner zerstörte. 3ann kam das amerikanische zähe Ringen im Ausgangspositionen für eine Gegenoffen­sive gegen J&pan. Es kam der amerikanische .Aratom auf den dritten, den äußeren Ver- tefeungsring der neugewonnenen japani­schen Besitzungen, upd es kam das :> ameri­kanische Eindringen in den mittleren Vertei- ligungsring und schließlich der amerikani­sche Vorstoß gegen die Philippinen mit dem Versuch, Japan von seinen neugewonnenen Rohstoffquellen in der malayischen Welt zu [rennen. Und nun hat wiederum ein neues Stadium begonnen, Japans Kampf in diesem inneren Verteidigungsring. Wie die einzelnen Stadien der Kämpfe haben die Methoden der Kampfe gewechselt. Luft- und Seeoffensiven rnrden ergänzt durch Landoperationen, denn immer gehörte zu den japanischen Kriegs­jasen ja auch das große Vorfeld, das Japan sich auf dem chinesischen Festland geschaf­fen hat. In diesem jüngsten gegenwärtigen Stadium des dreijährigen Krieges in. Ostasien spielt der Landkrieg wieder die maß- rebende Rolle, und was Sich zur See abspielt, ■ritt dagegen an Bedeutung zurück, auch so­weit nicht nur die militärischen Ereignisse, sondern die wirtschaftlichen Versorgungs- ?n in Betracht kommen, ei den für europäische Verhältnisse un- stellbar weiten Entfernungen und bei der beiden kämpfenden Ländern eigentum- en Struktur war das Problem der Stütz­te und das Problem der Versorgung das ntliche tiefere strategische Arbeitsgebiet, l die militärischen Ereignisse selbst waren dann wichtig, wenn sie Wirkungen auf ien Hauptgebieten auslösen konnten. Um 1 Gegner Stützpunkte zu entziehen und

i selbst Versorgungsgrundlagen zu

affen, führte Japan seinen Sturm über pazifische Inselwelt und nach Malayen ch. Um Stützpunkte zurückzugewinnen, arten die Amerikaner die Bestände ihrer egsmarine in erbitterten, überaus verhie­ben Seeschlachten auf. Im Rücken diese izen Geschehens aber lag der Chine­se he Krieg zwischen Japan und hungking, und auch in ihm war wieder ; Versorgungsproblem vorherrschend, wei bungking ohne die Lieferungen der «rikaner nicht Krieg führen konnte una i Kampf sich also um Straßen drehte.

!s gab Phasen dieses Krieges, in denen die ■erikaner triumphierten, weil sie im aiiße- i. im mittleren Verteidigungsring oder gar ' den Philippinen irgendeine Position er- igen hatten oder weil die Einrichtung er neuen Lieferungs-Luftlinie nach

Aungking, der Bau einer Straße dorthin fortgeschritten war. Aber je mehr sic diesen für die Amerikaner sehr verlust- chen Kämpfen der Krieg in Richtung Ja- h zusammenzog, um so mehr erkannte die >&nische Führung die Notwendigkeit der °nzentration und der entschlossenen teung der Hauptposition, die wichtiger 1 als das Halten von Außenstationen.

>n diesem jetzigen Stadium hat deshalb ätzlieh der Krieg In China eine Belebung ^hren. Denn ohne FJugbasen in China, so ®en die Amerikaner immer wieder fes , man einen erfolgreichen Krieg gegen We nicht führen und ohne Zerschneidung 1 Japanischen Versorgungswege kann man ‘Mn nicht besiegen. Japans Offensive in fdsa gegen Ende des dritten Kriegsjahres °stasien zielte deshalb dahin, die amen- »ischen Flugplätze in Südchina, die Aus- ‘Mspnnkt für Bombenabwürfe auf Japan, Wihrlich zu machen. Die mit unendlichen ***» und unendlicher Arbeit In Bau be­stehe neue Landverbindung zwischen In­

dien und Tsehungking-China sowie die USA- Luftverbindung über Kunming zu stören und schließlich eine Landverbindung zu dem ja­panischen Gummi-, öl- und Zink-Versor­gungsgebiet in Malaya und Niederländisch­ostindien quer durch China über 'Franzö- sisch-Indochina und- Thailand zu schaffen, das sind Ziele, denen die Japaner sich nach englischen Eingeständnissen weitgehend genähert haben. Angstrufe um das Schicksal Tschungking- Chinas beherrschen deshalb die amerikanische Presse am Ende des dritten Kriegsjahres. Sie sind die Überleitung in das vierte Kriegsjahr und sie sind die Zeichen dafür, wie ernst und wie entscheidend das nächste Stadium der Kriegsentwieklung werden kann.

Auf USA-Flugplätzen gelandet

ep. T o k i o, 7. Dez. In der Nacht zum 6. Dezember landeten japanische Failschirm- truppen auf den feindlichen Flugplätzen von Leyte, wie das Kaiserliche ' Hauptquartier soeben bekanntgab. Sie befinden sich augen­blicklich in heftigen Kämpfen mit den dor­tigen feindlichen Truppen.

Japanische Lufteinheiten versenkten am 5. Dezember südöstlich der L , insei Leyte einen feindlichen Zerstörer, fünf Trans­porter und ein Kriegsschiff - unbekannter Bauart. Ein Hakko- und drei Tshii-Sonder- verbände griffen in der Bucht,, von Leyte feindliche Kriegsschiffe an. Die dabei, er­zielten Erfolge werden noch geprüft. In Er­gänzung dieses amtlichen japanischen Be­

richts wifd gemeldet, daß Einheiten der japanischen Luftwaffe am 6. Dezember in den Gewässern von Mindanao zwei feind­liche Transporter versenkten.

London und Washington beunruhigt

ep. Lissabon, 7. Dez. Die Japaner haben ihre Ziele, die sie sich seit dem letzten Sommer gesteckt haben, erreicht, stellt der New Yorker Sender zu den Erfolgen der japanischen Offensive in China fest. Sie werden bald im Besitz des ganzen Gebietes zwischen Rußland und Singapur sein, wo­durch unsere Angriffe gegen ihre Seeverbin­dungen ihre Bedeutung verlieren. Auch in London sieht man den Tag kommen, an dem China erledigt sein wird. Wenn China unterliegt, dann werden die Japaner, so be­tont der britische Rundfunkkommentator Patrick Lacey, in kürze eine geschlossene Landverbindung zwischen den Japan be­nachbarten chinesischen Häfen und ihren Besatzungen in Birma und der malaiischen Halbinsel verfügen.

Französisch-indochinesische Grenze erreicht

Tokio, 7. Dez. Domei meldet: Im Zusam­menwirken mit Einheiten, die südlich von Nanning operieren, haben die japanischen Truppen die Grenze zwischen Französisch­indochina und Kwangsi in der Nähe von Langson überschritten. Sie setzen ihren Vor­

marsch in die Provinz Kwangsi weiter fort und fügen dem Feinde große Verluste zu. Bei ihrem Vorstoß von Tschennangwan zur französich-indochinesischen Grenze haben die japanischen Truppen am 3. Dez. die Stadt Lungtschau im Südwesten der Provinz Kwangsi dicht vor der Grenze nach Franzö- oisch-Indochina eingenommen. Der Vor­marsch wird fortgesetzt.

Tuschun von den Japanern besetzt

Schanghai, 7. Dez. Der Verlust von Tu- schan wird in der Nacht zum Donnerstag vom Oberkommando in Tschungking zuge­geben. Die Stadt Tuschan, die etwa 110 km südwestlich von Kweiyang an der Haupt­straße Burma—Tschungking liegt, bildet einen wichtigen Stützpunkt für die tschung- king-chinesisehen Truppen.

„Lage Tschungkings ernst"

Stockholm, 7. -Dez. Wie Reuter aus Tschungking meldet, gab der Oberkomman­dierende der USA-Streitkräfte in Tschung- king-China, General Wedemeyer, eine Erklärung ab, in der er u. a. ausführte: „Wir '•‘“'ien vor einer ernsten militärischen Lage. In den letzten Tagen ist es dem Feinde gelungen, beträchtliche Fortschritte zu machen. Wir müssen alle unsere An­strengungen vereinigen, um den feindlichen Vormarsch zum Stehen zu bringen.“

Schwergewicht der Wesioffensive an der Saarfroni

der Bewährungsprobe —■ Durchbruch überall vereitelt

Saarverteidigung in

Von unserem militärischen v. W -Mitarbeiter | ' Am bisherigen Schwerpunkt'der Schlacht j im Aachener Kampfraum hat . die ajnerika- ! nische Angriffstätigkeit nachgelassen; doch; gilt das nicht für den Siidabschnitt dieses Schlachtfeldes, für den Raum Huertgen— Vossennack, wo heftige Waldkämpfe dem Kampf ihr Gepräge geben. Der Wald von Huertgen war einmal das Paradies des Wil­des. Darum waren seine Dickungen nicht ge­säubert, dichtes Unterholz verhinderte die .Übersicht. In solcher Umgebung geht nun der Kampf seit langen Wochen. Das Schuß­feld reicht selten weiter als 30 Meter. Der Hochwald jedoch , ist zusammengebrochen unter dem ständigen- Trommelfeuer. Er bil­det mit dem dichten Unterholz eine fast un­überwindliche Baumsperre. Wie Waldläufer müssen sich die Grenadiere bewegen, wenn sie vom Gegner nicht gehört werden wollen. Maschinenpistolen und Handgranaten sind die Kampfmittel. Im Unterholz und im stei­nigen Untergrund stecken tückische .Minen, die von beiden Seiten in großen Mengen versteckt und vergraben werden. Das Ge­lände ist nicht trocken, das Wasser hat die Erde in tiefen Schlamm verwandelt, und die wenigen Waldwege, die einmal existierten, sind zu schmierigen Lehmbächen geworden. Endloser Regen schüttet vom Himmel herun­ter. Starker Nebel nimmt die letzte Sicht. Die Üniformen werden nicht mehr trocken, das Essen kommt nur noch kalt in die vor­dersten Stellungen und Schützenlöcher. Sind die Kämpfe unter solchen Bedingungen für die erfahrenen deutschen Grenadiere schön, sehr schwer, so leiden die amerikanischen Soldaten, die sich den Krieg anders vorge­stellt hatten, noch viel mehr. Trotzdem wer­den sie immer wieder im Walddickicht zum Angriff bereitgestellt. Obwohl die Schlacht im Nord- und Mittelabschnitt östlich Aachen zeitweise unterbrochen werden mußte, weil die feindlichen Divisionen Auffrischung und Umgruppierung dringend nötig haben, geht am Südflügel der Wahlkampf weiter. Er lei­tet über zum Wiederaufflammen der Schlacht, das morgen oder übermorgen schon eintreten kann, denn der Feind hat seine Angriffe in den Hauptabschnitten nicht ein­gestellt, um auf die Fortführung seiner An­griffe zu verzichten. Er gliedert um, er teilt neu ein, er zieht Nachschub nach vom und frische Kräfte, operative Panzerverbände : er trifft also alle Maßnahmen, um mit fri­scher Wucht den Durchbruch in die Kölner Ebene zum vierten Male zu beginnen.

Inzwischen hat die Schlacht an' der Saar­front schwerpunktartige Formen' angenom­men, und zwar , gilt das für den' gesamten Saarabschnitt nicht nur soweit er von dem Saarfluß bestimmt wird, sondern auch in jenem Südstück, das etwä bei Säärgemünd beginnt und sich über das Üntärelsaß bis zum Rheine östlich Hagenau hinzieht. Es sind die 3. und 7. amerikanische Armee, die zum Angriff gegen die Saarverteidimmg an­getreten sind. Am gesamten 'Westabschnitt haben sich die feindlichen Divisionen soweit an die Saar herangearbeitet, daß 'sie in un­mittelbarer Gefechtsberührung mit unseren Westbefestigungen stehen. An zwei Stellen war der Feind auch bereits über die Saar gegangen. Die bei Merzig übergesetzten ame­rikanischen Stoßtrupp« wurden vernichtet. Doch hat sich der Gegner ln den Besitz von i Saarlautem gesetzt, ist auch hier über die rSaar nach Osten gestoßen. Aus diesen Stel- Bimgen ward* ckr Westangriff 'dar S. USA.-

Armee gegen unsere Bunkeriinien begonnen, östlich und südlich Saarlautern, im Warndt- ! abschnitt und nordwestlich Forbach liegen die Brennpunkte, dieses. Angriffes, der Sjjch! an manchen Stellen zü heftigen Kämpfen' gegen unsere Bunker und ihre Besatzungen entwickelt hat. Der Feind greift mit starken Kräften an. Wo er bisher noch keine unmit­telbare Berührung mit der Bunkerlinie hatte, hat er diese äu/genommen. Allerdings büßte er schon im Kampf mit unseren die Bewe­gung in die Westbefestigungen sichernden Nachhuten im Raume der Saar nicht weni­ger als 18 Panzer ein.

Damit ist an einem entscheidenden Ab­schnitt des Westwalles der Augenblick ge­kommen, wo sich diese Anlagen und ihre Besatzungen zu bewähren haben. Gewiß er­hielten die Befestigungen im Herbst 1939 ihre erste Feuertaufe. Doch handelte es sich da­mals nicht um Großangriffe, die die Fran­zosen zu vermeiden suchten. Die Armee Pat- ton ist nicht so zaghaft. Sie besitzt auch die Mittel, um Angriffe gegen Bunkerstellungen zu führen. Ihr sind erhebliche Artillerie­kräfte zugewiesen, die im Kampf mit Bun­kern die Hauptrolle spielen. Der Westwall- abschnitt Saarlautern—Saarbrücken—Saar­gemünd steht zur Zeit im Mittelpunkt der Schlacht um das Saarbeeken, die der Feind schon im Auge hatte, als er den Stoß gegen und über die Mosel begann. Er findet jetzt Gefechtsbedingungen vor, die für ihn nn günstiger sind als für die yerteidignng, doch genügt das nicht, um der Angriffsphase, die nunmehr begonnen hat, geringeres Interesse zuzuwenden. Gerade der Westwall vor dem Saargebiet schützt einen der wichtigsten deutschen Räume. Die Divisionen, die in ihren Bunkern oder als bewegliche Reserven der Führung an dieser Schlacht um die Saar teilnehmen, wissen, was von ihren Kämpfen abhängt. Sie kennen die Materialwucht, die der Feind auf die Bunkersysteme werfen wird. Sie kennen aber auch die Grenzen, die der feindlichen Führung und ihren Soldaten gesteckt sind.

Die natürliche Ergänzung des Angriffs der 3. VSA-Armee von Westen her ist im* Süden erst möglich, wenn die 7. amerikanisch* Ar­mee den unterelsässischen Raum hinter sich gebracht hat. Sie ist jedoch zwischen den Anlagen der Maginotlinie und südlich von Ihr zunächst liegengeblieben, nachdem ihre Durchbruchsversuche auf der Linie Saar- union—Hagenau nicht über den Moderab- sehnitt hinausgekommen waren.

Übermenschliche Anstrengungen

ep. Lissabon, 7. Dez. „Die Schlacht um Deutschland erfordert übermenschliche An­strengungen und übermenschliche Kräfte,“ heißt es in einem Bericht des USA-Kriegs- korrespondenten Nat Cholmer. „Eine der schwersten Schlachten, die die Amerikaner jemals ausgefochten haben, entwickelt sich an der Saar. Sie wird die härteste , Ent schlossenheit erfordern. Die Deutschen haben starke Artilleriekräfte konzentriert und machen guten Gebrauch davon."

Auch Patterson warnt

ep. Lissabon, 7. De*. „Wenn an der Hei matfront irgendwie der Eindruck vor­herrscht, daß der Krieg bereits gewonnen sei, so ist das völlig unbegründet“, erklärte der Üntezstaatssekretär tm Washingtoner

Kriegsministerium, Robert Patterson, in einer Zuschrift an das „Army and Navy Journal“. Was die Lage in Ostasien anbe­lange, so seien die., USA- überhaupt -noch nicht auf die Hauptmacht der Japaner ge­stoßen.

England, größter Schuldner der Welt

ep. Stockholm, 7. Dez. Der britische Pro duktionsminister Oliver Lyttelton machte- am Mittwoch iit der Unterhaus- aussprache darauf aufmerksam, daß, Eng­land jetzt der größte Schuldner der Welt sei. Die Engländer könnten es sich' nicht mehr leisten, irgend etwas im Ausland zu kaufen, das man auch zu Hause hersteilen könne. Im übrigen erklärte er: „Unsere Ge­danken über den Nachkriegshandel können nicht formuliert und noch viel weniger aus­gedrückt werden, wenn nicht auf dem Hin­tergrund der bitteren ud düsteren Wirklich­keiten, denen wir noch gegenüberstehen“.

Pearl Harbor

Funkbericht

unseres Tokioter Gi.-Vertreters

Am 26. Nov. 1941 wurden den japanischen Unterhändlern Kurusu und Nomura in Washington Forderungen überreicht, von denen Roosevelt- wissen mußte, daß sie un­annehmbar waren, weil sie nicht akzeptiert werden konnten. Darum wurden sie über­reicht. Nicht erst heute ist es sonnenklar, daß Roosevelt es auf Krieg im Pazifik ab­gesehen hatte, auf einen Krieg, auf den sich die Politik des Weißen Hauses un­zweideutig seit mindestens zwei Jahren kon­zentrierte. Die Schuld am Kriegsausbruch ist inzwischen von autorativster Seite des Gegners unumwunden zugegeben Worden. Schon im Dezember 1941 machte Roosevelt die Bemerkung: „Nun haben wir Japan da­hip gebracht, wohin wir es haben wollten“. Und in einer seiner letzten Wahlreden im Oktober dieses Jahres betonte er, daß ein Ausgleich mit Japan wie mit Deutschland wohl möglich gewesen sei, daß er aber dar­auf verzichtet habe, um größere Absichten zu verwirklichen. Die Absichten, von denen hier die Rede war, schließen nicht mehr und nicht weniger ein als die amerikanische Herrschaft über alle jene Teile der Welt über die die sogenannte Segnung des ameri­kanischen, Jahrhunderts verhängt werden soll. Roosevelts Politik wurde durchgeführt ohne eine Spur von Verantwortung für alle Katastrophen, die sich aus ihr für die Län­der und Kontinente ergeben mußten. Für Roosevelts Absichten sterben heute Hundert­tausende von amerikanischen und andern Soldaten und ist namenloses Elend über die Welt gekommen.

Japan, das ergibt sich klar aus den ameri­kanischen Forderungen vom 26. Nov. 1941, war in' dem rooseveltschen Konzept eine Stellung zugedacht, die dieses Land jeder nationalen Würde und jeder politischen und wirtschaftlichen Selbständigkeit entkleidet hätte. Die aktive Phase der amerikanischen Vorbereitungen zum Kriege begann im Früh­jahr 1939, als von mehreren amerikanischen Abgeordneten plötzlich Vorlagen für ein Ver­bot der Ausfuhr von kriegswichtigem Ma­terial nach Japan eingebracht wurden. Im Juli 1939 wurde dann der japanisch-ameri­kanische Handelsvertrag durch eine Er­klärung des USA-Außenministers Huli als beendigt erklärt. Er stand dem sofort fol­genden Embargo aller Ausfuhr nach Japan hindernd im Wege. Am 1. September 1939, zwei Tage bevor England sich als im Kriege mit Deutschland befindlich erklärte, beor­derte das USA-Marineministerium den größ­ten Teil seiner Flotte demonstrativ in den Pazifik. Vier Monate später verhängte Roose­velt, der größte Pharisäer aller Zeiten, nach einer auf die Tränendrüsen berechneten Rede über die „armen Chinesen“ ein' soge­nanntes moralisches Embargo. Innerhalb von kurzer Zeit wurden Tschiangkaischek drei Darlehen in Höhe von insgesamt 140 Millio­nen Dollar aufgedrängt.

Im Herbst 1940 steigerten sich die ameri­kanischen Maßnahmen zu einem Höchstgrad von'feindseliger Haltung, abwohl von japani­scher Seite nichts geschehen war, was be­rechtigte Interessen der Amerikaner verletzt oder auch nur berührt hätte. Das am

Bomber gegen griechische Aufständische

Schwere Kämpfe in Athen — Ausdehnung des Generalstreiks auf Patras

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 7. Dez. „Athen ist heute ein einziges großes Schlachtfeld“, heißt es in einem Londoner Funkbericht aus der grie­chischen Hauptstadt. Die Deutschen hatten die Stadt seinerzeit, wie bekannt, geflissent­lich verschont. Sie war mit allen ihren Kunstschätzen und antiken Bauwerken un­versehrt, als die Briten im Piräus landeten. Den gemeinschaftlichen Bemühungen Eng­lands, Amerikas und der Sowjetunion ist es nunmehr gelungen, diese älteste Stadt der abendländischen Zivilisation der Zerstörung und einem unvorstellbaren Elend auszusetzen. Seit dem gestrigen Mittwoch werfen, wie aus London offen zugegeben wird, britische Flug­zeuge Bomben auf die Stellungen der bol­schewistischen Verbände, um den 'hart be­drängten regulären griechischen Truppen Luft zu schaffen. Die Kämpfe spielen sich zum Teil rings um die Akropolis und den Ju­pitertempel ab. In einem Londoner Bericht wird geschildert, wie britische Flugzeuge die“ Stellungen rings um den Jupiter im Tief­flug angriffen, während gleichzeitig britische Artillerie und britische Panzer den Tempel beschossen.

Eine neue Wendung der Dinge trat in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch ein, als britische Truppen zum erstenmal in größe­rem Umfang in die Kämpfe eingriffen. Die Engländer behaupten, eine britische Kom­panie, die reguläre griechische Truppen, die in der Akropolis eingeschlossen waren, zu entsetzen versuchte, sei überfallen worden. Aus diesem Zwischenfall sei eine Straßen­schlacht entstanden, in die immer neue bri­tische Verbände und schließlich auch Pan­zerwagen eingriffen. Diese Kämpfe dauerten in der Nacht zum Donnerstag noch an. Eine zweite Schlacht fand gleichzeitig rings um die einzelnen Ministerien im Regierungsvier­tel statt. Ein dritter Brennpunkt des Kampfes liegt im Südosten in der Nähe des neuen Stadions, wo sich ein Hauptstützpunkt der Aufständischenverbände befindet. In den Stadtvierteln des Südens, die zum Haf'h des Piräus führen, fanden ebenfalls schwerste Straßenkämpfe statt, bei denen die briti­

schen Truppen, wie im, Hauptquartier des britischen Oberbefehlshabers, General S c o - b i e, zugegeben wird, starke Verluste hatten.

Der Generalstreik dauert an und dehnt sich allmählich auch auf das übrige Griechen­land' aus, so z. B. auf die wichtige Hafen­stadt Patras und auf das noch wichtigere Saloniki. Wovon die Bevölkerung Athens eigentlich lebt, ist unerfindlich, da seit ver­gangenen Sonntag kein Brbt mehr gebacken wird. Die Bevölkerung verbirgt sich in den Kellern der Häuser und läßt den Terror der einzelnen Verbände, so gut es eben geht, über sich hinwegbrausen.

Der britische Oberbefehlshaber Scobie hat keine beneidenswerte Aufgabe. Seine- erste Maßnahme zur Aufrechterhaltung des Re­gimes Papandreu erfolgten unzweifelhaft auf Veranlassung der britischen Regierung. Unterdessen hatte man in London kalte Füße bekommen. Diese Füße sind im Laufe der letzten 24 Stunden noch kälter gewor­den. Moskau schweigt nach wie Vor, und die britische Presse empfindet dieses Schwei­gen als außerordentlich unheildrohend. Man ist in London ebensowenig gewillt, sich' wegen Griechenlands mit Moskau zu ver­feinden wie wegen Polens, obwohl in Athen, militä’-'—h und politisch gesehen, für Groß­britannien viel mehr auf dem Spiel steht. Typisch für die Haltung maßgebender Kreise ist der Donnerstag-Leitartikel der „Times“. Sie sprechen sich außerordentlich unzufrieden mit' der Art und Weise aus, in der sich die Lage in Griechenland ent­wickele hat. Das Blatte fragt ganz im Sinne der Auffassung des Kreml, wieso General Scobie dazu gekommen sei, sich schützend vor die „volksfremde" Regierung Papandreu zu stellen.

Papandreu hat sich auf Grund eines briti­schen Schrittes bereitgefunden, sein Ab­schiedsgesuch wieder zurückzunehmen. Nach den letzten Meldungen sollen sämt­liche Parteien, die bisher in seiner Re­gierung vertreten waren, sich bereiterklärt haben, erneut an einer von ihm geführten Rcg.'-rung teilr/— ' m:n mit Ausnahme der ausgeschiedenen sieben Minister kommu­nistischer Richtung.