Ausgabe 
(6.12.1944) 322
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Parteiamtliche Tageszeiiuncj

P® Amtsblatt des Basierenden Bürgermeister. <5 Freien Honaestadf Bre *

der Nationalsozialisten Bremens

Amtilchee Verkündungablati des Reichssfcztthalters in Oldenlwrg «wd Bremen

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Nummer 322 14. Jahrgang

Mittwoch, 6. Dezember 1944

Einzelpreis 15 Rpl.

Fiasko Englands au! dem Balkan

Griechische Flammenzeichen — Churchill gibt die Katastrophe

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Fft prahtöericht unserer Berliner Schriftleitung sch. Berlin, 5. Dez. Unter der

zu ■ Machtlos gegenüber Moskau

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ver-

, Mischen Besetzung haben in Griechenland e d u av 0 * ton unwesentlichen Einzelerscheinungen ab- 'iifflatei rtsehen- zweifellos Ruhe und Ordnung ge- zeit hi herrscht. Die Engländer sehen sich heute 1(i F «J sj a jem eindeutigen Eingeständnis gezwun- B daß eine unter dem Schutz ihrer Trup- lUnMi neu stehende Regierung den« Weg zum ™ nicht zu versperren vermag. - Der tn riiscbe Nachrichtendienst verbreitet heute 2 ™ a,l i jj e5e lapidare Meldung: „Radio Athen hat - jje Sendungen eingestellt, und die Re- P mg ist nic ht imstande, die Ordnung eitert^ Jiäerherzusteilen.“

lrifiiid, ffie aufs tiefste betroffen die englische fäntlichkeit von den Ereignissen in Grie- dsch. c>-, ^eniand ist, für die man die volle Ver- 19 Uhr, a swrtung zu tragen hat und die außer- lster( or, ai , ß symptomatisch die Situation Eng-. ' 5 '-i -ds in Europa und gegenüber den Sowjets

intan*' sweichnet, ersieht man daraus, daß l “ durch i 11 dringend die Notwendigkeit j jjfand, im Parlament zu diesen Dingen illung zu nehmen. Er konnte es nicht be- S &a titen > daß die Verantwortung innerhalb iikii« reigenen militärischen Sphäre liege, „das, ie*äi5 W in der militärischen Sphäre, über die iuns mit unserem wichtigsten Alliierten tat ‘i jnlgt haben“. Hier wollte Churchill Alte « a[jar noch einmal die Vereinbarungen ?’■! t eine englische „Reservatzone“ auf dem ' jsb unterstreichen. Aber auch er tauß schon Einschränkungen im Sinne der pl ^meinen britischen Erkenntnis machen, au ,, i man um Gottes wülen Stalin nicht ieizet,y ätrauisch machen oder gar offen en, ein i ;em dürfe. _

:h wirf i Die Tatsache Jedenfalls kann ChurchuJ jekocht' at bestreiten, daß die Dinge in Griejchen- ;altet , ki ! nd der Katastrophe zutreiben und daß iraolta Jfiamd dafür die Verantwortung zu tra-

ätzcha e tot. . ,

mit st; Stalin gegenüber schwort er jede Absicht ii, auf die innere Entwicklung in Griechen- —— ,,ä Einfluß zu nehmen, aber er will noch 1‘k™«. { toa iesthalten, daß ' die britischen Be- Jg b)S affimsstruppen die Autorität der bestehen- ahatsh jen Reglerane zu schützen hätten.

V 911ä ’ Der britische Militärbefehlshaber, General fiZ We. tot zwar die Aufständischen aufge- scherai ^erf, ein größeres Gebiet um Athen und i, Failiui , ffl p jräus zu verlassen, widrigenfalls sie auBerhil i; „Feinde“ angesehen würden, trotzdem be- -akreii i -htet Reuter über anhaltende heftige auÄ topfe in verschiedenen Bezirken Athens -skteis i sd im Piräus. Geradezu kläglich wirkt die G1431 aktion der englischen Presse auf die jüng- m ? ia Ereignisse. Man weiß, daß Churchill bei “ 4 “ inen letzten Besprechungen in Moskau mit wachen' mgeu und würgen von Stalin das Zuge- ÄfK inänis einer britischen „Reservatszone“ in «ulnd b itchenland erwirkt hat, nachdem ihm der s. : isch nach einer „Besetzung Jugoslawiens" Aftf* ^ abgeschlagen worden war, ganz abge- limiii ft. an davon, daß es ihm kaum möglich ge- . 1 1 een wäre, sich allein gegen die ausreichen­dst, i» a Stützpunkte . des deutschen Sperriegels ä dem Balkan durchzusetzen. Diese Tat- i ifinnni ^ ffi rd jetzt von der USA-Wpchenschrift im« few Republic“ offen ausgesprochen. Aber rsen,!® iti die Hoffnung, ein Balkanreservat in dechenland zu- erhalten, erweist sich schon i CI1 , Bat! nte als eine britische Illusion. „Tribüne de ,-yer & Co ssve“ erklärt onter der Überschrift ^ r ' Mechische Tragödie“, daß Moskau auf dem „dm äen Wege sei, auch auf Griechenland die ^ zu legen. Wenn auch Moskau vorüber- postaintj ad auf Griechenland als uneinge- :r„St r - 39 tränkte Einflußsphäre verzichtet habe und '■ ® 5 jl tehenland theoretisch noch unter dem r k. 2. Großbritanniens stehe, so bedeute das str, t- 5 seswegs, daß der Kreml kein Interesse an

ähJül 1(111 Lande habe. Vielmehr benutze Mos- - --—

Alle Krokodflstränen, die man in England darüber vergießt, daß das arme griechische Volk durch innere Kämpfe zerrissen -werde, sind letzten Endes in der Erkenntnis begrün­det, daß das Reservatabkommen über Grie­chenland den Weg Moskaus zur vollkomme­nen Herrschaft über den Balkan nicht ver­hindern kann. Wie der Balkan nach dem Wunsche Stalins äussehen soll, erfährt man ans einem amerikanischen Bericht aus Mos­kau, der die' Sowjetzensur passiert hat und damit authentische Bedeutung gewinnt. Es sollen danach in allen Ländern von der Ost­see bis zum Adriatischen Meer „zahlreiche radikale Veränderungen der inneren Gestal­tung“ durchgeführt werden, wobei Griechen­land von diesem System der „Neuordnung“ nicht ausgeschlossen bleiben würde. In Zu­kunft werde die Zusammenarbeit dem. „so­wjetischen Vaterland“ die allgemeine po­litische Ausrichtung dieser Länder sein. Ebenso wie in Polen solle in Rumänien und

den übrigen Balkanstaaten ein System , anf- gebaut werden, das „weitgehend den kom­munistischen Richtlinien entsprechen“ werde. Selbstverständlich sei auch, daß die Sowjets weiterhin eine Abhängigkeit von der Türkei in der Meerengenfrage nicht dulden würden.

Das restlose Fiasko der britischen Balkan­politik zeichnet sich ab und wird von den Flammenzeichen in Griechenland besonders hell überstrahlt; Daß in diesem Bereich die bolschewistischen Machtansprüche nicht ihr Ende finden und daß England nachgibt, wenn Stalin überhaupt nur die Stirn runzelt, hat die jüngste Entwicklung inBelgiendeutlich gezeigt, wo das Verhalten des britischen Be- satzungskoramandeurs Erskin und der engli­schen Presse gegenüber Pierlot eine klare Parallele zu Scobie und Papandreu darstellt. Nach einer Meldung von „Dagens Nyheter“ erklären amerikanische Beobachter, daß Griechenland zur Feuerprobe der silierten Einigkeit werden könne.

Man braucht, um das Bild zu runden, aus den heute vorliegenden Nachrichten mir noch zu verzeichnen, daß die Kommunistische Partei In Frankreich die zur Volksfrontzeit vor dem Kriege 300 000 Mitglieder zählte, jetzt auf 600 000 Mitglieder angestiegen ist und daß auch in Holland eine kommunisti­sche Oppositionsgruppe im Auftrag Moskaus in Aktion getreten ist. In Rom hat Bonomi in seinem verzweifelten Bemühen, mit den Bolschewisten in Kontakt zu kommen, der radikalen Linken zwei Sitze als Vizepräsident angeboten. Gerade auch da, wo die Anglo- Amerikaner als angebliche „Befreier“ ge­kommen sind, gibt es kein Halt mehr auf der schiefen Ebene zum bolschewistischen Chaos. Die Briten und die Amerikaner schleppen überall, wo sie hinkommen, die politisch mo­ralische Pest ein, die der „Manchester. Guar­dian“ zynisch als belgische Krankheit be­zeichnet«.

Schwerpunktverlagerung nach Ungarn

Sowjetische Offensive als Zwischenphase eines Generalangriffs — Deutsche Gegenmaßnahmen wirken sich aus

30d e!

1 äie griechische Kommunistische Partei, at int s ffit -5 e ?en den gegebenen Versprechungen ““rock ‘ton auch des Restes des Balkans zu be- Okt- >• j jj-'-'Ssn.

tr. od- 3-.j Sr Außenpolitiker der spanischen Zeitung t. A'gelangt zu der Feststellung, daß die

raß« i am

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ÄbzßS- *j5 Regierung jeglichen Gehorsam ver- s bli'a^ten. jedoch die Weisungen Moskaus

ämf'Ä Aufrührer das Mißfallen Moskaus prüfen könne. Die „Times“, der „Daily ;!f a ” h "und die „Daily Mail“ und andere js teI ch- s4V 5r ^schwören heute die Griechen, sich

vertragen, damit England der Not- " enthoben

Stehen Kommunisten zwar der griechi-

’t'-Vn 1 <! Wort befolgten; der Bürgerkrieg .in .eatto* 1 (?chen!and käme ausschließlich den So- nrnstr.'A;; *zugute, die den Plan eines sowjetischen itstraß«^fflstaatenbundes verfolgen. Das weiß «ftfe 111 natürlich auch in England genau, und m 4if il tlan sich weiterhin der vollkommenen Ab- inh. ; t jr j Wekeit der britischen Kriegführung von rAsu * aa voll bewußt ist, so werden schon in ,berg % ftowm Ausmaß Stimmen, laut, ln denen • Sorge spiegelt, daß man durch eine

■Stützung

der Regierung Papandreu

die Trunpen Scobies gegen die kommu- „ >n Aufrührer das Prüfen könne. Die „Times“

b . ...

®!Sr. t ’®;;? 1 bian weiß ja genau, daß, wenn der

einer Stellungnahme

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duschen Moskaus unterwerfen müssen 7 zl eht der „Manchester Guardian" die ^'tieen: „Es war eine große Torheit “bener Polizei, das Feuer auf unbewaff- v O''fnonstranten zu eröffnen, und der ner Ereignisse hat den General Scobie * unhaltbare Lage gebracht. Wieder müssen wir eine unoopuläre Regie- *terstützen“. Die „Times“ bedauern, “Pandreu die Gewaltanwendung durch

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Polizei zugelassen habe.

Drahtberloht unserer Berliner Schriftleltung

bm. Berlin, 5. Dez. Das strategische Schwergewicht der Schlacht um den euro­päischen Festnngskern hat sich in der Phase einer abklingenden Kampftätigkeit in den westlichen Schlachtenräumen eindeutig in den ungarischen Raum westlich der Donau verschoben. Die Lähmungserscheinungen der nordamerikanischen Angriffsarmeen in dem Kampfraum östlich von Aachen, die am Dienstag vom deutschen Oberkommando als Folge der außerordentlichen Verluste des Gegners festgestellt werden, können zwar keineswegs auf eine vorläufige Einstellung der Westoffensive überhaupt schließen lassen, aber sie umreißen dennoch eine Zwischen­phase der Vorbereitung, die von dem Kampf- geschehen in Ungarn überschattet wird.

Man darf vielleicht auch diese ungarische Offensive < Bes., -iteil eines.

Stadiums zwischen den Schlachten werten, da möglicherweise beabsichtigt ist, ein Wiederaufflammen der Kämpfe im Westen Zeitlich mit dem Beginn eines sowjetischen Großangriffs gegen die deutsche Ostverteidi­gung zu koordinieren. Dieses Zwischen­stadium ist im Osten durch die anhaltende schlechte Witterung bedingt,- im Westen durch die Notwendigkeit der Armeen Eisen- howers, ihre Verbände umzugruppieren und vielleicht auch neue Ansatzpunkte der Offen­sive zu suchen.

Die! Entwicklung der ungarischen Offensive des Marschalls Tobuchin gibt klar die Ab­

sicht des gegnerischen Oberkommandos zu erkennen, in dieser Zwischenphase größt­mögliche Fortschritte zu erzielen, um auf diese' Weise beim Beginn der Winteroffensive gegen die eigentliche Ostfront zwischen dem Dukla-Paß und der Ostsee über die not­wendige Flankendeckung im Süden zu ver­fügen, vielleicht aber auch hier Ansatzpunkte zu einer Zangenbewegung gewonnen zu haben. Der gegenwärtige Kampfraum westlich der Donau ist durch deutsche Riegelstellungen südwestlich des Plattensees und nordöstlich dieses ungarischen Binnensees zur Donau hin umgrenzt. Die zwei in diesem Raum ope­rierenden sowjetischen Armeen vermochten sich jm ersten Abschnitt der Schlacht nach Westen und NOTdwesteii auszubreiten, da'die schwachen deutschen Sicherungsverbände im Raum von Fünfkircheh keinen lang anhal­tenden Widerstand zu leisten vermochten. Nachdem es jedoch gelungen war, durch rechtzeitige Dispositionen der deutschen Re­serven eine westliche Abschirmung des Kampfraumes auf der Linie Szigetvar—Ka­posvar vorzunehmen, ■ konnten jetzt auch deutsche Flakkampfgruppen das sowjetische Vordringen zwischen Plattensee und Buda­pest mit Stoßrichtung auf Szekesfehervar (Stuhlw;eißenburg) stoppen. Diese erfolg­reiche deutsche Improvisation war von ent­scheidender Bedeutung, denn sie ermöglichte der deutschen Führung die Heranführung von Reserven, die für den weiteren Verlauf der Kampfhandlungen in diesem Front-

Hochspunnung und Chaos in Griechenland

Ohne Regierung — Neue Straßenkämpfe in Athen

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 5. Dez, Athen ist nach den letzten englischen Berichten am heuti­gen Dienstag ohne Strom, ohne Verkehrs­mittel, Ohne Brot und praktisch auch ohne Regierung. Der Athener Rundfunk schweigt seit Sonntagnachmittag. In einem lakoni­schen britischen Bericht wird festgestellt, die Regierung sei nicht imstande, die Ord­nung im Lande wiederherzustellen. Am Montag fanden riesige Demonstrationen gegen den Ministerpräsidenten Papandreu statt.

Nachdem die Polizei aus der Stadt zurückgezogen worden ist, patroullieren kommunistische EAM-Verbände, durch die Straßen und haben Posten vor alle Re­gierungsgebäude gestellt. Wie erst jetzt durch eine Mitteilung des britischen Flot- tenkommandos in Athen bekannt wird, griffen die Aufständischen am Sonntag auch das Marine-Kolleg, wo sich, das Haupt- quaijtier der britischen Flotte befindet, an. Der Angriff wurde Abgeschlagen. Zwei bri­tische Marinesoldaten wurden verletzt. Britische Streitkräfte haben alle wichtigen strategischen Punkte Athens besetzt, und nur dieser Besetzung ist es zuzuschreiben, daß die Unruhen am gestrigen. Montag nicht noch größeren Umfang annahmen. Auch die Tatsache, daß Papandreu immer noch nicht . en ist, erklärt sich

lediglich aus dessem britischen Schutz.

Die Londoner Zeitungen berichten heute in größter Aufmachung und sensationellster Form über die Vorgänge in Griechenland. Der größte Teil der Blätter spiegelt die zwiespältige Politik der britischen Regierung wider, die auf der einen Seite das britische Prestige an der griechischen Küste ver­teidigen möchte, auf der anderen Seite Furcht vor Moskau hat. In einem Reuter­bericht tritt diese einerseits — anderer­seits — Stellungnahme deutlich hervor. In diesem Bericht wird die kommunistische EAM-Organisation beschuldigt, sie trage die Verantwortung für die Herausforderung der, griechischen Regierung. Auf der anderen Seite aber sei die griechische Regierung dafür verantwortlich, daß die Polizei das Feuer eröffnete, um die Ordnung aufrecht­zuerhalten. Wie die Polizei es anders machen sollte, wird nicht gesagt.

Am Montagabend kam es In Athen zu schweren Straßenkämpfen zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Parteien. Dal Krachen der Handgranaten und das Hämmern der automatischen Waffen war im Zentrum der Stadt klar zu /'Ören. Die Schlacht um Thessium scheint mit einen Sieg der ELAS (bewaffnete Teile der EAM- bewegung) geendet zu haben, die eine stra­tegisch wichtige Höhen besetzten und ihre royalistischen G, „ es der Gegend ver­trieben, indem sie ihr Feuer auf die unter ihnen stehenden Gegner lenkten. Ein höhe­rer griechischer Polizeiinspektor gab ai Mor.' *"' "d beb^nnt. daß die EAM 20 von den 25 Polizeirevieren Athens und des Piräus besetzt hält.

Amerikanische Beobachter erklärten, Grie­chenland könne zur Feuerprobe der alliier­ten Einigkeit werden. Man sei der Auffas­sung, Churchill und Stalin hätten sich 'i*i ihrem letzten Zusammentreffen in Moskau darüber geeinigt, daß C ’echen!~.nd zur V" - : ■ tischen „Sicherheitssphäre“ gehören solle, befürchte jedoch andererseits, daß jede dra­stischere Maßnal ’ gegenüber griechischen kommunistischer! Elementen eine unwillkom­mene Reaktion in' Moskau heraufbeschwören könne. Peinlich genug für die durch ihr Sowjetbündnis arg in die Klemme gerate­nen Engländer, die auf alle Fälle den Be­fehlen und Wünschen des Kremls nachkom- men müssen.

Neue Unruhen in Kanada

Drahtbericht unseres Vertreters

sch. Lissabon, 5. Dez. Wie aus einer Mel­dung aus Ottawa hervorgeht, ist es im Fort France im kanadischen Staat Ontario zu schweren Unruhen gekommen. Die kanadi­sche Zensur gestattet die Berichterstattung über diese Unruhen erst seit heute, nachdem, wie es in einem Bericht aus Ottawa, heißt, die Polizei „die Lage wieder in der Hand hat“. In Fort France befinden sich größere Ausbildungslager sowohl der kanadischen Helmatmiliz wie auch der freiwilligen für den Überseedienst bestimmten regulären Trup­pen. Anläßlich von Demonstrationen gegen die allgemeine Wehrpflicht Ipam es zu bluti­gen Kämpfen zwischen den einzelnen Trup­penteilen, ln die sich auch Zivilisten misch­ten. Die Lage war eine Zeltlang sehr kritisch.

abschnitt von entscheidender Bedeutung sein werden. Der Wehrmachtbericht meldet am Dienstag bereits das Aktivwerden einer deut­schen Riegelstellung, in der die ah den Vor­tagen über die Linie Dunafoeldvar—Platten­see vorgedrungenen Sowjetspitzen zwischen Plattensee und Donau aufgefangen wurden.

Die Schlacht nahm insofern eine neue Ausdehnung, als die Sowjets bei Vukovar, südlich des bisherigen Kampfraumes, stär­kere Kampfverbände über die Donau setzten und auf dem Westufer die' deutsche Abwehr in heftige Kämpfe verwickelte. Das opera­tive Ziel dieses meueh Angriffs ist im Augenblick noch nicht , klar erkennbar. Das Unternehmen des Gegners kann sowohl gegen die wachsende Flankepbedrohung ge­richtet sein, die Generalfeldmarschall von Weichs mit seinen Truppen nach der Rückführung aus dem südlichen Balkange­biet für die Armeen Tolbuchins darstellt. Es kann sich aber auch möglicherweise zu einer Aktion entwickeln, die mit dem. Angriff in Richtung auf den Plattensee und Buda­pest kombiniert ist.

Die nordostwärtige Front Ungarns auf der Linie Hatvan—Gyöngyös—Miskolc—Satoral- jaujhely verzeichnet stärkste Infanterie­kämpfe, wobei die Sowjets in diesem Ab­schnitt offenbar die Umklammerung Buda­pests über das Hegyalja-Gebirge versuchen, nachdem sie im Matra-Gebirge durch deutsche Gegenangriffe aus ihren Hügel­stellungen wieder zurückgedrängt würden und sämtliche strategisch -n Punkte an d'i Gebirgshängen aufgeben mußten. Die Tat­sache, daß die Sowjets größere ungarische Provinzstädte in ihren Besitz nehmen konn­ten, besagt nichts für den weiteren Verlauf der Kämpfe, denn diese Städte liegen außer­halb strategischer Planungen sowohl für die Deutschen als für die Sowjets.

Nach zwei Jahren zugegeben

Stockholm, 5. Dez. Dem alten Rezept Churchills entsprechend gaben die Lon­doner zuständigen Stellen am Montag end­lich die vor rund zwei Jahren erfolgte Ver­senkung mehrerer großer Transportschiffe bekannt.- Es handelt sich dabei laut Reuter u. a. um die beiden der Union Castle Line ge­hörenden Luxusdampfer „Warwick Castle" (20 000 BRT.) und die „Llandaff Castle“ (10 000 BRT,).

Wir sprechen mit!

Von

Oberstleutnant Ellenbeck

Wo gibt ' es heute zwischen deutschen Menschen ein Gespräch, das nicht irgend­wie beim Krieg endet? Es kann ja gar nicht anders sein; der Krieg steht so riesen­groß als unser Lebensschicksal über uns und mitten zwischen uns, daß wir, je ernster und verantwortungsvoller wir das Leben nehmen, um so dringlicher das Bedürfnis empfinden, uns mit ihm auseinanderzu­setzen, eine klare Einstellung zu den uns dureh den Krieg gestellten Aufgaben zu gewinnen und . für ihre Lösung stark zu bleiben. Die Millionen Gespräche, welche jeden Tag in unserem Land geführt wer­den, sind für die Entscheidung des Krie­ges und damit auch für die Gestaltung un­seres persönlichen Schicksals ungeheuer wichtig. Es ist ja klar: Je .mehr Gespräche tapfer und entschlossen ausklingen, je häu­figer Unterhaltungen deutscher Menschen miteinander damit enden, daß die Teil­nehmer gestärkt und mit neuer Einsicht in . ihre Pflichten wieder an die Arbeit gehen, um so leistungsfähiger ist das große Kraft­werk Deutschland.

Wir alle, ob Soldaten oder Zivilisten,' ob Mann oder Frau,. ob alt oder jung, müssen. uns daher persönlich verantwortlich fühlen, ob wir durch unsere Urteile und Äußerun­gen diesem Kraftwerk Energien zuführen oder ob wir der -Zentrale Kraftstrom ent­nehmen und diesen vergeuden. Darum müssen wir. alle wissen: es gibt Gespräche, die man auf gar keinen Fall passieren lassen darf, ohne sich einzuschalten.

Welche sind gemeint? Glaube und Wille sind in so harten Zeiten alles. Beider Tod­feind sind Zweifel und Feigheit in jeder Form. Da ist der . Nachbar Müller, im allgemeinen ein ganz vernünf­tiger Mann. Aber eines Tages, wir stehen wartend mit ihm zusammen beim Ein­käufen, hat er einen charakterlichen Schwächeanfall, klopft er uns auf die Schul­ter und meint zweifelnd: „Ob die Bolsche­wisten wirklich so schlimm sind? Ob das nicht doch stark übertrieben ist, was über die Greuel in Ostpreußen berichtet wird?“

Leider kann man . in diesem Augenblick nicht den guten Müller am Kragen nehmen und Qm nach Ostpreußen an die Grab­stätten der Geschändeten und Gemordeten führen, leider kann man ihn auch nicht in ein Flugzeug papken und mit ihm nach den sibirischen Steppen und Landerwüsten flie­gen, um ihm dort die' verzweifelten Kolon­nen der bejammernswerten Männer aus den Balkanstaaten zu zeigen, die seit Wochen ihren Elendsmarsch zu den Arbeitsstätten angetreten haben, an denen sie nun hoff­nungslos verkommen werden. Leider kann man auch Müller nicht mit den Müttern zusammenbringen, denen in den ostpreußi­schen Dörfern ihre kleinen Kinder gemordet wurden, oder denen in Italien Zehntausende von Kindern in die Sowjetunion abtranspor­tiert wurden, um dort für die Zukunft die Menschenlücken zu füllen. Und leider Gottes geht es ja auch nicht, diesen Müller zu seiner Belehrung. für vier Wochen in ein Dorf zu setzen, das den Bolschewisten in die Hände gefallen ist.

Ginge das, so würde — wenn über­haupt — ein anderer Müller zurückkehren, ein Fanatiker des Widerstandswillens, ein Mann, der es jedem in die Ohren schreien würde, daß die Wirklichkeit tausendmal grauenvoller ist, als die beredteste Feder in der Zeitung es zu schreiben vermöchte.

Bekanntlich gibt es diesen Müller in vielen Spielarten, in jeder Alterpreislage und in männlicher und Weiblicher Gestalt. Wir können ihn im 6 . Kriegsjahr mit dem besten Willen nicht mehr harmlos nennen. Wenn er auch beim Kegeln und beim Skat ein ganz passabler Bursche ist, so, müssen wir ihn dennoch beiseite nehmen und ihm den Marsch blasen, daß ihm Hören und

Wasserwüste zwischen Maas and Waal

Unmögliches Aufmarschgebiet für diß Kanadier

ep. In Holland, 5. Dez. Aus dem noch wachsenden Hpchwassermeer ragen nur die letzten Äste kahler Baumkronen. Häuser stehen meterhoch uiiter Wasser und wurden geräumt. In Nachen und Fischkuttern hat man Menschen, Vieh und einige Habseligkei­ten abtransportiert. Wiesen wurden zum Flußbett, ganze Dörfer zwischen Maas und Waal zu weltabgeschiedenen Inseln und kön­nen nur noch mit Booten erreicht werden. Fast vier Meter über Normalpegel stehen die beiden Flüsse; längst sind die Rekordüber­schwemmungen von 1926 tibertroffen. Uber­boten sind auch die Rekordverheerungen zwi­schen Maas und Waal, wo man in diesen Ta­gen kanadische Pferdegespanne durch das reißende Hochwasser stampfen sah, um an Geschützen noch zu retten, was zu retten war.

Was früher die Maaskanäle tind Flüsse für das Land waren, das sind heute die wenigen noch passierbaren Landstraßen, inmitten der Wasserwüste. Solche Straßen geben wohl Raum für die Anlage von Sperren, Hinder­nissen und Fallen, aber sie begünstigen in keinem Falle Aufmarsch und Bereitstellung von Panzern und schweren Waffen aller Art. Nur so ist es auch zu erklären, daß sich in den letzten Nächten die Kettengeräusche vom Waal- und Maasbogen immer weiter nach Süden entfernten. Immer enger ist das panzergängige Gelände geworden, bis es schließlich in dem nun frontnahen Raum bis auf die Linie noch passierbarer Straßen zu-

• Es hat den Anschein, als habe das Hoch­wasser die Entfernung zwischen den Maas- Deichen auf dem linken und auf dem rechten Ufer auseinandergerückt. Zwischen deutschen und kanadischen Beobachtern westlich der gesprengten Eisenbahnbrücke liegt .heute eine Gewehrschußweite. Dann ragt eine knapp zwei Meter hohe Deichkrone aus dem gur­gelnden Wasser. Dahinter beginnt wieder eine Wasserwüste, deren Begrenzung das Auge im diesigen Dezemberlicht nicht erkennen kann.

Durchkreuzte Feindplane

Berlin, 5. Dez. Die Überflutung des Wiesen­landes zwischen Waal und Leek hat die Pläne des Feindes im Norden der Westfront gründ­lich durchkreuzt. Sie fiel zeitlich mit dem Augenblick zusammen,- in dem die Briten nach wochenlangen, überaus verlustreichen Kämpfen in den östlichen Niederlanden das Maasufer beiderseits Venlo fast" überall er­reicht hatten. Dieser Zeitpunkt sollte aber zugleich das Signal für weitere Angriffe im Raum Amheim—Nimwegen sowie gegen un­sere Befestigungen auf dem Ostu/er der Maas sein. Stattdessen sieht sich der Gegner Hoch­wasser führenden Flüssen und weitüber- schwemmten Niederungen gegenüber. Die Überflutung hat den britischen Brückenkopf nördlich Nimwegen völlig wertlos gemacht, die eigene Sicherungszone aber erheblich ver­breitert. Das Überschwemmungsgebiet bei .Amheim—Nimwegen war zuvor von der Zi­vilbevölkerung vollkommen geräumt worden.

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