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Parieiamtliche Tageszeitung
Pas Amtsblatt des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
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der Nationalsozialisten Bremens
fNTO Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthabers in Oldenburg und Bremen
Nummer 321 14. Jahrgang
Einzelpreis 15 Rpf.
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Eisenhowers drei heiße Eisen
Aachen, Saar, Elsaß ■* nirgends erhoffter Durchbruch ins Reich erzielt
Von unserem militärischen V. W.-Mitarbeiter
Zuerst war es der Aachener Raum, den Eisenhower als entscheidenden Punkt der Westfront erkundet hatte und angriff. Ersah sieb dort dem Rhein und dem Ruhrgebiet am nächsten, wußte aber den Westwall zwischen sich und seinen Zielen. Doch mußte er- sich bewußt sein, dieses Hindernis überall vor sich zu sehen, wo er' die Schlacht eröffnen würde, um sich Zutritt ins Reich zu erzwingen. Dann baute er die Diversion gegen Lothringen auf, die er insofern für sich entschied, als er Metz und die Haupträume von Lothringen in seine Hand brachte. Um den direkten Angriff gegen den Westwall kam er aber auch nicht hier herum. Er konnte ihn nu: verzögern, umgehen ließ sich das nicht. Inzwischen liefen die Vorbereitungen bei Aachen, die der Feind im Stile seiner großen materiellen Möglichkeiten betrieb, auf deren Wirkung aber stärker absteiite als auf den lebendigen Einsatz seiner Soldaten. Doch erkannte er in der dritten Woche seiner dritten Schlacht bei Aachen auch den inneren Zusammenhang zwischen ' den merkwürdigen Gesetzen des modernen Krieges, daß Ma- terialbaliung niemals blutsparend wirkt, sondern geradezu unheimlich anmutende Verluste im Gefolge hat, wenn das Materialdenken zu sturer Wiederholung der Angriffe verleitet, weil die leitenden Organe des Irrglaubens sind, beim so- und sovielten Ansturm müsse ja doch einmal die Abwehrkraft zusammenbrechen. Die Materialschlacht mul? auf die Dauer steigende Einbußen bei dem auslösen, der sie veranlaßt. Sie liegen — was der Absicht des Materialeinsatzes entspricht — 1 gewiß auch im Stofflichen, daß sie auch in das Lebende übergreifen und dort verheerende Lücken reißen, ist die Lehre aller Materialkämpfe, von der Somme und bei Flandern angefangen bis zur dritten Schlacht von Aachen.
1500 Panzer — soviel verloren die Gegner in den letzten vier Wochen — mögen durch eine große Produktion zu ersetzen sein. Jeder Volltreffer gegen Panzer trifft aber auch meist die Besatzung. Hier bleibt eine Lücke bestehen, die nicht leicht zu schließen ist. 5000 Gefangene sind nicht für immer verloren, sie fehlen aber in allen kommenden Gefechten, ebenso wie die toten und schwer- verwundeten Soldaten, die etwa 30 000 Mann im Aachener Sektor ausmachen. Eisenhower betreibt die Schlacht trotzdem ohne Pause weiter. Erteilt offenbar Marschbataillone auf die Divisionen auf, läßt diese aber immer in der Feuerlinie, was ihm eine scharfe Kritik aus England und Kanada einbrachte. Er kann also nicht haushalten. Das aber muß jeder Feldherr, der Großes erreichen Will. Auch Eisenhower will das. Doch was er betreibt, steht im krassen Widerspruch zum großen und schwierigen Ziel, das er verfolgt, und zu den Methoden, die er anwendet, weil in ihnen ja doch die Garantie liegen sollte, mit großen materiellen und kleinen personellen Opfern die operativen Gelegenheiten beim Schopfe zu packen.
Das erste Eisen, das Eisenhower in das Feuer der Aachener Schlacht gelegt hat, kann ihm nicht gefallen. Das zweite Eisen wurde in der Schlacht um die Saar zum Glühen gebracht. Steht der Feind an der Aachener Front im direkten Kampf gegen unsere ausgebauten Stellungssysteme, so befindet er sich an der Saarfront, und zwar bei beiden Angriffen von Westen und Süden her, entweder unmittelbar vor unseren Befestigungsanlagen oder noch in erheblicher Entfernung von ihnen. Das dritte Eisen wurde im el- sässischen Raum ins Feuer gebracht. Ziel der feindlichen Angriffe ist zur Zeit der Frontbogen, der von uns um den Mittelpunkt Kolmar vom Rhein über die Vogesen bis in den Mülhausener Abschnitt gezogen wurde. Nichts rechtfertigt die feindliche Hoffnung, diesen großen Brückenkopf links des Rheins leicht und schnell zum Verschwinden bringen au können. Aus der langen Kette der schwelen Schlachten und Gefechte zwischen Geilenkirchen und Mülhausen kann der Gegner keine Hoffnung schöpfen, die ihn berechtigt, von entscheidenden Erfolgen zu sprechen.
Mit seinen drei Eisen hat er alles ins Feuer gelegt, was er besitzt, örtliche yorteile sind ihm gewiß gelungen. Aber sie bedeuten nichts gegen den Aufwand, den sie erforderten. Sie sagen vor allen Dingen nichts im Blick auf die Gesamtlage. Wir - verkennen nicht die Schwere der Kämpfe für alle Divisionen, die auf sCiten der Verteidigung seit Wochen in diese gestellt sind. Die feindlichen Divisionen haben es nicht leichter, bluten stärker, und doch bleibt ihnen der Gewinn versagt. Die Schlacht geht darum weiter. Aber je länger der Feind sie betreibt, um so stärker zehrt sie an seiner Kraft, um so mehr lähmt sie ihn und seine Organe. Das aber war nicht der Sinn der Schlacht, als der Gegner sie im November begann, weil er nicht weniger mit ihr verfolgte als den schnellen Durchbruch in das Reich entweder bei Aachen oder, an der Saar oder am Oberrhein. An allen drei Stellen halten die" deutschen Linien ebenso
wie am ersteh Tage der Schlacht, nicht in den gleichen Räumen,, aber — und das ist das Wesentliche —in der gleichen Stärke.
Hohe Verluste verschwiegen
Stockholm, 4. Dez. Britische Frontkorrespondenten weisen nach dem England- Berichterstatter von „Dagens Nyheter“ darauf hin, daß der unbegründete Optimismus großer Teile des britischen und des USA-Volkes dadurch hervorgerufen sei, daß die Zensur nicht gestatte, ein volständiges Bild der tatsächlichen Verhältnisse an der Front zu geben.- So sei es den Korrespondenten verboten, irgendwelche Berichte über die bedeutenden Verluste der, Alliierten zu« geben.
Dadurch sei, wie die britischen Korrespondenten weiter erklären, in England und in USA der falsche Eindruck entstanden, daß die alliierte Offensive wenige Menschen
leben und wenige Materialverluste kostete. Demgegenüber weisen die Korrespondenten darauf hin, wie moralisch nützlich die Wirkung gewesen sei, als die britische Admiralität f die großen Verluste'bekanntgab, die die alliierte Landung auf Walcheren verursachte.
Die Mitteilung in „Dagens Nyheter“ kennzeichnet die wahre Lage an der deutschen Westfront. Seit Wochen rennen dort die Briten und Nordamerikaner an und müssen insbesondere im Frontraum Aachen einen hohen Blutzoll entrichten, ohne daß es ihnen gelungen wäre, entsprechende Gewinne zu erzielen. Nach der bewährten Schweigetak- tik, wie sie bei Pearl Harbor und anderen Gelegenheiten , geübt wurde, versucht man, auch die wirkliche Kampftage im V^esten den Völkern zu verschleiern und sie insbesondere über die hohen Ausfälle, wie sie in Kanada bereits zu heftigen Reaktionen geführt haben, im Unklaren zu lassen.
,Mehr deutsche Divisionen als am 6. Juni 1
Anglo-Amerikaner tesignieren vor ungeheuren und unerwarteten Schwierigkeiten
KM*
Drahtbericht unseres Vertreters
kl. Stockholm, 4. Dez, Über die militärische Konferenz, die am vergangenen Wochenende zwischen Eisenhower und Montgomery stattfand, sickern jetzt immer mehr Einzelheiten durch, deren Bekanntwerden dazu beiträgt, das pessimistische Bild der militärischen Lage, wie sie von London aus gesehen wird, zu vervollständigen. Nach der Konferenz mit Eisenhower hat Montgomery mit den britischen Kriegsberichterstattern eine Son- der-Pressekonferenz abgehalten, in der er seine eigenen Gedanken über den Krieg entwickelte. Montgomery hat in dieser Konferenz alles, was er den britischen Korrespondenten im Sommer über den "vermutlichen Verlauf des Feldzuges im Westen und über seine Dauer gesagt hat, zurückgenommen. Um sein Prestige nicht allzu starken Belastungen auszusetzen, hat Montgomery den Korrespondenten die Gründe aufgezählt, die seiner Meinung nach kriegs- verlängemd wirken.
Auf Grund dieser ziemlich detaillierten Schilderungen Montgomerys stellt der Frontkorrespondent des „Daily Telegraph“, Buck- , ley, fest, daß der deutschen Führung etwas - gelungen sei, was an ein Wunder grenze. Deutschland habe heute im Westen mehr Divisionen stehen als am 6. Juni d. J., und alle diejenigen, die geglaubt hätten, daß Deutschland bereits geschlagen sei, hätten sich völlig verrechnet. Auch die Volksgrenadier-Divisionen habe man Anfangs im allier- ten Lager unterschätzt. Im Verteidigungskrieg seien die Volksgrenadier-Divisionen ein sehr ernst zu nehmender Faktor. Deutschland habe diese Divisionen hervorgezaubert, wie seinerzeit Napoleon seine Armeen hervorzauberte, als er sich seine Soldaten überall dort' holte, wo sie anzutreffen waren.
Buckley erklärte weiter, in London habe man zunächst darüber gespottet, daß sich die Briten und Amerikaner mit einer Armee werden schlagen müssen, die auf Krücken daherkommen werde und die aus Blinden und Lahmen bestehe. Man habe diesen großen Irrtum inzwischen eingesehen. Männer,-die eine gründliche militärische Schulung durchgemacht haben, könnten sich schlagen, auch wenn sie sich nicht Im Vollbesitz ihrer physischen Kräfte befänden. Was aber die Moral der neuen deutschen Armee betreffe, so könne man feststellen, daß sie weit über dem Durchschnitt stehe. Deutschland komme jetzt die Tatsache zugute, daß seine Soldaten den Boden der Heimat verteidigten, was ihnen einen ungeheuren moralischen Auftrieb gebe. Buckley warnte im Anschluß an seine Feststellungen .vor jedem imbegründeten Optimismus und meinte, weder vor Weihnachten noch nach Weihnachten sei mit einer Kriegsentscheidung zu rechnen. Der Krieg im Westen, werde in einen typischen Abnutzungskrieg einmünden. Damit deutet Buckley an, daß Eisenhower vor den ungeheuren und uner- wartetep Schwierigkeiten bereits resigniert hat und daß das Scheitern der neuen Großoffensive, die am Nov. östlich von Aachen begann/ unvermeidlich sei.
Tschiaagkaischek gibt Miaisterpräsideateaposlea ab
Sung sein Nachfolger — Zeichen der militärischen Krise
(Stri*
Drahtbericht unseres Vertreters rt- Tokio, 4. Dez. Die sich von Tag zu Tag verschärfende militärische Bedrohung Tschungking -Chinas durch den japanischen Vormarsch führt zu Imm er verzweifelteren Versuchen Tschiangkaischeks, sich dem nahenden Verhängnis entgegenzustemmen. 5® augenblicklich die militärische Seite des Widerstandes die entscheidende geworden ist, nat sich Tschiangkaischek entschlossen, seine Politische Stellung abzugeben und sich nur noch dem eigentlich militärischen Gebiet zu Jidtnen. Seine politische Stellung bestand “arin, daß er Ministerpräsident war. Diesen “osten hat er seinem Schwager, dem der- *eitigen Außenminister Sung, übergeben.
D ie Aufgabe der politischen Stellung durch »farschall Tschiangkaischek hat in Ostasien
allgemein als Sensation gewirkt. Man sieht darin das Eingeständnis der fundamentalen Krise, die Tschungking zur Zeit durchzumachen hat. Es ist allerdings nicht zum erstenmal, daß Tschiangkaischek seinen politischen Posten aufgibt, um seine ganze Aufmerksamkeit der militärischen Entwicklung zuzuwenden. Im Jahre 1937, sofort nach dem Ausbruch des . chinesisch-japanischen Konfliktes, legte er schon einmal sein Amt als. Ministerpräsident nieder, und zwar bis 1943, wo er das Amt zusätzlich zu seinen Verpflichtungen als Oberkommandierender der tschungking-chinesischen Streitkräfte wieder übernahm. An sich ist die Neubesetzung deshalb auch nicht von um wälzen 1 der Bedeutung, nur im Zusammenhang mit der augenblicklichen Lage Tschungklngs spielt sie eine bezeichnende Rolle.
Stark beeindruckt zeigt man sich in' London auch von den letzten Berichten aus Moskau. Die Moskauer „Prawda“ hat in einem Leitartikel festgestellt, daß die Rote Armee in Zukunft, noch mehr Waffen als bisher brauchen werde, da Deutschland nicht geschlagen sei. ’ Die Arbeiter der Sowjetunion müßten ihren Kriegseinsatz verstärken, denn nur eine erhöhte Produktion von Waffen werde die Rote Armee in die Lage versetzen, ihre Pläne zu verwirklichen. Neue Opfer und neue' Lasten
seien deshalb für die Heimat unerläßlich. Der „Prawda“-Aufsatz wird in London eifrig kommentiert. Die militärischen Kommentatoren sind durch diesen Aufsatz in ihrer Auffassung verstärkt worden, daß die Sowjets im Osten vor den gleichen Schwierigkeiten stehen wie die Anglo-Amerikaner im Westen. Auch die ‘ Sowjets haben jetzt ungeheuer lange Etappen, wodurch die Versorgung der kämpfenden Front wesentlich erschwert wird. Das erhoffte Ende des Krieges rückt damit in, immer weitere Femen.
WebrbiSfe der deulscbea Frauea und Mädel
Auf ruf zum Eintritt in das Wehrmachthelferinnenkorps
B e r 1 i n, 4. Dez. Die Reichsreierentin de» BÜM., Dr. Jutta Rüdiger, und die Reichs- frauenführerin Gertrud Scholtz-Klink erlassen folgenden Aufruf:
Deutsche Frauen und Mädel!
Der Haß der Feindö will unser deutsches Volk auslöschen. Ihr wißt, der Gegner steht, nicht nur vor den Toren des Reiches, er hat bereits an mehreren Stellen die Grenzen überschritten. Frauen und Kinder wurden aus ihrer Heimat vertrieben, viele von ihnen haben Unsägliches gelitten. Sie sind hart geworden in dieser Zeit, sie ertragen nicht nur tapfer ihr Schicksal, sondern dienen noch täglich und stündlich mit ihrer Arbeit und ihrer Treue unserem Vaterland. Je enger der Kreis um uns herum wurde, desto lauter wuchs der Wunsch visier Frauen und Mädchen, an der aktiven Verteidigung unseres Reiches teilhaben zu können. Viele Tausende stehen bereits im Dienste der Wehrmacht, und mit dem Flak-Waffenhelferinnenkorps haben wir den ersten geschlossenen Einsatz in der Landesverteidigung geschaffen.
Heute nun, wo jeder wehrfähige deutsche Mann sich seinem Vaterland stellt, wollen
den
den
wir Frauen und Mädel alles tun, um Soldaten des. Heimatgebietes restlos Fronteinsatz zu ermöglichen. Wir ergänzen deshalb in diesen Tagen die schon bestehenden Fraueneinsätze zn einem Wehrmachthelferinnenkorps, in dem jede wehrwillige deutsche Frau ah 18. Lebensjahr an Stelle eines Soldaten jeglichen Dienst leisten kann, der ihr in diesem Korps nach ihrer Eignung zugewiesen wird.
So wie wir uns noch nie in diesem Krieg vergeblich an euch gewandt haben, so rufen wir in entscheidender Stunde allen, die nicht in einem kriegswichtigen Spezialeinsatz stehen, zu:
Freiwüiige vor! Meldepflichtige und noch nicht Eingesetzte schließt euch an!
( Alle aber, die zu diesem Korps eingezogen werden, sollen wissen: Wir treten an zur Wehrhilfe der deutschen Frauen und Mädel für die kämpfende Front, Unsere Parole heißt: Hflf dir selbst, so hüft dir Gott! gez. Dr. Jutta Rüdiger, Reichsreferentin des BDM. gez./Gertrud Scholtz-Klink, Reichsfrauenführerin.
Balkan - Chauvinismus
Von
Dr. Oeltze von Lobenthal, Budapest
Schon einige Monate nach dem Eindringen bolschewistischer und britischer Streitkräfte in den 'Balkanraum, ergibt sich eine Fülle neuer Konfliktstoffe zwischen den balkarischen und außerbalkanischen Staaten und Nationen, deren Interessen sich schneiden, kreuzen und aufeinanderprallen und damit den alten Beinamen des Balkan, das Pulverfaß Europas zu sein, wieder zu Ehren bringen. Abgesehen davon, daß die innenpolitischen Verhältnisse der Balkanstaaten immer ärger und chaotischer werden, 'tauchen nun. auch die verschiedenen Emigrantenregierungen, die sich auf fremde Bajonette stützen, wieder aus ihrer Versenkung auf und beeilen sich,' alle Ansprüche anzumelden, die den imperialistischen Tendenzen der Großmächte alle Ehre machen. Eine ganze Reihe von solchen imperialistischen und chauvinistischen Forderungen liegt sowohl von der Regierung Tito als auch von Griechenland vor. So wurden neuerdings jugoslawischerseits Forderungen auf Istrien und' andere Gebiete, deren Abtretung mit einer Revision der italienischen Grenze verbunden wäre, angemeldet. Der Finanzminister der Regierung • Subaschitsch überraschte die Welt mit der Ansicht, daß „Triest eine große slowenische Stadt sei, im Zentrum einer rein slowenisch bevölkerten Gegend liege und daher selbst- verständlich dem jugoslawischen Staat eingegliedert werden müsse“. Weitere Grenzforderungen Titos beziehen sich in erster Linie auf Albanien und auf mazedonisches Gebiet, das bisher zu Griechenland gehörte, nicht zuletzt auf Saloniki.
Da auch Griechenland Revisionswünsche auf Albanien vorbringt, würde von diesem Land nur ein kleiner Rest übrig bleiben. Die griechischen Wünsche nach • Landgewinn erstrecken Sich nach vier Richtungen. Eine dieser chauvinistischen Forderungen bezieht sich auf die Angliederung der. albanischen Provinz Nordepirus an Griechenland, was mit strategischen Interessen begründet wird. Diese Forderung umfaßt ein Gebiet von 9000 qkm, also einer Provinz von ganz stattlichem Ausmaß. Auch Bulgarien gegenüber haben die Griechen ein sehr starkes Sicherheitsbedürfnis. Daß die thra- zische Küstenprovinz mit Saloniki, Kavalla und Dedeaghatsch an Griechenland zurückfällt und Bulgarien somit vom Agäischen Meer wieder abgeschnitten wird, glaubt man in Athen dank britischer Zusagen als eine sichere Sache betrachten zu können, ohne sich viel Gedanken darüber zu machen, was Moskau dazu sagen wird. Griechenland müsse, so wird darüber hinaus erklärt, Bulgarien gegenüber bessere Verteidiguiigsmöglichkeiten erlangen, und dies sei nur' durch die Schaffung einer Sicherheitszone auf Kosten altbulgarischen' Bodens zu verwirklichen. Selbstverständlich wollten die Griechen auch auf die mazedonischen Gebiete, die sie besaßen, nicht verzichten; daraus ergeben sich Konflikt- möglichkeiten gegenüber Tito, der erst vor kurzem im Rahmen seines Planes zur Schaffung eines jugoslawischen Staatenbundes verkündete, diesen solle auch ein autonomes Mazedonien angehören. Das Projekt wird, soweit es griechische Gebiete betrifft, von Athen auf das Entschiedenste ab- gelehnt.
Weitere Gebietsansprüche Athens betreffen die Dodekanes-Inseln, die vor mehr als
Moskauer Außenpolitik mit „innenpolitischem Hebelarm
Zwischen Brüssel und Tschungking —- Athen, das neue Krisenfeld — de Gaulle im Kreml
Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
g. B e r 11 n, 4. Dez. „Die Verehrung des französischen Verbündeten für die Sowjetunion“ wünschte de Gaulle bei der Ansprache zum Ausdruck zu bringen, mit der er die Sowjetrepräsentanten bei seiner Ankunft in Moskau begrüßte. Im gleichen Zeitpunkt des Empfanges fielen auf dem Verfassungsplatz in Athen Schüsse. Polizei schoß aus Maschinenpistolen und Schnellfeuerwaffen gegen Horden von Demonstranten, die sich heran - wälzten und die neben den Fahnen Englands und der USA vor allem das Banner Moskaus mit Hammer und Sichel schwenkten. Im gleichen Zeitpunkt veröffentlichte die Moskauer „Prawda“ einen Artikel, der recht handfest den chinesischen Verbündeten Englands und der USA angriff: Reaktionär .und kapitulationsfreundlich nannte das amtliche Moskauer Blatt die Tschiangkaischek-Re- gierung, die nun seit Jahr und Tag unter den schwersten Opfern auf der Seite ihrer angelsächsischen Verbündeten gegen Japan kämpft.
Was in Athen durch die Demonstration der Menge mit den Sowjetfähnen in Gang gebracht wurde, was in Moskau für die Tschungkingpolitik des Kreml angekündigt wird, hatte manche Vorspiele in anderen Hauptstädten: In Brüssel, in Bukarest, in Helsinki. Eine einheitliche klare Linie geht durch die sowjetische Außenpolitik, und die verschiedenen Formen der Moskauer politischen Betätigung ordnen sich logisch dieser Linie ein. Der „Machtkampf, der sich in Frankreich und Belgien zwischen Staatsautorität und Widerstandsorganisation abzeichnet“, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“, „ist offensichtlich verschärft worden durch den Versuch Moskaus, die Außenpolitik der europäischen Regierungen zu kontrollieren durch den Hebelarm innerpolitischer Bewegungen, die den Weisungen
Moskaus gehorchen“. Hier ist von einer Schweizer Zeitung, die frei ist von dem Verdacht, der alliierten Politik feindlich gegenüberzustehen, das richtige Stichwort gegeben worden. Der „Hebelarm innerpolitischer Bewegungen“ ist wieder zum Kampfmittel der Moskauer Außenpolitik geworden, ungeachtet jener etwa ein Jahr zurückliegenden Moskauer Ankündigung, daß die kommunistische Internationale aufgelöst sei. Es deutet den Umfang des Moskauer politischen Ehrgeizes an, wenn dieser Hebel innerpolitischer Bewegungen in Brüssel genau so wie in Tschungking angesetzt wird, denn- auch die Kritik aii Tschiangkaischek wird von der „Prawda“ mit der Weigerung der Tschung- king-Regierung begründet, mit den chinesischen Kommunisten zusammenzuarbeiten.
Jin den letzten Tagen hat man Regierungskrisen in den sowjetisch besetzten Ländern Finnland und Rumänien gehäbt. Voran- gegangen waren die Demonstrationen der belgischen Kommunisten unter der Stichmarke der Widerstandsbewegung. Im Gange befindlich ist noch das Wühlen der französischen Kommunisten unter der gleichen Parole der Widerstandsbewegung, deren Charakter bei de Gaulles Entwaffnungsverordnungen enthüllt wurde, als der kommunistische Parteisekretär Duclos einen Aufruf erließ, nun erst recht müßten die Franzosen „zu Hunderten, Tausenden, Zehntausenden, ja Millionen den patriotischen Milizen beitreten und sich dort einer militärischen Massenausbildung unterziehen“.
Auf die belgisch-kommunistische Bewegung haben die britischen Besatzungstruppen zuerst mit der Ankündigung geantwortet, daß sie der Regierung Pierlot zur Unterdrückung von Unruhen zur Verfügung stehen würden. Gleich danach wurden sie zurückgepfiffen und ihr Kommandeur ließ verlauten, daß der Zweck ihrer Anwesenheit keinesfalls Ein
mischung in innerpolitischen Streit sei. Nun ist die Situation ähnlich in Athen geworden. Auch dort handelt es sich um die Entwaffnung der sog. Widerstandsbewegung, deren Führung die Organisation Eam hat. Diese Eam hat inzwischen. ein politisches Komitee eingesetzt, an dessen Spitze der Oberst Bakirjis steht, der einst zum äußersten linken Flügel Venizelisten gehörte und an dem die Kommunisten durch ihren Führer Santos stark beteiligt sind. Die griechische Regierung Papandreous ist durch den Rücktritt aller ihrer linksgerichteten Mitglieder jetzt außer Funktion gesetzt worden; sie steht vor ähnlichen Problemen wie die Regierungen in Brüssel und in anderen Hauptstädten. Nach .Churchills Besuch in Moskau war in der britischen Presse die Rede davon, daß man zwar mancherlei Meinungsverschiedenheiten habe und daß das auch vor allem für'den Balkanraum gelte, daß man aber nun in Moskau Englands Recht auf eine griechische Einflußzone anerkannt habe. Die Ereignisse in Athen zeigen inzwischen, wie der Moskauer „Hebelarm inner- politischer Bewegungen“ arbeiten kann, wenn die Moskauer Diplomatie es für zweckmäßig erachtet, offiziell Entgegenkommen zu zeigen: >
Ein anderes Zitat aus dem Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung“ charakterisiert diese Entwicklung noch deutlicher:, „Offenbar hegt Moskau die Besorgnis, daß die Verbündeten Fragen der Nachkriegsordnung un- ter Umgehung der Sowjetunion regeln könnten. Die Vorstöße, welche die Sowjetpolitik daraufhin unternahm und sowohl in Persien wie auch iy Frankreich und in Belgien mit innerpolitischen „Bewegungen“ kombinierte, spiegelten die Antwort aus Moskau wider.“ Das erinnert daran, daß man Ja auch noch
(Fortsetzung auf der nächsten Seite)