Ausgabe 
(2.12.1944) 319
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SBremer Uladirttijtett

Ta geszeitung der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Yerkündunasbkül dst Reichsstatthaltera In Oldenburg und Bremen

jfummer 319 14. Jahrgang

SonnabendrSonnfag, 2.#3. Dezember 1944

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Sir eil Im Lager der Feinde über die Wesioffensive

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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung bnL Berlin, 1. Dez. Der Oberbefehls­haber der anglo-amerikanischen Truppen im Westen. General Eisenhower, konferierte in letzten Tagen mit dem britischen Feld- ' Montgomery, um die strategischen aus dem Festlaufen der Offen- j/rein ßaum v on Aachen zu ziehen. Nach jfricilen englischer Kriegskorrespondenten jheint man sich im alliierten Hauptquartier jjljctiossen zu haben, trotz des bisherigen jßjerfolges der Offensive keinerlei Schwer- pmktverlagerung vorzunehmen, da die Mög- ijhkeiten einer Offensive aus dem holländi- ea Raum von Nimwegen durchaus be­izt seien. Der niederrheinische Raum sei dem regnerischen Novemberwetter beson- jm betroffen worden, zumal der fette Bo­la der Niederlande und das vielfach weit­szweigte Kanalsystem' im Herbst ohnehin' (ungeeignetes Gelände für Offensiven dar- hOe. Es ist also zu erwarten, daß Eisen­der seine bisherige Rammtechnik im Raum Aachen fortzusetzen gedenkt. Sein Ver- ihlen, das von vielen kritischen Stimmen im jjä der Westmächte begleitet ist, wird von joeral Stimson in einer öffentlichen Er­lang derart gerechtfertigt, daß Stimson Oes Kampfraum als den Ansatzpunkt für hokürzesten Weg nach Berlin bezeich­nte, Stimson erklärte,' daß General Eisen­der die gegenwärtig ablaufende Offehsive tousgcschoben hätte, um sich eine größere Berve an Artilleriemunition zu schaffen, lie läge der Artillerie war und ist schwierig (id gleichermaßen kritisch. Sie wird das blel- »n, bis die USA-Produktion zugenommen hat.

In diesen Worten spiegelt sich der Ver­sieh, die Verantwortung für das Pestfahren ie: Offensive.^ von den Schultern Eisen- howers auf jene anonyme Masse der ameri- Ymschen. Industriearbeiter abzuwälzen, denen Friedensallüren vorgeworfen werden, da sie nicht für eine genügende Versorgung ter Front gesorgt hätten. Der kanadische iuftfahrtminister hingegen, will nicht den Slunitionsmangel, sondern die. Führungsart Esenhowers als verantwortlich für den mili- srischen Mißerfolg bezeichnet wissen. Er etonte, sein Rücktritt sei lediglich als Pro­st gegen die Handhabung der Westoffen- ive durch General Eisenhower erfolgt. Eisen- S1. 1 > i awera Strategie sei, den Feind unaufhörlich FT azugreifen, ihm also keine Ruhepause zu innen.' Um diesen Plan durchzuführen, süßten innerhalb von 24 Stunden Ver- iikungen verfügbar sein zum Ausgleich Verluste in den Reihen der Angreifer, sif diese Weise würden aber die Verluste sinnloser Weise gesteigert. Logisch und smiinftig wäre es gewesen, die Truppen sräbergehend aus der Frontlinie zurück- saehen und ihnen in dieser Zeit Erholung «gönnen, sie von neuem auszurüsten und si dieser Gelegenheit auch die Reihen auf- alillen.

Die Streitigkeiten im gegnerischen Läger 5er die Verteilung der Verantwortung für ä bisherige Ergebnislosigkeit der Offensive M für die deutschen Verteidiger höchst 'interessant. Die Schlacht um Aachen hält -di, was den Materialeinsatz betrifft, . auf in gleichen Höhepunkt wie bisher. Der labrauch der Amerikaner an Artillerie- aoition ist nach Angaben Stimsons heute änmal größer als der der Deutschen. Die Triffswueht der nordamerikanischen Ver­öde hat jedoch merklich nachgelassen. Kss ist zweifellos eine Folge der schweren ^amerikanischen Verluste. Die beiden '^amerikanischen Armeen verloren auf Ti etwa 30 km breiten Angriffsstreifen ^ 60 000 Marin, die britischen und kanadi- Ti Verluste im holländischen Raum ,wur- von Churchill mit 40 000 Mann für die ='den Großkampfhandlungen angegeben.

T Hauptangriffsdruck des Gegners Tft sich gegenwärtig gegen die Rur- die von den Nordamerikanem im nordwestlich und südlich von Jülich Weht wurde, während die Angriffsspitze ~ Gegners im Raum westlich von Düren fT immer 10 km von der Senke dieses Tum Flußlaufes entfernt steht. Die ätsche Führung hat in diesem Raum viele Wsende von Geschützen konzentriert, über durch starke Flakkonzentration nnd, sich ständig verstärkenden Jägerein- ®Vin starker Luftschirm gespannt ist.

Nordamerikaner versuchen vergeblich, Tk Terrorangriffe auf die frontnahen y -sehen Städte diesen Luftschirm zu zer- , n und die deutsche Jägerkonzentration "fcuspalten.

zweite Schwerpunkt der Westschlacht n ach wie vor an der lothringischen T®. wo sich die 3. nordamerikanische im Vorfeld der deutschen Westbefesti- -T weiter vorkämpft. Der Gegner unter- ^®it in drei Abschnitten starke Angriffe, *'iich Sierck, östlich Busendorf und in Rich- ,6 auf Saarunion. Im Elsaß richten sich »schweren Abwehrkämpfe in der Haupt- Segen die Bemühungen der Amerika- T Una gaullistischen Truppen, ihre Ver- e aus den Räumen von Straß- ® vnd Mülhausen zu vereinigen ^ er > breiten Korridor zu ver- ' ^ er die deutsche Vogesenfront mit der Thebene zwischen den beiden Sperriegeln ^Erstem und nördlich Mülhausen ver- t Die Vogesenfront selbst wurde

"schwer umkämpft, wobei den Amerikanern auf der Paßstraße nördlich von Markirch in Richtung auf Schlettstadt. ein tieferer Ein­bruch gelang. Als Eckpfeiler der deutschen Vogesenfront, die im Raum von Gerardmer am weitesten nach Westen vorspringt, gelten die Räume von Schirmeck und Markirch.

An der Ostfront hält die relative Kampfruhe, weiterhin an. Gesteigerte Stoß­trupptätigkeit der Sowjets läßt jedoch auf einen baldigen Beginn der Vinteroffensive

im Osten schließen: Im ungarischen Raum sind die Sowjets im Abschnitt von Fünf­kirchen nach Norden eingeschwenkt' und bis Szegszard vorgedrungen. Ihr Ziel ist es offenbar, Budapest auch vom westlichen Donauufer aus anzugreifen. Bei weiteren sowjetischen Angriffen in diesem Raum sind korrepondierende Angriffe des Gegners auf Budapest auch vom Ostufer und unmittelbar vom Osten aus dem Raum von Hatvan zu er­warten.

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Stillstand und Rückschläge der Amerikaner

Wuchtige deutsche Gegenangriffe

Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 1. Dez. Stillstand und Rück­schläge das sind nach den heutigen eng­lischen und amerikanischen Berichten die charakteristischen Kennzeichen der gestri­gen Kämpfe bei Venlo und Aachen. In einem Reuterbericht wird erklärt, .in den' letzten 24 Stunden' seien die Deutschen fast jede Stunde zu energischen Gegenangriffen ange­treten. Diese Angriffe hätten ein derartiges Ausmaß und'eine solche Wucht angenommen, daß die X. amerikanische Armee einen Teil des von ihr früher gewonnenen Bodens wie- , der auf geben und zurückgenommen werden mußte. Ein amerikanischer Korrespondent erklärt:Unsere Truppen müssen für jeden kleinsten Gewinn heftig bluten. Selbst in der Luft, wo wir bisher die unbestrittene Über­legenheit hatten, sind die Verluste seit eini­gen Tagen überaus hoch. Ein englischer Kriegsberichterstatter gibt; zu, daß die Kämpfe der letzten sieben Tage für die Ame­rikaner und Engländer die weitaus verlust­reichsten des ganzen Krieges seien.

Was die übrigen Frontabschnitte betrifft, so verhält sich das offizielle Kommunique Eisenhowers auch heute überaus schweigsam! In Richtung auf das Saargebiet seien keine,

neuen Fortschritte zu verzeichnen. Das deut­sche Artilleriefeuer habe sich verstärkt. Das gleiche gelte für den deutschen Widerstand im Elsaß. Angesichts dieses Stillstandes der Operationen, vor allem im Frontsektor bei Aachen und Venlo, hat die britische Agitation gestern plötzlich umgeschaltet. Während es zu Beginn der großen Kämpfe hieß, nunmehr habedie Schlacht um Deutschland begon­nen und Eisenhower habe seinen Stoßgegen das Herz des deutschen Widerstandes be­gonnen, erklärt ein amerikanischer Kriegs­korrespondent im Hauptquartier Eisenhowers plötzlich, die britische und amerikanische Presse hätten' ein völlig irreführendes Bild der Vorgänge an der Front entworfen und einfach verantwortungslos . gehandelt. Ihre wilden Schlagzeilen, in denen die augenblick­liche Schlacht als die große Entscheidungs­schlacht um Deutschland bezeichnet wurde, seien völlig falsch gewesen. Es handele sich bei Aachen lediglich umörtliche Opera­tionen.

Das steht in hundertprozentigem Gegensatz zu allem, was amtlich, halbamtlich und pri­vat seit vierzehn Tagen im Hauptquartier Eisenhowers und In den Kriegsministerien von London und Washington über diese Schlacht erklärt worden ist !

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Reichsminister Dr. Goebbels bei einer Besichtigung.

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Bremen im Umbruch der Zeit

Von Kreisleiter Max Schümann

Vier große USA-Trnnsporier versenkt

Weitere Transporter schwer beschädigt

Tokio, 1. Dez. Das Kaiserliche .Haupt­quartier gab am Freitag bekannt, daß eine Mannschaft des Kamikaze-Fliegerkorps bei einem Angriff auf eine feindliche Transpor­tergruppe vor Tacloban drei große Transpor­ter versenkte und einen weiteren schwer Ge­schädigte. Ferner wurde in der Bucht von Leyte ein Transporter versenkt und östlich der Palau-Inseln ein großer Transporter schwer beschädigt.

' USA-FJngzeuglröger im Rückzug

Drahtbericht unseres Vertreters gi. Tokio, 1. Dez. Die prekäre Lage, in der sich die amerikanischen Einheiten auf Leyte befinden, läßt die notwendige Verstärkung zu einer Frage von Leben und Tod werden.- Gerade in dieser krisenhaften Lage kommt auf der amerikanischen Seite ein zweites ernstes Moment hinzu: Der kühne und rück­sichtslose Einsatz der japanischen Sonder- flugzeugstäffeln hat dazu geführt, daß sich die amerikanischen Flugzeugträger aus dem

Bereich dieser todesmutigen Flieger zurück­ziehen mußten, so daß dem in der vor­stehenden Meldung, erwähnten Geleitzug zürn, erstenmal keine Trägerflugzeuge als Sicherung beigegeben waren. Anscheinend glaubten die Amerikaner, Schlachtschiffe und Kreuzer seien auf Grund ihrer schweren Flakbestückung besser geeignet, die angrei­fenden Flugzeuge abzuwehren. Diese Auffas­sung ist durch die Wirklichkeit widerlegt worden.

Wollen McArthur und Nimitz ihre Flug­zeugträger schonen, dann müssen sie dies mit dem Verlust ihrer durch die Luftwaffe nicht geschützten schweren Einheiten bezah­len. Aus dem Dilemma gibt es keinen Aus­weg. Den Japanern aber kann es verhält­nismäßig gleichgültig bleiben, welche Feind­einheiten zuerst ausgeschaltet werden; für sie entscheidet der Erfolg als solcher, nicht die Reihenfolge. Und der Erfolg war in der letzten Zeit im Kampf gegen die Schlacht­schiffe genau so auf japanischer Seite, wie es in der ersten Phase, im Kampf hauptsäch­lich gegen die eingesetzten Flugzeugträger, gewesen war.

Vor wenigen Tagen sah ich einen unserer namhaftesten Künstler, wie er mit Zeichen­stift und Palette die Ruinen inmitten der sich machtvoll erhebenden Hochbunker auf dem Papier festhielt. Die zunächst flüchtig hingeworfenen Skizzen ließen bereits das Meisterliche erkennen, ünd als sie später ausgearbeitet Vorlagen, machten sie einen wahrhaft einmaligen Eindruck. Diese Bilder zeigen das Grauenhafte, Aufreizende und doch das Monumentale der Zerstörung. Es ist nicht möglich, das mit der Kamera fest­zuhalten, wie es ein Künstler erlebte, in sei­nem Innersten widerklingen ließ, um es 'spä­ter uns und der Nachwelt zu schenken.

Neben alten ehrwürdigen, historischen Bauten ist auch die Böttcherstraße zerstört worden. Die Böttcherstraße, die nicht nur allein in Deutschland, sondern darüber hinaus auch in aller Welt ein Begriff gewor­den war und gerade in allen Kreisen- der Kulturschaffenden eine sehr erregte Ausein­andersetzung über Für und Wider hervor­gerufen hat. Zeitschriften und Tageszeitun­gen ergingen sich in seitenlangen Aufsätzen. Nun ist sie nicht mehr. Wenn wir heute un­sere Schritte durch diese Böttcherstraße len­ken, dann muß man trotzdem gewisse Bauwerke mit Ästhetik und Kunst nichts zu tun hatten nur sagen: eigentlich schade! Mögen auch manche Straßenviertel nicht von einer hohen Baukultur getragen gewesen sein, so sahen wir doch darin die fried­lichen und behaglichen Wohnungen unserer Volksgenossen, in denen Zufriedenheit und Glück gepflegt und gehütet, wurden. Nun leben diese Menschen irgendwo weiter in dieser Stadt, der Hanse unter primitiven und beengten Verhältnissen, während andere in anderen Teilen des Gaues für eine gewisse Zeit Wohnung genommen hüben, um doch später wieder heimzukehren in die Stadt der Väter.

Ein angehender U-Bootkommandant, ein Ritterkreuzträger, der seit Monaten nicht mehr in' Bremen gewesen war, könnte mir nur angesichts der Trümmer und der sich an .diesem Tage wiederholenden Sprengungen

Chikagoer Lufifahrtkonferenz aufgeflogen

Und söwas will die ganze Welt neuordnen Anglo-atnerikanische Uneinigkeit

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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung g. Berlin, 1. Dez. 54 Nationen am Ver­handlungstisch vereinigt, zwei Jahre Vorver­handlungen, ein halbes Jahr intensive Vor­bereitungen das war die große internatio­nale Luftfahrtkonferenz von Chikago, die die Welt mit 1 einem Netz von Fluglinien überziehen und das Funktionieren des Ver­kehrs rund um den Erdball sichern sollte. Die Konferenz von Chikago ist nach wenigen Wochen Dauer aufgeflogen. Sie wurde heute abgebrochen, nachdem man feststellte, daß unter den 54 versammelten Nationen die zwei Hauptteilnehmer England und ÜSA sich nicht einigen konnten und nachdem schon ihr Beginn unter dem nnheilverheißenden Vorzeichen stand, daß die dritte Großmacht im Verein der. Gegner Deutschlands, die So­wjetunion, an den Chikagoer Beratungen nicht teilnehmen würde.

Das ; Schlagwortvereinigte Nationen wurde seinerzeit für die Gesamtheit der Kriegsgegner Deutschlands erfunden, als ein Symbol für die künftige zweckmäßige Ord­nung der Nachkriegswelt. Nun sind zweimal Versuche unternommen worden, für be­stimmte weltweite Probleme Lösungen zu fin­den die in die Nachkriegszeit hineinwirken: aufdem Gebiet der Lebens- und Bedarfs­mittelversorgung durch die sogenannte UNRRA auf dem Gebiet des zivilen Luft- Verkehrs durch die Chikagoer Konferenz. Beide Versuche haben in verschiedener Form zwar zu einem glatten Fiasko geführt. Die Idee planmäßiger Lebens- und Bedarfsmittelverteilung mündete, wie die

Neue -Zürcher Zeitung vor Wochen schrieb,

in ein Instrument der' Machtpolitik" aus. "Wer irgend in der Lage war, hielt sich von jenem UNRRA-Versorgungsapparat fern, der von USA-Machtinteressen beherrscht wurde: Sowjetunion und Jugoslawien, De-Gaulle- Frankreich, Holland und Belgien. Wer eigene Guthaben in USA besitzt, meint, daraus billiger einkaufen zu können als über die UNRRA, deren Beamtengehälter monatlich 2J20 000 Dollar verschlingen.

Nun kommt zu dem UNRRA-Fiasko das Fiasko der Luftfahrtplanung. Es wurden nicht nur die im Krieg gegen Deutschland stehenden, sondern auch neutrale Länder eingeladen. Die Einladung der Schweiz und Spaniens gab der Sowjetunion den Vorwand für die Stellungnahme, sie könne sich nicht mit halb- oder ganzfaschistischen Staaten an einen .Tisch setzen. Aber alle Beteiligten wußten: der tiefere' Grund für Moskaus Fernbleiben lag darin, daß es keine von fremden Piloten beflogene Luftlinien über seinem eigenen Gebiet haben will und daß es die Absicht hat, wenn sein Plan der Be­herrschung Europas gelingen sollte, genug Verkehr nach eigenen Wünschen ohne jede moralische oder vertragliche Bindung zu regeln. Es blieben als Großmächte England und die USA übrig. Im April war der USA- Staatssekretär Berle nach London gereist, Um Vorverhandlungen zu führen. Vor der Welt wurde enthüllt, daß die beiden Kriegs­partner sich gegenseitig zu übervorteilen suchten und daß 'England sich dabei als der Schwächere fühle.

Die Gründe: Beim Kriegsproduktionspro­gramm hatte England sich damit einver­

standen erklären müssen, leichte Flugzeug­typen, wie Jäger, zu bauen, während die USA schwere Bombertypen herstellten, die man sofort für Zivilbedarf umbauen kann. England mußte sich wegen seiner beschränk­ten Produktionsmittel ganz auf Militärflug­zeuge konzentrieren, während in USA Luft­waffe und Zivilluftfahrt eifrig zusammen­arbeiteten, in der Entwicklung doppelt ver­wendbarer Typen. Schön schickte die USA- Luftfahrtindustrie Reklamemeldüngen in die Welt: Luftlinie New YorkParis, 13% Stun­den für 250 Dollar, Luftlinie New York London in 12 Stunden für 235 Dollar, Luft­linie BostonLondon in 10% Stunden für 220 Dollar und im Pazifischen Ozean. wur­den die USA-Piloten planmäßig bereits für Zivilluftverkehr geschult;, während englische Flugzeuge dort überhaupt nicht vorhanden waren. Der Aufschrei Englands kam in Form eines Weißbuches: Internationale ^Regelung, eine internationale Kontrollbehörde als Schutz vor Konkurrenz, Preiskontrolle als Schutz vor Unterbietung. Aber die USA- Luftfahrtindustrie verkündete als ihren Wunsch: Uneingeschränkten Wettbewerb,

wobei sie sich finanzkräftiger fühlte als das durch den Krieg geschwächte England. Das war die Stimmung, in der die Chikagoer Be­ratungen begannen. Das Ergebnis? Ab­bruch, nachdem man den unbeschränkten Wettbewerb und damit Freiheit für die amerikanische Konkurrenz ablehnte.

Trotzdem Nachkriegsplanungen dieser Art haben ihren Wert, wenn auch einen negativen. Sie zeigen der Welt die Unfähig­keit der Planmacher, die versprachen, die Welt neu zu ordnen.

yoller Bewunderung und Ehrfurcht vor der Leistung dieser Bevölkerung sagen: Das ist-die Front 1

Was leistet hier der schaffende Mensch? Unser Tagesablauf ist so eingespielt, daß uns vieles nicht mehr so zum Bewußtsein kommt wie dem Soldaten, der tatsächlich von der Front kommt, ganz gleich welcher. Männer und Frauen stehen täglich inmitten der surrenden Maschinen, der Pressen, der Niethämmer und der unentwegt laufenden Transmissionen. Das Arbeitstempo wird nur durch'das Geheul der Alarmsirenen unter­brochen, urid selbst das Ankündigungskom- mando eines sich etwa abzeichnenden An­griffes wird so lange nicht beachtet, bis die Gefahrenstufe für das Werk angezeigt wird, und erst dann wird der Weg zunj schützen­den Bunker angetreten. Und wenn der Schaf­fende glaubt, das Tageswerk Vollendet zu haben, so wird ihm die wenige noch verblei­bende Freizeit abermals durch den Alarm zunichte gemacht, und er geht dann wie­derum ln die Bauwerke von Eisen und Beton.

Es wurde von der Front gesprochen. Eine Front setzt Soldaten voraus und wo wie hier in diesem Falle keine Soldaten sind, zumindest eine soldatische Gesinnung und Haltung. Soldaten lieben es nicht, von sich zu reden und mit den Waffentaten zu prah­len. In 139 Angriffen wurde Bremen wie ganz Deutschland zu einer einzigen Festung, genau so wie damals, bis um die Wende des 18. Jahrhunderts, als ein gutes System von Gräben und Bollwerken die Stadt umgab, um sich des Ansturms def Feinde zu erwehren. Der Kampf der Einwohnerschaft gilt heute nicht dem anstürmenden Feinde, sondern dem Feuer und der Zerstörung, das die Gangster aus der Luft zur Zeit noch fast straflosüber die schwergeprüfte Stadt bringen können. Aber nicht minder mutig und einsatzbereit wie einst die Vorfahren, so steht auch sie' heute ihren Mann.

Es hat in Deutschland eine Zeit gegeben, in der man die Bremer irgendwelcher anglo- philer Sympathien oder Tendenzen, verdacht tigte und Bremens Haltung bei schwereren Belastungen in Zweifel zog. Böse Zungen be­haupteten z. B. bis zu einer gewissen Zeit, Hamburg und Bremen würden die Engländer picht angreifen, weil sie viel zu klug wären, die Häfen zu zerstören und Weil die Kauf­leute dieser Städte so gute Beziehungen zur City in London hätten, daß aus diesem Grunde allein schon Rücksicht 'geübt würde, denn man wolle sich doch nicht gegenseitig das Geschäft verderben. Dasselbe meinte man von Hannover mit der Begründung, da diese Stadt einmal zum früheren englischen Kö­nigshause gehört habe, würde auch hier eine Schonung eintreten. Ebenso wie man sich flüsternd erzählte, daß in der einen Stadt Churchills Großmutter und in einer bewuß­ten anderen seine Verwandten zu Hause seien, und aus diesem Grunde geschehe diesen Städten nichts. Aber, das gehört nun alles der Vergangenheit an und alle Beteiligten sind sich darüber einig, daß man für simple Gefühle irgendwelcher Humanitätsduselei, die damit anfangen, daß der Engländer doch un­ser Vetter sei, in dieser gigantischen Ausein­andersetzung keinen Platz hat. Bremen ist aus Eigenem etwas geworden. Die Geschichte beweist, mit welchem Fleiß, mit welcher Zä­higkeit und Ausdauer untemehmungsbereite, aber auch risikotragende Männer nicht nur allein in Deutschland die Voraussetzungen für den Wohlstand ihrer Stadt schufen, son­dern daß sie darüber hinaus in alle Erdteile ihre Wege lenkten, um dort die Grundlagen, für das Blühen und für die Weiterentwick­lung dieser Hansestadt zu legen.

Wenn es den Bremern gelang, die gesamte Weltzentrale der Baumwolle in Bremen zu verankern und selbst Liverpool, nach dem verlorenen Kriege 1914/18, auszuschalten, dann will das etwas besagen. Ebenso wie der Tabak- und Kaffeehandel sich zu dem be­deutendsten, neben der nicht geringen Kon­kurrenz Europas, entwickeln könnte. Da« setzt Geschäftigkeit und Fleiß voraus. Beides