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parteiamtliche Tageszeitung
Pas Äffllsbloil des Regierenden Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen
Kammer 318 14. Jahrgang
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Bremen: Geschäftsstelle und Schrift» • leitung: Geeren 6-8, Kuf 219 31; Vacht- ^uf und sonntags , 2 4111; Syke« Mühlendamm 2; Bremen-Hemelingen: Bahnhofstr. 6, Ecke PoststraBe, Ruf 4 34 58; Bremen-Vegesack: Rohrstr. 24, Ruf 4 und 8; Bremen-Blumenthal: Kaplt.-Dallmann-Str. 41-r43, Ruf 88 u. 89
der Nationalsozialisten Bremens
Amtliches Verkündungsblait des Reichssialthalters in Oldenburg und Bremen
Freitag. 1. Dezember 1944
Einzelpreis 15 Rpf.
hwehr stärker als Angriffskraf 1
Im Rur-Abschnitt Kamp! in Elsaß-Lothringen noch vor eigentlichem Westwall
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fon unserem militärischen v. W.-Mitarbeiter Rll rabschnitt und Saarlinie sind die Ziele, jet Gegner an der Aachener Front und Ära mit allen Mitteln erstrebt. Doch &|ien sie nicht die Gefechte, welche im ^ in und hinter den Vogesen geführt jjjo der Feind seine operativen Um- aj^stendenzen durch den Aufbau eines finden Frontbogens wieder einmal ver-
^ 5T«Ä In a U en Abschnitten hat sich I . Feind mit starken Kräften fesseln lassen. Fahlti Verlangen ständige Verstärkung; denn *ih% (r Schlachttag reißt große Lücken in die rar eii* titanischen, britischen und gaullistischen :m sesii ^n- und Warenbestände. Aus dem nadl ta ^ seiner 'Reserven muß Eisenhower i neue Krafte an Front abgeben.
, | jat sich bereits eines Wesentlichen Teües
r rtifkjj jer operativen Reserve entledigen müssen, nächtig i er für ganz andere Zwecke verwenden 217, a jje als zur Weiterführung der Schlacht, fean Eisenhower glaubte, er könne ‘mit . Fortführung seiner ständigen Angriffe 5 a Jülich und Dürerrp Rur und die Flach- jj-Ve. iiperre bei Huertgen die deutsche Ab- “*1 % stärker treffen als seine eigene An- lte fö^t, muß er J e t zt feststeJlen,' daß die tWiMi ji des deutschen Widerstandes und un- Hti't «Gegenangriffe picht abnimmt, sondern k Aal [(anäßig stark bleibt. Dazu tragen die then Kräftezuführungen bei, die auf das iichtfeid gelangen. Der Gegner mag diese l üm immer geleugneten Reserven mit ne Kid aen betrachten, er kommt nicht darum ‘•W* h mit ihrer Gegenwart rechnen , zu fprajsä
a'te Es wirksame Verteidigungsriegel sehen die zt, itj in amerikanischen Armeen jetzt die r voi st üatechnitte der Rur vor sich, die 1 den :hlania img in das Kölner Flachland sperrt und «thF’- •. -■.- — J
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Ö, Sie iegt sich auch vor Jülich und tai und sichert diese beiden Plätze. Doch dt der;Feind an manchen Punkten noch im Kilometer weit vom Fluß entfernt' Das aww t. in dieser „Schlacht auf der Stelle“ äu viel, denn in jedem Falle wird der Weg sr feindlichen Divisionen über diese Entmutigen nicht leichter, und schneller zu- tezulegen sein als bisher. Eisenhower mag ii eine gewisse Entlastung durch die Bri- und — möglicherweise auch — Kanadier sprachen haben. Doch der britische Druck p die Mäas und nördlich Geilenkirchen, rh östlich der Maas nach Norden hat Wirkung auf die Schlacht östlich aeifgehabt.- Diese Hoffnung war vergeb- i, Auch mit dem Auftreten der Kanadier der nördlichen Verlängerung des Sehlacht- ses wird sich daran nichts ändern, äie Lothringer Schlacht, die der Feind des Saarbeckenä schlagen muß, bell ©jJlitigE seine ganze 3. amerikanische Armee der 7. USA-Armee. Mit seiner Entfaltung gegen die .Saarlinie. hat der aer nur wechselvolle Kämpfe auslösen aen, die für ihn — am Orschoizriegel Wie Sierck und westlich Merzig — nicht ohne «Schläge blieben. Die erste Berührung unseren Westbefestigungen war also in am Raum schmerzhaft. Das wiederholte s in den letzten Tagen, vor Saarlautern i nordöstlich St. Avold, wo es um eine die 5t nach Völklingen und Saarbrücken besehende Höhe ging. Seinen Zugriff auf = Saarlinie will Pattori nun auch von ■im her verstärken, auch muß ihm dafür steil der 7. USA-Armee Hilfestellung ge- 1 Auf der allgemeinen Linie Finstingen— idtsfä heiler—Hagenau’ sollten deren Panzer- °i- 16 Bf ^ die Moder gewinnen. Der Erfolg war 3 größer als bei den gleichfalls gesehei- i>® Durchbruchsangriffen im Raum Saar- oach Norden. Doch mag es ein Neben- * dieser Nordbewegungeh gewesen sein,
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die in den Besitz des Gegners übergegangene Pforte von Zabern gegen Angriffe von Norden her zu sichern.
Die Umfasung der Vogesen, vom Oberelsaß und von Zabern—Straßburg her betrieben, löste nicht nur scharfe örtliche Antworten aus, sondern auch eine operative Maßnahme, die die Verhinderung der Vereinigung der beiden Umfassungszangen durch Bildung zweier Sperriegel bei Erstein und Mülhausen betrieb, einen Rückenschutz für die Vogesenverteidigung schuf und diese gleichsam/ als frontalen Abschnitt in einen Frontbogen einbaute, der, sich vor den -mittleren • Oberrhein und seine Tiefebene legt. So wurde de; Zusammenhang zwischen unseren Truppen und ihren rückwärtigen Verbindungen über den Oberrhein wiederhergestellt. Der feindliche Einbruch in die .nördlichen und südlichen Ausläufer der Rheinebene wurde ab- geriegelt und sein möglicherweise operativer Einfluß auf die Ebene abgewandelt. Doch' verraten die feindlichen Angriffe bei Erstein, Barr, Mülhausen und an den Gebirgspässen der „Schlucht“, bei Majkirch und Schirmeck, daß der Feind sieh mit dieser Wendung nicht zufrieden geben will. -
1 Die vor Tagen von ihm auf gerissene Elsaß- Verteidigung zeigte ihm einen kurzen' Einblick in operative Gelegenheiten; doch verschwand die Aussicht auf' Verwirklichung mit dem Aufbau des Frontbogens am Oberrhein ebenso schnell wieder,' wie sie aufgetaucht war.- Der breitgezogene Südabschnitt der Abwehrschlacht liegt überall noch vor der eigentlichen Westverteidigung. \Vo der Feiitd, wie im Elsässischen, mit den 'Fernbatterien dieser Anlagen in Berührung geriet, wird er keinen falschen Erwartungen über deren Abwehrkraft erliegen. Bei näherer Bekanntschaft, wie sie die 3. USA-Armee westlich der Saarlinie und die Feindtruppen an der Aachener Frtfnt machen mußten, kann das Urteil .über die abstoßende Kraft unserer festen Linien nur noch ernster werden, wenn deren Anlagen östlich der Saar und am Oberrhein gegen mögliche Feind- unternehmungen zum Tragen kommen.
Niehl mal Nahziele erreicht
Drahtbericht unseres Vertreters sch. Lissabon, 30. Nov. Der Bericht General Eisenhowers vom Donnerstagmorgen
spricht sich über den Verlauf der Kämpfe bei. der amerikanischen Armee General Pat- tons, die in Richtung ‘ auf das Saarland vorzudringen versucht, sowie über den elsässischen Kampfraum nur äußerst unbestimmt aus und vermeidet jegliche Ortsangabe. Über die Kämpfe, der britischen 2. Armee ini Brückenkopf von Venlo wird nur gesagt, daß es dort zu schweren Kämpfen gekommen sei. Uber den Ausgang dieser Kämpfe wird nichts erwähnt. Bei Aachen wurden „weitere Fortschritte“ ostwärts von Geilenkirchen gemeldet, gleichzeitig aber auch neue Rückschläge durch deutsche Gegenmaßnahmen. Die amerikanischen Kriegskorrespondenten zählen in ihren Berichten immer wieder die Kilometer, die die amerikanischen Truppen noch von so weit vorgeschobenen deutschen Städten wie Düren und Jülich trennen, und posaunen es als einen großen , Erfolg aus, wenn amerikanische Truppen sich am Westufer der-Rur festsetzten. Aber die Ziele dieser nun bereits seit 14 Tagen im Gange befindlichen Offensive waren ja bedeutend weiter gesteckt und hießen nicht Jülich öder Düren oder die Rur, sondern Köin, Düsseldorf, Bonn uncj das Ruhr gebiet.
Taktische Umstellung des: deutschen Flakartillerie im Westen
Die Probleme des Luftkrieges im frontnähen Raum — Unübertrof fene Haltung der Bevölkerung
Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
bm. Berlin, 30. Noy. Der verstärkte anglo-amerikanische Luftwaffeneinsatz in den frontnahen Gebieten des Westens hat Probleme aufgeworfen, die sich sowohl auf den militärischen als auch auf den zivilen Sektor erstrecken und entschlossene Gegenmaßnahmen erforderten. A.uf militärischem Gebiet wurde deshalb' nach den Erfahrungen der drei Schlachten bei Aachen eine taktische Umstellung ini Einsatz cler deutschen Flakartillerie vorgenommen; im zivilen Sektor wurden alle Hilfsmittel mobilisiert, um durch Planung und Improvisation die Schwierigkeiten der Frontnähe herabzumindern.
Der Gegner setzt', im frontnahen Gebiet vor allem Jagdbomber ein, die durch ihre Angriffe den Nachsciiub zur Front abdrosseln sollen und bisher zur Erhöhung der Treffsicherheit vor allem den Tiefangriff wählten. Nacli Berichten deutscher Kriegsberichter hat der Gegner jetzt seine Taktik der Tiefangriffe aufgegeben und damit auf einen großen Teil' seiner Treffsicherheit verzichten müssen. Tiefangriffe werden vom Gegner jetzt nur noch in frontnahen Gebieten des deutschen Hinterlandes durchgeführt, nachdem im nahen und weiteren Bereich der Hauptkampflinie eine Flakabwehr von besonderer Engmaschigkeit und Stärke entwickelt worden,ist, die die Feindmaschinen im Durchschnitt zwingt, die Tausendmeterhöhe nicht zu unterschreiten. Diese neue taktische wehrzone der Flakartillerie reicht von der Front bis über den Rhein und hat ihre besondere Dichte an den Brennpunkten des Verkehrs. Angreifende feindliche Geschwader
werden lückenlos gewissermaßen von einer Flakartilleriestellung zur anderen weiter- gegeben,. Es ist eine besondere Straßenschutz-, Fähren- und Brückenfläk eingerichtet worden.
Der Nachteil, der durch die Herausnahme der- schweren Flakgeschütze aus dem Erd- einsatz gegen Panzer zutage tritt, wird dadurch ausgeglichen, daß den Erdtruppen inzwischen eine Reihe anderer Waffen mit gleicher Feuerkraft und noch größerer' Beweglichkeit zur Verfügtösg stehen. Insgesamt ist es jedoch gelungen, den Fluß des Nachschubs zur Front im wesentlichen ohne Unterbrechungen freizuhalten. Da Tiefangriffe mit genauer Zielmöglichkeit verhindert werden, sind heute die Straßen zwar von Bombentrichtern gesäumt, aber nur selten findet man auf der Straße ein zerstörtes oder ausgebranntes Fahrzeug.
Die äußerordentlichen Belastungen, die der Zivilbevölkerung durch die Steigerung der feindlichen Luftaktiyität auferlegt sind, können nicht verkannt werden. 'Vielmehr ist es notwendig, sie ausdrücklich zu schildern, um die Haltung der Menschen würdigen zu können, die trotz aller Belastungen ihr Arbeitsleben weiterführen. Die dringendsten Maßnahmen der zivilen Stellen gelten, der Aufrechterhaltung der Verbindungswege und des reibungslosen Produktionsprozesses. Die anglo- amerikanische Luftwaffe nutzt' jede Stunde klarer Sicht,- um mit ihren Jagdbombern Berufszüge zu beschießen und Bomben auf die Verbindungswege zu legen. Um das durch die ständige Einwirkung des Luftkrieges bedrohte und gestörte Bahnnetz funktionsfähig zu er-' halten, sind Ingenieure der Organisation Todt in engster Verbindung mit den Vertretern der
Reichsbahn - eingesetzt. Der Bahnhof einer Stadt liegt heute hier, morgen dort. Von transportablen Auskunftshäuschen aus werden die Reisenden gelenkt, Wenn der normale Fahrplan pausiert. Den reibungslosen Fortgang des Produktionsprozesses bemüht sich die Unternehmerinitiative oder die Lenkung von oben durch Vereinfachung im Transportwesen und durch Ineinanderfügeri der Ar- beitsgänge zu gewährleisten.
Zum Schutz der Bevölkerung sind nicht nur Keller und Bunker vorhanden, sondern es wurden vor allem auch stillgelegte Stollen naher Bergwerke nutzbar gemacht, in denen selbst Dampfheizungsanlagen vorhanden sind.
. Hier amtieren auch die Kartenstellen, haben Apotheken und Gemüsehändler ihre Verkaufsstände aufgeschlagen. Oft liegen hier auch die Befehlsstellen der zivilen Beihörden, die unter besonderer Leitung der Partei aus Lagebesprechungen die 1 notwendigen Maßnahmen ergreifen. Wo das Gas zum Kochen fehlt, sind aus Ziegelsteinen kleine Behelfskochstellen vorbereitet. Wenn die Milchversorgung stockt, wird der Transport aus der nächstgelegenen-Ortschaft organisiert. Planvolle Maßnahmen zur Überwindung; der Folgen <Ier letzten Luftangriffe Werden durchgeführt.
Es ist sicherlich ein sehr hartes Leben im frontnahen Gebiet, aber die Haltung der Bevölkerung verbietet dem Gegner jegliche Spekulation, die ein Zusämmenbrechen der Heimat in die militärischen Pläne einbeziehen möchte. Der-Westen lebt'heute unter dem Kriegsgesetz, aber, er bewährt sich in niemals zü übertreffender Form.
Churchill als bischer Prophet und Rätselnder
Wieder korrigierte Terminangaben — Deutsche Höchstleistung gegenüber steigender Müdigkeit in England
Kampfraum Elsaß.
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Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung
dr. w. sch. Berlin, 30. Npv.’ Am Tage vor seinem siebzigsten Geburtstag, an der Schwelle seines ächten Lebensjahrzehnt,_ hat der schlimmste Kriegsverbrecher aller Zeiten, Winston Churchill, nach einer mehr als dürftigen Thronrede des Königs zur Wiedereröffnung einer Sitzungsperiode des Unterhauses einen kurzen Bericht über die letzte Entwicklung des Krieges gegeben. Es mag zu einer Zeit, wo man sich im Feindlager auf Grund der Ereignisse seit dem Sommer absolut siegessicher gebärdet, seltsam erscheinen, aber es ist tatsächlich so, daß die Rede Churchills wie selten die ernstesten Zweifel nicht nur im Hinblick auf das zeitliche Ende, sondern auch auf den Aiisgang des Krieges überhaupt durchblicken läßt.
Bei seiner Veranlagung mag man manchmal auf den Gedanken kommen,, als ob für Churchill die Dauer des Krieges keine übergeordnete Rolle spiele, daß für ihn vielmehr der Krieg einzig um des Krieges willen da sei.' Als fünfundzwanzig jähriger Kriegs- korrespöndent der „Mommg Post“ in Südafrika hat dieser dekadente Torysproß aus dem viktorianischen Zeitalter, dessen Erbe er nach dem Zeugnis, des soeben veröffentlichten Weißbuches völlig verspielt hat, sich zu der Auffassung bekannt, daß weder Whisky noch Theater noch Frauen seine Nerven sö erregen konnten, wie der Anblick des Krieges, ripm der Krieg sei für ihn die größte Sensation und gebe ihm mehr als alle anderen Zerstreuungsmittel des 20. Jahrhunderts. In dieser Beziehung hat sich der bösartige und stur eigensinnige siebzigjährige Greis gegenüber dem jungen_Mann an der Jahrhundertwende ear nicht geändert.
Offenbar darum hat er auch gar kein rechtes Gefühl dafür, wie «..auf die öffentlloh- keK seines eigenen Landes schließlich wirken muß, wenn er immer wieder Prognosen über die Dauer des Krieges ausspricht, die schnell
von den Tatsachen überholt werden, und wenn er dann dreist und. frech stets eine neue Prophezeiung auszusprechen wagt.
Nach der Casablanca-Konferenz zu Anfang des vorigen Jahres sollten nach Churchill die großen Entscheidungen eintreffen, wenn die Blätter im Jahre 1943 gefallen sein würden. Im Herbst mußte das erwartete Ende bis Weihnachtin hinausgeschoben werden. Als es auch damit nichts wurde, Stellt Churchill nach dem Beginn der Invasion den sicheren Sieg bis zum Ende dieses Jahres in Aussicht. Als Sich die unerwarteten Auswirkungen der erneuerten Widerstandskraft im Gren£raum des Deutschen Reiches abzuzeichnen begannen, sah sich Churchill zu einer erneuten Korrektur veranlaßt. Er erklärte, woran er am Mittwoch im Unterhause erinnerte, daß er vor kurzem „einige verfrühte „Hoffnungen durch die Erklärung dämpfen wollte, daß der Krieg gegen .Deutschland noch 'bis zum Januar oder Februar dauern kpnne“. Auch das wollte er kurz darauf .schon nicht mehr wahr haben, indem er zur großen Enttäuschung der Öffentlichkeit, wie er selbst jetzt registriert, darauf hinwies, „daß der Spätfrühling oder der Anfang des Sommers die Zeiträume sein könnten, die als Möglichkeit des Sieges ins Auge gefaßt sind.“
Auch das Ist nunmehr bereits überholt. „Augenblicklich“, so sagte Churchill am Mittwoch, „bin ich geneigt, diese Prophezeiungen oder dieses Raten — denn es dürfte kaum mehr als ein Raten sein — in keiner Weise zu mildem, Wenn Ich überhaupt irgendeine Veränderung hinsichtlich der Dauer der sich entwickelnden E.eignisse vornehmen müßte, so würde sie darin bestehen, das Wort ..Anfang“ vor den Worten des „Sommers“ wegzulassen.“ .
Das ist wirklich ein unglaublich verbrecherischer Zynismus gegenüber der ganzen Welt und vor ‘allem auch gegenüber dem eigenen Volke. Ein Krieg wird entfesselt, ''weil man ihn als Rauschgift braucht, und
hinterher • stellt man sich hin und fängt an zu raten, gewissermaßen sich an den Knöpfen abzuzählen, wie lange dieser Rausch däuern'und wie er wohl enden könnte. Daß es ein furchtbarer Katzenjammer ohne Ende werden muß, das bezeugen die nüchternen Tatsachen und Feststellungen des soeben veröffentlichten Weißbuches, daß die unaufhaltsame Liquidation des Empire in nackten Zahlen widerspiegelt.
' Wenn Churchill feststellt, daß ein erfolgreiches Ende des Krieges „immer weiter vor uns zurückzuweichen scheint“, so wird seine Auffassung zweifellos sehr wesentlich mitbestimmt von der Erkenntnis, daß die Stimmungsfaktoren auf der letzten Strecke des Rennens eine immer,. bedeutsamere Rolle spielen und daß sich in-dieser Beziehung eine grundlegende Wandlung der Dinge hüben' -und drüben vollzogen hat. Der britische Premier erinnert daran, daß die Zeit der hoch-' sten Gefahr für Großbritannien in den Jahren 1940 und 1941 zu einer Höchstleistung der englischen Kraftanspannung geführt habe, daß es aber bedeutend schwieriger sei, etwas Gleiches im sechsten Kriegsjahr zu vollbringen, wenn auf der letzten Strecke die Kriegsmüdigkeit und der steigende Überdruß immer stärker werde, während andererseits zu erkennen sei, daß nunmehr die Deutschen es seien, die angesichts der Drohung des Einmarsches in ihr Land zur Höchstleistung angefeuert würden. Churchill scheint also inzwischen begriffen zu haben, daß es das deutsche Volk ist, das auf der mühsamen Bergbesteigung bei der Annäherung des Gipfels die weitaus stärkeren moralischen Kraftreserven zur Geltung r ; \ bringen vermag und daß es eben darauf arikommt, wer in dieser Beziehung am Ende der Stärkere ist. . ' J
2000 Dockarbeiter In einem Londoner Dock legten teui Reuter wegen einer geringfügigen Meinungsverschiedenheit die Arbeit nieder.
Neue Gesichter in USA
Von
Dr. Adolf Wolfard
Um es gleich vorwegzunehmen: System und äußerer Kurs bleiben unverändert, selbst wenn jetzt nach und nach andere Gesichter im Vordergrund der politischen Bühne der. Vereinigten Staaten erscheinen. Ganz gleich, welche Figuren nach vorn geschoben werden, sie führep doch nur die Aufträge der Interessentengruppen aus, deren Kandidaten sie waren. Denn niemand kann' in den USA in ein hohes Amt kommen, der nicht von irgendwelchen großen Gruppen „gemacht 1 ', „ge- managed“ wurde, und seine „Macht“ kann er ' nur insoweit auch gebrauchen, als es im Interesse seiner Auftraggeber ist, will er nicht ■ anders politischen Selbstmord begehen und sich bald genötigt sehen, von der Bildfläche zu verschwinden. So will es' die Praxis des „freien“ Amerika, des Mutterlandes der Demokratie ... \
Trotzdem ist es von Bedeutung zu wissen, mit welchen Akteuren man es in Zukunft drüben zu tun haben wird. Denn der Wech- ■ sei im Außenministerium ist gewissermaßen erst das Startzeichen für die personellen Veränderungen, die es nach und nach in zunehmendem Maße geben Wird. Man,darf ja nicht vergessen, daß die Roosevelt-Administration jetzt zwölf Jahre im Amt ist und weitere vier Jahre vor sich hat, — ein unerhörter Vorgang in der Verfassungsgeschichte der Staaten, Die bisherigen Mitspieler des Präsidenten sind jiachgerade. „verschleißt“. Sie sind entweder zu alt geworden, wie der 73jährige Cordeil Hüll, oder sonst zermürbt durch die Sorgen und Nöte ihrer Ämter oder die Dreckschleuderei des politischen Tageskarhpfes.
Das Roosevelt-Regiine schreit, mit anderen Worten, nach Verjüngung. Zu oft hat die gegnerische Presse dem Kabinett schon vorgerechnet, daß es größtenteüs aus alten, verbrauchten und dadurch mürrisch gewordenen Leuten bestehe. Selbst der Herr und Meister, „F. D. R.“, wie Ropsevelt nach seinen Initialen kurz genannt wird, ist ja nicht frei davon. Er ist mit den Jahren müde und reiz-, bar geworden. Die Sorgen des von ihm als letztes Schutzmittel vor dem Zusammenbruch seiner persönlichen Politik, des New Deal, herbeigerufenen Krieges haben das „Keep smiling“ von seinem Gesicht verscheucht, und längst sind die Jahre vorbei, da der Scharm seines gewinnenden Wesens die Wähler bestach. Sie haben Um nur deshalb ein viertes Mal gewählt, weil es nach geheiligter Anschauung —"der Amerikaner ist heute in größerem Maße als der Europäer ein Gefangener der Tradition — nicht tunlich ist, die Pferde mitten im Strom zu wechseln. Das ist eine Erfahrung aus der Kolonialzeit, deren Andenken drüben hoch im Kurs steht, aus den Kämpfen zwischen Indianern und Trappern. Es mag ferner dabei mitgespielt haben, daß das amerikanische Volk aus einem gewissen Korpsgeist heraus glaubte, vor der Welt und namentlich vor uns, den Gegnern, seinen Kriegspräsidenten nicht desavouieren zu sollen, so unzufrieden es im übrigen auch mit Roosevelt ist.
Nun aber, nach geschlagener Schlacht, vermeint der Herr des Weißen Hauses, erst einmal auf seinen Lorbeeren ausruhen zu können. In der letzten Pressekonferenz hat er, angekündigt, daß er möglicherweise ein.en langen Urlaub antreten werde, was nicht gerade für seine Gesundheit spricht. Und dann fügte er geheimnisvoll hinzu, er werde wahrscheinlich einen- Entschluß fassen, der alle überraschen werde! Schon diskutiert man in Washington eifrig, was der als sehr sprunghaft bekannte Präsident Vorhaben könne. Wird er während seiner Abwesenheit die Führung der Präsidialgeschäfte an den Vizepräsidenten abgeben? An seinen neugewähl-- ten Stellvertreter Harry S. Trumau also? Allerdings ist bis zum 4. März nächsten Jahres noch Henry Wallace im Amt, den Roosevelt vor der Wahl abschüttelte, weil er sich zu weit nach links -entwickelt und dadurch deh wütenden Protest der konservativen „Southeners“, der Südstaatler, hervorgerufen hatte.
Nein, das Experiment Wallace ist vorüber. Nach dem Rücktritt von John Nance Gar- ter, der während der ersten beiden Amtsperioden Roosevelts Vizepräsident gewesen, war, der aber als stachliger Texaner den un-' bequemen realistischen Widerpart zu Roosevelts New-Deal-Experimenten dargestellt hatte, zog Roosevelt Wallace in den Vordergrund. Aber dieser ehemalige Farmer meinte es ehrlich mit den Parolen für den „forgotten man“, den vergessenen kleinen Mann, und deshalb schob ihn das „big business“, Industrie und Großkapital, beiseite. Dieser Mann hielt ja geradezu sozialistische Reden! Er durfte nicht wieder in das Zweigespann neben Roosevelt! Und selbst jetzt, als Hulls Platz neu besetzt werden mußte, fiel Wallace hin- ten'ab, obgleich er sehr stark mit dem Außenministerium geliebäugelt hatte. Der ehemalige Direktor von General Motors und spätere Stahltrustpräsident Edward S t e 11 i n i u s wurde Staatssekretär. Nicht nur „big business", sondern geradezu die Rüstungsindustrie, zog in das über Krieg und Frieden, Handelspolitik und Auslandsgeschäft entscheidende IVfinisterium ein!
Die neue innenpolitische Richtung gab sich damit kund. Roosevelt hat‘seinen Frieden mit dem Großgeschäft geschlossen. Er hat ihm, da er nach seinen fehlgeschlagenen wirtschaftspolitischen Experimenten nicht mehr aus und ein wußte, den gewinnbringenden Krieg beschert, und nun drückt sich diesÄ Wandel auch nach außen hin personell au« einer der alten New Dealer nach dem andern wird von Roosevelt hinausgeschmissen I WaS