Ausgabe 
(28.11.1944) 315
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Parieiamtliche Tageszeitung

Dos Amtsblatt des Regierenden Bürgermefslers der Freien Hansestadt Bremen

^ Rümmer 315 14. Jahrgang

^Bremer9ladiriditett

der Nationalsozialisten Bremens

Amtliches Verkündungsblatt des Reichsstatthaliers in Oldenburg *w*d Bremen

Einzelpreis 15 Rpf.

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Wochenende politischer Ansen

Polen. Italien« Belgien • Moskau setzt sich überall gegenüber Westmüchten durch

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, Drahtbericht unseres Vertreters

, c]5 Lissabon, 27. Nov. „Ein Wochen- , i; d cr Krisen liegt hinter den Alliierten, 'ndaMb ist kein Ende dieser Krisen abzu- ^ 55 ,“ In diesen Worten faßt ein Funk- . ,j.' at a ns London die Ereignisse der letzten ,, j.jjden zusammen. Krise in Italien — ^BSäBinenbrach im polnischen Emigranten- b „ r _ Katastrophe in Belgien — Hunger ^ jsdholl&nd — neue Rückschläge im s 5»Sa j 3BP (sektor der Westfront bei Köln und nn( j schließlich Rücktrittsgesnch von Bä!i. des Leiters der amerikanischen Außen- wlifik. Unter diesen Schlagworten läßt sich je politisch-militärische Lage heute zusam- E?nfassen. Die Truppen der. Westmächte liiamen an der Westfront nicht vorwärts, sährend gleichzeitig die Westmächte diplo- tuüsch und politisch entgegen dem über­mächtig anwachsenden Einfluß der Sowjet- cra in den von ihnen besetzten Gebieten «dämpfen müssen.

Oie neue polnische Krise, die, wie be­sätet, mit dem Rücktritt Mikolajczyks aus- :h, erscheint am Montagvormittag so gut r» hoffnungslos. Der mit der' Kabinetts- süung beauftragte Sozialdemokrat Kwa- i gab gestern abend zu, er habe wenig Sachten, ein Ministerium auf die Beine «stellen, da er bisher weder die Zustim- 32 ig der Bauernpartei, noch der National- öaokraten gefunden habe. Hinzu kommt, y Moskau Kwapinski von vornherein rund- rs ablshnt. Im Kreml sah man in Miko- ijczyk das gegebene Instrument ?ur allmäh- iasn Überführung der polnischen Regie- rnssbefugnisse von London auf den Pölen- in Lublin. Düster drohend erklärte ran im Kreml, der Rücktritt Mikolajczyks örfte „zum mindesten“ eine bedenkliche" Tsiögerung in den Verhandlungen herbei- iihren, vielleicht sogar ihren Abbruch. In Itedoh und Washington hat man diesen sehr wohl verstanden, und England ö oie USA geben Kwapinski keinerlei Erstellung. Die Londoner Blätter Unter­seiten samt und sonders, die Aussichten, ej sowjetisch-polnisches Übereinkommen zu etiea, würden beträchtlich geringer wer­fe wenn es Kwapinski gelingen sollte, eine Eigierung zu bilden. Nur wenn Mikolajczyk herangezogen würde,

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niedheraus: „Die Schüsse vom Sonn­

geworden. Seine Bemühungen, Tonnage für Lebensmitteltransporte aus Übersee zur Ver­fügung gestellt zu bekommen, seien völlig ergebnislos gewesen. Das Land hungere, und aus diesem Hunger entstehe das jetzige Chaos. Trotzdem verpflichtete sich die Regie- -rung Pierlot durch den Mund ilires Chefs erneut, „drastische Maßnahmen" zur Ver­hinderung weiterer Unruhen zu treffen. Sie versprach den Besatzungsbehörden, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um die Ablieferung der in illegalem Besitz befindlichen Waffen sicherzustellen. Aber angeblich waren diese Waffen bereits alle am vergangenen Sonntag abgeliefert worden. Von alliierter militärischer Seite wurde gestern erneut damit gedroht, jede zivile Regierung abzusetzen und die Ver­waltung des Landes in militärische Hände zu legen.

Die englische Regierung selbst versucht nach wie vor, die ihr ergebenen Statisten in Brüssel im Amte zu halten. Sie steht vor der Gefahr, im gleichen Augenblick nicht nur im östlichen Polen die Männer Moskaus endgül­tig an die Macht kommen zu sehen, sondern auch im westlichen Belgien und im südlichen Italien. Dabei- stößt das britische Kabinett aber bereits auf den Widerstand der sowjeti­schen Hilfstruppen im eigenen Lande. Zu ihnen gehört beispielsweise der auf dem lin­ken Flügel stehende 'Unterhausabgeordnete Shinwell, der am Sonntagabend gegen die „Einmischung“ der interalliierten Militär­behörden in die Widerstandsbewegung Bel­giens und auch Frankreichs protestierte. Es sei immöglich, diese „Volksbewegung“ aus militärischen Gründen zu unterdrücken. Der Redner sprach ganz im Sinne Moskaus, wenn

er erklärte, die von England und Amerika eingesetzte Emigrantenregierung sei weiter nichts als die Vertretung der „industriellen und Finanzmagnaten“, die nach dem Abzug der Deutschen das Volk erneut auszubeuten versuchten.

Angesichts dieses völligen Durcheinanders sind die Berichte der englischen und ameri­kanischen Korrespondenten aus Brüssel samt und sonders auf einen überaus ernsten, ja verzweifelten Ton gestimmt. Jedenfalls nimmt der Einfluß der Straße und damit auch der Einfluß Moskaus unaufhaltsam zu, und die Vertrauensmänner der Westmächte, d. h. die Minister rings um Pierlot, werden zü immer unpopuläreren Polizei- und Unterdrückungs­maßnahmen gezwungen, die der Moskauer Bewegung stets neuen Zuzug zuführen.

Erfolgreiche Gegenangriffe im Kampfraum von Aachen

Wachsender Druck der Nordamerikaner in Lothringen und in den Vogesen j

Berlin, 27. Nov. In Lothringen sucht die ‘ nach kurzer, aber sehr starker Artillerievor-

ein neues

si üeHeieht noch Aussicht auf Sompromiß.

In R o m hat man verzweifelte Versuche !®acht, die Pappfassade der Bonomi-Regie- rag, die durch die Demission des Minister- präidentsn eingestürzt war, wieder aufzm- nchten. Dies ist angeblich nach vielen Be­ladungen auch gelungen. Unter stärkstem iruck der Westmächte hab§n die im Kabi-

_ SK vertretenen sechs Parteien beschlossen,

der bisherigen Koalition festzuhalten, und fer sogenannte Statthalter Prinz Umberto bat ® späten Abend des Sonntags Bondmi, noch QHnal ein Kabinett auf der bisherigen Grundlage zu bilden. Offensichtlich sollen ver­miedene der bisher für „untragbar“ erklär- f® Forderungen der Kommunisten, die . den ^mittelbaren Anstoß zur Demission Bonomis Bdeten, nunmehr doch erfüllt werden. Nur Ms dies völlig unmöglich sei, soll man an ® Bildung eines sogenannten „Fachkabi- Ie 'ts“ denken, d. h. ah das alte, letzte Ret- G^ismittel, wenn man in einem parlamen- ^hen Regime am Ende seines Lateins "klangt ist.

fe schlimmsten sah es am Montagmorgen i Brüssel aus. Die Stadt steht ganz unter Eindruck der schweren Unruhen, die sich I 31 großen Teil direkt unter den Fenstern ** Amtsgebäudes Pierlots ereigneten. Wäh- -d das Kabinett Pierlot in seinem Sitzungs- tmer verzweifelt nach einem Ausweg suchte, dui die Belgier unter ihren Fenstern von und Soldaten erschossen. Die Regie- -tg sprvijt zwar in ihrem amtlichen Bericht von Verwundeten; die Widerstandsbewe- ? aber behauptet, daß zahlreiche Belgier ^tet worden seien.

Führer der Revolte gegen Pierlot ist J* e bwna!ige Minister im Kabinett Pierlot,

3. nordamerikanische Armee die Saarlinie zu gewinnen. Sie drückt deshalb mit ihrem lin­ken Flügel gegen den Erscholz-Riegel zwi­schen Mosel und Saar und mit der Masse ihrer Kräfte weiter östlich gegen den Ab­schnitt St. Avold—Saarunion. Gleichzeitig erstrebt die 7. nordamerikanische Armee eine Verstärkung ihrer Position im Elsaß durch forcierte Angriffe in den Vogesen und an der Bürgundischen Pforte. Im bjordteil der Westfront fühlten die Briten gegen unsere Maas-Brückenköpfe mit stärkeren Kräften vor.

Bei Aachen selbst gelajag es den zusammen­gefaßten Angriffsverbänden der 1. und 9. nordamerikanischen Armee am Sonntag, dem zwölften Tage der großen Materialschlacht, wiederum rächt, sich näher an die Börsenke, die erste größere Verteidigungslinie östlich der Stadt, heranzuschieben. Trotz sehr star­ker Bomberunterstützung blieben die An­griffe beiderseits Jülich abermals ohne Er­folg, da unsere Truppen den Straßenknoten­punkt Koslar sowie Beurheim, das zum drit­ten Male den Besitzer wechselte, wieder be­freiten. Auch die östlich Eschweiler nun­mehr in Aktion getretenen nordamerikani­schen Panzerteserven konnten keine neue Entwicklung einleiten. Ihre geringen Ge­winne des Vortages in Richtung auf die Straße Weißweiler—Langerwehe . wurden

ihnen durch sofortige Gegenstöße wieder streitig gemacht. Volksgrenadiere stürmten

bereitung südlich der Straße die Höhe 203 und dringen weiter nach Südwesten vor.

Auch im Hochwald nördlich Hürtgen, wo' der Gegner die von Südwesten nach Düren führende Straße ■ zu gewinnen sucht, schei­terten mit Panzerunterstützung geführte starke Angriffe bei Groß-Häu, während der bei Hürtgen örtlich eingebrochene Feind 'zu­rückgeworfen wurde.

In Lothringen erlebte der linke Angriffs­flügel der 3. nordamerikanischen Armee zwi­schen Remich und Merzig ebenfalls einen Rückschlag. Volksgrenadiere befreiten Butz­dorf und drückten die Eindringlinge noch weiter zurück. Auf der Straße nach Saar­brücken versuchten die Nordamerikaner ver­geblich, St. Avold, einen der stärksten Stütz­punkte der - allen Magmoc-Liiüe, ‘ gegenüber von Saarbrücken, in Besitz zu bekommen. Hier und weiter südlich, wo der'Feind an der Straße nach Saargemiind durch Gegen­angriffe getroffen wurde, dauern die Kämpfe noch an._ Sehr hart und für beide Teile ver­lustreich war das Ringen zwischen Saarunion und Saarburg. Die feindlichen Panzerver­bände, die bereits am Vortage vergeblich ver­sucht hatten, die Westflanke unseres nach Süden vorgedrüngenen Angriffskeils aufzu­reißen, konnten zwar unsere Kräfte binden, aber selbst keine Fortschritte machen. Zwi­schen Vogesen und Oberrhein fühlten sich die Nordamerikaner zwar in Richtung auf Hagenau vor, warten im übrigen aber offen­

sichtlich das Ergebnis des Ringens um die Paßstraßen in den mittleren Vogesen ab. Dort stürmte der Feind zwischen Schirmeck und Markirch mit starken Kräften an. In schwe­ren, durch Schneestürme behinderten Kämp­fen konnten unsere Truppen die vorgedrun­genen feindlichen Kolonnen auffangen.

Zwischen Vogesen und Schweizer Grenze sind neue harte Kämpfe um die Burgundi- sche Pforte entbrannt. Mit starken, neu herangeführten Kräften berennt der Feind unsere Riegel nördlich Beifort und den Ab- schnürungskeü zwischen Dammerkirch und Schweizer Grenze von Westen und Osten. Die Brennpunkte der erbitterten Kämpfe lagen im Raum von Maasmünster und an der Straße Delle—Basel. Im Gebirge wurde der Ungebrochene Feind in schweren Kämpfen wieder äbgeriegelt. ln der Nacht zum Montag gelang es ihm jedoch, in der Nähe der Schweizer Grenze die gesperrte Verbindungsstraße wieder aufzubrechen. In sofortigen Gegenangriffen suchen unsere Grenadiere zur Stunde den Durchlaß wieder zu schließen.

Wenn mit Ausnahme der südlichen Voge­sen die Kämpfe des Sonntags das Frontbild auch nur unwesentlich veränderten, so läßt der wachsende Druck des Gegners doch darauf schließen, daß er, abgesehen vom Aachener Raum, auch im östlichen Lothrin­gen und im Elsaß rasche Entscheidungen herbeizuführen sucht.

Aktivierung der südosiasiaiischen Fronten

Mountbattens Pläne — Japans Gegenzug: Veberlandverbin düngen durch China

Von unserem militärischen v. W.-Vertreter

Der Monsun, der tiefgreifende Ordner des Lebens Südostasiens, ist vorüber. Er bestimmt auch Kampf und Pause an den Fronten. Seine Einflüsse sind heute noch zu groß, als daß sie von den Kriegführenden übersehen werden könnten. Darum wirkt er wie eine Zäsur auf alle militärischen Handlungen. Das Ende seines Einflusses läßt darum auch neue Pläne Gestalt gewinnen. Sudostasien hat in der Feldzugszeit vor dem lebten Monsun keine Veränderung erfahren. Wohl sprach man damals viel von den Kämpfen um Imphal, doch bevor sie noch eine Ent­scheidung brachten, unterbrach der Mon . sun die Gefechte. Alles blieb, wie es vorher gewesen war. Das gleiche kann fvur as nördliche Birma gesagt werden, obwohl sich hier Engländer, Amerikaner und tschungkmg- ebinesische Hilfstruppen bemüht hatten, Raum nach Süden zu gewinnen. Der harte Widerstand von 8000 Japanern bei Myitkyina bis zum letzten Mann dauerte 3 Monate. Das war zu lange, als daß sich der Gewinn

von Myitkyina noch operativ hätte zugun­sten der feindlichen Kriegführung auswir­ken können. .

Im Grundsätzlichen darf erwartet werden, daß unter der Führung Mountbattens die feindlichen Kräfte aktiv werden. Offensive Pläne werden 1 'unter der Decke emsiger und umfangreicher Vorbereitungen sichtbar. Wo sie an die Oberfläche kommen werden, ist noch mit Geheimnis umgeben, liegt trotzdem aber an Hand festgestellter Beobachtungen einigermaßen fest, weil das Gesetz des Han­delns sozusagen von den Räumen her be­stimmt wird, welche. der "Feind an sich reißen will. Rücksichten auf die allgemeine militärpolitische Lage bestimmen alles, was der Feind tun wird. Da ist zunächst die ver­zweifelte Lage Tschungkings zu berück­sichtigen.

Die Wiedereröffnung der Birmastraße wäre schon eineh Feldzug wert, denn in der bis­herigen Isolierung können Engländer nnd Amerikaner Tschiangkaischek nicht lassen, wenn sie nicht eines Tages eine volle Kata-

ffl a n y. Dieser hat alles getan, um jedes . “äiproraiß unmöglich zu machen. Er er’

haben den Konflikt zwischen der Re- j**®? und der Widerstandsbewegung znm ««len Ausbruch gebracht. Eine Verständi- oder ein Kompromiß sind heute unter ^*0 Umständen unmöglich. Gestern konnte n och von Mißverständnissen sprechen, ist es der offenkundige Kampf.“

berichtet dazu, die sogenannte Wi- •'"-andsbewegung, die völlig unter kommü- Leitung steht, sei entschlossen, ® Vertrauensmann Demany zumPremier- zu machen. Alles dies geschieht unter r asomatischer“ Fassade. So erklärte denn auch in einer Demonstrationsver- ryS'-iUEg: „Es ist jetzt nötiger als je zuvor, ^te-tzige faschistenfreundliche Regierung eine demokratische zu ersetzen“. Eng- hat sich wohl nie träumen lassen, daß ergebene Kabinett Pierlot binnen so Zeit als faschistenfreundlich abgelehnt ■-te würde. Sein Leiter wandte sich erneut an seine Auftraggeber in London .’''a mgton und erklärte ihnen; „Wenn ' fen Belgiern nicht Brot verschaffen, wird kurzem überhaupt keine Regierung möglich sein“. Pierlot betonte weiter. ~ kbensmittellage sei nach dem Aussetzen a* der letzten Zeit gewahrten mihtäri- '•-B Hihsiieferringen erneut katastrophal

„Umdekorierte Schaufenster"

Hintergründe der Regierungsumbildung in T,schungking

Drahtbericht unseres Vertreters

u. Genf, 27. Nov. Die Umbildung der Re- eierung Tsehiangkaischeks erweist sich nach englischen und amerikanischen Pressestun- mm als das Ergebnis einer tiefgehenden Krise in Tschungking. Die stark kommu- nistenfreundlicbe amerikanische Linkspresse, die schon seit längerer Zeit bekanntlich eine für einen „verbündeten Staat“ auffallend heftige und einheitliche Kritik an Tschiang­kaischek übt, behauptet zwar, daß nur „die. Schaufenster umdekoriert“ worden seien: in Wahrheit aber handelt es sich offensichtlich um einen inneren Kampf der beiden Flügel

der Kuomintang. . ‘ „ .

Bei der Regierungsumbildung hat der unke Flügel entschieden gesiegt, der das Einpartei- system bekämpft. Die abgetretenen Minister, namentlich der Finanzminister Kung, der Kriegsminister und der Erziehungsminister, werden schon seit längerer Zeit scharf kriti­siert und ihre Nachfolger sind Männer, die für eine Zusammenarbeit mit den chinesi­schen Kommunisten mehr Bereitschaft zei­gen als ihre Vorgänger. Namentlich-der neue Kriegsminister Cheng hat in der Vergangen- >

heit sich wiederholt den Kommunisten an­genähert.

Die letzten äußeren Anstöße zur Regie- rungsumbüdung, die die innere Krise zum Ausbruch brachten, sind dann von der Ab­berufung Stiüwells und von den Erfolgen der Japaner in Südchina ausgegangen. Man nimmt in Tschungking die japanische Offen­sive in der Provinz Kwansi landeinwärts von dem neueroberten Liutschau offensichtlich sehr ernst. Man glaubt, daß die Japaner durch diese Offensive die Wiedereröffung einer Straßenverbindung zwischen Tschung­king und Indien über Nordbirma verhindern wollen, und da mit einer solchen dauernden Unterbrechung des chinesisch-indischen We­ges die Versorgung Tschungking-Chinas und eine Besserung seiner sehr ernsten Lage ver­hindert werden könnte, sah man sich ange­sichts dieser Besorgnisse z» inneren Reform­versuchen genötigt. Freilich macht man in Tschungking nach wie vor geltend; man brauche von Amerika nicht so sehr Kritik, als vielmehr Steigerung der immer wieder versprochenen und immer wi-d^r nur unr.u- , Staaten geleitet hat, war eine echt amerika- i isngiipb geleisteten Hilfe. I tusche Mischung aus zynischer Machtpolitik

Strophe erleben wollen. Angenommen nun, die Birmastraße könnte auf irgendeine Weise — von Norden und Süden her — geöffnet und nach China wieder in Gang gebracht werden, so dürfte Tschungking selbst nur wenig Gewinn davon haben, denn die Ja­paner- haben mit ihrer vorbeugenden Offen­sive gegen Südchina Inzwischen Räume er­reicht, durch die eine wiedereröffnete Birma­straße läuft, wenn sie Nachschubader bis Tschungking sein soll. Die japanischen Vor­stöße sind über Kweilin hinaus nach Nord-

(Fortsetzung auf der nächsten Seite) ,

Bonomi resignier!

Von unserem Vertreter in Oberitalien

Dr. Heinz Holldack .

Bonomi ist zurückgetreten. In Abständen -von nur wenigen Tagen hatten in Rom die Christlichen Demokraten, die Sozialisten und die Kommunistische Partei Tagesordnungen zur gegenwärtigen politischen Lage veröffent­licht, die eine tiefe Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen erkennen lassen. Schließlich hatte auch die Aktionspartei in einer an Bonomi gerichteten Erklärung, fest­gestellt, daß die Untätigkeit und Schwäche der Regierung im Lande eine scharfe Unzu­friedenheit erzeugt hätten. Alle vier Parteien stellten übereinstimmend fest, daß die Regie­rung Bonomi nicht das Vertrauen der breiten Massen besitze. Daher verfüge sie über zu wenig Autorität, um sich durchsetzen zu kön­nen. Die Parteien fordern die Ausschreibung von Gemeindewahlen, denen Wahlen zu den. Provinzialvertretungen und schließlich zur konstituierenden Nationalversammlung folgen sollen. Dieser Wunsch zeigt, daß auch die antifaschistischen Parteien feüditaliens emp­finden, wie wenig die gegenwärtige Regierung dem Willen des Volkes entspricht, da sie aus einem Kompromiß zwischen der anglo-ameri* kanischen Militärverwaltung und kleinen poli­tisierenden Zirkeln hervorgegangen ist. Es braucht nicht betont zu werden, daß sich jede Partei von den Wahlen eine Stärkung der eigenen Position verspricht und ihre Forde­rung nach Wahlen daher keineswegs so un­eigennützig ist, wie ihre Propaganda es dar­stellt. '

Das Verwaltungschaos, das infolge der Im­potenz der Regierung in Süd- und Mittel­italien herrscht, schildert die liberale „Italie Liberä“ mit folgenden Worten: „An der Pe­ripherie ist von der Regierung kaum noch etwas zu merken. Die Präfekten streiten mit den nationalen Befreiungskomitees herum, und die Provinzen entwickeln sich zu selb- ■ ständigen Kleinstaaten, die nicht einmal mehl freien Warenverkehr untereinander zulassen. Die Staatseinheit muß wiederhergestellt wer­den.“ Damit wird eines der schlimmsten Übel angeprangert, die das öffentliche Leben ver­giften. Die nationalen Befreiungskomitees, in denen alle antifaschistischen Parteien vertre­ten sind, heben.den Bandenkrieg gege- die deutschen und italienischen Truppen organi­siert und geleitet. Während nun die Banden in den Gebieten und Städten, in die der Geg­ner eingerüekt ist, vom alliierten Oberbefehls­haber General Alexander aufgelöst und ent­waffnet worden sind, fahren die Befreiungs» - komitees fort, sich als lokale Verwaltungssitze zu betrachten, so daß es zwischen ihnen uncj den inzwischen von der Regierung Bonomi eingesetzten Präfekten zu ständigen Kompe­tenzkonflikten kommt. Am schärfsten hat sich dieser Verwaltungsdualismus in der Pro­vinz Florenz ausgebildet.

Trotz der wütenden Proteste der Kommu­nisten setzt General Alexander die Entwaff­nung der Banden in den von seinen Truppen besetzten Gebieten fort. Die mangelnde Un­terstützung durch die Anglo-Amerikaner hat die' Banditen, wie aus Gefangenenaussagen hervorgeht, entmutigt; der Winter treibt sie von den Bergen herunter; der Amnestieerlafl des Duce vom 28. Oktober, von dem nach den bisher vorliegenden Ziffern mehrere tausend Gebrauch gemacht haben, ermöglicht ihnen die Rückkehr zu einem geordneten Leben. Da außerdem deutsche und faschistische Ein­heiten in zahlreichen Gefechten den Banden schwere Verluste zugefügt haben, wie auch die deutschen Wehrmachtberichte gemeldet haben, beschränkt sich die Bandentätigkeit zür Zeit im wesentlichen auf Sabotageakte gegen Verkehrsanlagen und auf Einzelver­brechen gegen. Leben und Eigentum. Als be­sonders grausiges Beispiel kann die kleine bol­schewistische Bande angesehen werden, die in

Kriegshetzer Hnll Irii! ab

Amtliches Eingeständnis: Hüll hat auf den Krieg hingearbeitet

Drahtbericht unseres Vertreters ost. Stockholm, 27. Nov. Amtlich wird aus Washington gemeldet, daß der nordame­rikanische Außenminister Cordeil Hüll sein Abschiedsgesuch eingereicht und daß Präsi­dent Roosevelt es bewilligt habe. Hüll, der seit Roosevelts Amtsantritt im Jahre 1933 als Außenminister tätig ist, war in der letzten Zeit mehrfach krank und hat die letzten fünf Wochen wegen eines Halsleidens im Krankenhaus zugebracht.

In einer amtlichen Würdigung seiner Tätigkeit heißt es, er habe zu den schärfsten Gegnern des „Isolationismus“ gehört und früher als die meisten seiner Landsleute ein­gesehen, daß es in Europa einen neuen Welt­krieg geben werde. Diese vorsichtige Formu­lierung soll offenbar die Tatsache verdecken, daß er mit Roosevelt schon seit 1937 auf die­sen Weltkrieg bewußt hingearbeitet hat.

Über die Frage, wer sein Nachfolger werden Wird, gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander. Zu den schon früher in diesem Zusammenhang genannten Kandidaten Wi- nant, Stettinius und Wallace wird neuer­dings mit angeblich besonders guten Aus­sichten der Chef des Kriegsmobilisierungs­amtes, James. Byrne, genannt, Aron dem es bezeichnenderweise heißt, daß seine außen­politischen Ansichten mit denen Roosevelts völlig identisch seien.

*

Cordeil HuE, der seit Roosevelts Macht­antritt 1933 die Außenpolitik der Vereinigten

und auflackiertem Idealismus. Wahrschein­lich lag sein zweifellos sehr großer Einfluß auf den Präsidenten gerade darin, daß er in der Lage war, noch besser als dessen jüdi­sche Berater die infamste Kriegshetzerrolla mit der dick zur Schau getragenen heuchleri­schen Überzeugung zu verbinden. Die Politik des Weltkriegstreibertums entspreche haar­genau dem Willen Gottes und... den Inter­essen der Vereinigten Staaten.

Steiiinfus USA-Außenminisier

Stockholm, 27. Nov. Wie Reuter aus Washington meldet, hat Roosevelt an Stella des zurückgetretenen Außenministers Hüll den Unterstaatssekretär Stettinius zum Außenminister ernannt.

„In zwei bis drei Jahren vernlfef"

Drafe bericht unseres Vertreters

ky. Kopenhagen, 27. Nov. „Die nordameri­kanische Luftflotte wird in zwei bis drei Jah­ren veraltet sein, weil jede Einzelheit ihre» Ausrüstung ersetzt werden muß“, erklärte^ wie die schwedische Presse berichtet, General­major Oliver Echols vor einem vom USA- Repräsentantenhaus eingesetzten Ausschuß zur Untersuchung der Frage, wie nach dem Kriege das erreichte hohe Niveau der Be­waffnung aufrechterhalten werden könne. Echols führte aus, es sei unverantwortlich, eine Luftflotte mit unmoderner Ausrüstung arofrechtzuerhalten. Angesichts der Experi­mente, die zur Zeit vorgenommen würden könne niemand Voraussagen, wie die Flug­zeuge der Zukunft einmal' aussehen würden.-