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parreiarnttictie Hayeszettung
vos flm.sdlatk des Negierenden vürgermcister- der Zielen hsanfestaük vremon
M.Z1S , 1Z. Jahrgang
üev Narionalldziatisten. Vremens
flmkliches veikünstungsblatt des Neichsstakllzallers in Oldenburg unö Bremen
Mittwoch. 1?. Tlovember 194Z
kinzelpreis 15 Npf.
In 2wei lagen ^81 ?äN2er vermcktet
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n" ^^ 5 >n^""''Equarti«r.jsche Artillerie besonderen Anteil, die durch
ihr wendiges Feuer feindliche Bereitstellnn-
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«acht gibt bekannt:
Im großen Dnjeprbogen rannte der Feind südwestlich Dnjepropetrowsk und nördlich griwoi Rog erneut mit starken Kräften gegen Msere Front an. Seine Angriffe scheiterten «n, erbitterten Widerstand unserer Divisionen, die immer wieder zu entschlossenen Gegenangriffen antraten und dabei eine vorübergehend durchgebrochene feindliche Gruppe mnichteten. Allein in einem Divifionsab- schnitt wurde» 71 Panzer des Feindes abgeschossen.
In den feindlichen Brückenköpfen nordwest lich Kremcntschug und nordwestlich Tscherkassy herrschte gestern lebhafte Kampstättgkeit'.
Im Kampfraum von Shitomir wurden bei eigenen Gegenangriffen mehrere Feldstellungen der Sowjets durchbrochen, zahlreiche schwere Waffen erbeutet und eine eingeschlossene feindliche Kampfgruppe vernichtet. Starke Kegenangriffe des Feindes scheiterte». Trotz Mgiinstiger Wetterlage unterstützte die Luft- «msse durch immer wiederholte entschlossene Angriffe besonders wirkungsvoll die Kämpfe irr dort eingesetzten Verbände des Heeres «nd der Waffen-A.
Südwestlich und nordöstlich Eomel wurden neue von Schlachtsliegern und Panzern unterstützte Angriffe der Sowjets abgeschlagen oder aufgefangen.
Westlich Smolensl griff der Feind mit zahlreichen Schützendivisionen und starten Panzerkriiften weiter an. Er wurde im zusammengefaßten Abwehrfeuer aller Waffen abgewiesen und erlitt dabei hohe blutige Verluste. An dem Abwehrerfolg hat die deut-
ver Sruäsr äes 8ms Kouverneur von LusIrsUsn
ür. m. Berlin, 16. November. Der König im England hat seinen Bruder, den Herzog m Eloucester, zum Generalgouverneur von Australien ernannt. Davon war schon seit langem die Rede. Ursprünglich war der Herzog von Kent für diese Stellung in Aussicht genommen, der dann aber mit einem Flugzeug abstürzte. Wenn nun der nächste Bruder des jetzigen englischen Königs, der dritte Lohn Georgs V., in die Bresche springen mutz, ist das ein Beweis dafür, welch entscheidendes Gewicht in London darauf gelegt wird, daß auf diesen Posten ein Mitglied des loniglichen Hauses gesetzt wird. Der Herzog war erst Anfang dieses Jahres aus dem Heeresdienst entlassen worden, um seinen Bruder, König Georg VI., bei der Wahrnehmung seiner zahllosen Repräsentalions- pslichten unterstützen zu können.
Früher haben die Engländer nie daran gelacht, in die ehemalige „Verbrecherkolonie" ein so prominentes Mitglied des Hanse? Wmdsor zu entsenden. Aber die Zeiten baden sich eben geändert. Die Stimmung in Australien ist für England denkbar schlecht, «d deshalb mutz schon etwas geschehen, nim den fünften Erdteil bei der Stange des Em- dires zu halten. Die „Porkshire Post", das Lrgan Edens, machte daraus auch gar kei- «n Hehl. Sie verweist darauf, datz »ach dem Verlust von Singapur und dem Verben der englischen Flotte „das starke Ame- kila Australien in seinen schwersten Tagen >a Hilfe kam". Das hat die Folge gehabt, datz >iehr freundliche Gefühle" für die Versin'g- >m Staaten in Australien entstanden, die M« Formen annahmen, datz in London die Besorgnis aufkam, „Australien sei im Befug, zu den Amerikanern überzugehen'. Dagegen soll die Ernennung des Herzogs ^u Eloucester wirken, der in Canberra das Wettrennen der Amerikaner um die Kunst -tt Australier aufzunehmen hat. Er soll also mch sein königliches Geblüt das ersetzen, ?os England machtpolitisch zu leisten nicht su der Lage war. Er soll vor allen dafür «gen, daß Mac Arthur nicht allzu populär suüd, und er wird seine Aufgabe darin ehe», bei den Australiern Mitztrauen gegen ue Amerikaner zu säen. Allerdings, das sid natürlich Gründe, die offiziell nicht ge- 7gi werden dürfen, deshalb wird krampf- M nach einer anderen Begründung gesucht, .eine solch ungewöhnliche Ernennung iousibel erscheinen lätzt.
.Den Kommentar mu^ die „Times" geben. ^« spricht davdn, datz im nächsten Jahre das uuupigewjcht des Krieges nach dem Pazifik fstlegt werde, weshalb der australische Konsul das Sprungbrett für den Vormarsch "den pazifischen Ozean werde. Mit einer ,'hr raschen Entwicklung scheinen die Englan- nr allerdings nicht zu rechnen, denn zunächst / einmal die Amtszeit des bisherigen Ee- Nkalgouverneurs Lord Gowries um ein hal- Bahr bis in den Sommer 191-l hinein zttlangert worden. Erst dann soll der Her- '"S von Eloucester sein Amt übernehmen,
Her srslv revudUIlsnisck- lssckistisclis karteita? siöitnvt
Mailand, 16. November. In Verona fsU-d- a„i Dienstag der erste faschistisch' ttUubUkanischo Parteitag eröfsnet. Partei- x-^^..P°volini gab einen ausführlichen > 'nht über die allgemeine Lage. Die ersten 'raiungen galten der Kriegspölitik und der ü/^.^kijasiung tzoz republikanisch-faschisti-
-laates.
Bereitstellungen zerschlug und Einbrüche abriegelte. Nordwestlich Smolensk und im Raum von Newek werden heftige örtliche Kämpfe gemeldet.
Dln den letzten beiden Tagen wurden an der Ostfront 481 Sowjetpanzer vernichtet.
In den schweren Kämpfen der letzten Wochen haben sich im Kampfgebiet von Kiew die thüringische 7. Panzerdivision unter Führung von Generalmajor v. Manteufsel »nd auf der Krim die sränkisch-sudetendeut- fche S8. Infanterie-Division unter Führung von Generalleutnant Eareis besonders ausgezeichnet.
Von der füditalienUchen Front wird nutzer beiderseitiger Artillerie- und Spähtrupptä- tigkeit nur ein «rsolglofer Angriff nordauie- rikanischer Kräfte gegen eine nördlich Mig- nano gelegene Höhe gemeldet.
Auf der Insel Leros halten die Kämpfe unserer Landungskräfte mit der feindlichen Jnfelbesatzung noch an.
Küstensicherungsstreitkräft« der Kriegsmarine versenkten in der Aegäis wiederum ein feindliches Unterseeboot.
Bei Angriffen gegen deutsche Flugplätze im füdgriechifchen Raum wurden gestern 16 nord- amerikanische Bomber abgeschossen.
Britische Störflugzeuge warfen in der vergangenen Nacht einige Bomben aus West- deutschland. Bei schwacher feindlicher Fliegertätigkeit über den besetzten Westgebieten
wurden sechs vritisch-nordamerikanische Flugzeuge abgeschossen.
Ein starker Verband schwerer deutscher Kampfflugzeuge griff in der vergangenen Nacht die Hafenstadt Plymouth mit guter Wirkung an.
llret bsvMrls IruyvknMrsr srkslisn äss Licksnlsud
Aus dem Fiihrerhauptquartier, 18. November. Der Führer verlieh am 12. November das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an General der Panzertruppen Otto von K n o b e l s d o r f f, Kommandierender General eines Panzerkorps, als Z22. Soldaten, General der Artillerie Maximilian Angelis, Kommandierender General eines Armeekorps, als Z2I. Soldaten, und an General der Artillerie Erich Brandenberger, Kommandierender General eines Armeekorps als 821. Soldaten der deutsche» Wehrmacht.
llsr l.uttsilgrM gut kllfmoutk
Berlin, 16. November. Der im Wehrmachtbericht gemeldete deutsche Bombenangriff auf den südwestengllfchen Hafen Plymouth wurde von einem Verband Dornier- und Junkers- Flugzeugen in den frühen Morgenstunden des 16. November durchgeführt. Die deutschen Kampfflugzeuge durchbrachen den starken
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Veulscklsncl slelN eidein — lrotr Lombeulerror^. Iin klMelpunkt einer inaclrtvolleii XunäZebnnL von über 30 000 Volksgenossen in äer von snglo-smerikeniscken lerror- kliegern kenngesuckten Ztecit Ivlannkenn stenci eine /^nsprsoks cles keioksorgsnisstions- leiters Dr. I.e^ in äern verstörten, sltekiv/nrüigen ^Isnnkeiiner 8c1i1o6: sjn -^.ussoknitt eus cler Xnnclgednng, äie iin ^eiolien -cler nngebroctrenen Llegesruversickt stsnä.
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Sperrgürtel der britischen Flak und warfen ihre Bomben in die befohlenen Ziele. Im Gebiet der Staatswerft brachen mehrere Brände aus, deren Ausdehnung beim Abflug der Verbände beobachtet werben konnte. Ein deutsches Flugzeug kehrte von diesem Unternehmen nicht zurück.
ürilisckes Keslsnäms «näsr Mllen
H'tt6s,ungsn SINS5 Skig//rcksn ^in/Ltsrr übsr c/os /ioks 5or/o/fi/vsciu Osutscii/ciric/s
är. w. Berlin, 16. November. Betonte Unzufriedenheit kennzeichnet auch während des Krieges die soziale Lage der britischen Arbeiterschaft in ihrer ganzen Trostlosigkeit. Das reichste Land der Welt hat es nicht verstanden, in guten Jahren seinen eigenen Söhnen auch nur halbwegs befriedigende Arbeitsbedingungen zu geben. Die Lage während des Krieges hat sich zeitweilig so zugespitzt, datz die plutokratische Regierung sich veranlaßt gesehen hat, irgendetwas zur Beruhigung der Massen iju tun. Mit großer Reklame wurde seinerzeit bekanntlich der Be- veridge-Plan aufgestellt, den dann die Regierung selbst in endlosen Debatten zerreden und zum Schluß in der Versenkung verschwinden ließ.
Dieser Tage hat sich seltsamerweise der englische Minister Morisson veranlaßt gesehen, noch einmal auf den Beveridge-Pkan und sein Schicksal zurückzukommen. Er sagte, er verstehe durchaus die Sehnsucht der Arbeiter, die seit Jahren gegen Elend und Unglück kämpften, nach sozialer Sicherheit. Er verstehe es darum, datz diese Leute das Gefühl hätten, matt gieße ihnen einen Eimer eiskalten Wassers über den Kopf, als die Regierung den Beoeridge-Plan nicht annahm, sondern ihn prüfte und sich schließlich weigerte, irgendwelche Verpflichtungen einzugehn.
Um nun den britischen Arbeitern eine neue Zutuilftshofsuung vorzugaukeln, griff Morisson zu der Behauptung, die britische Regierung möchte gern ein Volk sehen, das im Frieden so vollauf beschäftigt fei wie im Kriege, dann aber aufbauende Arbeit leiste, die der eigenen „Volksgemeinschaft" und der Ration zugute komme. Klingt schon dieser Satz in seinem Begriff und seiner Formulierung merkwürdig nationalsozialistisch, io geht Morisson im folgenden noch weiter, indem er die für einen britischen Minister er-, staunliche Feststellung trifft, ein Milieu wie
das, was er eben angedeutet habe sei in Friedenszeiten nur von totalitären Ländern erreicht worden. 2n England wolle man nun das große Experiment machen, dieses Niveau in einer nichttotaLtären Gemeinichaft zu erreichen. Das allerdings, so sah sich Morrison genötigt festzustellen, würde die Anerkennung „vieler neuer Ideale und Verfahren" sowie die Beseitigung der alten bedeuten.
Es ist kaum anzunehmen, daß Morisson sich bei diesen Feststellungen so ganz wohl und in. Uebereinstimmung mit sich selbst gefühlt hat. Zuzugeben, daß in Deutschland vor dem Kriege ein hoher sozialer Stand erreicht war, den-England nur auf Kosten eines großen Experimentes, d. h. also nicht einmal sicher erreichen konnte, ist schon viel. Wenn Morisson dann von der Notwendigkeit der'Beseiti
gung gewisser Zustände in England spricht, dann ist diese Aeußerung viel zu allgemein gehalten und verschwommen, um irgendwie als ernstgemeinte, konkrete Zusage gelten zu können. Die. ganze Ausdrucksart Morissons hält sich durchaus im Rahmen der üblichen britischen Reden für den 'nteruen Gebrauch Die Massen sollen nur durch Vorgaukeln oder Ausmalung nebelhaster Luftschlösser beruhigt werden: denn damit wird Zeit gewonnen, llnd während man nach altem britischen Re zept weiterwurschtelt, wird sich schon irgendein Ausweg finden. Interessant an den ganzen Tiraden Morissons bleibt nur das eine, nämlich daß ein britischer Minister, um sei' ner Rede überhaupt den Schein der Ernst haftigkeit zu geben, sich gezwungen sieht, die sozialen Leistungen Deutschlands als mustergültig anzuerkennen.
Vornclllsge so keläpostiuimmer 08 000
-4rirsgungsn rur t.ss5tung55ts/gsfukig unserer Rüstung unc/ ^Velirkra/t
Berlin, 18. November. Die gegenwärtige Kriegführung verlangt die Konzentration aller Kräste aus die Erfüllung unserer Nüstuilgsaufgabe» und eine totale Ausrichtung ililfcres ganzen Schaffens auf den Endsieg, dessen wichtigste Voraussetzung »eben der straffe» und einheitlichen Planung und Lenkung des Bedarfs und der Produktion, der 'Arbeitswille und die höchste Lcistungs- bereitfchast aller deutschen Frauen und Männer und der sparsamste Einsatz der vorhandenen Arbeitskräfte und Konstrukteure ist.
Um die technischen »nd organisatorische» Ersahrungen der Oefscntlichkeit und die volle Ausnutzung aller wirtschaftlichen Kräfte nutzbringend der deutschen Rüstungs- wirtschast zuzuführen, hat der Rcichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Speer, der die gesamte Kriegsproduktion nunmehr
in einheitlicher Form führt und für die Betreuung, Lenkung und Durchführung der Erzeugung der gewerblichen Kriegswirtschaft verantwortlich ist, die Möglichkeit geschah se», datz jeder, der aus Grund seiner gewonnenen Erkenntnisse glaubt, wertvolle Anregungen, Verbesseruiigsvorschläge oder Wünsche auf den Gebiete» der Rüstung und Kriegsproduktion geben zu können, berechtigt und verpflichtet ist, diese Tatsachen nnter der neugeschaffenen Feldpostnummer 68 666 einzureichen. Klare und sachliche Vorschläge dienen der Leistungssteigerung unserer Rüstung und Wehrkraft unseres Volkes. Sie helfen mit, den in der Heimat durch feind liche Terrorangriffe an Hab und Gut schwer geschädigten Volksgenossen die notwendigsten Erzeugnisse für ihren dringendsten Vcdars z» schassen.
Lriteii möchten I-idsnonkonklikt loksüsieren
5 ng/onc/ MSp/kisit..? 70 t 6 stnotsn" c/si ^oti-OstLön^sr — Qcsnrsc, rvvfscksn 'Kanon unci ?o/öst,no gsspsot
Drahtbericht unserer Berliner Tchristleitung b. Berlin, 16. November. Die Fronistellun.q der britischen Diplomatie gegen b>e gaull,- stiiche Herrschaft im Libanon einerseits lind aeaen die arabischen UnabhängigkeitsbeNre- biinnen andererseits spiegelt sich ,» e,ner Flllle aus London, Kairo und Algier daliec- ler Meldungen wider, deren ozt ichenibare Widersprüche nicht ganz verdecken können, wie sehr man in London eine Ausweitung des Libanonkonfliktes aus wmiliche arabischen Länder befürchtet 2n der Absicht di^. Gaullistische Stellung >n Beirut unhaltbar
sichlttch echte Empörung für sich, aiiszunutz-r und über die von den Libanese» «streb e Unabhängigkeitserklarung des -ibanon zur britischen Annexion schrelteii zu können.
Offenbar wird ,edoch lMte London d.e Geister die es rief, nicht mehr los. N>icht nur die arabischen Stimmen werden dem Foreign Office unbequem, sondern «sich die indischen Stimmen geben zu denken, dle e'ne Para!,^ zwischen den Vorgängen ,m L^anon und dem Blutterror der Engländer in ^"dlen z h und zu verstehen geben, dasi man au, br,t. schor Seite nicht mit zweierlei Mag moicn dür e Wen» England für eine Ub-neni»-
gen der Inder und der unter britischer Kon
trolle stehenden arabischen Welt. vor allun Palästinas, zu denken.
Die britische Reaktion auf diese Stimmen ist sehr bezeichnend. Sie erstrebt eine Lokalisierung und schnelle Beilegung des Konfliktes. Die Londoner Dienstagblätter lancieren zwar weiterhin-schärfste Angriffe gegen de Gaulle, haben jedoch, ihren Ton etwas gedämpft. Reuter meint, nur im äußersten Rotsall würde England im Libanon die Verantwortung übernehmen: der Bevollmächtigte de Eanlles in Beirut, General Catroux, müsse nun handeln. Der britische Minister für. den Nahen Osten, Lasey, der nach seiner Beiruter Konferenz mit dem General Spears nach Kairo zurückgekehrt ist, habe dort von Catroux vor allem die Freilassung der verhafteten Mitglieder des Kabinetts und des Parlaments des Libanon gefordert und um Absetzung des französischen Hochkommissars Jean Kellen nachgesucht. General Catroux ist am Dienstag auf dem Luftwege von Kairo kommend in Beirut eingetroffen.
Hellen hat daraufhin die Flucht in die Oesfentlichkeit angetreten und auf einer Pressekonferenz erklärt, datz nicht er den Beschluß über die Verhaftung des Präsidenten und der Regierung des Libanon gefaßt habe, sondern datz diese Maßnahmen oom Gaul- listcn-AusschUtz in Algier getroffen und auch trotz seiner Warnung vor den zu befürchtenden Reaktionen in Beirut durchgeführt worden feien.
Nachdem der von London als Sündenbock erwählte Hellen in dieser Weise das Konzept verdorben hat, mutz sich London heute überlegen, ob es die Vorwürfe gegen de Gaulle weiter forcieren oder aber militärisch iin Libanon eingreifen will, etwa mit der Begründung, datz er den weitsichtigen Hellen vor dem Unverstand des Gaullisten-Aus- schusses schützen, müsse.
Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Meldung aus Algier, nach der der aus dem Algier-Äusschutz ausgebootete General Kiraud plötzlich in das anglo-amerikaniiche Hauptquartier gerufen wurde, um über die Libanon-Frage zu konferieren. Offensichtlich wollen die Westmnchie also Girand im Hintergrund bereithallen, um ihn in dem Augenblick einzusetzen, in dem die unangenehmen Erinnerungen an die Atlantik-Charta eine noch weitere Verschleppung der Dinge unlun- lich erscheinen lassen und vor allem die Ausbreitung des Konfliktes auf Palästina eine Lokalisierung erwünscht sein lätzt. '
Schon jetzt häufen sich Anzeichen, datz die Krise auf Syrien übergegriffen hat. Die Grenze zwischen dem Libanon und Palästina ist seit Montag gesperrt. Nur noch Militär- transporte dürfen passieren. Die britischen Militärbehörden in Beirut haben den gaullistischen Flugzeugen den Start auf libanesischen Flugplätzen unter dem Hinweis verboten, datz die englische Flak gaullistische
. (Fortsetzung auf Seit« 2j
Von xVk>-»ei- V. Tos ervslii.
Die Vorgänge im Libanon haben weltpolitischen Charakter. Es geht um mehr als um eine bloße Auseinandersetzung zwischen Kaullisten und christlichen Ärabern. Im Hintergrund tut sich erneut neben dem arabischen Freiheitskampf die latente Auseinandersetzung zwischen Engländern und Frankreich in einem Gebiet auf, das eine Nahtstelle des britischen Empires bildet.
Seit Jahrzehnten haben die britische und französische Politik im Nahen Osten in Konkurrenz gestanden. Selbst während des ersten Weltkrieges, als England und Frankreich aus Gedeih und Verderb miteinander verbunden waren, haben diese Gegensätze nicht qeruht Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg sind sie immer wieder zutage getreten. Die britische Politik zeigte mehr und mehr die Neigung, nachdem sie durch den Weltkrieg die türkische Großmacht als Gegenspieler im Vorderen Orient ausgeschaltet hatte, nun auch die Großmacht Frankreich in diesem Raum mattzusetzen. So kam es, daß die Engländer zwar in Palästina ständig eine scharfe antiarabische Politik verjoilgten und jedes Verlangen der Araber nach Unabhängigkeit in diesem Landstrich unterdrückten, daß sie aber in Syrien und im Libanon, dem französischen Mandatsgebiet, unter der Hand arabische Tendenzen, die gegen die Mandatsmacht Frankreich gerichtet waren, förderten. Umgekehrt waren auch die Franzosen-nicht müßig und erschwerten die britische Politik in Palästina, so gut es ihnen möglich war.
Im Jahre 1966 sehte eine plötzliche Wende der französischen Politik im Nahen Osten ein. In Frankreich war die Volksfront-Regierung am Ruder und wünschte ernsthaft, ausgerechnet in Syrien und Libanon zu demonstrieren, was unter Volksfrontpolitik zu verstehen sei. Es wurde ein französisch-syrischer Vertrag unterzeichnet, der nach und nach das französische Mandat aufheben sollte. Vom Libanon war damals gar keine Rede. Es zeigte auch gar kein Verlangen wie Syrien.
Drei Jahre ist um die Ratifizierung dieses Vertrages gerungen worden, aber die häufig wechselnde innerpolitische Situation in Frankreich, insbesondere jedoch der weltpolitische Wandel im Frühjahr 1939, verhinderten diese Ratifizierung. Als die britische Politik ihre Einkreisung gegen Deutschland begann und es klar war, väß Frankreich sich bedingungslos im Fahrwasser Englands befand, stellte.die britische Politik den Franzosen vor, daß sie um der gemeinsamen englisch-französischen Weltpolitik und um des gemeinsamen Kriegswillens auf ihre Herrschaft über einen weltpolitisch so bedeutsamen Raum wie Syrien und Libanon nicht durch die Aufhebung-des Mandats verzichten dürften. Paris folgte damals den Ratschlägen Londons, und der Erfolg war eine Spannung i» Syrien und Libanon, die nie beseitigt werden konnte.
Nach Frankreichs Zuiammenbruch im Sommer 1916 zeigte England seine Absichten auf Syrien und den Libanon unverhüllt. Es überfiel das französische Mandatsland, und d,e Franzosen streckten die Waffen. Das Auf- tauchen de Kaulles und die daran geknüpften englischen Hoffnungen, durch seine Eristonz ertthüiternde innerpolitiiche Rückwirkungen im sranzössichen Mutterland auszulösen, veranlaßten die britische Politik zu einer Schein- aeste. Syrien und Libanon wurden den Gaul- ' listen überlassen. Aber die britische Poliiik verfolgte auch jetzt ihre eigene Linie konsequent weiter, die auf die möglichst unbedingte Kontrolle dieses Gebietes durch Großbritannien hinausläuft
Die Engländer unterstützen daher die neuerlichen Forderungen des Libanon nach Unabhängigkeit und Ausschaltung der französischen Einflußnahme auf die innerpoliti- fchen Ereignisse in dieser kleinen, nur 860 669 Einwohner zählenden Republik. Anders als Syrien, war diele und ihr Verhältnis zu Frankreich eigentlich immer ein Paradestück der französischen Mandatspalitik gewesen. Es hat wenig ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen dem Libanon und Frankreich 'gegeben. Um so auffälliger mutzte es von An-