Ausgabe 
(17.11.1943) 318
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parreiarnttictie Hayeszettung

vos flm.sdlatk des Negierenden vürgermcister- der Zielen hsanfestaük vremon

M.Z1S , 1Z. Jahrgang

üev Narionalldziatisten. Vremens

flmkliches veikünstungsblatt des Neichsstakllzallers in Oldenburg unö Bremen

Mittwoch. 1?. Tlovember 194Z

kinzelpreis 15 Npf.

In 2wei lagen ^81 ?äN2er vermcktet

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n" ^^ 5 >n^""''Equarti«r.jsche Artillerie besonderen Anteil, die durch

ihr wendiges Feuer feindliche Bereitstellnn-

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«acht gibt bekannt:

Im großen Dnjeprbogen rannte der Feind südwestlich Dnjepropetrowsk und nördlich griwoi Rog erneut mit starken Kräften gegen Msere Front an. Seine Angriffe scheiterten «n, erbitterten Widerstand unserer Divisio­nen, die immer wieder zu entschlossenen Ge­genangriffen antraten und dabei eine vor­übergehend durchgebrochene feindliche Gruppe mnichteten. Allein in einem Divifionsab- schnitt wurde» 71 Panzer des Feindes abge­schossen.

In den feindlichen Brückenköpfen nordwest lich Kremcntschug und nordwestlich Tscherkassy herrschte gestern lebhafte Kampstättgkeit'.

Im Kampfraum von Shitomir wurden bei eigenen Gegenangriffen mehrere Feldstellun­gen der Sowjets durchbrochen, zahlreiche schwere Waffen erbeutet und eine eingeschlos­sene feindliche Kampfgruppe vernichtet. Starke Kegenangriffe des Feindes scheiterte». Trotz Mgiinstiger Wetterlage unterstützte die Luft- «msse durch immer wiederholte entschlossene Angriffe besonders wirkungsvoll die Kämpfe irr dort eingesetzten Verbände des Heeres «nd der Waffen-A.

Südwestlich und nordöstlich Eomel wurden neue von Schlachtsliegern und Panzern un­terstützte Angriffe der Sowjets abgeschlagen oder aufgefangen.

Westlich Smolensl griff der Feind mit zahlreichen Schützendivisionen und starten Panzerkriiften weiter an. Er wurde im zu­sammengefaßten Abwehrfeuer aller Waffen abgewiesen und erlitt dabei hohe blutige Verluste. An dem Abwehrerfolg hat die deut-

ver Sruäsr äes 8ms Kouverneur von LusIrsUsn

ür. m. Berlin, 16. November. Der König im England hat seinen Bruder, den Herzog m Eloucester, zum Generalgouverneur von Australien ernannt. Davon war schon seit langem die Rede. Ursprünglich war der Her­zog von Kent für diese Stellung in Aussicht genommen, der dann aber mit einem Flug­zeug abstürzte. Wenn nun der nächste Bru­der des jetzigen englischen Königs, der dritte Lohn Georgs V., in die Bresche springen mutz, ist das ein Beweis dafür, welch ent­scheidendes Gewicht in London darauf gelegt wird, daß auf diesen Posten ein Mitglied des loniglichen Hauses gesetzt wird. Der Herzog war erst Anfang dieses Jahres aus dem Heeresdienst entlassen worden, um seinen Bruder, König Georg VI., bei der Wahr­nehmung seiner zahllosen Repräsentalions- pslichten unterstützen zu können.

Früher haben die Engländer nie daran ge­lacht, in die ehemalige „Verbrecherkolonie" ein so prominentes Mitglied des Hanse? Wmdsor zu entsenden. Aber die Zeiten ba­den sich eben geändert. Die Stimmung in Australien ist für England denkbar schlecht, «d deshalb mutz schon etwas geschehen, nim den fünften Erdteil bei der Stange des Em- dires zu halten. Die „Porkshire Post", das Lrgan Edens, machte daraus auch gar kei- «n Hehl. Sie verweist darauf, datz »ach dem Verlust von Singapur und dem Ver­ben der englischen Flotte „das starke Ame- kila Australien in seinen schwersten Tagen >a Hilfe kam". Das hat die Folge gehabt, datz >iehr freundliche Gefühle" für die Versin'g- >m Staaten in Australien entstanden, die M« Formen annahmen, datz in London die Besorgnis aufkam, „Australien sei im Be­fug, zu den Amerikanern überzugehen'. Dagegen soll die Ernennung des Herzogs ^u Eloucester wirken, der in Canberra das Wettrennen der Amerikaner um die Kunst -tt Australier aufzunehmen hat. Er soll also mch sein königliches Geblüt das ersetzen, ?os England machtpolitisch zu leisten nicht su der Lage war. Er soll vor allen dafür «gen, daß Mac Arthur nicht allzu populär suüd, und er wird seine Aufgabe darin ehe», bei den Australiern Mitztrauen gegen ue Amerikaner zu säen. Allerdings, das sid natürlich Gründe, die offiziell nicht ge- 7gi werden dürfen, deshalb wird krampf- M nach einer anderen Begründung gesucht, .eine solch ungewöhnliche Ernennung iousibel erscheinen lätzt.

.Den Kommentar mu^ die „Times" geben. ^« spricht davdn, datz im nächsten Jahre das uuupigewjcht des Krieges nach dem Pazifik fstlegt werde, weshalb der australische Kon­sul das Sprungbrett für den Vormarsch "den pazifischen Ozean werde. Mit einer ,'hr raschen Entwicklung scheinen die Englan- nr allerdings nicht zu rechnen, denn zunächst / einmal die Amtszeit des bisherigen Ee- Nkalgouverneurs Lord Gowries um ein hal- Bahr bis in den Sommer 191-l hinein zttlangert worden. Erst dann soll der Her- '"S von Eloucester sein Amt übernehmen,

Her srslv revudUIlsnisck- lssckistisclis karteita? siöitnvt

Mailand, 16. November. In Verona fsU-d- a„i Dienstag der erste faschistisch' ttUubUkanischo Parteitag eröfsnet. Partei- x-^^..P°volini gab einen ausführlichen > 'nht über die allgemeine Lage. Die ersten 'raiungen galten der Kriegspölitik und der ü/^.^kijasiung tzoz republikanisch-faschisti-

-laates.

Bereitstellun­gen zerschlug und Einbrüche abriegelte. Nord­westlich Smolensk und im Raum von Newek werden heftige örtliche Kämpfe gemeldet.

Dln den letzten beiden Tagen wurden an der Ostfront 481 Sowjetpanzer vernichtet.

In den schweren Kämpfen der letzten Wochen haben sich im Kampfgebiet von Kiew die thüringische 7. Panzerdivision unter Füh­rung von Generalmajor v. Manteufsel »nd auf der Krim die sränkisch-sudetendeut- fche S8. Infanterie-Division unter Führung von Generalleutnant Eareis besonders ausgezeichnet.

Von der füditalienUchen Front wird nutzer beiderseitiger Artillerie- und Spähtrupptä- tigkeit nur ein «rsolglofer Angriff nordauie- rikanischer Kräfte gegen eine nördlich Mig- nano gelegene Höhe gemeldet.

Auf der Insel Leros halten die Kämpfe unserer Landungskräfte mit der feindlichen Jnfelbesatzung noch an.

Küstensicherungsstreitkräft« der Kriegsma­rine versenkten in der Aegäis wiederum ein feindliches Unterseeboot.

Bei Angriffen gegen deutsche Flugplätze im füdgriechifchen Raum wurden gestern 16 nord- amerikanische Bomber abgeschossen.

Britische Störflugzeuge warfen in der ver­gangenen Nacht einige Bomben aus West- deutschland. Bei schwacher feindlicher Flieger­tätigkeit über den besetzten Westgebieten

wurden sechs vritisch-nordamerikanische Flug­zeuge abgeschossen.

Ein starker Verband schwerer deutscher Kampfflugzeuge griff in der vergangenen Nacht die Hafenstadt Plymouth mit guter Wirkung an.

llret bsvMrls IruyvknMrsr srkslisn äss Licksnlsud

Aus dem Fiihrerhauptquartier, 18. November. Der Führer verlieh am 12. November das Eichenlaub zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an General der Panzertruppen Otto von K n o b e l s d o r f f, Kommandierender General eines Panzer­korps, als Z22. Soldaten, General der Artil­lerie Maximilian Angelis, Kommandie­render General eines Armeekorps, als Z2I. Soldaten, und an General der Artillerie Erich Brandenberger, Kommandieren­der General eines Armeekorps als 821. Sol­daten der deutsche» Wehrmacht.

llsr l.uttsilgrM gut kllfmoutk

Berlin, 16. November. Der im Wehrmacht­bericht gemeldete deutsche Bombenangriff auf den südwestengllfchen Hafen Plymouth wurde von einem Verband Dornier- und Junkers- Flugzeugen in den frühen Morgenstunden des 16. November durchgeführt. Die deutschen Kampfflugzeuge durchbrachen den starken

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Veulscklsncl slelN eidein — lrotr Lombeulerror^. Iin klMelpunkt einer inaclrtvolleii XunäZebnnL von über 30 000 Volksgenossen in äer von snglo-smerikeniscken lerror- kliegern kenngesuckten Ztecit Ivlannkenn stenci eine /^nsprsoks cles keioksorgsnisstions- leiters Dr. I.e^ in äern verstörten, sltekiv/nrüigen ^Isnnkeiiner 8c1i1o6: sjn -^.ussoknitt eus cler Xnnclgednng, äie iin ^eiolien -cler nngebroctrenen Llegesruversickt stsnä.

^ ' - kresse-Hokkmaiiii

Sperrgürtel der britischen Flak und warfen ihre Bomben in die befohlenen Ziele. Im Ge­biet der Staatswerft brachen mehrere Brände aus, deren Ausdehnung beim Abflug der Verbände beobachtet werben konnte. Ein deut­sches Flugzeug kehrte von diesem Unterneh­men nicht zurück.

ürilisckes Keslsnäms «näsr Mllen

H'tt6s,ungsn SINS5 Skig//rcksn ^in/Ltsrr übsr c/os /ioks 5or/o/fi/vsciu Osutscii/ciric/s

är. w. Berlin, 16. November. Betonte Un­zufriedenheit kennzeichnet auch während des Krieges die soziale Lage der britischen Ar­beiterschaft in ihrer ganzen Trostlosigkeit. Das reichste Land der Welt hat es nicht ver­standen, in guten Jahren seinen eigenen Söhnen auch nur halbwegs befriedigende Arbeitsbedingungen zu geben. Die Lage wäh­rend des Krieges hat sich zeitweilig so zu­gespitzt, datz die plutokratische Regierung sich veranlaßt gesehen hat, irgendetwas zur Be­ruhigung der Massen iju tun. Mit großer Re­klame wurde seinerzeit bekanntlich der Be- veridge-Plan aufgestellt, den dann die Re­gierung selbst in endlosen Debatten zerreden und zum Schluß in der Versenkung ver­schwinden ließ.

Dieser Tage hat sich seltsamerweise der englische Minister Morisson veranlaßt ge­sehen, noch einmal auf den Beveridge-Pkan und sein Schicksal zurückzukommen. Er sagte, er verstehe durchaus die Sehnsucht der Arbei­ter, die seit Jahren gegen Elend und Un­glück kämpften, nach sozialer Sicherheit. Er verstehe es darum, datz diese Leute das Ge­fühl hätten, matt gieße ihnen einen Eimer eiskalten Wassers über den Kopf, als die Regierung den Beoeridge-Plan nicht an­nahm, sondern ihn prüfte und sich schließ­lich weigerte, irgendwelche Verpflichtungen einzugehn.

Um nun den britischen Arbeitern eine neue Zutuilftshofsuung vorzugaukeln, griff Morisson zu der Behauptung, die britische Regierung möchte gern ein Volk sehen, das im Frieden so vollauf beschäftigt fei wie im Kriege, dann aber aufbauende Arbeit leiste, die der eigenen „Volksgemeinschaft" und der Ration zugute komme. Klingt schon dieser Satz in seinem Begriff und seiner Formu­lierung merkwürdig nationalsozialistisch, io geht Morisson im folgenden noch weiter, in­dem er die für einen britischen Minister er-, staunliche Feststellung trifft, ein Milieu wie

das, was er eben angedeutet habe sei in Friedenszeiten nur von totalitären Ländern erreicht worden. 2n England wolle man nun das große Experiment machen, dieses Niveau in einer nichttotaLtären Gemeinichaft zu er­reichen. Das allerdings, so sah sich Morri­son genötigt festzustellen, würde die Aner­kennung „vieler neuer Ideale und Verfah­ren" sowie die Beseitigung der alten be­deuten.

Es ist kaum anzunehmen, daß Morisson sich bei diesen Feststellungen so ganz wohl und in. Uebereinstimmung mit sich selbst gefühlt hat. Zuzugeben, daß in Deutschland vor dem Kriege ein hoher sozialer Stand erreicht war, den-England nur auf Kosten eines großen Experimentes, d. h. also nicht einmal sicher erreichen konnte, ist schon viel. Wenn Moris­son dann von der Notwendigkeit der'Beseiti­

gung gewisser Zustände in England spricht, dann ist diese Aeußerung viel zu allgemein gehalten und verschwommen, um irgendwie als ernstgemeinte, konkrete Zusage gelten zu können. Die. ganze Ausdrucksart Morissons hält sich durchaus im Rahmen der üblichen britischen Reden für den 'nteruen Gebrauch Die Massen sollen nur durch Vorgaukeln oder Ausmalung nebelhaster Luftschlösser beruhigt werden: denn damit wird Zeit gewonnen, llnd während man nach altem britischen Re zept weiterwurschtelt, wird sich schon irgend­ein Ausweg finden. Interessant an den gan­zen Tiraden Morissons bleibt nur das eine, nämlich daß ein britischer Minister, um sei' ner Rede überhaupt den Schein der Ernst haftigkeit zu geben, sich gezwungen sieht, die sozialen Leistungen Deutschlands als muster­gültig anzuerkennen.

Vornclllsge so keläpostiuimmer 08 000

-4rirsgungsn rur t.ss5tung55ts/gsfukig unserer Rüstung unc/ ^Velirkra/t

Berlin, 18. November. Die gegenwär­tige Kriegführung verlangt die Konzentra­tion aller Kräste aus die Erfüllung unserer Nüstuilgsaufgabe» und eine totale Ausrich­tung ililfcres ganzen Schaffens auf den End­sieg, dessen wichtigste Voraussetzung »eben der straffe» und einheitlichen Planung und Lenkung des Bedarfs und der Produktion, der 'Arbeitswille und die höchste Lcistungs- bereitfchast aller deutschen Frauen und Män­ner und der sparsamste Einsatz der vorhan­denen Arbeitskräfte und Konstrukteure ist.

Um die technischen »nd organisatorische» Ersahrungen der Oefscntlichkeit und die volle Ausnutzung aller wirtschaftlichen Kräfte nutzbringend der deutschen Rüstungs- wirtschast zuzuführen, hat der Rcichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Speer, der die gesamte Kriegsproduktion nunmehr

in einheitlicher Form führt und für die Betreuung, Lenkung und Durchführung der Erzeugung der gewerblichen Kriegswirtschaft verantwortlich ist, die Möglichkeit geschah se», datz jeder, der aus Grund seiner gewon­nenen Erkenntnisse glaubt, wertvolle An­regungen, Verbesseruiigsvorschläge oder Wünsche auf den Gebiete» der Rüstung und Kriegsproduktion geben zu können, berech­tigt und verpflichtet ist, diese Tatsachen nnter der neugeschaffenen Feldpostnummer 68 666 einzureichen. Klare und sachliche Vorschläge dienen der Leistungssteigerung unserer Rüstung und Wehrkraft unseres Volkes. Sie helfen mit, den in der Heimat durch feind liche Terrorangriffe an Hab und Gut schwer geschädigten Volksgenossen die notwendigsten Erzeugnisse für ihren dringendsten Vcdars z» schassen.

Lriteii möchten I-idsnonkonklikt loksüsieren

5 ng/onc/ MSp/kisit..? 70 t 6 stnotsn" c/si ^oti-OstLön^sr — Qcsnrsc, rvvfscksn 'Kanon unci ?o/öst,no gsspsot

Drahtbericht unserer Berliner Tchristleitung b. Berlin, 16. November. Die Fronistellun.q der britischen Diplomatie gegen b>e gaull,- stiiche Herrschaft im Libanon einerseits lind aeaen die arabischen UnabhängigkeitsbeNre- biinnen andererseits spiegelt sich ,» e,ner Flllle aus London, Kairo und Algier daliec- ler Meldungen wider, deren ozt ichenibare Widersprüche nicht ganz verdecken können, wie sehr man in London eine Ausweitung des Libanonkonfliktes aus wmiliche arabi­schen Länder befürchtet 2n der Absicht di^. Gaullistische Stellung >n Beirut unhaltbar

sichlttch echte Empörung für sich, aiiszunutz-r und über die von den Libanese» «streb e Unabhängigkeitserklarung des -ibanon zur britischen Annexion schrelteii zu können.

Offenbar wird ,edoch lMte London d.e Geister die es rief, nicht mehr los. N>icht nur die arabischen Stimmen werden dem Foreign Office unbequem, sondern «sich die indischen Stimmen geben zu denken, dle e'ne Para!,^ zwischen den Vorgängen ,m L^anon und dem Blutterror der Engländer in ^"dlen z h und zu verstehen geben, dasi man au, br,t. schor Seite nicht mit zweierlei Mag moicn dür e Wen» England für eine Ub-neni»-

gen der Inder und der unter britischer Kon

trolle stehenden arabischen Welt. vor allun Palästinas, zu denken.

Die britische Reaktion auf diese Stimmen ist sehr bezeichnend. Sie erstrebt eine Loka­lisierung und schnelle Beilegung des Kon­fliktes. Die Londoner Dienstagblätter lan­cieren zwar weiterhin-schärfste Angriffe gegen de Gaulle, haben jedoch, ihren Ton etwas gedämpft. Reuter meint, nur im äußersten Rotsall würde England im Libanon die Ver­antwortung übernehmen: der Bevollmäch­tigte de Eanlles in Beirut, General Catroux, müsse nun handeln. Der britische Minister für. den Nahen Osten, Lasey, der nach seiner Beiruter Konferenz mit dem General Spears nach Kairo zurückgekehrt ist, habe dort von Catroux vor allem die Freilassung der ver­hafteten Mitglieder des Kabinetts und des Parlaments des Libanon gefordert und um Absetzung des französischen Hochkommissars Jean Kellen nachgesucht. General Catroux ist am Dienstag auf dem Luftwege von Kairo kommend in Beirut eingetroffen.

Hellen hat daraufhin die Flucht in die Oesfentlichkeit angetreten und auf einer Pressekonferenz erklärt, datz nicht er den Be­schluß über die Verhaftung des Präsidenten und der Regierung des Libanon gefaßt habe, sondern datz diese Maßnahmen oom Gaul- listcn-AusschUtz in Algier getroffen und auch trotz seiner Warnung vor den zu befürchten­den Reaktionen in Beirut durchgeführt wor­den feien.

Nachdem der von London als Sündenbock erwählte Hellen in dieser Weise das Kon­zept verdorben hat, mutz sich London heute überlegen, ob es die Vorwürfe gegen de Gaulle weiter forcieren oder aber militärisch iin Libanon eingreifen will, etwa mit der Begründung, datz er den weitsichtigen Hellen vor dem Unverstand des Gaullisten-Aus- schusses schützen, müsse.

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Meldung aus Algier, nach der der aus dem Algier-Äusschutz ausgebootete General Kiraud plötzlich in das anglo-amerikaniiche Hauptquartier gerufen wurde, um über die Libanon-Frage zu konferieren. Offensichtlich wollen die Westmnchie also Girand im Hin­tergrund bereithallen, um ihn in dem Augen­blick einzusetzen, in dem die unangenehmen Erinnerungen an die Atlantik-Charta eine noch weitere Verschleppung der Dinge unlun- lich erscheinen lassen und vor allem die Aus­breitung des Konfliktes auf Palästina eine Lokalisierung erwünscht sein lätzt. '

Schon jetzt häufen sich Anzeichen, datz die Krise auf Syrien übergegriffen hat. Die Grenze zwischen dem Libanon und Palästina ist seit Montag gesperrt. Nur noch Militär- transporte dürfen passieren. Die britischen Militärbehörden in Beirut haben den gaul­listischen Flugzeugen den Start auf libane­sischen Flugplätzen unter dem Hinweis ver­boten, datz die englische Flak gaullistische

. (Fortsetzung auf Seit« 2j

Von xVk>-»ei- V. Tos ervslii.

Die Vorgänge im Libanon haben welt­politischen Charakter. Es geht um mehr als um eine bloße Auseinandersetzung zwischen Kaullisten und christlichen Ärabern. Im Hintergrund tut sich erneut neben dem ara­bischen Freiheitskampf die latente Ausein­andersetzung zwischen Engländern und Frank­reich in einem Gebiet auf, das eine Naht­stelle des britischen Empires bildet.

Seit Jahrzehnten haben die britische und französische Politik im Nahen Osten in Kon­kurrenz gestanden. Selbst während des ersten Weltkrieges, als England und Frankreich aus Gedeih und Verderb miteinander ver­bunden waren, haben diese Gegensätze nicht qeruht Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg sind sie immer wieder zutage getreten. Die britische Politik zeigte mehr und mehr die Neigung, nachdem sie durch den Weltkrieg die türkische Großmacht als Gegen­spieler im Vorderen Orient ausgeschaltet hatte, nun auch die Großmacht Frankreich in diesem Raum mattzusetzen. So kam es, daß die Engländer zwar in Palästina ständig eine scharfe antiarabische Politik verjoilgten und jedes Verlangen der Araber nach Un­abhängigkeit in diesem Landstrich unterdrück­ten, daß sie aber in Syrien und im Liba­non, dem französischen Mandatsgebiet, unter der Hand arabische Tendenzen, die gegen die Mandatsmacht Frankreich gerichtet waren, förderten. Umgekehrt waren auch die Fran­zosen-nicht müßig und erschwerten die bri­tische Politik in Palästina, so gut es ihnen möglich war.

Im Jahre 1966 sehte eine plötzliche Wende der französischen Politik im Nahen Osten ein. In Frankreich war die Volksfront-Regierung am Ruder und wünschte ernsthaft, ausgerech­net in Syrien und Libanon zu demonstrie­ren, was unter Volksfrontpolitik zu verstehen sei. Es wurde ein französisch-syrischer Ver­trag unterzeichnet, der nach und nach das französische Mandat aufheben sollte. Vom Libanon war damals gar keine Rede. Es zeigte auch gar kein Verlangen wie Syrien.

Drei Jahre ist um die Ratifizierung dieses Vertrages gerungen worden, aber die häufig wechselnde innerpolitische Situation in Frankreich, insbesondere jedoch der weltpoli­tische Wandel im Frühjahr 1939, verhinder­ten diese Ratifizierung. Als die britische Po­litik ihre Einkreisung gegen Deutschland be­gann und es klar war, väß Frankreich sich bedingungslos im Fahrwasser Englands be­fand, stellte.die britische Politik den Fran­zosen vor, daß sie um der gemeinsamen eng­lisch-französischen Weltpolitik und um des ge­meinsamen Kriegswillens auf ihre Herrschaft über einen weltpolitisch so bedeutsamen Raum wie Syrien und Libanon nicht durch die Aufhebung-des Mandats verzichten dürf­ten. Paris folgte damals den Ratschlägen Londons, und der Erfolg war eine Spannung i» Syrien und Libanon, die nie beseitigt werden konnte.

Nach Frankreichs Zuiammenbruch im Som­mer 1916 zeigte England seine Absichten auf Syrien und den Libanon unverhüllt. Es überfiel das französische Mandatsland, und d,e Franzosen streckten die Waffen. Das Auf- tauchen de Kaulles und die daran geknüpften englischen Hoffnungen, durch seine Eristonz ertthüiternde innerpolitiiche Rückwirkungen im sranzössichen Mutterland auszulösen, ver­anlaßten die britische Politik zu einer Schein- aeste. Syrien und Libanon wurden den Gaul- ' listen überlassen. Aber die britische Poliiik verfolgte auch jetzt ihre eigene Linie konse­quent weiter, die auf die möglichst unbedingte Kontrolle dieses Gebietes durch Großbritan­nien hinausläuft

Die Engländer unterstützen daher die neuerlichen Forderungen des Libanon nach Unabhängigkeit und Ausschaltung der fran­zösischen Einflußnahme auf die innerpoliti- fchen Ereignisse in dieser kleinen, nur 860 669 Einwohner zählenden Republik. Anders als Syrien, war diele und ihr Verhältnis zu Frankreich eigentlich immer ein Paradestück der französischen Mandatspalitik gewesen. Es hat wenig ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen dem Libanon und Frankreich 'ge­geben. Um so auffälliger mutzte es von An-